Meeburg - Informationen

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Dokumentationen über Meeburg in Archiven

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Monografien

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Buch: "Flurnamen ... in Siebenbürgen: Region Reps-Meeburg" im SVH-Verlag Saarbrücken erschienen

Buch: „Flurnamen und Namen von Personen in Siebenbürgen: Region Reps-Meeburg“ im SVH-Verlag Saarbrücken erschienen. Die Flurnamen, die Personennamen und die beeindruckenden Kirchenburgen in Siebenbürgen - Rumänien, über die viele Touristen heute staunen, dokumentieren sichtbar die Verbundenheit Rumäniens mit Mittel- und Westeuropa schon im Mittelalter. Viele Vorfahren der heutigen Siebenbürger sind in diese osteuropäische Region im Karpatenbogen schon zwischen 1142-1772 eingewandert (siehe Einleitung). Sie waren aus Holland, Belgien, Luxemburg, aus dem Osten Frankreichs, aus vielen Regionen Deutschlands und Österreichs ausgezogen, vor allem um ihr Glück und die völlige Freiheit zu finden – ähnlich wie es von den Pionieren Amerikas bekannt ist, die in den vorigen Jahrhunderten den Westen ihres Landes besiedelten. Und ähnlich wanderten Schwaben aus Süddeutschand nach Südosteuropa aus, um sich da in Ungarn, Kroatien, Serbien und im Westen Rumäniens anzusiedeln. Auch die Region Reps – Meeburg im Hommorodtal in Siebenbürgen wurde von den Ansiedlern geprägt, was die Flur- und Personennamen heute am besten bezeugen, die in diesem Buch aufgezeichnet sind, um sie vor der Vergessenheit zu retten. Auf über 100 Seiten erfährt der Leser in deutscher und rumänischer Sprache Erstaunliches über diese Region Siebenbürgens seit der Einwanderung der meisten Siedler im Mittelalter bis heute. Am Ende des Buches befinden sich dazu topografische Karten von 1914 bis 1983, sowie eine künstlerische Karte der Kirchenburgen im Tal des Großen und Kleinen Hommorods und am Alt, in der Region Reps-Fogarasch. Infos auch unter www.meeburg.de > Nachbarzeichen und www.siebenbuerger.de > Meeburg. Das Buch kann bestellt werden über www.amazon.de, www.svh-verlag.de/catalog und im Buchhandel (ISBN: 978-3-8381-5392-6) für ca. 35,- €.

