Was man mir erzählte

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Marius
schrieb am 14.01.2026, 14:07 Uhr
Eine Frau erzählte mir, dass sie als Aussiedlerin mit ihrer ganzen Familie und ihrer alten Mutter im Jahr 1990 aus Rumänien nach Deutschland kamen. Am Anfang wohnten sie in einem Aussiedlerdurchgangslager. Dort wurden die Akten für die Aufnahme nach Deutschland erstellt. Einige Beamte sagten ihnen, was sie alles machen müssten, und halfen ihnen dabei. Jetzt ging es um eine Wohnung. Eine Beamtin sagte, sie müssten ein Formular ausfüllen, damit sie eine Stadtwohnung bekämen, und ihre Mutter solle ein Formular fürs Altersheim ausfüllen. Daraufhin bekam die Beamtin folgende Antwort: „Bitte, bitte, sagen Sie das nicht meiner Mutter, sonst stirbt sie gleich.” Ein Altersheim war für ältere Menschen (Aussiedler) aus Osteuropa keine Alternative, das war nicht ihr Ding!
Marius
schrieb am 18.01.2026, 22:38 Uhr
Eine kurze Erzählung aus Kerz,

Der Fährmann, der mit der Fähre den Alt-Fluss überquert, lag im Gras am Flussufer und machte Pause. Da kam Honnes, betrunken, und sagte: „Ich bin gekommen, um mich zu ertrinken.” Der Fährmann sagte nichts, sondern dachte sich: „Lasst mich schauen, was er macht.” Honnes zog sich Schuhe und Hose aus, ging bis zu den Knien ins Wasser hinein, blieb dann stehen und schaute ins Nichts. Nach einer Weile kam er aus dem Wasser, sagte zum Fährmann, das Wasser sei zu kalt, zog sich an und ging.
Marius
schrieb am 22.01.2026, 16:09 Uhr
Ich habe von alten Leuten gehört,
dass sich ein junger Mann entschied, an einem Sonntag bis mittags zu mähen. Er machte sich früh am Morgen auf den Weg, kam auf die Wiese und begann mit der Arbeit. Er war allein auf der Wiese. Nach einer Weile hörte er ein Rauschen in der Luft. Etwas kam aus der Luft zu ihm und wollte ihn mitnehmen. Er wurde in die Luft gehoben. Als er wieder auf dem Boden war, lief er nach Hause. Im Dorf erzählte er den Menschen, was ihm passiert war. Zu der Zeit hatte niemand eine Antwort, man sagte ihm nur, er solle am Sonntag nicht arbeiten gehen. Seitdem ging er sonntags nicht mehr arbeiten, sondern in die Kirche. Nach Jahren sagten einige, es könnte ein Wirbelwind gewesen sein.
Marius
schrieb am 27.01.2026, 22:52 Uhr
Im Zentrum von Kerz, wo heute das Rathaus ist, war früher das Wohn- und Geschäftshaus von Moritz Lesmann, das größte Geschäft der Ortschaft. Dann hat er vor dem Zweiten Weltkrieg das Geschäft aufgegeben und ist weggezogen. Wohin, weiß niemand. Man nimmt an, er wäre nach Argentinien ausgewandert. Er wäre in Vergessenheit geraten, wenn sich nicht einige Ereignisse ereignet hätten. Der evangelische Pfarrer ging an einem Samstag zu Lesmann und lieh sich Geld von ihm. Am Montag brachte er es ihm zurück, ebenso beim zweiten Mal. Als er zum dritten Mal ging, wurde Lesmann neugierig und fragte: „Was machst du mit dem Geld? Am Samstag holst du es von mir und am Montag bringst du es zurück.”
Der Pfarrer antwortete: „Wenn ich am Sonntag predige und habe Geld in der Tasche, kann ich besser predigen.”
Marius
schrieb am 08.02.2026, 20:31 Uhr
In Kerz gab es stets mehr Männer als Frauen, sodass nicht jeder einen Lebenspartner finden konnte. Viele sind aus der Ortschaft weggegangen, um sich eine Partnerin zu suchen. Einige sind später zurückgekommen, andere nicht. Die Weltkriege lösten das Problem, indem viele Männer starben. Beim letzten Krieg sind viele im Ausland geblieben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es wieder viele Kinder in Kerz, darunter viele Jungen. Sie wurden erwachsen, sodass es in den 1980er Jahren sehr viele junge Männer gab. Es war nicht mehr für alle möglich, eine Lebenspartnerin zu finden. Man sagte: „Wenn es viele junge Männer gibt, kommt Krieg.” Wie wird sich dieses Problem lösen? Inzwischen gab es auch das Deutschland-Syndrom. Dann kam das Jahr 1990 und die Auswanderung nach Deutschland.

