PISA Deutschland

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Regine ( Jini )
schrieb am 06.10.2026, 21:02 Uhr
Hallo!
Bevor ich zum eigentlichen Thema komme, muß ich unbedingt etwas Gutes, Positives mitteilen;-).


1) Seit Freitag, 02.10.2026, gehört die RUB (Ruhr Universität Bochum), zusammen mit der TU Dortmund zu den Exzellenzen, also zu den besten Hochschulen Deutschlands. Sie dürfen sich nun Exzellenzverbund "Ruhr Innovation Lab" nennen.
Die Unis Köln, Bonn und Aachen sind auch exzellent. NRW führt vor Bayern!!!
An der RUB gibt es z.Zt. ca. 38.000 Studierende, davon ca. 3.800 internationale Studierende.
Wieviele Nationalitäten, Lehrende wie Lernende, sich dort aufhalten, weiß ich nicht. Aber sicherlich sprechen alle Deutsch (;-), und kommen auch sonst gut miteinander klar.
NRW ist Multi-Kulti; wer damit Probleme hat, darf nicht hier leben!


2) Am Donnerstag, 01.10.2026, starteten die ersten drei Satelliten erfolgreich in den Orbit, entwickelt und gebaut in der Sternwarte Bochum.
Ich wohne auf einem Berg, 2-3 Gehminuten vom Weitmarer Holz entfernt, also am Wildgehege mit Wildschweinen und Rotwild, und: der Sternwarte Bochum!
Ich bin total stolz auf diese Nachbarschaften;-))); natürlich partizipiere ich nicht an den Erfolgen der Uni und Satelliten-Forschungen, aber die Reputationen der Stadt haben durchaus Einfluß, national wie international.

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Die jährlichen Ergebnisse der PISA-Studien sind weniger erfreulich.
Alle Menschen, die -auf welche Weise auch immer- mit dem Schulwesen vertraut sind, wundern sich nicht darüber!

Von März 2017 bis März 2020 (dann schlossen die Schulen), war ich ehrenamtliche Lesementorin über den Verein "Mentor - Die Leselernhelfer Bochum e.V." an einer Grundschule (der Verein "Mentor - Die Leselernhelfer" wurde 2003 vom Buchhändler Otto Stender in Hannover gegründet).
Die Schule liegt nicht in einem Problemviertel.
In den drei Jahren hatte ich intensiv mit insgesamt sechs Kindern zu tun. An zwei Tagen pro Woche las ich -hintereinander- jeweils mit zwei Kindern. Zwei von ihnen wechselten irgendwann in weiterführende Schulen, sofort rückten zwei nach. Der Bedarf war enorm.

Zu den Kindern:
Zwei Mädchen, voll-deutsch;
zwei Jungen, voll-deutsch, beide haben ADHS;
ein Junge mit italienischen Eltern;
ein syrischer Junge, ganz "frisch importiert".***

Die Kinder waren/sind nicht primitiv (Peter, da muß ich Dir entschieden widersprechen), aber viele Eltern sind es, also die Erwachsenen ihres Umfeldes.
Jede Woche beobachtete ich den gleichen Ablauf: Viele Mütter und Väter standen vor der Schule, auf ihre Smartphones glotzend. Die Kinder gingen auf sie zu, wollten ihnen etwas erzählen, aber die "Tussen" und "Kerle" würdigten sie keines Blickes, sondern gingen stumm (und weiter glotzend) zu ihren Autos; und die Kinder schlurften traurig hinterher.
Jede Woche erzählten mir die Kinder von ihrem Zuhause, das war einfach nur tief-traurig.
Die Kinder sangen mir das Alphabet vor, konnten aber mit den einzelnen Buchstaben nichts anfangen, sie nicht zuordnen; und das nach einem oder anderthalb Schuljahren!
Was für ein Versagen unseres Schulsystems! Wann hat dieser Murks begonnen, vor 20 Jahren/vor 30 Jahren?
Wann hat sich diese Gleichgültigkeit und Ignoranz in die Köpfe der Verantwortlichen eingeschlichen?

Wir Mentorinnen und Mentoren hatten regelmäßigen Kontakt mit der Schulleiterin und den KlassenlehrerInnen.
Für mich war es stets eine große Freude, wenn ich eines "meiner" Kinder mit den Anderen im Schulhof spielen sah (und nicht, wie anfangs, an den Wänden entlangschleichen, möglichst unsichtbar). Wir hatten es mit den Schwächsten zu tun, mit Kindern ohne Selbstwertgefühl, teilweise vernachlässigt und zuhause nicht beachtet.
Die Klassen waren überfüllt, das Lehrpersonal überfordert.
Wenn "meine" Kinder mir das erste Mal total stolz erzählten, daß ihre Lehrerin/ihr Lehrer gesagt hätte, sie sollten weiterhin fleißig sein, dann müßten sie die Klasse nicht wiederholen (und wenn sie zum ersten Mal selbstbewußt in der Klasse "gelesen" hatten und dafür Lob erhielten), dann wußte ich, daß die schlimmste Hürde hinter uns lag.