Meeburg zwischen Alt und Mieresch

l ... Der wertvolle Flügelalter steht heute in der Schäßburger Bergkirche; Kirchenturm verdient renoviert zu werden[ Die Ortschaft Meeburg/Beia, an der Wasserscheide zwischen Alt und Mieresch, liegt an der Eisenbahnlinie Kronstadt/Braşov – Schäßburg/Sighişoara, so dass ihr spitzer weißer Kirchturm inmitten der kleinen Kirchenburg auch heute als stummer Zeuge auf die vorbeifahrenden Züge blickt - wie vor 70 Jahren, als die Güterwaggons mit den deportierten Siebenbürger Sachsen vorbeirollten (siehe auch Kopony, Helene-Martha: Fünf Jahre Arbeitslager, Aldus-Verlag Kronstadt/Braşov). Der Berg, unter dem die Eisenbahnzüge dort durchfahren, ist Schnittpunkt der Landkreise Kronstadt, Mieresch und Harghita. Jahrhundertelang, bis nach dem 2. Weltkrieg, hat Meeburg verwaltungsmäßig zu Schäßburg gehört, sprachlich und kunstgeschichtlich (Möbelmalerei) allerdings zum Repser Land. Heute gehört Meeburg sowohl verwaltungsmäßig als auch kirchlich zu Kronstadt. An einem Gestühl in der Meeburger evangelischen Kirche kann man auch heute das Wappen [mit dem Datum 1698] des ehemaligen Schäßburger Bürgermeister von Rosenthal (ein Arm mit drei Rosen ) erkennen, sowie den lateinischen Wahlspruch „per spinas ad rosas“ (Durch die Dornen zu den Rosen). l ... z ... Fotos: Wappen des Schäßburger Bürgermeisters von Rosenthal von 1698 in der Kirchenburg Meeburg und … l ... …an einem Tor in Schäßburg [Das Wappen sieht man heute auch über dem gewölbten Tor zu einem Hof neben dem Park in der Unterstadt Schäßburg, früher vermutlich das Haus des genannten Bürgermeisters von Rosenthal – siehe Foto oben. Man vermutet, dass das Meeburger Wappen - ein Kreuz mit je einem Ring an seinen drei oberen Enden und einem kleinen Kreuz an seinem unteren Ende, siehe Zeichnung unten - ihren Ursprung im o.g. Wappen mit den drei Rosen hat, das auch den Ursprung des Meeburger Rosenmusters bedeutet, siehe „Karpatenrundschau“ von 1999]. l ... Meeburger Wappen, Zeichnung: Oswald Zerwes
Der bekannte Dichter Michael Albert beschrieb meisterhaft in „Der Pfarrer aus dem Haferland“ den beschwerlichen aber malerischen Weg aus der abgelegenen Meeburger Region nach Schäßburg. Zwischen 1966-1976 kam die bewundernswerte Malerin Juliana Fabritius-Dancu oft in dieses Gebiet, um authentische siebenbürgisch-sächsische Trachten näher kennenzulernen. Die Meeburger Mädchentracht konnte man damals sogar als Plakatbild ihrer Aquarellaustellung über siebenbürgisch-sächsischen Trachten in Bukarest und Kronstadt bewundern (siehe Foto). l ... Juliana Fabritius-Dancu: Meeburger Mädchentracht 1977 (Plakatbild der Aquarellausstellung in Bukarest)
Nördlich von Meeburg liegt die ungarische Nachbargemeide Dersch/Dârjiu, deren Kirchenburg auf der UNESCO-Liste als Weltkulturerbe steht, wie die Schäßburger Burg, [die Kirchenburg Keisd] und die Kirchenburg Weißkirch bei Reps, also weitere Sehenswürdigkeiten in der Region. Nordöstlich von Meeburg liegt Draas/Drăuşeni, früher vielen bekannt als die östlichste Siedlung der Siebenbürger Sachsen auf Königsboden [ein Gebiet in Südsiebenbürgen, welches direkt zum Besitz des Königs gehörte und nicht zum ungarischen Adel]. Das symbolische Draaser Schwert, das von der Einwanderung der Siebenbürger Sachsen zeugt, und beispielsweise auch im Wappen von Hermannstadt/Sibiu abgebildet ist [mit den beiden gekreuzten Schwertern, welche die Einwanderer aus Westeuropa in die Grenzsiedlungen der späteren Siebenbürger Sachsen trugen: Broos im Westen und Draas im Osten]. Das genannte Draaser Schwert ist auch heute noch Meeburger Augenzeugen bekannt. Weiter östlich erheben sich die Harghita-Berge als Teil der Ostkarpaten. Somit ist diese Region Siebenbürgens im oberen Hommorodtal vor allem natur- und kulturinteressierten Touristen zu empfehlen. Der beliebte Reiseleiter Oswald Zerwes, dessen Urgroßvater der erste namentlich bekannte Organist in Meeburg war, hat nicht nur Kulturreisen durch Deutschland, Belgien und Italien organisiert, sondern immer wieder gern auch Reisen durch Siebenbürgen, zu den Moldauklöstern, oder ins Donaudelta. Nächsten August plant er wieder eine Busreise durch Siebenbürgen – diesmal eben auch ins obere Hommorodtal. [Für sein bewundernswertes Engagement und sein organisatorisches Talent wurde Oswald Zerwes unter anderem mit dem goldenen Wappen des Verbands der Siebenbürger Sachsen geehrt]. Die etwa 10-tägige Reise soll voraussichtlich in Oberbayern starten, und durch Österreich und Ungarn nach Siebenbürgen und ins Banat führen. Dabei können die Reisenden u.a. die bekannten Orte Großwardein, Klausenburg, Bistritz, Schäßburg, Kronstadt, Mediasch, Hermannstadt und Temeschburg besichtigen. Höhepunkt der Reise soll die Einweihung des Meeburger Altarbilds Anfang August in der Meeburger ev. Kirche sein, wenn möglich im Beisein des Repser und des Schäßburger ev. Stadtpfarrers. Dechant Pfarrer Fröhlich fühlt sich mit Meeburg besonders verbunden, da einer seiner Urahnen früher als Prediger in dieser Gemeinde gewirkt hat. Genaueres zur oben genannten geplanten Reise können Interessenten von Oswald Zerwes unter Tel.: … erfahren. Der Meeburger Flügelaltar von 1513 stammt aus der Werkstatt des Schäßburger Meisters Johann Stoß, Sohn des Nürnberger Bildhauers Veit Stoß [der der Schule um Albrecht Dürer angehörte]. Die Festtagsseite zeigt vier Bilder aus dem Leben der heiligen Ursula, Märtyrerin von Köln, die sich um die Zentralgestalt reihen. Das ist Jesus in der seltenen symbolischen Darstellung als Weltherrscher mit der Weltkugel in der Hand, also nicht am Kreuz, wie wir ihn aus zahlreichen Darstellungen kennen, sondern als Sinnbild des Lebens und der Nächstenliebe. Die Werktagsseite (Rückseite des Flügelaltars) zeigt Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu‘. Nach der Wende wurde der wertvolle Meeburger Altar vor den Kunsträubern gesichert, da sie bekanntlich Kunstgegenstände aus siebenbürgischen Kirchen entwendeten, wie den Meeburgern von dem Raub in der Kirchenburg der Nachbargemeinde Radeln/Roades her bekannt war [die geraubten Sachen wurden von der Polizei auf dem Weg nach Italien sichergestellt]. Ende der 1990-er Jahre konnte der Flügelaltar auch dank des Engagements des Schäßburger Pfarrers Fröhlich restauriert in der Schäßburger Bergkirche aufgebaut werden. Heute wird der Flügelaltar da von hunderten Touristen jährlich bewundert.
