Werd - Informationen

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HOG-Informationen / Geschichte

Ortsname und Lage - Werd, rumänisch Vard, ungarisch Verd, liegt drei Kilometer südwestlich von Agnetheln, am unteren Lauf des Altbaches, eines Nebenflusses des Harbaches. Der Altbach entspringt auf Seligstädter Hattert, fließt durch Mergeln und Schönberg und mündet drei Kilometer westlich von Werd in den Harbach. Fast jedes Jahr bringt er Hochwasser, überschwemmt große Teile der Wiesen, des Ackerlandes und teilweise die Gemeinde, wodurch großer Schaden entsteht.

Die Nachbarorte von Werd sind im Norden Käbisch, im Süden Zied, Kirchberg und Alzen, im Osten Agnetheln und im Westen Bürgisch und Begendorf. Das enge Tal, das der Altbach von Osten nach Westen durchfließt, ist stellenweise weniger als ein Kilometer breit. Die Bergabhänge werden als Ackerland, Wiesen und Weiden genutzt. Der nordwestliche Abhang ist heute mit Obstbäumen bepflanzt, heißt aber noch immer Weingarten. Dieser war 1905-1910 von der Reblaus befallen und vernichtet worden.
Geschichtliches - Werd wird 1300 erstmals urkundlich erwähnt. Aus dieser Zeit stammt der älteste Teil der romanischen Marienkirche. Der päpstliche Steuersammler Rufirius de Civinio nennt die Kirche "Ecclesia sante Maria de Verd", deren Pfarrer Johannes von 1313-1317 zwölf Gulden einzahlte. Werd war immer eine freie Gemeinde des Schenker Stuhls. Es war die kleinste Ortschaft dieser Gebietskörperschaft innerhalb der sieben Stühle der alten Hermannstädter Provinz.
1469 erhält Werd für den Bau einer Brücke zehn Gulden von der Stadt und Provinz Hermannstadt. Nach einer Überschwemmung erhält Werd 1525 sieben Gulden Schadenersatz. 1555 werden die Werder Opfer eines Großbrandes und erhalten 20 Gulden als Unterstützung seitens der Sieben Stühle. Auf der ältesten Siebenbürgenkarte, die vom Kronstädter Humanisten Johannes Honterus 1532 in Basel herausgegeben wurde, wird die Ortschaft Werd erstmals kartographisch dargestellt. Im Oktober 1544 wird eine Rambulation (Begegnung) mit den Nachbargemeinden festgelegt, um die Hattertgrenzen neu festzulegen. 1594 borgt Werd der in Not geratenen Gemeinde Alzen 850 Gulden und erhält als Pfand den Hattertteil "Klein Heorell", 1634 wird der Vertrag auf weitere 40 Jahre verlängert, erst 1732 wird die Schuld beglichen und der Hattertteil zurückgegeben. 1676 wollen viele Bewohner die Gemeinde verlassen. Die Nationsuniversität befiehlt, dass die Wegziehenden nur eine Hacke und eine Axt mitnehmen dürfen.
Kirche und Kirchenburg - Die Hermannstädter Bürgermeisterrechnungen enthalten Aufzeichnungen über Unterstützungen zum Bau der Kirche 1493: 7 Gulden, 1506: 12 Gulden, 1521: 8 Gulden. 1852 wurde die Kirche erweitert und ist seither 25 Meter lang und zehn Meter breit. An der Westseite der Kirche befindet sich der massive, romanische, 42 m hohe Glockenturm. Die Kirche war von einer etwa 3 m hohen Ringmauer aus Stein und Ziegeln sowie mehreren Befestigungsturmen umgeben. Heute sind nur an der Westseite Reste der Ringmauer erhalten. Es wird berichtet, dass die kleine Burg 1660 erfolgreich gegen die Truppen von Rakoczi II. verteidigt werden konnte. Am 20. Juni 1707 wurde sie jedoch von den kaiserlichen Truppen unter Baron Tige erobert und ausgeraubt.