***Der syrische Junge, damals 9 Jahre alt, lebte seit ca. 4 Monaten mit seiner Familie in Bochum. Sie kamen aus der Nähe von Homs, waren vor dem Krieg in die Türkei geflohen, und lebten dort anderthalb Jahre in einem Flüchtlingslager. Das Kind war total traumatisiert, unruhig, unkonzentriert, ein Nervenbündel! Das legte sich nach einigen Monaten. "Wir" ;-) mußten erst zusammen Deutsch sprechen lernen, dann lesen und schreiben. Monatelang verständigten wir uns mit Pantomime, zeichnen und malen. Ich fand heraus, daß er gerne sang, also lernten "wir" zusammen deutsche Kinderlieder auswendig. Das ging wirklich prima, und er machte Riesenfortschritte. Ich lernte seine Familie kennen (ich war die erste "Ungläubige", mit der der Junge allein unterwegs sein durfte), er war bei mir zu Hause...
Die Familie erhielt 2024 die deutsche Staatsbürgerschaft, der Bengel begann 2025 eine Ausbildung.
Ein weiteres syrisches Mädchen aus deren Nachbarschaft wechselte zum Gymnasium, macht bald Abitur.

In den drei Jahren als Lesementorin erhielt ich Einblick in das deutsche Schulwesen, den Schulalltag. In den anderen Bundesländern geht es kaum erfreulicher und "hoffnungsvoller" zu.
Ich weiß jetzt auch, warum so viele junge Menschen als "funktionierende Analphabeten" die Schule verlassen, und kaum eine berufliche Chance erhalten; und deren Zukunft düster aussieht.
Na, Hauptsache, sie bekommen alle paar Monate ein neues Smartphone (und ihre Eltern haben ihre Ruhe und können täglich -genau wie ihr Nachwuchs- fünf/sechs Stunden mit Smartphone-Glotzen verbringen).






lauch
schrieb am 07.10.2026, 12:36 Uhr
Hallo JINI,

Zuallererst möchte ich deiner Tätigkeit einen Riesenrespekt zollen!!! Das macht nicht jede(r) und ich könnte das ganz und gar nicht. In der Analyse kann ich dir nicht zustimmen. Sie fällt mir zu einseitig aus, du sagst ja nichts anders als: " das Handy ist schuld".

Meine Beobachtungen im Laufe der letzten 3 Jahrzehnte sehen anders aus, natürlich eher aus Bayern. Ich fange mit einer zusammenfassenden These an und liefere dazu, ein Misch-Masch an Argumenten. In Deutschland beginnt der Klassenkampf in der Grundschule. Eine ziemlich unverrückbare Zahl aus Bayern, die sich im Laufe der Zeit vielleicht leicht verändert haben dürfte: 8% der Arbeiterkinder schaffen es auf eine Uni. Über Diskriminierung im Schulwesen könnte ich dir die wildesten Geschichten, insbesondere der Aussiedler aus den 90gern erzählen. Ich kenne jemanden sehr gut: wäre es nach dem BIZ gegangen würde sie heute Arzthelferin und nicht Hochschuldozentin sein. Seit Jahrzehnten wird die Schuld , wenn man das so nennen kann, immer bei den Eltern oder Schülern, oder Migranten ( 1990 waren sie auch " kulturfremd", aber halt weiss) gesucht. Apropos Personalmangel: über 40% arbeiten Teilzeit. Unter den LehreInnen herrscht eine Art Standesdünkel. In Bayern werden Schüler in der 4.Klasse " sortiert". Über das Harakiri einiger Eltern vor der Einteilung lohnt es sich nich zu diskutieren ( Anwälte sind an der Tagesordnung) Ich glaube es wäre an der Zeit über systemische Fehler zu sprechen. ABER nich so wie hier der von einigen gepriesene TILLSCHNEIDER das machen will. ( wollte) Er ist nicht Kultusminister geworden und ich hoffe, dass seine Ideen sich NICHT durchsetzen können. Ich persönlich kann nicht kapieren wie ein hochintelligenter yMensch, dekoriert mit akademischen Meriten soviel doofes Zeug reden kann.
KI123
schrieb am 07.10.2026, 20:29 Uhr (am 07.10.2026, 20:30 Uhr geändert).
Der "Grundstein" für den Bildungsweg eines Kindes wird meistens im Elternhaus gelegt. Die ersten 10 Jahre sind wichtig. In bildungsfremden Familien wird es schwierig. Die Schule kann nicht aufholen, was in der Familie versäumt wurde. Problematisch wird es, wenn Kinder das werden müssen, was die Eltern nie geschafft haben
lauch
schrieb am 07.10.2026, 20:53 Uhr
Hallo KI123,

