Die Landler von Großau

Für die Salzkammergutler, die wegen ihres lutherischen Glaubens nach Siebenbürgen deportiert werden sollten, wird im Juni 1734 von der Wiener Regierung der Beschluß gefasst, daß sie in Großau und Neppendorf sesshaft werden sollten. Ein längerer Schriftwechsel mit verschiedenen Amtsstellen, hatte sich vorher ergeben. Auch Salzburg wurde als Ansiedlungsort in Aussicht genommen, weil man meinte, dort könnten die Salzkammergutler bei der Salzgewinnung beschäftigt werden. Glücklicherweise aber hat der Kommandierende General von Siebenbürgen, Graf Wallis, davon erfahren, sich eingeschaltet und darauf aufmerksam gemacht, daß die Deportierten in Salzburg ihre Erfahrungen aus dem Salzkammergut nicht einsetzen können, da in ihrer alten Heimat das Salz im Sudverfahren gewonnen wird, während es in Salzburg bergwerksmäßig abgebaut wird.
Hofkriegsratsakt 1734 Mai Fol.754 Brukenthalmuseum Rosenfeldsammlung.

Am 20. August 1734 kamen die ersten Deportierten aus dem Salzkammergut von Temeschburg aus, auf dem Landweg in Großau an, werden aber zu einem vorübergehenden Aufenthalt sogleich nach Heltau weitergeleitet. Von dort sind dann 168 Personen am 16. September 1734 nach Neppendorf gelenkt worden, wo sie feierlich empfangen wurden und sesshaft geworden sind. In Großau hat sich in diesem Jahr noch keine Niederlassung ergeben.
Ettinger Josef: Kurze Geschichte der ersten Einwanderung Oberösterreichischer evangelischer Glaubensbrüder nach Siebenbürgen, 1835/27.

In einem Tagebuch wird vermerkt: „Anno 1735 die 12 Octobris arrivieren in Gross-Au 93 Emigranten aus dem Ländel ob der Ens, davon einige in Neppendorf bey ihren Verwandten geblieben.“ Sie hatten die Reise über Belgrad und durch die Oltenia ,die damals ein Bestandteil der österreichischen Monarchie vorübergehend war, vollzogen und durch den Roten Turm-Pass bei Talmesch siebenbürgischen Boden betreten. Auf Kosten des Hermannstädter Magistrates wurden sie zunächst 8 Tage lang in Großau verpflegt.
Magistratssitzungsprotokoll 1735/190.

Von dem Transport aus dem Oktober 1735, mit den 93 Protestanten aus dem Salzkammergut nach Siebenbürgen abgeschoben worden waren, sind folgende in Großau sesshaft geworden: Beer Georg (1677-1755) aus Goisern- „am Kogel“ Ehepaar mit 3 Kindern Klackl Mathias (1692-) aus Gosau Einzelperson. Gromer Sebastian (1672-1758) aus Ischl/Reitersdorf, Ehepaar mit 9 Kindern;Bis 1737 waren 3 Söhne und 1 Tochter in Großau gestorben. Kogler Wolf aus Ischl/Perneg Ehepaar mit 3 Kindern.Bis 1737 waren alle bis auf einen Sohn in Großau gestorben. Krenn Georg (1686-1736) Goisern-Eisenleben Ehepaar mit 5 Kindern. Bis 1737 waren das Ehepaar, ein Sohn und eine Tochter in Großau gestorben. Lichtenecker Adam (1686- ), Goisern „am Kogel“, Ehepaar mit 5 Kindern. Ramsauer Hans aus Ischl/Reitersdorf, Ehepaar mit 4 Kindern.Bis 1737 ist der Familienvater gestorben. Reisenauer Hans (1700-....), aus Goisern/Riedeln, Ehepaar mit 2 Kindern. Schaitz Andreas (1706-....) aus Goisern „auf der Sicherheit“, Ehepaar mit 1 Kind Stieger Elias (1673-....)aus Goisern/Riedeln, Ehepaar mit 4 Kindern. Stieger Hans (1680-....) aus Goisern „am Huebmersberg“, Ehepaar mit 3 Kindern. Bis 1737 ist der Familienvater gestorben. Insgesamt 60 Köpfe.Bis 1737 waren davon 14 Personen gestorben.
Magistratsakt 1735/39.