Alle jungen Männer zogen nach Deutschland und ließen sich im ganzen Land nieder. Es ging nur um Arbeit. Viele von ihnen fanden keinen Anschluss und blieben allein. Dann stellte sich die Frage: Soll man allein bleiben oder versuchen, eine rumänische Frau zu finden? Das haben viele gemacht. Sie reisten im Urlaub nach Rumänien, suchten sich eine Frau, heirateten und kamen mit ihr nach Deutschland. Sie haben auch Kinder, und so geht es weiter. Diese Menschen haben noch eine Verbindung zu Rumänien.

Die meisten Kerzer haben ihre Häuser nicht verkauft, sodass einige auch dort leben. So waren einige im Urlaub dort, während ihre Kinder bei der Großmutter im Nachbardorf waren. Sie kamen zu den Eltern nach Hause. Jemand fragte sie: „Wo wart ihr?” Sie antworteten: „Wir waren bei der Bunica.”
Marius
schrieb am 09.02.2026, 15:49 Uhr
Es ist eher eine neue Form der siebenbürgisch-sächsischen Identität im 21. Jahrhundert: Europäisch-transnational. Sie sind „deutsche Rumänen“ oder „rumänische Deutsche“, die eine Brücke zwischen den Ländern bilden. Das Problem des Männerüberschusses hat sich durch die Auswanderung und Heirat gelöst, aber die demografische Struktur von Kerz hat sich für immer verändert – von einer geschlossenen Gemeinschaft zu einer offen, transnationalen.
Marius
schrieb am 18.02.2026, 18:02 Uhr
In den Jahren 1920 bis 1930 wanderten viele Kerzer nach Argentinien aus, um dort Arbeit zu finden und Geld zu verdienen. Unter ihnen waren viele junge Männer. Nach einiger Zeit haben die aus der Ortschaft Kerz denn Männern, Frauen geschickt. Es sollte ein Schiff aus Europa ankommen, auf dem eine gewisse Anna kam. Sie war für Michael vorgesehen.
Jetzt kam der Tag, an dem das Schiff ankommen sollte. Michael ging zu Johann und sagte ihm: „Es kommt die Anna mit dem Schiff. Kannst du nicht gehen und sie abholen? Ich habe keine Zeit.”
Kein Problem, ich gehe. Am Tag, als das Schiff ankommen sollte, war Johann am Hafen und wartete. Das Schiff kam, die Menschen stiegen aus, unter ihnen auch Anna. Sie kannten sich ja noch aus Kerz. Johann begrüßte sie. Sie fragte: „Wo ist Michael?” Er antwortete: „Er konnte nicht kommen und hat mich geschickt, um dich abzuholen.” Anna sagte: „Ich habe mehrere Wochen gebraucht, um hierherzukommen, und er nimmt sich nicht einmal die Zeit, mich vom Schiff abzuholen. Ich möchte nicht zu ihm gehen. Wenn du willst, komme ich mit dir. Was sollte er schon sagen? Er willigte ein. Sie heirateten, bekamen Kinder und so ging das Leben in Argentinien weiter
Marius
schrieb am 05.03.2026, 21:12 Uhr
Angefangen in den 1950er Jahren hatte Kerz eine Entwicklung durchgemacht: Es wurde eine Fabrik gebaut, eine große Flachsrösterei und Flachsverarbeitung. Viele Menschen kamen von auswärts, hatten Führungspositionen oder waren Bürokräfte. Sie kamen aus Hermannstadt, Schäßburg, Ploiești und mehrere aus Bukarest. Einige sprachen auch Deutsch. Einer von ihnen kam mit seiner Mutter. Er wohnte in Miete bei den Barons, den Nachbarn meiner Großeltern. Er war Geldfälscher. Er zog einmal nach Bukarest, um sich wieder Papier für Geldscheine zu beschaffen. Am Nordbahnhof hatte ein Milizmann ihn erkannt und verfolgt. Als er einmal im Gefängnis war, hatte er versucht zu fliehen, war von einer hohen Mauer gesprungen und hatte sich den Fuß gebrochen. Seitdem hinkte er ein wenig. Der Milizmann kontrollierte sein Gepäck und fand das Papier für die Geldscheine. Danach hat ihn niemand mehr gesehen. Später fand die Miliz in einem Versteck zwei Koffer mit neuen Geldscheinen.