Dass die Eltern oft zuviel Ehrgeiz bzgl. des Werdegangs des Kindes entwickeln, merke ich am Fußballplatz. Was du mit Grundstein meinst verstehe ich vollkommen, ich bin damit aber nicht einverstanden. Es ist ein sehr Darvinistischer Ansatz, der vorhandene Strukturen zementiert. In Bayern wie ich schon sagte, einmal Arbeiter immer Arbeiter!!! Oder ich werde die Demos der besser Betuchten in Hamburg nie vergessen, dürfte auch über 15 Jahre sein, als sie gegen den zarten Versuch protestierten, SchülerInnen wenigstens bis zur 6.Klasse zusammen zu halten.
KI123
schrieb am 07.10.2026, 21:10 Uhr
Daran musste ich jetzt spontan denken , die Kategorie gibt es auch :
Ich habe gehört, ihr wollt nichts lernen
von Bertolt Brecht
Peter Otto Wolff
schrieb am 07.10.2026, 21:37 Uhr (am 07.10.2026, 21:47 Uhr geändert).
Hallo Regine, alle Hochachtung für deinen Einsatz in der Sache der Kindererziehung. Darum widerspreche ich dir ungern, muss es aber erwähnen. Die sprunghafte Verschlechterung des PISA-Rankings ab 2015 soll nicht HAUPTSÄCHLICH zusammenhängen mit der mengenmäßigen Überforderung des Systems durch Hunderttausende, meinetwegen bildungsfernen, wenn nicht primitiven Kindern? Ich habe glaubhafte Sendungen gesehen, wo ausgebildete Lehrer berichteten, dass die Kinder noch nie eine Schere gesehen hatten, denen das bei Kleinkindern übliche Finger-Rechnen völlig unbekannt war? Wie sollen solche Kinder unterrichtet werden, in "normalgroßen" Schulklassen? Da gab es Berichte von bis zu 90% solcher Kinder in der Klasse, Sprache nix, Fertigkeiten null, Eltern-Beistand null! Und...die Welle wuchs beständig, Jahr um Jahr, so schnell konnte man Lehrerinnen gar nicht ausbilden, um dann von kleinen Paschas bespuckt zu werden, gem. mitgebrachter "Tradition"? Weil du auch ADHS-Kinder erwähnt hast, die bedurften natürlich einer besonderen Fürsorge! Und das bei bis 90% sowieso Sonderlingen aller Länder? Welche Chancen hatten in so einem Dschungel "Normalos", soll es ja auch noch geben?! Irgend eine Mutti hat sich auch am Schulwesen immens versündigt! PISA ist nicht die Ursache, nur der Statistiker des Desasters.
POW
P.S. Als Insiderin weißt du gewiss, dass gem. muslimischer "Tradition" Frauen/Mütter nicht arbeiten sollen, nicht Sprache lernen, selbst wenn sie ein Jahrzehnt hier verweilen!
lauch
schrieb am 07.10.2026, 21:56 Uhr
Herr Wolff Sie wollen mal wieder Ihre verbohrte Weltanschaung durchdrücken. Ihre These ist leicht zu widerlegen. Die PISA Studien schwanken von Jahr zu Jahr mal sind sie besser mal schlechter. Ausserdem sind einige Bundesländer stets besser als andere. In Ungarn zB.wo es angeblich NULL Migranten gibt, hat in der letzten Studie auch schlechter abgeschnitten.
Peter Otto Wolff
schrieb am 07.10.2026, 22:21 Uhr
Hallo lauch, ich habe die Wahrheit nicht gepachtet, aber wenn Sie kontrovers argumentieren, bitte durch Zahlen (Reihen) ab 2015. Gewiss sind Schwankungen drin im System, auch Unterschiede zw. Bundesländern, aber eine bundesweite Tendenz zu leugnen ist kindisch! Reden wir über Fakten, nicht von mir erfunden!
POW
lauch
schrieb am 07.10.2026, 22:41 Uhr
Eine Tedenz , schwer zu sagen, wenn Ergbnisse schwanken,und keineswegs sind ausschließlich die Migranten daran schuld. Schon in den 90ger gab es Tendenzen zur Diskriminierung der Nichtdeutschen in den Schulen, das ist auch belegt zB. durch die italienischen Einwanderer. Auf Intervention eines Politikers aus Italien hat man diesbezüglich Studien gemacht, nach dem Motto: es kann doch nicht sein, dass sie in D " dümmer" sind als in Italien.

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