Ein östlicher Befestigungsturm wurde nach 1900 zu einem Schulgebäude mit einem geräumigen Klassenzimmer, einem großen Saal für Tanz und Hochzeit sowie einem Bibliothekszimmer umgebaut. Ein südwestlicher Wehrturm wurde bis 1944 als Speckturm benutzt. Jeden Sonntag Morgen um 8 Uhr wurde die mittlere Glocke geläutet, und die Bewohner holten sich den Speck für die kommende Woche ab. Verantwortlich dafür war der junge Nachbarvater.
Im Frühjahr 1950 entstand ein Riss an der Südseite des Glockenturms, die große Glocke durfte nicht mehr geläutet werden. Die umfangreichen Reparaturarbeiten wurden unter der Leitung des erfahrenen Maurermeisters Georg Schneider aus Marpod durchgeführt. Um Material für die Stepppfeiler des Glockenturmes zu gewinnen wurde der letzte Wehrturm des Glockenturms, der Speckturm, abgetragen.
Im Kirchturm hängen drei Glocken, die zweitältesten der Landeskirche. Die große Glocke trägt die Jahreszahl 1438, ist mit Majuskeln und Minuskeln verziert und mit Schnüren und Kreuz versehen. Die mittlere Glocke, die aus der gleichen Zeit stammt, und die kleine Glocke wurden im ersten Weltkrieg zur Herstellung von Munition beschlagnahmt. Wegen ihres historischen Wertes erlaubten die Behörden in Klausenburg, dass man die mittlere Glocke aus Schäßburg zurückbrachte. Die kleine Glocke wurde leider eingeschmolzen und erst 1936 ersetzt. Ein Versuch der Landeskirche, die Werder Glocken 1991 nach Deutschland zu bringen, scheiterte am Widerstand der rumänischen Bevölkerung.
Im Inneren erhebt sich über Schiff und Chor der einräumigen Saalkirche ein gleich hohes, rundes Gurtgewölbe mit sieben Lisenenpaaren. Links schleißt sich die Sakristei an. 1746 wird der aus Säulen, Ovalen und Bildern bestehende Barockaltar errichtet. Das Hauptbild ist von Carl Philippi aus Schäßburg gemalt und stellt die Kreuzigung dar. Andere Bilder zeigen Moses, Christus mit Buch und Kugel, Gott, Vater und Taube. Die Holzkanzel trägt die Widmungsinschrift von 1764. Kanzel und Schalldeckel werden 1894 renoviert.
Die Barockorgel gehört zu den ältesten Siebenbürgens. Sie besteht aus einem Manual und acht Registern. Die Blasebälge werden durch eine Ziehvorrichtung betrieben. Unter der Orgel befindet sich eine Tafel mit der Inschrift: "Hoc organum erectum est anno 1768", auf der Orgel ist dagegen zu lesen: "Anno 1771". Die Orgel wurde Ende der neunziger Jahre dieses Jahrhunderts von der evangelischen Landeskirche in die Klausenburger Gegend verkauft oder verschenkt.
Die Orgelempore samt Bruderschaftsempore sind mit Blumenmotiven bemalt. Auf der Empore befand sich eine Fahne mit der Jahreszahl 1792 und dem Bild eines Bauern in weißem Kirchpelz. Es ist uns nicht bekannt, wo sich Fahne, Altar und Kanzelbehänge derzeit befinden. Nur das Taufbecken soll sich noch in der Kirche befinden.
1972 wurde die alte Holzumzäunung des Kirchenhofes durch einen Zaun aus Betonpfeilern und Eisenstäben von ca. 70 m Länge und 1,60 m Höhe ersetzt. Die Materialkosten wurden aus Spenden von Landsleuten aus Deutschland und Österreich getragen, die Arbeiten wurden von der Nachbarschaft durchgeführt. Durch das Erdbeben von 1977 wurde das Glockenturmdach stark beschädigt, so dass mehrere Dachreiter am Turm- und Kirchendach von außen gelegt werden mussten. An dieser Arbeit beteiligten sich nur nur acht Männer und Burschen - so stark war die Gemeinde infolge der Auswanderung geschrumpft. In dieser Zeit wurde auch der Friedhof mit einem 3 mm starken, verzinkten Maschenzaun und Betonpfeilern umgeben.
