Kastenholz - Informationen

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Zur Geschichte des Ortes

Kastenholz, rumänisch Caşolt, ungarisch Hermany, liegt am rechten Ufer des Harbachs, 14 km östlich von Hermannstadt, 2 km südlich von Thalheim, 6 km nördlich von Girelsau und 6 km westlich von Harbachsdorf (Cornaţel) entfernt, etwa 425 m über dem Meeresspiegel. Das Dorf gehört zu den sogenannten Siegbächelgemeinden. Erstmals wird der kleine Ort am 25. September 1302 urkundlich erwähnt: Die Hermannstädter Stuhlversammlung stellt an diesem Tag eine Urkunde darüber aus, daß die Gemeindeglieder von Kastenholz in Eintracht Peter, Sohn des Gräfen Daniel, zu ihrem (damals katholischen) Pfarrer gewählt hätten. Der Dechant des Hermannstädter Kapitels weigerte sich zunächst, die Bestätigung vorzunehmen, da Peter noch im Knabenalter ("puerili aetate") stand. Auf Bitten der Stuhlvertreter sprach er dennoch die Bestätigung aus, ließ sich aber mit Pergament und Siegel bekräftigen, daß Forderungen dieser Art künftig nicht mehr gestellt würden. Aus der Urkunde von 1302 läßt sich herauslesen, daß Kastenholz eine freie "Königsbodengemeinde" des Hermannstädter Stuhles gewesen ist. Andererseits muß das Gräfengeschlecht von Kastenholz eine machtvolle Stellung innerhalb der Gemeinde und des Stuhles gehabt haben, denn sonst hätte es nicht eine scheinbar sinnwidrige Wahl durchsetzen können. 1339 und 1342 wird ein Gräf Daniel von Kastenholz urkundlich als Mitglied der Hermannstädter Stuhlvertretung aufgeführt, nach 1380 verschwindet der Name des Gräfengeschlechts aus den geschichtlichen Zeugnissen.

