Jakobsdorf bei Agnetheln - Informationen

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Monografien

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HOG-Informationen / Geschichte

erschienen in der Siebenbürgischen Zeitung, 15. April 1996

Jakobsdorf, im Dorfdialekt Giukesdref, ungarisch Jakabfalva, von den Rumänen Jakeschdorf und nach 1920 amtlich Iacobeni/Ardeal geannt, wird 1309 erstmals urkundlich erwähnt: "Nicolaus decanus de Kozd, plebanus de villa Jakobi" vertritt das Kozder Kapitel im großen Prozeß mehrerer sächsischer Dekanate gegen das Weißenburger Kapitel. Da Nicolaus Dechant der Schenker Surrogatie des Kozder Gesamtkapitels ist und einige seiner sieben Ortschaften bereits 1206 erwähnt werden, ist anzunehmen, daß Jakobsdorf mindestens ein Jahrhundert vor seiner Erwähnung gegründet wurde.

Kaufurkunden und Prozeßakten bleiben für die nächsten drei Jahrhunderte fast die einzigen Nachrichtenquellen. 1336 beklagen sich zwei Adlige des Hauses Apafi, Grundherren in Malmkrog und Neudorf, über "Henning de villa Jakobi", mit dem sie prozessieren, daß dieser nicht die gerichtliche Entscheidung des Streites abgewartet habe. Mit seinen "Komplizen" - es waren nicht nur Jakobsdorfer - habe Henning durch Überfälle auf die beiden Orte seiner Gegner einen Schaden von 60 Mark Silber verursacht. Bei Henning scheint es sich um einen Grafen zu handeln. In einer Urkunde von 1374 wird ein Fischteich der Gräfen von Jakobsdorf und Schönberg erwähnt - danach verschwinden die Gräfen aus der Ortsgeschichte.
1473 legt man ohne Schwierigkeiten die Hattertgrenzen zu Neithausen fest, mit dem Jakobsdorf nach Untergang der Ortschaft Michelsdorf benachbart ist. Anders mit Schönberg: Zwischen 1547 und 1636 gibt es wiederholt Grenzbegehungen durch Kommissionen der Sieben Stühle und mehrere Verhandlungen vor der Nationsuniversität. 1583 fordert der Woiwode Sigismund Bathory einen Bericht über den Stand des Streites an, 1628 sieht sich Fürst Gabriel Bethlen zum Eingreifen genötigt, 1636 lassen sich die Jakobsdorfer das (für sie ungünstige) Urteil der Nationsuniversität vom Fürsten Georg Rakoczy I. bestätigen. Der Hattertstreit ist - wohl auch weil der Jakobsdorfer Hann Petrus Orendt dabei ums Leben kommt - bis zum heutigen Tage nicht vergessen. Die zahlreichen Dokumente des Streites gewähren nicht nur Einblick in das damals geltende Recht, sondern sie enthalten auch eine Reihe von Flur- und Familiennamen, die ein umfassendes Bild der Zu- und Abwanderung jener Jahre ergeben. Friedrich Teutsch nutzte die erwähnten Schriften für seine "Beiträge zur alten Geschichte des Schenker Stuhls und der Markgenossenschaften im Sachsenland".
Jakobsdorf gehörte verwaltungsmäßig zum Schenker Stuhl. 1488, bei der ältesten, uns erhalten gebliebenen Volkszählung, war es nach Agnetheln (187 Wirte) die zweitgrößte Ortschaft des Stuhls mit 75 Wirten, 3 Armen, 1 Mühle, 1 Schule und 4 "wüsten" Höfe. Jakobsdorf behauptet diesen zweiten Platz auch bei der Volkszählung von 1532 mit 81 Wirten. Ein Jahrhundert später wird eine ganze Weinberghalde aufgegeben, wahrscheinlich aus Mangel an Arbeitskräften. Dann nimmt die Bevölkerungszahl wieder zu: 1742, 1771, 1784 und 1805 müssen die Emporen der Kirche erweitert werden. Ohne ersichtlichen Grund wächst die Bewohnerzahl im 19. Jahrhundert langsamer, so daß gegen Ende desselben die sächsischen Familien im Schnitt nur drei bis vier Personen zählen. Das ändert sich nach der Jahrhundertwende. 