Marpod - Informationen

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Zur Geschichte des Ortes

erschienen in der Siebenbürgischen Zeitung, 31. Juli 1996

Ortsname, Berg und Burg
Marpod liegt im Harbachtal, auf halber Strecke zwischen Hermannstadt und Agnetheln, jeweils 32 km von beiden Städten entfernt. Den Ortsnamen Marpod benutzt man auch im Rumänischen und Ungarischen, sächsisch heißt die Gemeinde Morped. Die umliegenden Dörfer sind Leschkirch im Nordwesten, Alzen im Norden, Kirchberg im Osten, Eulenbach im Südosten, Hochfeld im Süden, Holzmengen im Südwesten, Ziegenthal im Westen; im Nordosten lag Unterden, das von den Türken vernichtet wurde. In Eulenbach (Ilimbav), Hochfeld (Fofeldea) und Ziegenthal (Tichindeal) gibt es keine Sachsen mehr: sie sind infolge zahlreicher Raubzüge vertrieben worden. Auf einem Berg, etwa einen Kilometer südlich von Marpod, ließ Graf Philip eine Burg errichten. Der Berg heißt auch heute noch Philipsburg. Von ihr aus konnte der Graf Marpod, Eulenbach und Hochfeld einsehen. Auf dem Berg führte ein etwa 3 km langer Weg im Halbkreis zur Nonnenkuppe (sächsisch "Nonnenkippchen"), wo sich ein Kloster befand. Auf halber Strecke befindet sich eine gefährliche Stelle, die "Bärenecke", gegenüber befinden sich die "Erlen". Beide Namen werden auch heute verwendet, obwohl der Wald inzwischen gerodet wurde. Um Gefahr durch den Anfall wilder Tiere zu entgehen, ließ der Graf einer Sage zufolge einen unterirdischen Gang bauen, der die Burg mit dem Kloster verband; tatsächlich soll der Stollen jedoch dem Grafen und den Nonnen als Verbindung zu ganz anderen Zwecken gedient haben.
In Marpod ließ der Graf einen von einer grünen Hecke umzäunten Garten anlegen, den "Schamgarten", sächsisch "Schommert". Die etwa 5-6 Hektar große Anlage besteht heute noch, die Überreste der Burg sollen unsere Vorfahren zum Bau des heutigen Pfarrhauses verwendet haben. Was aus dem Kloster wurde, ist uns unbekannt.
Aus dem Jahre 1349 stammt die erste urkundliche Erwähnung Marpods, bereits 1402 weist eine weitere Urkunde darauf hin, daß eine zweite Kirche auf dem Fundament eines ersten Gotteshauses erbaut wurde. Sie wurde errichtet als Marienkirche, umgeben von drei Ringmauern und vier Wehrtürmen. 1670 wurde die Kirche vergrößert. Heute stehen noch die Burg, die Kirche mit Glockenturm, eine Ringmauer und zwei östliche Wehrtürme; alles andere wurde abgetragen. Der Glockenturm wurde 1795-1798 errichtet, die Turmuhr 1799 angebracht. Die Kirchenorgel wurde 1762 von Johann Hahn gebaut und mehrfach restauriert, zuletzt 1985 von der landeskirchlichen Orgelbauwerkstatt Hermannstadt unter der Leitung von Hermann Binder. Im Ersten Weltkrieg wurden die Glocken zwecks Herstellung von Munition entfernt. 1923 schaffte sich die Kirchengemeinde neue Glocken an.
Die erste Schule Marpods wird 1488 urkundlich erwähnt und befand sich in der Burg. 1823 wurde eine zweite, heute noch existierende Schule gebaut, die seit 1908 als Rathaus genutzt wurde. Eine dritte Schule der Gemeinde wurde von 1905 bis 1908 errichtet. 1930-1932 kam noch eine staatliche Schule hinzu. Das Gemeinschaftshaus, der heutige Saal, wurde 1938-1939 gebaut.