Bevölkerung - In Werd lebten Sachsen, Rumänen und Zigeuner meist friedlich zusammen, jedoch bis in die 60er Jahre in gesonderten Dorfteilen. In der ältesten nachweisbaren Volkszählung von 1488 erscheint Werd mit 16 Hauswirten, 4 Hirten und 2 leer stehenden Häusern. Es war damit die kleinste Ortschaft im Schenker Stuhl. Aber die vier Hirten lassen auf einen großen Viehbestand der Gemeinde schließen. 1532 wurden in Werd 27 Wirte gezählt, was ein erheblicher Zuwachs bedeutete. 1930 lebten hier 714 Personen, davon 235 Deutsche (32,9 Prozent), 1940 waren es 739, davon 228 Deutsche (30,9%). Bei der Volkszählung 1992 gab es keine Deutsche mehr in Werd.
Bis zum zweiten Weltkrieg lebte die Bevölkerung des Ortes fast ausschließlich von Ackerbau und Viehzucht. Da der Werder Hattert zum größten Teil aus Wiesen, Weideland und Wald besteht, war der Viehbestand entsprechend groß. Drei Viehherden und eine Schweineherde gingen jeden Morgen auf die nahen Hutweiden und kamen abends zurück. Eine vierte Viehherde verbrachte den ganzen Sommer auf einer 5 Kilometer entfernten Weide. Sie wurde, ebenso wie die Schafherde, erst kurz vor Wintereinbruch ins Dorf zurückgetrieben. Obwohl die Sachen nur ein Drittel der Dorfbevölkerung ausmachten, bewirtschafteten sie über drei Viertel des Gemeindehatterts.
Gemeindeverwaltung - Oberhaupt der Gemeinde war der Richter (Hann), gefolgt vom Notar. 1920 wird der erste rumänische Richter (primar) erwähnt. Wurde ein Dieb beim Stehlen ertappt, band man ihm einen Teil der Beute auf den Rücken. Der Gendarm und Trommler führten ihn daraufhin durchs ganze Dorf. Dieser Brauch wurde bis in die vierziger Jahre beibehalten.
Gemeinschaftliche Einrichtungen - Zwei Nachbarschaften, ein Frauenverein, eine Bruderschaft und eine Schwesternschaft waren die gemeinschaftlichen Einrichtungen der Kirchengemeinde. Alle hatte ihre eigenen Statuten, an die sich zu halten hatten. Verstöße wurden mit Geldstrafen geahndet. Neben gemeinnützigen Aufgaben waren sie auch für die Brauchtumspflege verantwortlich: Johanniskrone, Urzellauf, Blasiusball, winterliche Rockenstube, Katharinenball u.v.a. Durch die Arbeit des Frauenvereins konnte die kleine Glocke 1936 ersetzt werden. Bruder- und Schwesternschaft widmeten den Gefallenen eine Marmorgedenktafel, die in der Kirche angebracht wurde. Eine zweite Gedenktafel, die an die Gefallenen des zweiten Weltkrieges erinnert, befindet sich ebenfalls in der Kirche. In der Gemeinde gab es zudem eine Feuerwehr und Blaskapelle. Die Adjuvanten spielten nicht nur bei Begräbnissen und Hochzeiten, sondern waren bis zum zweiten Weltkrieg auch in den Nachbarorten bekannt.
Schule - Wann die erste Schule in Werd ihren Betrieb aufgenommen hat, ist nicht bekannt. Man kann aber annehmen, dass es um 1600 eine Schule gegeben hat, da aus dieser Zeit Schulabgänger aus Werd in anderen Schulen auftauchen.