Schon im November 1735 wurden abermals 106 Salzkammergutler nach Siebenbürgen deportiert, von denen sich folgende in Großau niedergelassen haben: Dyrnbacher Maria aus Hallstatt, Einzelperson. Engel Josef (1701-1758) aus Goisern „in der Aue“, kinderloses Ehepaar. Engelleiter Maria geb. Steckleger aus Goisern /Pichlern, Witwe mit 5 Kindern. Grieshober Georg aus Ischl/Reitersdorf, Ehepaar mit 3 Kindern. Karmen Eva aus Goisern, Einzelperson. Lichtenecker Thomas (1691-1758) aus Goisern „am Kogel“,Witwer mit 2 Kinder Riedler Mathias (1675-1736)aus Goisern/Lasern, Ehepaar mit 1 Kind bis 1737 ist der Familienvater gestorben. Zierler Mathias (1710- )aus Goisern „am Rohkogl“,Einzelperson. Insgesammt 22 Köpfe, von denen bis 1736 1 Person gestorben ist.
Magistratsakt 1735/39.

Im Dezember 1735 trifft noch ein kleiner- aus 24 Personen bestehender Transport aus dem Salzkammergut in Siebenbürgen ein. Von diesen wird die Familie Simon Klamer (1698-1736) aus Gosau, ein Ehepaar mit 3 Kindern, in Großau angesiedelt, insgesammt 5 Personen.
Magistratsakt 1735/39.

Am 10. April 1736 beschließt der Magistrat von Hermannstadt an die „Emigranten“ in Großau 11 Kübel Frucht zu verteilen.
Magistratssitzungsprotokoll 1736/270.

Es gelingt den Neusiedlern in Großau sich einzuleben und Wurzeln zu fassen.In einem Bericht vom 25. Oktober 1736 kann daher der Magistrat von Hermannstadt an das siebenbürgische Generalkommando schreiben: „Dass nachdem ihnen Hof-plätze und andere Grundstücke im hiesigen Stuhl, namentlich in Neppendorf und Großau gegeben worden, sich wohl verbauen und ihre Bauer-Wirtschaften nach und nach anfangen auch übrigens stille seyn und sich von ihnen unseres Wissens keiner auss dem Lande gezogen haben“.
Magistratssitzungsprot. 1736/48

Die Salzkammergutler hatten Hofstellen erhalten, teilweise auch solche mit verfallenen Häusern, auf deren Grundmauern nun neue Wohnhäuser errichtet wurden. Die Hofstellen waren über das ganze Dorf Großau verteilt, so daß kein Dorfteil entstand , der nur von Landlern bewohnt war. ...Ebendort...

Am 11. November 1757 wird in „Wildestein“ eine Liste zusammengestellt, aus der sich ergibt, daß wieder ein Deportiertentransport aus dem Salzkammergut für Siebenbürgen zusammengestellt wird. Die Überschrift dieses Aktes lautet: „Specification derer aus dem Ober-österreichischen kayserlichen Salz-Camer gut Hallstätter und Goyserer Pfarr in einer Siebener Zühlen auf dem Wasser unt-stehenden dato abfahrenden und ins Fürstenthum Siebenbürgen angewiesen werden unkatholischen Insassen und Arbeitern. Begleitungs-Commissari Herr Franz Anderer Koßlern Kayl. Salz Ober Amtes Registraturs Cancellist in Gmunden“. Es werden 14 Ehepaare, 4 Witwen, 61 Kinder und 4 ledige Männer zusammengetrieben, insgesamt 97 Köpfe. Von diesen Deportierten lassen sich in Großau nieder: Liebhart Josef (geb.1714) aus Goisern /Pichlern, „ansäßig am Rehkogel“,ledig. Liebhart Mathias (geb.1691) aus Goisern „ansäßig in Pichlern“,Ehep.mit 8 Kind. Eder Josef (geb.1701) aus Gosau, Ehepaar mit 1 Kind. Vogelhuber Andreas (geb.1693) aus Goisern „unterm Joch“,Ehepaar mit 6 Kindern. Insgesammt 22 Köpfe.
Magistratsakt 1737/145.