Wirtschaft
In den ersten Jahren der Besiedlung soll eine Wassermühle auf dem Platz gestanden haben, wo heute der Viehmarkt ist. Da der Graben nicht genug Wasser führte, wurde eine neue Mühle am Harbach, im Einzugsbereich mehrerer Dörfer, gebaut. Wegen der langen Wartezeiten wurde bald auch ein Wirtshaus eingerichtet, das Tag und Nacht geöffnet war und auch von Bauern genutzt wurde, die ihre Waren nach Hermannstadt brachten.
Nach Erfindung der Dampfmaschine entschloß man sich, in Marpod eine Dampfmühle zu errichten, und zwar wegen des großen Holzverbrauchs nahe dem Wald.
Für die Ernte gab es vor dem Zweiten Weltkrieg vier Halmfruchtdreschmaschinen, davon eine in privatem und drei im Besitz von Gesellschaften. Eine der Dreschmaschinen wurde mit Dampf betrieben; die Gesellschaft entschloß sich, sie zu verkaufen und eine von einem Traktor betriebene anzuschaffen. Da der Drusch in der Scheune durchgeführt wurde, war es eine wesentliche Erleichterung, die Maschine vom Traktor und nicht von Rindern ziehen zu lassen. Einige Teilhaber der Gesellschaft wollten bei der Neuanschaffung nicht mitmachen und ließen sich lieber ihren Anteil auszahlen. Schließlich blieben 20 Teilhaber übrig, die die neue Dreschmaschine und den Traktor kauften. Die Gesellschaft funktionierte gut, die Mitgliederzahl stieg, und man richtete zusätzlich eine Milchwirtschaft im Hof ein, der von Georg Bortmes erworben wurde. Damit wurde die Firma Steinau gegründet, die sich gut bewährte, bis sie nach dem Krieg enteignet wurde.

Bevölkerung
Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Marpod 1497 Sachsen, 129 Rumänen und 42 Zigeuner. Von den Dörfern zwischen Hermannstadt und Agnetheln hatte Marpod den höchsten Anteil an deutscher Bevölkerung. Nach dem Krieg wurden 22 rumänische Familien als Kolonisten im Dorf angesiedelt. 257 Marpoder nahmen am Zweiten Weltkrieg teil, 80 kehrten nicht mehr zurück. 219 deutsche Männer und Frauen aus dem Dorf wurden in die Sowjetunion deportiert, 13 starben in Rußland, viele der Überlebenden wurden außerhalb ihres Heimatorts ansässig.
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sind die meisten Marpoder nach Deutschland ausgesiedelt. Heute leben noch 32 Sachsen im Dorf.
Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Marpod eine evangelische Kirchengemeinde, einen Pfarrer, einen Prediger, eine deutsche Schule mit sieben Klassen und dem dazugehörigen Lehrpersonal, das von der Kirche finanziert wurde. Außerdem hatte die Kirchengemeinde zwei Adjuvantenchöre, einen Kirchenchor, Frauenverein, Kindergarten und eine freiwillige Feuerwehr. Im Dorf gab es je vier Schmiede-, Wagner- und Schusterwerkstätten sowie je drei Schneidereien und Tischlereien. Maurer und Zimmerleute gab es fast in jeder dritten Familie.

Als Erinnerung an die Heimatgemeinde bleibt uns ein Lied über Marpod, das die Liebe zur Heimatgemeinde besingt:

Morped äs menj Harzgemien,
hä bän ech geboren,
em hun ech, nor em alien,
Troa af änj geschworen.

Hault et dejer, läw uch wiert,
wä ihr Älder täden.
Schafft uch hä ech iren Hierd,
Platz es für an jeden.

Wonn uch zähn er vil ewech,
mech saul nest verdreiwen.
Bäs sech schieden Leiw uch Siel,
wäll ech hä nor bleiwen.

Äus dem Grav dertif um Rech
pespern ech den Fräjnden,
Bräder, hiert, net zäht ewech,
bleiwt za Morped änjden.


von Georg Rudolf Schuster


Monografien

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