Persönlichkeiten - Bischof Albert Klein nannte Werd 1969 auf einer Kirchenvisitation die kleinste Gemeinde der Landeskirche und würdigte deren Leistungen und Opfer, die sie bei den Reparaturen des Glockenturmes erbracht hatte. Abschließend fügte der Bischof hinzu, dass die Gemeinde einen guten Kern habe.
Aus Werd stammt Andreas Melzer (alias Werder), von 1657-1661 Bürgermeister in Hermannstadt, wo er zuvor Stadtrichter und Stadthann gewesen war.
Der 1660 in Werd geborene Bauernsohn Merten Arz ist der Stammvater des Geschlechts Arz von Straußenburg. Die bedeutendsten Vertreter dieser Familie sind der Mühlbacher Stadtpfarrer Martin Arz (1736-1805), der Landeskirchenkurator Albert Arz von Straußenburg (1833-1903) und sein Neffe, Baron Arthur Arz von Straußenburg, Generalstabschef des k.u.k. Heeres.
Auch in diesem Jahrhundert haben Bauernsöhne aus Werd weiterführende Schulen besucht: Michael Sturm studierte in Hermannstadt und war anschließend Lehrer in Abtsdorf, Werd und Agnetheln; Georg Arz war Notar in Kirchberg (1903-1921), Werd und Zied (1922-1932); Johann Sturm studierte in Klausenburg, Berlin und München und war Obernotar in Mediasch (1909-1935), Daniel Melzer war Lehrer in Roseln (1902-1908) und Werd (1909-1933); Alfred Arz studierte in Bukarest und war Tierarzt in Misil (Kreis Buzau), Henndorf und Elisabethstadt. Rudolf Arz studierte in Hermannstadt und war Lehrer in Mergeln und Mediasch. Karl Melzer besuchte das Lehrerseminar in Hermannstadt und arbeitete nach dem Krieg als Lehrer in Traun (Oberösterreich).
Nach 1950 verließen immer mehr Jugendliche das Dorf, um Arbeit in Betrieben zu suchen oder zu studieren, so dass Bruder- und Schwesternschaft ihre Arbeit einstellten.

Aussiedlung und Neuanfang
1942 und 1943 waren der Anfang vom Ende. 37 junge Männer und Burschen wurden zum Militärdienst eingezogen, 14 davon sind gefallen oder vermisst. Von den Überlebenden sind nach dem Krieg nur sechs nach Werd zurückgekommen. Die anderen fanden eine neue Heimat im westlichen Europa, hauptsächlich in Deutschland und Österreich. Am 15. Januar 1945 wurden aus Werd 35 Frauen und Männer nach Russland verschleppt. Drei Personen sind dort verstorben, die Überlebenden kamen bis 1950 vorwiegend in den Heimatort zurück. Doch schon 1956 verließen die Ersten im Rahmen der Familienzusammenführung erneut Werd. Höhepunkt der Aussiedlung waren die 70er und 80er Jahre. Die meisten Werder haben in Ingolstadt und Umgebung eine neue Heimat gefunden. Sie versuchen die Strebsamkeit, die Treue und den Fleiß ihrer Ahnen zu beweisen und das Gemeindeleben zu pflegen.
1973 fand das erste Werder Treffen statt. Beim sechsten Werder Treffen, am 13. September 1997, wurde ein neuer Vorstand gewählt und die Leitung an die jüngere Generation weitergegeben.
In der alten Heimat bleibt uns nur noch der Friedhof, wo unsere Vorfahren im Acker ruhen, zur Pflege übrig. Beim letzten Werder Heimattreffen wurde beschlossen, dass jede Familie den jährlichen Betrag von 10 DM für die Friedhofspflege auf das Konto der Heimatgemeinde (Kontonummer 432873, Raiffeisenbank Ingolstadt, BLZ 721 608 18) überweisen möge.


von Johann Arz


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