In seiner Sitzung vom 4. Februar 1738 erwähnt der Hermannstädter Magistrat daß in Großau 90 „Emigranten“ angkommen sind. Da darunter viele Arme sind, wird beschlossen diesen aus dem städtischen Magazin 20 Kübel Frucht zukommen zu lassen. Es handelt sich um die am 11. November 1737 verzeichneten Deportierten aus dem Salzkammergut.
Magistratsitzprot.1738/526

Sie sind also mitten im Winter deportiert worden. Nachweisbar aber sind nur 22 Personen in Großau geblieben. Die übrigen müssen ziemlich bald weitergezogen sein. 1735-1738 sind also insgesamt 109 Personen in Großau sesshaft geworden. In der Zeit der theresianischen Deportation wird Großau mit Neusiedlern reichlich bedacht als bei den ersten Deportationen unter Karl VI. In der theresianischen Zeit lassen sich 275 Personen nachweisen, die sich in Großau ansiedelten, worunter auch solche waren, die später den Wohnort wechselten. Sie waren alle Oberösterreicher. Mit dem Transport vom 10. September 1752 kamen 9 Personen nach Großau und zwar Ganslmayer Urban mit 4 Personen und Obermayer Wolf mit 5 Personen. Für die Geschichte der Zuwanderungen nach Großau hat das Jahr 1753 die größte Bedeutung. Die Mehrheit der hier sich Ansiedelnden ist mit einem Transport vom 21. April 1753 angekommen, der aus 162 Personen bestand. Von diesen sind 122 Personen - also die Mehrheit - nach Großau gelenkt worden. Unter Angabe der Kopfzahl sind dieses folgende Familien gewesen: Ebner Barbara (5); Feisthuber Paul (5); Felleuthner Mathias (9); Föttinger Wolf (2); Gandlmayer Maria Rosina (7) -heute Gadelmayer; Gassenbauer Johann Georg (6); Gräfinger Daniel (6); Gräfinger Mathias (2); Gastätter Simon (2); Harreither Balthasar (1); Hüttmayer Wolf (2); Hufnagel Johann (10); Jedlinger Abraham (8); Kastenhuber Paul (5); Nußbaumer Hans (2); Parzer Mathias (1); Riedler Sim (4); Rohrsdorfer Wolf (3); Samer Martin (7); Schachenreiter Elias (2); Schaumburger Wolf (4); Schuster Rosina (1); Schuster Simon (1); Spitzbarth Simon (1); Stadthuber Andreas (2); Stix Wolf (8); Stoiber Martin (5); Stoiber Mathias (5); Stoiber Philipp (4); Willinger Simon (2); Mit dem Transport vom 21. Mai 1753 kamen noch 12 Personen nach Großau und zwar: Gräfinger Colman (4) und Holzinger Sim (8). Als Einzelperson kam nach Großau von einem Transport vom 21. September 1753 Rohrsdorfer Maria (1). Buchinger E., Die Landler aus Siebenbürgen 1980.

Mit dem Transport vom 30. Juni 1754 kamen 12 Personen nach Großau und zwar: Mittelmayer Balthasar (2); Stürzlinger Phil (4); Wimmer Jakob (6). Am 18. August 1754 ging ein Transport ab, von den 19 Personen nach Großau kamen: Auringer Eva (2); Auringer Sebastian (7); Auringer Wolfgang (9); Hochreiterin Rosina (1); Die Mehrheit der Familiennamen, die durch theresianische Deportierte nach Großau gebracht wurden, ist seither verschwunden. Die theresianische Deportation hatte demnach folgendes Ergebnis: 10. September 1752 ......9 Personen; 21. April 1753...122 Personen; 21. Mai 1753....12 Personen; 21. September 1753...1 Person; 30. Juni 1754...12 Personen; 18. Juni 1754 ..19 Personen; das sind 275 Personen. Dazu die Deportierten aus der Zeit Karl VI. und zwar 109 Personen, also insgesamt 384 Personen. Am 6. April 1759 wird in der Sitzung des Hermannstädter Magistrates über die „Emigranten“ von Großau gesprochen. Es wird festgestellt, daß aus Großau einige Transmigranten entwichen seien. Es wird beschlossen diese gewaltsam zurückzubringen. Es wird weiter beschlossen dem Ortsamt von Großau mitzuteilen, daß dieses nicht berechtigt ist die Transmigranten aus Großau wegziehen zu lassen, ohne daß dieses der Magistrat weiß. Transmigranteninspektor Petrus von Hannenheim verlangt, man möge in Großau zu den „Emigrantenhöfen“ die nötigen Grunstücke zuweisen.
Magistralsitzungsprotokoll 1759/76.

Mundart, Stammesbewußtsein und teilweise auch Tracht der „Landler“ haben sich in Großau erhalten.

Zusammengestellt den 2. September 1983 von Dr. Helmut Klima

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