Marius
schrieb am 09.03.2026, 16:47 Uhr
Es war zu der Zeit, als ich im Chemiekombinat in Viktoriastadt arbeitete und täglich mit dem Bus von Kerz nach Viktoriastadt pendelte. An einem Tag sagten uns die Kollegen aus Ucea de Jos, man hätte ihnen gesagt, dass am Abend eine Regierungsdelegation aus Afrika vorbeifahren würde. Die Straße würde in dieser Zeit gesperrt und die Leute sollten die Durchfahrt nicht stören. Am nächsten Tag erzählten uns die Kollegen, dass eine Büffel die Delegation aufgehalten hätte. Am Abend ging jeder und holte sich die Büffeln von der Weide nach Hause. Die Büffeln waren gewöhnt, ruhig neben der Straße zu gehen. Die Straße wurde gesperrt, und die Delegation kam, zuerst ein Milizauto, und dann die Limousinen. Aber in diesem Moment entwischte eine der Büffel, stellte sich in die Mitte der Straße und schaute, wie die Autos kamen. Sie mussten anhalten, bis man sie von der Straße vertrieb. Die zwei Milizleute beschuldigten den Mann, dem die Büffel gehörte, er hätte es absichtlich gemacht, und gaben ihm eine Strafe. Aber auch die Milizleute wussten, dass die Vorgesetzten aus Fogarasch sie beschuldigen werden, da sie nicht gesorgt haben, dass die Durchfahrt problemlos verlaufen ist.
Marius
schrieb am 10.03.2026, 17:23 Uhr (am 10.03.2026, 17:31 Uhr geändert).
Als die Brüder in den Krieg zogen, waren sie noch Kinder. Als andere in die Sowjetunion zur Zwangsarbeit deportiert wurden, waren sie noch zu jung.Es blieben in der Ortschaft die Alten und die Kinder. Die Zeit verging, die Kleinen wurden groß. Es war eine trübe Zeit, man wusste nicht, was kommen würde, und diese Jungen sahen keine Zukunft. Man war arm. So versuchten einige junge Menschen, um zu überleben, auch Dinge zu tun, die den Behörden nicht gefielen. Sie konnten nicht mehr zu Hause wohnen, sondern lebten versteckt. Einige zogen nach Kronstadt und tauchten unter. Hans F. der Scheff, stand auf der Schwarzen Liste. Er versteckte sich im Gebirge in einer Höhle, bis eines Tages niemand mehr etwas von ihm hörte. Wo ist Hans F.? Niemand wusste es. Nach Jahren fuhr ein Kerzer nach Constanța ans Schwarze Meer. Eines Tages ging er ins Kasino, bestellte etwas zu trinken und wollte bezahlen, doch der Wirt sagte: „Alles geht auf die Rechnung, auf meinen Scheff.” „Wer ist dein Scheff? Er wird gleich kommen.” Und er kam, es war Hans F., der in Konstanza untergetaucht war. Aber sie hatten ihn doch gefunden und er kam ins Gefängnis. Aber er hatte Glück. Der Direktor des Kasinos war ein einflussreicher Mensch mit guten Beziehungen. Er setzte sich für Hans ein, sodass Hans freikam. Sie wollten, dass er dort bleibt, aber Hans wollte nach Hause. Er hatte nur noch seine Mutter, sein Vater war gestorben und seine drei Brüder waren im Krieg gefallen. Dann kam Hans nach Hause.

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