l ... Altarbild in der Kirchenburg Meeburg 2015, Foto: Oswald Zerwes
Das Altarbild, das erstmals 2014 durch das Engagement von Johann Schell (ebenfalls mit Meeburger Wurzeln) in Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart ausgestellt wurde, ist eine bewundernswerte Kopie des genannten Flügelaltars. [Johann Schell hat in Bietigheim-Bissingen din Meeburger Treffen organisiert, wo unter anderen auch der Bürgermeister Meeburgs, Gh. Vocilă, als Ehrengast anwesend war]. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn als zweiter Schritt die entsprechende Renovierung des bereits erwähnten, von Weitem sichtbaren Meeburger Kirchturms folgen würde. Der Kirchturm war nämlich schon in der Zwischenkriegszeit sogar in Westrumänien bekannt - die Banater bewunderten ihn, wenn sie per Eisenbahn von Temeschburg und Arad nach Bukarest reisten. So hatte sich bis dahin herumgesprochen, dass nach dem Eisenbahntunnel unter einem Berg in Siebenbürgen, wo drei Verwaltungskreise zusammentreffen, ein besonders hoher weißer Kirchturm zu sehen ist (zu Details siehe den Artikel „Meeburg … mit dem spitzen, weißen Kirchturm“ in der „Karpatenrundschau“ vom 30.10.2010). Der Sage nach soll die Jesusstatue des Meeburger Flügelaltars aus dem Nonnenkloster stammen, das sich früher auf der „Koppe“ (ungarisch „Léanyhalom“) in der Nähe Meeburgs befand, und von wo die Jungfrau (sieb.-sächs. „Meed“) abstammt, die der Ortschaft am Fuße des Berges den Namen „Meeburg“ gab. Die Jungfrau soll „Bea“ geheißen haben, von wo der rumänische Name der Ortschaft „Beia“ abstammen soll, wie so mancher annimmt [1850 wurde der Name „Beja“ verzeichnet, 1854 der deutsche Ortsname “Mehburg” und 1913 der ungarisch Ortsname „Homorodbene“ (Coriolan Suciu: Dicţionar istoric al localităţilor din Transilvania), siehe die Bibliografie]. Der Sage nach warnte die Jungfrau von der Koppe die Ortschaften der Umgebung rechtzeitig vor den nahenden Feinden, damit sie sich in ihre Kirchenburgen zurückziehen konnten. [Sie stammte angeblich aus dem untergegangenen Nachbardorf Rumes in der Nähe des heutigen Tunnels, Dorf welches nach dem Wüten der Pest da aufgegeben wurde]. Heute kennen die Bewohner Meeburgs zu dieser Geschichte bloß die rumänischen Flurnamen der Region: „Dealul Chiliei“ (Kapellenberg) und „Pârâul Chiliei“ (Kapellengraben), sowie den ungarischen Flurnamen für eine Stelle in der Nähe des Tunnels „Romocsag“ (nur Trümmer). Von da oben hat man auch heute eine hervorragende Aussicht von den Harghita-Bergen und der ungarischen Ortschaft Petecu/Petek im Nord-Osten, über die Gemarkungen der Nachbarortschaften [Dersch/Dârjiu (ungarisch Derzs) – mit der berühmten Kirchenburg, die sich als Weltkulturerbe auf der UNESCO-Liste befindet], Arkeden/Archita, Radeln (mit Maffays Ferienheim für traumatisierte Kinder) und Schweischer/Fischer (mit dem evangelischen Altersheim im Repser Ländchen), sowie über die Repser Burg im fernen Süden, bis Katzendorf/Caţa, Königsdorf/Paloş und Draas/Dráuseni [früher die östlichste siebenbürgisch-sächsische Gemeinde auf Königsboden wie bereits erwähnt]. Diese Route am Rande des Haferlandes – [siehe die „Haferlandwoche“ jährlich organisiert von der Michael-Schmidt-Stiftung] wäre heute ideal etwa für Mountainbiker, die eine Region mit fast unberührter Natur im Hommorodtal erkunden möchten, Region die schon früher als „Luftkurort“ geschätzt wurde, und heute sogar von Persönlichkeiten bewundert wird wie der britische Prinz Charles [oder Peter Maffay, der größte deutsche Rocksänger; Prinz Charles hat die Ortschaft Radeln und die bewundernswerte Natur um Meeburg auf seinem Weg nach Deutsch-Weisskirch besucht]. Dazu muss die bewundernswerte Volkskunst der Region erwähnt werden, vor allem die bemalten Möbel aus Meeburg, die heute von Siebenbürgen bis Nordamerika verstreut sind (siehe auch „Karpatenrundschau“ vom 10.04.2008). Weitere Infos über die Region Meeburg können Interessente auch im Bildband „Das Repser und das Fogarascher Land“ erfahren (zu bestellen unter Tel. 07132/9511612 beim „Buchversand Südost“), oder unter www.meeburg.de > Nachbarzeichen > Dokumentation (in der Siebenbürgischen Bibliothek, im Foto- und Nachlassarchiv Gundelsheim am Neckar und in online-Zeitungsarchiven). Zu der Möbelmalerei und den früheren Meeburger Malermeistern hat bereits die „Siebenbürgischen Zeitung“ berichtet (siehe SZ von 1999 und vom 31.01.2000.) Heute freuen sich die Meeburger, dass sie engagierte Freunde zu ihrer Gemeinschaft zählen dürfen wie den Kunstexperten Werner Förderreuther, den Historiker Martin Rill u.a., die sich als Fachleute für ganz Siebenbürgen einsetzen. Michael Schuller: „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (ADZ)“ Kronstadt-Bukarest 26.04.2015
[Die nachträglichen Ergänzungen, sowie die Abschnitte, die aus Platzmangel in der Zeitung nicht veröffentlicht werden konnten, sind in eckigen Klammern vermerkt.]

