Agnetheln - Informationen

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Geschichtliches

Agnetheln, rumänisch Agnita, ungarisch Szent-agota, sächsisch Ognitheln. Der Name geht auf die heilige Agnetha zurück, die laut Sage den Ort gegründet haben soll. Er liegt 450 Meter ü.M. im Harbachtal, etwa 46 km von Schäßburg und 56 km von Hermannstadt entfernt, und gehörte früher zum Schenker Stuhl. Erste urkundliche Erwähnung 1280.


Die Kirche mit dem Hauptturm (mit Wehrgang und dicken Mauern, Glockenturm) bildete den Mittelpunkt der Kirchenburg und ist bis heute erhalten. Um Kirche und Hauptturm wurden dreifache Ringmauern mit Vorratskammern gezogen und in die innere Ringmauer vier Ecktürme eingesetzt, die bereits im 15. Jahrhundert den Handwerkszünften zur Verteidigung zugewiesen wurden. Die Türme stehen heute noch, während die Bastei und die Ringmauern im vorigen Jahrhundert abgetragen wurden und mit dem Material die neue, große Schule errichtet wurde (Einweihung: 1867, zur Zeit des Pfarrers Dr. Georg Daniel Teutsch, des späteren Bischofs).

Durch die frühe Entwicklung des Gewerbes wurde der Gemeinde 1376 das Marktrecht von König Ludwig dem Großen zugesprochen. Die Schneiderzunft war 1666 mit 42, 1845 mit 66, 1900 mit 40 Mitgliedern vertreten; die Schusterzunft zählte 85 Mitglieder im Jahre 1900. Obwohl 1872 durch ungarisches Gesetz die Gewerbefreiheit eingeführt und die Zünfte in Siebenbürgen aufgelöst wurden, hielten sich die Handwerkerzünfte in Agnetheln kraft Tradition bis zum Zweiten Weltkrieg und mit ihnen auch der alte Brauch des Urzellaufs.

An wichtigen Gebäuden sind zu nennen: Kirche und fünf Türme, alte Schule (erbaut 1850), Pfarrhaus (1844), Freibad-Schwimmschule (1867), Turnhalle (1900), Kindergarten mit Predigerhaus (1914), neues Predigerhaus, großes Gasthaus mit Saal und Gästezimmern (1854) sowie Rathaus (1885). Schon 1900 war Agnetheln Sitz eines Bezirksgerichts und des Stuhlrichteramtes. Die Gemeinde wurde vom Marktamt, bestehend aus einem gewählten Marktvorstand, zwei Notären, zwei Kommunalärzten und einem Kreistierarzt, verwaltet. Die Gemeindevertretung bestand aus 15 gewählten Mitgliedern und den 15 größten Steuerzahlern.

Die Schmalspurbahn Schäßburg-Agnetheln wurde 1898 eröffnet, 1900 wurde die Bahnlinie bis Hermannstadt verlängert. Neben zahlreichen Gewerbetreibenden gab es um 1900 die erste Agnethler Lederfabrik als AG (erbaut 1893), zwei Spiritusfabriken, ein Dampfsägewerk in Tageladen, eine Essigfabrik und eine Bank. 1926 wurde der elektrische Strom eingeführt.

Unter den überregionalen Veranstaltungen in Agnetheln seien die Hauptversammlungen des Vereins für Siebenbürgische Landeskunde, des Evangelischen Frauenvereins und des Gustav-Adolf-Vereins (23. bis 26. August 1900) sowie der siebenbürgisch-deutsche Jugendtag (29. und 30. Juni 1935) mit 8000 Teilnehmern erwähnt.


Jahr ev.-luth. gr.-orth. andere Ungarn Gesamt
1881 2305 817 43 -- 3165
1899 2621 ?? ?? ?? ??
1941 2774 1606 276 178 4834
1980 lt. rum. Quellen zur 700-Jahrfeier 14000


Im Ersten Weltkrieg fielen 50 Sachsen aus Agnetheln; sie wurden namentlich mit einem Denkmal geehrt. Im Zweiten Weltkrieg waren alle wehrfähigen Männer im Kriegseinsatz, 326 in deutschen Verbänden, 31 in der rumänischen Armee, wobei 106 gefallen oder vermißt sind. Mitte Januar 1945 wurden 268 Frauen und Männer in die Sowjetunion deportiert, wovon 16 dort oder später an Hunger und Krankheit starben. Die Zahl der evangelischen Seelen: 1.1.1988 = 1978; 1.1.1989 = 1946; 31.12.1990 = 570; 1.1.1994 = 262 und am 1.1.1995 = 231, davon etwa 75 Sachsen.


Nachkriegsjahre

Vor dem Umsturz im August 1944 zählte Agnetheln 46 Läden, 7 Gaststätten, 7 Händler, 114 Handwerksbetriebe, 8 Fabriken, 3 Mühlen, 2 Apotheken, 1 Bank, 1 Kino, mehrere landwirtschaftliche Betriebe, Kirche, Schule und 20 Vereine. Von 1945 bis 1948 wurden alle Einrichtungen bis auf die Kirche enteignet, verstaatlicht oder aufgelöst. Durch die von Staat und Partei forcierte Industrialisierung verzeichnete Agnetheln einen starken Zuzug von Arbeitskräften aus der Umgebung, darunter auch viele Sachsen.