Die Kirche, in der der Neugewählte seinen Dienst versehen sollte, war der Jungfrau Maria "plebania beatae Mariae virginis") geweiht. Sie befand sich auf dem "Tuschelberg", hoch oberhalb der Gemeinde. Als wertvolles historisches Denkmal war sie bis zum Ersten Weltkrieg noch in Ruinen vorhanden, von einer Wehranlage umgeben. Der verdienstvolle rumänische Kunstgeschichtler Virgil Vatasianu hat in seinem Werk über die feudale Kunst in Rumänien eine Aufnahme des Bauwerks veröffentlicht. Man sieht auf ihr Ringmauerreste von etwa vier Metern Höhe und Reste eines massiven Turms, von dem noch das Erdgeschoß und ein Stockwerk standen.
Der Ortsname Kastenholz leitet sich vom lateinischen Kaste = Eiche und Holz = Wald und würde deutsch Eichenwald bedeuten. Kastenholz im Elsaß bedeutet Kastanienwald (siehe Walter Scheiners "Ortsnamen im mittleren Teil des südlichen Siebenbürgen", Band II, 1926/27). Weiter heißt es bei Dr. Gustav Kisch (Bistritz), es gebe ein Ober- und Niederkastenholz bei Euskirchen (Regierungsbezirk Köln), etwa 30 km südwestlich von Köln. Mit Kastanie hat Kastenholz nichts zu tun, zumal es in der Gegend auch keine Kastanienwälder gibt, wie beispielsweise in Ungarn oder Griechenland.
Eine alte Sage leitet den Ortsnamen von einer hözernen Burg ab, mit der sich die Dorfbewohner gegen die Tataren schützen wollten. Die ersten Siedler bauten eine Festung auf dem "Tuschelberg". "Af der Tuschel" ist der Eingang zu einem unterirdischen Gang zu finden, der in den einstigen Burgkeller führt, in dem sich große "Koffen" mit Wein aus alter Zeit befinden. Der dickflüssig gewordene Wein muß mit dem Messer geschnitten werden.
Auf dem "Tuschelbarch" stand einst eine Riesenburg, deren Bewohnerin, eine Riesin, "Tuschel" genannt wurde. Sie soll den Hühnen "Michel", der zu gleicher Zeit auf der Burg in Michelsberg lebte, aus Eifersucht mit einem Steinwurf getötet haben.
Die Umgebung von Kastenholz ist schon lange vor der Einwanderung der Sachsen bewohnt gewesen. Darauf deuten die sogenannten "Hünengräber" hin, die sich in einem waldigen Hügelgelände, etwa zwei Kilometer südlich von Kastenholz, befinden. Es handelt sich um etwa 300-500 Grabhügel: die Rumänen bezeichnen diesen Ort "la morminte". Das Verdienst, erstmals die Altertumsforscher auf die Grabhügel aufmerksam gemacht zu haben, gebührt dem ehemaligen Pfarrer von Girelsau, G. Schuller, der zusammen mit seinem Nachbarpfarrer Dr. D. Roth 1844 erste Grabungen daselbst vornahm. Sie förderten außer einigen stark beschädigten Graburnen mit Asche mehrere eherne, mit Widerhaken versehene Pfeilspitzen und eine eherne Münze mit dem gut erkennbaren Bild des Antonin zutage. Bei späteren Grabungen wurden Tongefäße, Urnen, Fibeln, Kohle, Asche, Knochen, Pfeilspitzen und römische Münzen gefunden. Es handelt sich offenbar um einen Friedhof aus der Zeit 100-300 nach Christi, als die Römer Herren des Landes waren. Hier waren die Toten eingeäschert und ihre Reste begraben worden. In der Nähe des Friedhofes befand sich eine Siedlung der dakischen Ureinwohner, die auch während der römischen Herrschaft ihr einfaches, traditionsgebundenes Hirtenleben fortführten.
Im 16. Jahrhundert gab es mancherlei Auseinandersetzungen mit den Bewohnern von Thalheim, 1542 wegen einer Brücke und 1545 wegen einer Wassermühle. Auch 1569 wird ein Streit zwischen Thalheim und Kastenholz erwähnt, als die Kastenholzer den gegen Thalheim gelegenen Acker ein Jahr lang brachliegen lassen, während ihre Nachbarn darauf bestanden, Roggen anzubauen und den Hattert einzuzäunen. 1591 beendete die Nationsuniversität den Streit und sprach sich zugunsten der Kastenholzer aus. 1598 führten Kastenholz und Girelsau einen Prozeß wegen Faßbinderholz.
Von den 43 Türkenüberfällen, die die Siebenbürger Sachsen überstanden haben, litten die Kastenholzer besonders stark unter denen von 1438 und 1442. Die Truppen des muntenischen Woiwoden Vlad Dracul brannten den Ort 1456 nieder, die Kurutzen plünderten ihn am 24. März 1705 aus. Im Jahr 1707 flüchteten die Dorfbewohner vor den Kurutzen nach Hermannstadt, mußten aber die Stadt auf Befehl des kommandierenden Generals wieder verlassen.
1796 vernichtete ein Hagelgewitter die Ernte (mangel an Brot und Saatgut), 1818 zerstörte eine Feuersbrunst die Häuser von neun sächsischen und einem rumänischen Wirten, das Schenkhaus und fünf Zigeunerhütten. 1868 wurde ein Teil der Gemeinde erneut vom Feuer vernichtet, gerade als viele Bauern auf den Hermannstädter Jahrmarkt waren.

Daten
von Simon Thiess


erschienen in der Siebenbürgischen Zeitung, 15. November 1998

Vollständige Literaturliste (Ortsmonografien, Belletristik etc.) anzeigen

Heimatortsgemeinschaft

In der Heimatgemeinde leben noch sechs Sachsen, alle anderen leben in ganz Deutschland verstreut. 1991 wurde die Heimatortsgemeinschaft (HOG) Kastenholz gegründet. Alle zwei Jahre findet ein Heimattreffen statt. Das Vorhaben, ein Heimatbuch zu erstellen, ist schwer zu verwirklichen. Von August 1944 bis März 1945 hausten die Russen im Pfarrhaus. Dabei wurde das Archiv vernichtet, das die Rumänen im März 1945 im Pfarrgarten verbrannten. Wir sind dennoch bemüht, ein Heimatbuch zu erstellen.

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