Ansiedler und Aussiedler

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Die deutschen Ortsnamen und die beeindruckenden mittelalterlichen Kirchenburgen in Siebenbürgen, sind ein sichtbares Dokument der Verbundenheit Rumäniens mit Mittel- und Westeuropa. l ... z ... Foto: Burg Logne bei Malmédy in Belgien nahe der Grenze zu Luxemburg – ein Auswanderungsort der Vorfahren der Siebenbürger Sachsen
Die meisten Vorfahren der heutigen Siebenbürger sind in diese osteuropäische Region im Karpatenbogen bekanntlich schon um 1142 geschlossen eingewandert. Sie waren aus West- und Mitteleuropa ausgezogen, aus Belgien, Luxemburg, aus dem Osten Frankreichs, aus vielen Regionen Deutschlands und um 1772 aus Österreich (Landler), vor allem um ihr Glück und die völlige Freiheit zu finden. Ähnlich wanderten die Siedler in den vorigen Jahrhunderten im Osten der Vereinigten Staaten von Amerika aus, um ihr Glück im Westen ihres Landes zu finden. Und ähnlich wanderten später Schwaben aus Süddeutschland nach Südosteuropa aus, um sich da in Ungarn, Kroatien, Serbien und im Westen - sowie im Nordwesten Rumäniens anzusiedeln. Der erste namentlich bekannte Auswanderer aus Westeuropa, der schon am Anfang des 12. Jahrhunderts, also vor Beginn der geschlossenen Besiedlung des heutigen Siebenbürgens, aus Westeuropa wegzog, um die neue Heimat im Osten Europas zu finden, war Anselm von Bras. Er war Burgvogt der Burg Logne in der Nähe von Stavelot, Region Malmedi in Belgien, in der Nähe der Nordgrenze Luxemburgs. Heute ist der Vertrag von 1103 bekannt, den Anselm von Bras mit dem Kloster „Stablo“ (Stavelot) im Osten Belgiens damals abschloss. Darin wird vermerkt, dass Anselm von Bras die Burgleitung abgibt, weil er mit seinen Söhnen ins „Ungarnland“ auswandern möchte. Sollte er jedoch zurückkehren, sei er berechtigt, die Burgleitung wieder zu übernehmen. Tatsächlich übernahm sein Schwiegersohn die Burgleitung nach seiner Auswanderung. Heute kann man da in Ostbelgien, im Ardennerwald, noch die Ruinen der Burg Logne sehen, von wo die Touristen einen schönen Blick ins Tal haben, ähnlich wie von der Törzburg in Siebenbürgen. Wo sich Anselm von Bras und seine Söhne in Siebenbürgen niedergelassen haben, ist nicht bekannt. Man vermutet jedoch, dass er als Kleinadliger womöglich mehrere Ansiedler angeführt hat, die sich in der Region Broos (Orastie) niedergelassen haben - und somit dem Ort seinen Namen gegeben hat. Bekanntlich erfolgte die erste geschlossene Besiedlung des Karpatenlandes nördlich der Südkarpaten, entlang der Flüsse Zibin, Alt und Hamruden/Homorod, von Broos im Westen bis Draas (lateinisch terra Daraus) bei Reps/Rupea im Osten. Diese Vorfahren der Siebenbürger Sachsen waren freie Bürger vom König mit vielen Privilegien ausgestattet und direkt ihm unterstellt. Der ungarische König Andreas II. stellte den einstigen Ansiedlern diesbezüglich im Jahr 1224 als Urkunde den „goldenen Freibrief“ aus. Im Karpatenland wohnten jedoch auch viele Ungarn und Rumänen, die den ungarischen Adligen unterstellt waren. Das waren auch die Regionen an der Großen – und Kleinen Kokel, sowie jene bis an den Samosch/Somes-Fluß im Norden, also die Regionen Sächsisch-Regen/Reghin und Bistritz, wo sich ebenfalls Einwanderer aus Westeuropa ansiedelten. Diese Siebenbürger Sachsen wünschten sich natürlich ebenfalls die Privilegien und die Freiheit, die ihre Brüder auf dem sogenannten Königsboden besaßen. So erfolgten bis zur Reformation, also bis zur Trennung vom gemeinsamen katholische Glauben, immer wieder Aufstände der Nachkommen der Einwanderer gegen die ansässigen Kirchenfürsten bzw. gegen die ungarischen Adligen. Der erste bekannte Aufstand, der schließlich ein großer Erfolg für die Siebenbürger Sachsen bedeutete, war jener von 1277 angeführt von Gaan von Salzburg bei Hermannstadt (französisch Jean), anscheinend ein Ritternachkomme, wobei die Residenz des katholischen Bischofs Weißenburg (Alba-Iulia) größtenteils zerstört wurde. Die Stadt Weißenburg (heute auch Karlsburg genannt) war der Vorort des siebenbürgischen Bistums, das von den Nachkommen der einstigen Einwanderern zusätzliche Abgaben forderte. 1308 mussten sich deshalb schließlich sieben sächsische Kirchenkapitel vor dem Gericht in (Buda)Pest verantworten, weil ihre sächsischen Bürger damals mit Waffengewalt in den Dom in Weißenburg eingedrungen waren, und danach die Stadt verwüstet hatten. Nach knapp 50 Jahren seit der Ausstellung des „goldenen Freibriefs“ durch den damaligen König war es Henning von Petersberg, Gräf von Kelling, der für sein Volk und die Freiheitsidee vom jetzigen König den „goldenen Freibrief“ bestätigen ließ, und darauf in der Schlacht gegen die kumanischen Söldner bei Reps 1324 sogar sein Leben opferte. Diese Auseinandersetzungen hatten schließlich als Folge, dass der König allen Siebenbürger Sachsen die Privilegien anerkannte (eigene Gerichtsbarkeit, freie Wahl des Pfarrers als Oberhaupt der jeweiligen Gemeinde), so dass die Nachkommen der einstigen Einwanderer endlich als einheitliches Volk betrachtet wurden. Aber ihre eigentliche Unabhängigkeit erhielten alle Nachkommen der einstigen Einwanderer erst nach der Reformation, also nach dem geschlossenen Übertritt zum evangelischen Glauben. Um 1772 wanderten die Vorfahren der Landler aus Österreich nach Siebenbürgen in die Region Hermannstadt ein, und bildeten im Laufe der Jahre gemeinsame Ortsgemeinschaften mit den Siebenbürger Sachsen. Dezember 1989 brachte auch die Massenaussiedlung in die „Urheimat“ mit sich Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zogen gewöhnlich die begabten Söhne der wohlhabenden Bürger Siebenbürgens und Rumäniens zum Studium nach Deutschland und Frankreich. Die Siebenbürger Sachsen studierten gewöhnlich in Süddeutschland (Heidelberg, Tübingen) Theologie, um nach ihrer Rückkehr in die Heimat als Lehrer und Pfarrer ihr Wissen an die junge Generation weiterzugeben. Vor allem aus der rumänischen Literatur ist bekannt, dass die Söhne wohlhabender Grundbesitzer in Südrumänien und der Moldau zum Studium nach Paris fuhren, weil Rumänisch als romanische Sprache mit Französisch verwandt ist, und es somit fast keine Verständnisschwierigkeiten gab. So wurde die französische Sprache früher lange Zeit als Sprache der gehobenen Gesellschaft in Rumänien angesehen. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wanderten viele Siebenbürger Sachsen und Rumänen nach Westeuropa aus, um etwa von Hamburg oder Bremen mit dem Schiff in die neue Welt nach Amerika weiterzureisen, und da ihr Glück zu suchen. Das vor allem weil Englisch und Deutsch germanische Sprachen sind, und die Siebenbürger da wenige Verständigungsprobleme hatten. Deshalb heißt heute im Volksmund beispielsweise die Ortschaft Palos bei Reps „America Mica“ (Klein-Amerika). Bis Ende der 20-er Jahre konnte man fast problemlos in die USA auswandern, ab 1928 sind dann viele Siebenbürger nach Kanada ausgewandert, um Geld zu verdienen, und um, nach ihrer Rückkehr in Siebenbürgen, Grund zu kaufen, oder moderne Häuser zu bauen. Auch Auswanderungen aus Siebenbürgen beispielsweise nach Sao Paulo in Südamerika sind aus den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts bekannt. Der 2. Weltkrieg und seine unmittelbaren Folgen bedeutete für viele Bürger Rumäniens Umsiedlung und Deportation, er riss bedauerlicherweise viele Familien auseinander, so dass Siebenbürger und rumänische Staatsbürger in der Nachkriegszeit sozusagen auf der ganzen Welt verstreut waren, von Russland über Europa und Amerika bis nach Australien. Gleich nach der Wende 1989 in Rumänien erfolgte eine Massenauswanderung der Siebenbürger Sachsen nach Mittel- und Westeuropa gewöhnlich zu Verwandten, vorwiegend nach Deutschland, aber auch nach Österreich, in die Schweiz, nach Frankreich und Skandinavien, sowie nach Nordamerika. Manche Siebenbürger Sachsen meinten dazu, sie konnten endlich dem Ceausescu-Regime entkommen, und in die Urheimat ihrer Vorfahren einwandern. Aber auch in umgekehrter Richtung erfolgte die Migration: manche Bürger aus Mittel- und Westeuropa wanderten in das befreite Rumänien und nach Siebenbürgen ein. Dazu wanderten auch weltberühmte Firmen aus Westeuropa ins osteuropäische Karpatenland ein, wie Nokia nach Klausenburg / Cluj, Stihl und Bosch nach Mühlbach / Sebes-Alba, Renault nach Südrumänien und viele andere. Seit 2007 ist Rumänien Mitglied der Europäischen Union, so dass sich vor allem die jungen rumänischen Staatsbürger europaweit zu Hause fühlen. So wanderten in den letzten Jahren Millionen rumänischer Staatsbürger nach Mittel- und Westeuropa aus, vor allem um Arbeit und ihr Glück da in der Ferne zu finden. Heute wäre es wünschenswert, wenn vor allem die jungen Bürger Rumäniens den Impuls zum Erlernen einer weiteren europäische Sprache erhalten würden, um ihre interkulturelle Kompetenz zu erweitern und so einen weiteren Grundstein für das Fundament ihres Wissens zu legen, eine Tatsache, die sich seit Jahrhunderten bewährt hat. Denn dann können sie selbstbewusst und hoffnungsvoll in die Zukunft schauen – so wie im Mittelalter die Ansiedler aus Mittel- und Westeuropa.
Michael Schuller: „Karpatenrundschau“ Braşov/Kronstadt 09.04.2015
[Die nachträglichen Ergänzungen, sowie die Abschnitte, die aus Platzmangel in der Zeitung nicht veröffentlicht werden konnten, sind in eckigen Klammern vermerkt.]
(Titel und Zwischentitel von der Redaktion verfasst) Fotos: Ruinen der Burg Logne in Belgien bei Stavelot 1992, Region Malmédy-Spa, Auswanderungsort im Mittelalter nach Osteuropa. Fotos: der Verfasser
Die Kronstädter Wochenschrift "Karpatenrundschau" erscheint als Beilage in der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien". Herausgeber: Demokratisches Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt Redaktion: 500.030 Braşov, Str. M. Sadoveanu 3, Fernruf und Telefax: 0040 -(0)268/475 841, E-Mail:kronstadt@adz.ro Schriftleiter: Ralf Sudrigian. Redaktuere: Hans Butmaloiu, Christine Chiriac, Dieter Drotleff (Redaktionsleiter 1989 - 2007)