Nachdem die Schule 1941 aus der Obhut der Kirche dem Schulamt der Volksgruppe unterstellt worden war, übernahm sie die Kirche erneut im Herbst 1944. Mit der ersten Schulreform wurde sie vier Jahre später zur Staatsschule erklärt. Die ersten sieben Klassen waren zweizügig und blieben mit ihren 14 Lehrern in ihrem Schulgebäude wie bis dahin. 1950/51 kam es durch den erwähnten Zuzug zu einem Aufschwung: Ab der 5. Klasse bestanden vier Parallelklassen mit 23 Lehrkräften. Trotz großer Schwierigkeiten wurde im Herbst 1953 eine Gymnasialstufe eingerichtet, seit 1957 gab es eine Schulkantine und ein Internat.

1969 wurde der Urzelnlauf wieder erlaubt und fand bis 1990 statt. Grigori wurde traditionsgemäß jeweils am zweiten Pfingsttag von 1970 bis 1985 als Waldfest der Blaskapelle gefeiert. Meist unter der Leitung deutscher Lehrer gab es in diesen Jahren Kultur- und Brauchtumsveranstaltungen, darunter ein Mundartdichtertreffen (1987).

Stadtpfarrer Edmund Gräser wurde 1958 zu zehn Jahren Haft verurteilt, nach 27 Monaten wurde er wegen Krankheit frühzeitig entlassen und starb drei Monate später im Alter von 64 Jahren. Weitere Stadtpfarrer waren: Christian Weiss (1951-1964), Richard Auner (1964-1987) und Mathias Stieger (1988-1993). Seither betreut Pfarrer Andreas Funk aus Schönberg die Gemeinde.


In der neuen Heimat

Die aus Krieg und Gefangenschaft entlassenen sowie die später ausgesiedelten Landsleute leben verstreut in ganz Deutschland, wobei es einige bevorzugte Orte gibt: Großsachsenheim, Traunreut, Geretsried, später verstärkt auch Heilbronn. Nach dem ersten Urzelnlauf 1965 in Großsachsenheim trafen sich immer mehr Agnethler in dieser Ortschaft, die sich 1970 mit Kleinsachsenheim zur Stadt Sachsenheim zusammenschloß. Zum ersten Agnethler Treffen (1981) kamen 800 Teilnehmer nach Sachsenheim, zum zweiten und dritten Treffen in Heilbronn jeweils 1200. Bei den Veranstaltungen wurden Ausstellungen organisiert und Festschriften herausgegeben. Horst Fabritius gab beim letzten Treffen zwei Stadtpläne heraus.

Agnethler haben sich, nicht nur in Deutschland, in allerlei Berufen und Einrichtungen als tüchtige Menschen bewährt, wir haben aber auch viele Rentner, Alte und Pflegebedürftige. Viel Freude bereitet uns die Jugend, die erfreulicherweise am Urzelntag in Sachsenheim immer zahlreicher vertreten ist. Das Freundschaftstreffen der Narrenzünfte 1995 in Sachsenheim war ein großer Erfolg, wie diese Zeitung ausführlich berichtete. In Traunreut und Geretsried haben die Agnethler auch jene eine kleine Urzelnzunft ins Leben gerufen.
erschienen in der Siebenbürgischen Zeitung, 15. August 1995

Monografien

Vollständige Literaturliste (Ortsmonografien, Belletristik etc.) anzeigen

Die HOG stellt sich vor

Die Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Agnetheln waren Hans Wächter (bis 1989) und Hans Edwin Steilner (1990), beide aus Sachsenheim. Seit 1991 steht Helga Lutsch der HOG vor und betreut zusätzlich die Redaktion des Agnethler Blatts, das 1988 von ihr initiiert wurde. Frau Lutsch hatte von 1984 bis 1990 Pakete mit Nahrungsmitteln nach Agnetheln organisiert, 1990 betreute Steilner eine größere Hilfsaktion mit drei Lkw's (Gemeinsam mit der Kreisgruppe Sachsenheim, der Stadt, evangelischen Kirchen und DRK Sachsenheim) in die Heimatgemeinde. Die HOG beteiligte sich darüber hinaus 1994 und 1995 an Hilfsaktionen des Diakonischen Werks Mönchengladbach nach Agnetheln. Die Verbindung zu Agnetheln hat immer durch Besuche und Hilfssendungen bestanden, so hatten die Agnethler in Deutschland bereits 1984 ihrer Heimatstadt ein Läutewerk im Wert von 14000 DM gespendet.

Die HOG hat aus eigener Kraft - außer den erwähnten Festschriften und Stadtkarten - eine Reihe von Schriften herausgegeben: "Der junge Rektor" von Otto Piringer, 50 Seiten, vergriffen, 1986: "Stuttenschinder (Goreschaner). Haariges vom Harbach", erzählt von Michael Fernengel, aufgeschrieben von Horst Fabritius, 1986: "Kulturhistorische Bilder" von Friedrich Rösler, evangelischer Prediger i. R. von 1920, 1000 Stück, 1991. Das Agnethler Blatt erscheint dreimal jährlich und wird durch freiwillige Spenden finanziert. Zuständig für den Versand des Heimatblattes und der Druckschriften: Ingeborg Ehrmann, Hanselmannstraße 55, D-74080 Heilbronn.


erschienen in der Siebenbürgischen Zeitung, 15. August 1995

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