1940 erreicht Jakobsdorf mit 800 sächsischen Bewohnern den Höchststand, und erholt sich etwas bezüglich des sächsischen Anteils an der Gesamtbevölkerung des Dorfes: 63 Prozent. 1783 lag der Anteil bei 72%, 1857 waren es 59,7 und 1899 61,9% (das dem Grundstein des Schulgebäudes beigelegtes Dokument gibt 661 Sachsen sowie 407 "Rumänen und Zigeuner" an). Genauer sind die Zahlen der Grundsteinurkunde, die 1936 beim Saalbau hinterlegt wurde: 783 Sachsen, 176 Rumänen, 11 Ungarn und 269 Zigeuner.
Nach dem Krieg fehlten der Dorfgemeinschaft 74 im besten Alter gefallene, in der Sowjetunion verstorbene oder im Westen verbliebenen Mitglieder. Hinzu kommt - als Folge der Enteignung von der nur sieben Sachsen verschont bleiben, die Abwanderung in andere Ortschaften Siebenbürgens sowie, seit Ende der 60er Jahre, die Auswanderung nach Deutschland. Am 31. Dezember 1989 lebten in Jakobsdorf 283 Sachsen, heute sind es noch ein Dutzend.
Die in einem der schönsten Seitentäler des Harbachs gelegene Ortschaft ist eines der wenigen Angerdörfer Siebenbürgens. Zwei namenlose Bäche, die vor der im 19. Jahrhundert durchgeführten Begradigung weiter abwärts zusammenflossen, drängten die beiden ältesten Dorfzeilen 100 Meter weit auseinander und es entstand ein über zwei Hektar großer Anger. Blickfang aber ist die aus Kirchenburg, Schule, Pfarrhaus und Gemeindesaal bestehende und von allen Seiten sichtbare Gebäudegruppe. Die Kirchenburg ist gut erhalten, lediglich einer der sieben Türme wurde abgetragen, zwei weitere wurden umgebaut und ein Teil der Zwingermauer mußte dem Schulgebäude weichen. Aus der Kirche, in der die 1802 von Samuel Maetz gebaute Orgel auf der Chorempore steht, wurde vor einem Jahr das Altarbild gestohlen. Das 1843 gebaute Pfarrhaus bezeichnete Bischof Georg Daniel Teutsch als "lichtvolle Anlage", die anderen Pfarrhöfen Vorbild gewesen sei. Das Schulgebäude wurde 1904 eingeweiht, der Gemeindesaal im Januar 1938, in einer Zeit politischen Zwistes, als letzte Gemeinschaftsleistung der Jakobsdorfer Sachsen.

Jakobsdorfer heute in Deutschland
Durch Privatinitiative trafen sich die Jakobsdorfer 1981 und 1985 in Berg bei Ravensburg. Beim dritten Treffen in Weingarten gründete sie ihre HOG als nichteingetragener Verein, in der Annahme, daß alle Jakobsdorfer Frauen und Männer aufgrund ihrer gemeinsamen Herkunft und Heimat dazu gehören. Die große Teilnehmerzahl von 400 bis 500 Personen bei den folgenden Zusammenkünften, 1991 in Thanning bei Geretsried, 1993 und 1995 in Oberzell bei Ravensburg, bestätigen vollauf diese unsere Einstellung. Besonders beeindruckend ist die große Zahl der Teilnehmer bei Begräbnissen, wo manchmal über 200 Trauergäste aus ganz Deutschland dabei sind und damit ihre Anteilnahme sowie Zusammengehörigkeit zum Ausdruck bringen.
1993 konnten wir unser Heimatbuch herausgeben. Restexemplare können zum Preis von 30,- DM, zuzüglich Porto, bei Johann Schuff, Carl-Orff-Bogen 34, D-80939 München, bezogen werden.


von Georg Alfred Fielk


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