Meeburg – das Dorf mit dem spitzen, weißen Kirchturm

l ... Ein Streichen des Turmdaches wäre notwendig l ... z ... Vor Ende des 2. Weltkriegs fanden bekanntlich die Massendeportationen in Osteuropa statt. Darunter auch jene der Siebenbürger Sachsen, Sathmarer – und Banater Schwaben im Januar 1945 zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion. Nach ihrer Ankunft in den Lagern folgte als erstes die Bekanntschaft der Neuankömmlinge untereinander, damit die Landsleute aus der gleichen Heimatregion möglichst zusammenbleiben, um sich leichter zu verständigen, und sich so eventuell gegenseitig zu helfen. Die Meeburger waren erstaunt, dass sogar viele Banater aus dem äußersten Westen Rumäniens wussten, von wo sie herkamen: „Aus dem Dorf mit dem spitzen, weißen Kirchturm, den man sieht, wenn man mit dem Zug von Bukarest über Kronstadt nach Arad fährt?“ war immer wieder die Frage. Weiß symbolisiert Reinheit und gibt Vertrauen auch heute. Tatsächlich - fährt man mit der Eisenbahn durch Siebenbürgen von Kronstadt/Brasov in Richtung Schäßburg/Sighisoara, so kommt man nach dem Bahnhof Reps-Hamruden/Rupea-Homorod bald in das Gebiet des Großen und Kleinen Hommorods, Nebenflüsse des Alts. Nach Katzendorf/Cata und Königsdorf/Palos fährt der Zug schließlich an Meeburg/Beia vorbei, hinein in den nördlichsten Tunnel im Kreis Kronstadt. Der mächtige Berg über dem Tunnel ist zugleich der Punkt, wo die Kreise Kronstadt, Mieresch/Mures und Harghita zusammentreffen, im ehemaligen österreich-ungarischen Fürstentum Siebenbürgen, auch als Transsylvanien bekannt. In der Nähe, im Tal des Großen Hommorods im Repser Ländchen, befindet sich die Ortschaft Draas/Drauseni, ehemals die östlichste deutsche Siedlung des früheren Sachsenlandes auf „Königsboden". Etwas weiter weg erheben sich die Ostkarpaten. Nach dem Tunnel fährt der Zug in den Kreis Mieresch und schließlich in die mittelalterlich geprägte Touristenstadt Schäßburg ein. Doch bevor man in den Tunnel einfährt, sieht man ihn - den spitzen, weißen Kirchturm von Meeburg. Erstmals wurde Meeburg im Juni 1442 vom siebenbürgischen Fürsten Iancu de Hunedoara (ung. Hunyadi Janos), in einem Brief erwähnt, den er anscheinend da in der Meeburger Kirchenburg an die Bürger von Streitfort/Mercheasa im nahen Hommorodtal verfasste. Der spitze Glockenturm der Kirchenburg in Meeburg ist relativ jung im Vergleich zu den Kirchenburgen Siebenbürgens. Er wurde erst 1892 gebaut, und heutige Meeburger erinnern sich, wie ihre Urgroßeltern damals auf der Baustelle in der Ortsmitte in den Messingkesseln, die heute die Kuppel bilden, Verstecken spielten. Der heutige Kirchturm steht anstelle des alten, den Martin Schlichting auf seinen Reisen durch Siebenbürgen im 19. Jahrhundert auf einer Zeichnung für die Nachwelt festgehalten hat, und der Ende des 19. Jahrhunderts abgetragen wurde. Den alten Kirchturm hatte man vor Jahrhunderten im selben Stil gebaut, wie er heute in den Nachbarortschaften Radeln/Roades und Arkeden/Archita zu sehen ist, also mit einem offenen Wehrgang in der unteren Hälfte des Turmdaches, sowie einem zweiten darunter unter dem Dach. Den Baustil des neuen Meeburger Kirchturms kann man mit seinen spitzen Fenster- und Türarkaden, sowie seiner spitzen „in den Himmel stechenden“ Form allgemein als gotisch bezeichnen. Beim genauen Betrachten entdeckt so mancher auch Stilelemente der rumänischen und seklerischen Kirchtürme aus der Umgebung, ähnlich wie jene, die von Touristen in Westungarn und im Burgenland bewundert werden. Im Laufe der Jahrzehnte wurden immer wieder Renovierungsarbeiten am neuen Meeburger Kirchturm durchgeführt, wie etwa das Streichen des Zinndachs, oder das Verputzen der witterungsexponierten Außenwände. Die letzte größere Renovierungsarbeit war jedoch in den letzten 80-er Jahren, so dass beispielsweise ein Streichen des spitzen Daches wieder nötig wäre. Allerdings ist das eine besondere Facharbeit, die leider nicht einfach von einem Laien durchgeführt werden kann. Sie wäre eventuell eine Herausforderung für einen bewährten und auch besinnlich orientierten Bergsteiger – der letzte Facharbeiter schwebte nämlich an einem Seil in luftiger Höhe. Das Zinndach hat der Kirchturm erst im 1. Weltkrieg erhalten, als die Meeburger das Kupferdach bei den Militärbehörden abgeben mussten. Zu Munitionszwecken mussten die Meeburger auch die alten Glocken aus der vorreformatorischen Zeit und jene aus dem 15. Jahrhundert abgeben (vgl. Fr. Müller: „Zur älteren siebenbürgischen Glockenkunde“ und die Monographie Meeburg). So trägt die älteste Meeburger Glocke heute die Jahreszahl 1902. Es ist die „kleine“ Glocke. Die große Meeburger Glocke, die auch heute immer wieder erklingt, wenn Mitglieder der Meeburger evangelischen Gemeinschaft im In- und Ausland beerdigt werden, und deren Klang am meisten bewundert wird, stammt aus der Zwischenkriegszeit. In der ersten Nachkriegszeit, während der ersten Amtszeit des geschätzten Pfarrers Kurt Fabritius, wurde sie nach einer Sprungbeschädigung in einer Bukarester Werkstatt neu gegossen. Zugleich ließen die Meeburger auch die heutige mittlere Glocke gießen. Nach alter Tradition läutet die Glocke auf dem Kirchturm „Am rumänischen Berg“, um bei einem nahenden Gewitter die dunklen Wolken zu zerstreuen. Ansonsten ragt der Kirchturm der Meeburger Kirchenburg zwar spitz in den Himmel, ähnlich wie das höchste sakrale Bauwerk der Welt in Ulm, jedoch ist er „bloß“ 48 Meter hoch. Das reicht allerdings da, in der nordöstlichen Region des Repser Ländchens am Rande des Seklerlands, um auf sich aufmerksam zu machen. Es ist erfreulich, dass die Leitung des Kirchenbezirks Kronstadt, das Demokratische Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt (DFDKK) und der „Mihai-Eminescu-Trust Romania“ sich auch für die Erhaltung der Baudenkmäler im Repser Ländchen einsetzen (siehe KR vom 22.07.2010). So dürfen vor allem die wenigen Siebenbürger Deutschen in Meeburg hoffen, dass ihr Kirchturm in nächster Zukunft wieder in seinem strahlend-weißen Kleid von vielen Reisenden gesehen wird, die mit dem Zug von Bukarest über Kronstadt nach Arad oder Oradea fahren wie vor rund 70 Jahren.
Foto: Friedrich Meburger 2007 Michael Schuller: „Karpatenrundschau (KR)“ Braşov/Kronstadt 30.09.2010
[Die nachträglichen Ergänzungen, sowie die Abschnitte, die aus Platzmangel in der Zeitung nicht veröffentlicht werden konnten, sind in eckigen Klammern vermerkt.]

Bewundernswerte Volkskunst und unberührte Natur in der Region Reps

l ... Auf der Weltausstellung zur Jahrtausendwende in Hannover bewunderten die vielen Touristen meist traditionelle Sachen, die die Völker und Länder dieser Erde charakterisieren. Im rumänischen Pavillon bewunderten sie vor allem die siebenbürgisch-rumänischen Möbel aus Răsinari und die siebenbürgisch-sächsischen aus der Region Reps, früher auch Repser Ländchen genannt [ausgestellt von den Museen “Astra” und “Brukenthal” Hermannstadt]. Nach der geschätzten siebenbürgischen Kunstforscherin des 20. Jahrhunderts, Roswith Capesius, bildete die Repser Gegend eine Kleinlandschaft, die nicht nur in älteren Zeiten, sondern auch im 19. Jahrhundert „die schönsten und originellsten Möbel hervorbrachte. Von den Dörfern, in denen dieses Handwerk betrieben wurde, sind uns Draas/Drăuşeni, Meeburg/Beia, Katzendorf/Caţa, Deutsch-Weißkirch/Viscri, Deutsch-Kreuz/ Criţ und Seiburg/Jibert namentlich bekannt.“ (Roswith Capesius: Siebenbürgisch-sächsische Schreinermalerei). Landschaftlich betrachtet wurde die siebenbürgisch-sächsische Schreinermalerei in der Nachkriegszeit im 20. Jahrhundert in sechs große Gruppen eingeteilt, die auch die geografische Lage der Siebenbürger Sachsen widerspiegeln: 1. „die Repser Gegend“, 2. „die Schäßburger Marktware“, 3. „das Harbachtal und das Schenker Land“, 4. „Hermannstadt und der Unterwald“, 5. das Burzenland“, 6. „Nordsiebenbürgen“ (R. Capesius). l ... Foto: Detail eines siebenbürgisch-sächsischen Aufsatzkasten aus Meeburg, www.meeburg.de
Die berühmten traditionellen Möbel aus Meeburg, aus der Region Reps, sind beispielsweise mit Blumenmustern kunstvoll bemalt, manche sind dazu auch mit interessanten Reliefverzierungen versehen, und können heute in Museen und Privatsammlungen von Siebenbürgen über Mitteleuropa bis Nordamerika betrachtet werden. Bewundert werden heute auch die früher hergestellten Keramikteller und Krüge aus Keisd/Saschiz [am Rande der Repser Region Richtung Schäßburg] mit vorwiegend tiefblauem Hintergrund, wo die Muster stilistisch wie Graffitis erscheinen, sowie jene mit blauem Muster auf hellem [weiß-gelblichem] Hintergrund aus Draas/Drăuşeni, deren Stil und Muster man heute auf den Töpferwaren aus dem nahen Corund im Szeklerland bewundern kann. Die rumänische Volkstracht, beispielsweise von Königsdorf/Paloş im Repser Ländchen, war in der Vor- und Zwischenkriegszeit auch in Nordamerika bekannt, dem Auswanderungsziel vieler Bürger aus der Repser Region, so dass Paloş auch heute noch zusätzlich „America Mică“ („Klein-Amerika“) genannt wird. Bei der Motivdarstellung haben sich die Volkskünstler also vorwiegend an ihrer Umgebung orientiert, denn überall nehmen die dargestellten Blumenmuster und Blätterranken, also die Natur, einen zentralen Platz ein. Im Rahmen eines EU-Projektes ist bekanntlich „Natura 2000“ das Programm zur Rettung der Flora und Fauna Europas. Diesbezüglich erklärte jedes EU-Mitgliedsland seine schutzwürdigen Regionen. Leider hat der Mensch in die Natur in Mittel- und Westeuropa massiv eingegriffen und vieles nachteilig verändert. Anders ist es in Osteuropa. Bekanntlich verfügt Rumänien als einziges EU-Land sogar über fünf bewundernswerte bio-geografische Regionen in Europa (Alpine, Kontinentale, Pannonische, Pontische und Steppenregionen). Daran ist der Kreis Kronstadt/Braşov mit seiner größtenteils fast unberührten Natur mit über unglaublichen 50 Prozent beteiligt (siehe KR vom 07.02.2008). Die Repser Region belegt da im Nordwesten des Kreises einen Spitzenplatz, was auch so manchem Naturfreund nicht bewusst ist, so dass diese Region heute nicht bloß eine Erinnerung an eine große, bewundernswerte Volkskunst zu bieten hat. Bisher glaubte man an einen Scherz, wenn die Alten in Königsdorf oder Meeburg früher aus dem Eisenbahnzug stiegen, tief durchatmeten und meinten, sie hätten nirgends eine bessere Luft geschnuppert. Auf seinen Reisen durch Siebenbürgen besuchte der naturverbundene und kunstinteressierte britische Kronpriz Charles vor ein paar Jahren mehrmals das so genannte Repser Ländchen [in Deutsch-Weisskirch bei Reps hat er sich schließlich sogar ein Haus eingerichtet, ein Rückzugsort inmitten der Natur, ähnlich wie Peter Maffay, der größte deutsche Rocksänger, in Radeln]. Prinz Charles besuchte die Kirchenburg von Radeln/Roadeş, um den Ort näher kennen zu lernen, wo sich vor Jahren der bekannte Kunstraub ereignet hatte. Leider kann der Kirchturm der Kirchenburg von Radeln heute nicht mehr besichtigt werden, weil da anscheinend Einsturzgefahr droht. Deshalb machte Prinz Charles auf seinem Weg nach Deuţch-Weißkirch bei Reps einen Abstecher durch die Ortschaft Radeln in die Region Meeburg. In dieser Region kann man auch heute eine interessante Heide- und Waldlandschaft bewundern. Der Sage nach entstammt der deutsche Ortsname „Meeburg“ von „Mädchenburg“ und deutet heute auf einen Aussichţpunkt in der Nähe der „Rauhen Koppe“ hin. Von da kann man sieben Ortschaften erkennen, von der Repser Burg im Südosten bis zu den Szeklergemeinden in Richtung Ostkarpaten. Schon vor vielen Jahrzehnten sprach man immer wieder von dieser so genannten unberührten Waldlandschaft, die sich über fast 40 km, aus der Nähe der Stadt Reps über Meeburg, teilweise entlang der Eisenbahnlinie, bis in die Nähe der Stadt Schäßburg erstreckt. Dort an der äußersten nordwestlichen Grenze des Kreises Kronstadt, wo auch die Kreise Mieresch und Harghita zusammentreffen, also in der Region Meeburg in der Nähe des Eisenbahntunnels, scheint es noch eine wirklich unberührte Natur zu geben. Denn da blühen jährlich nicht nur die Narzissen auf, sondern [in der Nähe des Eisenbahntunnels, wo sich die untergegangene Siedlung Rumes befunden haben soll – Flurname „Romocsak“= nur Trümmer] auch die geschützten Morgenröschen (atocion armeria), die es freiwachsend wohl nur noch mancherorts in Südeuropa gibt. Zu den Besonderheiten der Meeburger Umgebung zählt auch die Fauna (Wildkatzen, Luchse, Wölfe, Hirsche, Braunbären), und es ist vielleicht gar nicht so verkehrt, dass man diese Gegend in der Repser Region mancherorts fast nur mit dem Geländewagen und dem Fernglas erkunden kann. So mancher meint dazu, man müsse diese steppenartige Heide- und Waldlandschaft im Repser Ländchen auch offiziell zum Naturschutzgebiet erklären. Es ist erfreulich, dass der Bürgermeister von Reps an das „unschätzbare touristische Potenzial“ dieser Region erinnert (siehe KR vom 17.01.2008). Denn die Region Reps hat zusätzlich zu den bekannten Heilquellen in der Nähe der Repser Burg und Hamruden [Băile Homorod am Kleinen Hommorod-Fluß] auch die Vorteile eines Luftkurortes zu bieten, die Touristen auf der Strecke Reps-Schweischer-Meeburg genießen können. Allerdings müßte da noch so manches für die Infrastruktur (Strassen, Telefon, Herbergen [und vor allem] Renovierung der Kirchenburgen) getan werden. Dazu wäre eine ethnografische Abteilung des Museums der Region Reps, wo die Touristen vor ihren Wanderungen Infos und Fachkenntnisse über die Tradition und die frühere Volkskunst im Repser Ländchen sammeln könnten, sehr vorteilhaft. Zu der traditionellen Möbelmalerei in der Region Meeburg sie auch www.meeburg.de l ... Foto: Bemalte Möbel aus Siebenbürgen – Volkskunst, die nicht nur von Ethnologen geschätzt wird
Dann könnte man den Agro-Tourismus tatsächlich ankurbeln, und die Touristen würden sich sicherlich freuen, etwa mit Pferden oder mit dem Geländewagen die Region zu erkunden, in der Ferne die alten Kirchtürme zu erkennen, und über weite Strecken Glockengeläute zu hören, wie heute etwa in Südtirol oder in Ostfrankreich. Oder sie könnten sogar einen Einblick in die traditionelle Handwerkskunst der Repser Region erhalten.
Michael Schuller: „Karpatenrundschau (KR)“ Braşov/Kronstadt 10.04.2008
[Die nachträglichen Ergänzungen, sowie die Abschnitte, die aus Platzmangel in der Zeitung nicht veröffentlicht werden konnten, sind in eckigen Klammern vermerkt.] l ...

Die Meeburger Meister

Als Meister dieser siebenbürgischen Gemeinschaft werden zuallererst die bewunderten Möbelmaler bezeichnet, aber auch die Tischler, die diese Möbel herstellten, sowie die sonstigen Malermeister und ihre heutigen Nachkommen, die Gemeinsamkeiten mit dem Talent ihrer Vorfahren aufweisen. Gewöhnlich wurden die sächsischen Möbel in Meeburg sozusagen im Familienbetrieb hergestellt: Der Malermeister ließ die bestellten Möbel vom Vater, Bruder oder einem anderen Verwandten, der als talentierter Tischler bekannt war, nach seinen künstlerischen Anweisungen herstellen. Oft war der Tischler- und Malermeister ein und dieselbe Person und das Möbel wurde dann vor allem wegen seiner Harmonie zwischen Reliefarbeiten und Malerei bewundert. Der älteste namentlich bekannte Meeburger Meister, Johann Klein, wurde 1816 zur Chorumgestaltung in der magy. gotische Kirche von Porumbenii Mari (Nagygalambfalva) im benachbarten Seklerland berufen (siehe Heinz Heltmann, Gustav Servatius (Hsg): Reiseführer Siebenbürgen, 1993). Genaueres zu seinen künstlerischen Tätigkeiten in Meeburg ist jedoch nichts bekannt. Aus seiner Generation dürfte der Vater der drei Brüder Johann, Michael und Peter Schuller stammen, die mit dem Beinamen „im Graben“ (nach ihrem niedrig gelegenen Wohnort im westlichen Teil Meeburgs) besser bekannt waren. Michael, der auch in der "Siebenbürgisch-sächsischen Schreinermalerei" von Roswith Capesius aufgeführt ist und am Anfang des 19. Jahrhunderts als Malermeister tätig war, soll der talentierteste von den drei Brüdern gewesen sein (er hat nicht nur Möbel bemalt; heute sind von ihm auch noch gemalte Bilder bekannt). Michael arbeitete zusammen mit seinem Bruder Johann in der gemeinsammen Tischler- und Malerwerkstatt in der Meeburger Angergasse. Seine Vorliebe war das Rosenmuster: er malte beispielsweise auf die Tür einer heute erhaltenen Almerei die vier Rosen in Kreuzform und schrieb darunter in weiß auf braunen Hintergrund "Michael Schuller Anno 1859". Seine gemalten Blumen leuchteten natürlich und strahlten eine gewisse Wärme aus. Das Geheimnis der Farbstoffherstellung hütete er streng und danach befragt, antwortete er witzig, daß er das "Etwas", welches er in seine Farben mische, im Hof unter dem Stein fände. Die alten Meeburger erzählten, daß er als Junggeselle gestorben sei und sein Geheimnis mit ins Grab genommen hätte, was jedoch nicht ganz der Wahrheit entspricht. Er soll zwar wie sein Bruder Johann als Junggeselle gestorben sein, doch sein Geheimnis hat er anscheinend weitergegeben, weil die harmonische, leuchtende Blumenornamentik bei den Nachkommen seines Bruders Peter, in der Familie Risch, in allen Generationen bis um die Mitte des 20. Jahrhunderts anzutreffen ist. Vielleicht war dieses "Etwas" jedoch überhaupt nichts Materielles (die siebenbürgisch-sächsische Maltechnik ist heute wissenschaftlich durchwegs erforscht). Vielleicht war das Geheimnis die Kunst des Meisters, die Blumen und Blätterranken in ihrer vielfältigen Farbenpracht zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen, was er dem Schwiegersohn seines Bruders Peter mitgeteilt haben könnte. So weitete sich sein Geheimnis möglicherweise schließlich als der Malstil der Meeburger Meister aus. Der genannte Schwiegersohn war Johann Risch sen. (1846-1913). Inwieweit er künstlerisch tätig war, ist nicht genau bekannt. Er hatte noch drei Brüder: Martin, Georg und Michael (die beiden letzten waren Zwillinge). Unter ihnen war Martin Risch (1840-1921) der begabteste Malermeister, der die Blumenpracht des bekannten Meeburger Rosenmusters verstärkte. Der letzte große Meeburger Malermeister war Martins Sohn, Johann (1870-1943), der bei einem Unfall ein Auge verloren hatte. Sein letztes, im alten Stil kunstvoll verziertes Möbelstück dürfte der heute in Kanada erhaltene Tisch von 1936 sein. Bekannt sind heute noch die von diesem Johann Risch bis kurz vor seinem Tod gezimmerten Särge. Er bemalte die Innenseiten des Deckels mit blauer Farbe, darüber schrieb er in weiß auf die eine schräge Längsseite das Geburts- und Todesdatum des Verstorbenen und auf die gegenüberliegende einen Spruch, der im Einklang zu dessen Charakter stand. Nach seinem Tod verzichteten die Schreiner auf diese Technik. Von dem genannten Michael Risch war der letzte gleichnamige Erbe 1970 noch künstlerisch tätig (in der o.g. "Siebenbürgisch-sächsischen Schreinermalerei" wurde er versehentlich als Johann Risch eingetragen). Seine Tätigkeit beschränkte sich in diesem Bereich auf leichtere Arbeiten, wie Rockenbemalung, was er mehr aus Traditionsbewußtsein als aus künstlerischem Drang vollbrachte. Er war vielmehr als Meeburger Ortsdichter bekannt und wurde fast immer zu geselligen oder auch traurigen Anlässen der Ortsgemeinschaft eingeladen wie Faschingsfeiern oder zur sogenannten Abforderung bei Begräbnissen. Das Rockenbemalen war eine eigene Kunst: die einfachen Rocken hatten einen einfarbigen Hintergrund, auf den der Maler mit verschiedenen Farben die spiralförmigen Blumen- und Blätterranken malte. Mehr malerisches Können verlangten die "Spiegelrocken", wo der Hintergrund abwechselnd in verschiedenen Farben gemalt wurde, dem der Maler auf dem Vordergrund die vielfarbigen Blumen und Blätter anpassen mußte. Außer den erwähnten Malermeistern der Familie Schuller-Risch waren in Meeburg im 19. Jahrhundert und am Anfang des 20. Jahrhunderts noch weitere bekannte Meister tätig, die ihre gezimmerten Möbel dann auch selbst bemalten. Einer davon war Georg Binder sen. 1843-1922, als "der alte Organist" bekannt, da er auch als Gemeindeorganist tätig war. Von ihm stammen unter anderem die bemalten Schubladkasten mit den drei Schubladen, sowie die kunstvoll mit Reliefarbeiten verzierten Aufsatzkästen, die darauf standen. Hier war nicht das bekannte Rosenmuster, sondern die geometrische Ornamentik mit den Farben ocker und rot vorherrschend. Die drei Schubladen des Kastens waren wiederum in drei Flächen eingeteilt, so daß auf der Vorderfront des Schubladenkastens neun gleichmäßige Rechtecke entstanden. Diese wurden dann mit völlig stilisierten Mustern bemalt, so daß die einzelnen Blumen nicht mehr genauer erkennbar sind, was dem Betrachtenden auch heute einen ziemlich abstrakten Eindruck vermittelt. Vielleicht waren diese Möbelstücke in der Zwischen- und Nachkriegszeit deshalb von den Sammlern nicht so begehrt. Anziehender erscheint der Aufsatzkasten, nicht nur wegen seiner lieblichen Malerei, sondern auch wegen seiner Form und der Reliefornamentik: Bestaunt wurden da vor allem die beiden schneckenhausförmigen Holzröhren, mit denen sich der Aufsatz auf den Schubladenkasten stützt, die man auch in den Seklergemeinden oft sieht. Ein weiterer Maler und auch Holzschnitzer war der gelernte Tischler Michael Grennerth, geb. 1890, der mit seiner Familie 1924 nach Cleveland/U.S.A. auswanderte. Er fertigte ebenfalls die oben beschriebenen Möbelstücke an, allerdings mit einer reicheren Schnitzornamentik. Ein von ihm angefertigter Spiegel mit kunstvoll geschnitztem Rahmen konnte Anfang der letzten 80er Jahre im Fogarascher Museum bewundert werden. Der etwa 20 cm breite Rahmen war oben mit einer sogenannten Galerie versehen, woran der Künstler den Namen "Michael Grennerth" und die Jahreszahlen "1909-1910" eingeschnitzt hatte. Ebenfalls an diesem Rahmen konnte man folgende beiden Sprüche lesen: "Denk gerne an die Jugendzeit, da ich genoß meine Arbeitsfreud" und "Was ich gemacht in Jugendjahren, will ich durchs Leben aufbewahren". Desgleichen stammt von ihm das mit Blumenornamentik bemalte Wandbrett, mit folgendem Spruch: "Schlafe süß, daß du am Morgen frisch und froh bist ohne Sorgen" (datiert 1922). Erwähnt werden muß, daß Michael Grennerth sozusagen als Beitrag zur Meeburger Gemeinschaft am Anfang des 20. Jahrhunderts auch die Wegweiserschrift "Zum Ort der Ruhe" über das Tor vor dem Meeburger Friedhofsgang gemalt hat. Erfreulich ist heute, wenn man bei den Nachkommen eines früheren Meisters über Generationen hinweg ihre künstlerischen Wurzeln erkennt. Die Brüder Johann und Georg Schell sind die Nachkommen in siebter Generation des ersten namentlich bekannten Meeburger Vorfahren „Im Graben“, bei denen das künstlerische Talent nach fast zwei Jahrhunderten sichtbar hervorgetreten ist. Obwohl sie sich weniger der traditionellen siebenbürgischen Malerei sondern eher der so genannten modernen Kunst widmen (was heute anscheinend nach einem Kunststudium auch allgemein erwartet wird), kann man in manchen ihrer Zeichnungen und Ölbildern ihre Verbundenheit mit Siebenbürgen erkennen - wie etwa in der Kohlezeichnung „Schwalbennester in Siebenbürgen“ von Georg Schell. Besonders erfreulich sind die Bemühungen jener Meeburger Nachkommen, das Erbe ihrer Vorfahren nebenberuflich und auch ehrenamtlich in der neuen Heimat weiterzuführen sei es durch ihre küstlerischen Tätigkeiten in der Malerei, als auch durch ihre organisatorischen für das Gemeinschaftswohl der Siebenbürger Sachsen - wie im Falle von Oswald Zerwes, ein wahrscheinlicher Nachkomme mütterlicherseits des o.g. Meeburger Meisters Johann Klein. Für sein besonderes Engagement im Verband der Siebenbürger Sachsen wurde Herr Zerwes kürzlich mit dem Goldenen Ehrenwappen der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen ausgezeichnet, was zugleich eine Motivation für ihn als Angehöriger der jüngeren Generation bedeutet. Viele Meeburger Meister sind heute weniger oder gar nicht mehr bekannt, doch ihre erhaltenen Kunstwerke, die wir heute bewundern können, sind auch jetzt das beste Zeugnis ihrer gemeinschaftlichen Schaffenskraft.
Michael Schuller: „Siebenbürgische Zeitung“ München 31.01. 2000

Meeburg - Legende und Geschichte

erschienen in der Siebenbürgischen Zeitung, 30. September 1995

Legende und Geschichte
Die siebenbürgisch-sächsische Ortschaft Meeburg, rumänisch Beia, ungarisch Homorodbene liegt an der Eisenbahnlinie Kronstadt - Schäßburg in der Nähe des Eisenbahntunnels, wo die Kreise Kronstadt, Harghita und Mieresch zusammentreffen.

Erstmals wurde die Ortschaft als Bene in einer lateinischen Urkunde am 15. Juni 1442 vom damaligen siebenbürgischen Fürsten Johannes Hunyadi, dem Vater des ungarischen Königs Mathias Korvinus, erwähnt. Aus dem Namen Bene ist das ungarische "Homorodbene" entstanden (1733 "Szász-Benyé", 1750 "Beje", 1850 "Beja"); so mancher meinte früher, daß dieses der Name einer "heiligen Jungfrau" aus der Umgebung gewesen sei.
Über die Entstehung des deutschen Ortsnamens "Meeburg" schrieb der Volkskundler Fr. Müller: "Mehburg selbst führt seinen Namen, welcher eigentlich Magdeburg lauten sollte, von einem Nonnenkloster, welches an der Rauhen Kuppe stand und von dem (um 1850) noch Mauertrümmer übrig sind". Auch die Sprachforscher G. Kisch, W. Scheiner und Fr. Keintzel-Schön meinten, daß der Ortsname Meeburg die mittelhochdeutsche Aussprache von "Magdeburg" sei.
Allerdings ist im Wappen Meeburgs nicht eine Jungfrau abgebildet, sondern ein Kreuz, das an den äußeren Enden von drei Armen je einen Kreis hat (vielleicht das Symbol für drei Rosen oder für die Straßenlage der Ortschaft), während am Ende des vierten aufwärtsgerichteten Armes wiederum ein kleines Kreuz abgebildet ist.
Die Sage erzählt über die Entstehung des Ortsnamens Meeburg folgendes: "Vor vielen, vielen Jahren lag im Nordwesten der Gemeinde, jenseits des heutigen Eisenbahntunnels, eine Siedlung, die von der Pest arge heimgesucht wurde, so daß nur noch einige Frauen überlebten. Sie verließen darauf ihr Dorf und, da sie aus Ansteckungsangst von keiner der umliegenden Gemeinden aufgenommen wurden, bauten sie im Süden Meeburgs, an der "Rauhen Koppe", mit Hilfe der Hirten aus der Nähe ein kleines Kloster, wo sie weiterlebten und für ihre verstorbenen Angehörigen beteten. Auf der etwas niedrigeren Koppe (heute auch "Mädelkoppe" genannt), von wo man eine gute Aussicht in die weite Umgebung hat, errichteten sie eine Kapelle. Heute gebraucht man für zwei in der Nähe befindlichen Riedteile die rumänischen Flurnamen "Dealul Chiliei" (Kapellenberg) und "Paraul Chiliei" (Kapellengraben), die darauf hindeuten. Für das Gebiet jenseits des Eisenbahntunnels, wo einst das untergegangene Dorf gewesen sein soll, benützt man noch den ungarischen Flurnamen "Romocsag" (Nur Trümmer).
In dieser Kapelle wohnte letztendlich ein Mädel, das die acht (deutschen, rumänischen und ungarischen) Siedlungen in der Umgebung durch Ausstecken ihrer Fahnen warnte, wenn ihnen von irgendwo eine Gefahr drohte. Eines Tages wurde es von einem Meeburger tot aufgefunden, ins Dorf am Fuße des Berges gebracht und da auf dem Friedhof begraben. So sollen die Meeburger die Holzfigur Jesu (die sich im Meeburger Flügelaltar befindet) aus der Kapelle - und die Ortschaft den Namen nach dem Mädel erhalten haben.
Der Meeburger Flügelaltar von 1513 wurde von Johann Stoß, dem Sohn des Nürnberger Bildhauers Veit Stoß, gemalt und stellt die Bildgeschichte der heiligen Ursula dar, welcher zur Erbauungszeit im 15. Jahrhundert die Kirche geweiht wurde. Die Herkunft der Jesusstatue im Mittelschrein (mit der Weltkugel in der Hand) ist heute noch unklar. Nach dem Kunstforscher V. Roth kann sie nicht eindeutig dem erwähnten Bildhauer Veit Stoß zugeschrieben werden, wie die Statuen im benachbarten Radeln; Gisela Richter, die bisher letzte Restauratorin des Meeburger Flügelaltars, meinte, daß die Jesusstatue eine barocke Ersatzfigur ist (tatsächlich sind im Laufe der bewegten Jahrhunderte mehrere Statuetten aus den Nischen des Flügelaltars verschwunden).
Von dem sogenannten Kirchenschatz können der vergoldete, mit Edelsteinen verzierte Silberkelch vom Anfang des 16. Jahrhunderts und die beiden zinnernen Abendmahlskannen mit den eingravierten Jahreszahlen 1661 und 1669 genannt werden.
Das frühere Meeburger Pfarrhaus erwähnte Bischof G.D. Teutsch in seinen Generalkirchenvisitationsberichten vor allem wegen seiner "Solidarität" und seiner "Schönheit". Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es enteignet und diente in der Nachkriegszeit vorwiegend als Lagergebäude der LPG. (Heute ist es unbewohnbar).
Das große Schulgebäude neben der evangelischen Kirche beherbergt heute den Kindergarten und die rumänischen Grundschulklassen.
Laut Statistik lebten 1920 in Meeburg 505 deutsche Einwohner (in den benachbarten deutschen Ortschaften: Arkeden 613, Draas 641, Katzendorf 681, Radeln 478). 1946 wohnten in Meeburg 313 und Ende 1994 noch 12 deutsche Einwohner.
In der Nachkriegszeit wurde Meeburg vor allem den Kunstsammlern immer mehr bekannt, und zwar waren die bemalten sächsischen Möbel unter den Kunstgegenständen am meisten begehrt. Roswitha Capesius schrieb diesbezüglich, daß die Repser Gegend "im 19. Jahrhundert die schönsten und originellsten Möbel (Südsiebenbürgens) hervorbrachte". Als Herstellungsorte nannte sie die Ortschaften Draas, Meeburg, Katzendorf, Deutsch-Kreuz und Seiburg. Heute sind die Meeburger Möbel von Siebenbürgen bis Ontario/Kanada verbreitet - gesucht werden vor allem jene mit dem "Drei-Rosen-Muster", dessen Ursprung Kunstmaler vielleicht an den bemalten Tafeln der Meeburger Kirchenemporen suchen sollten (oder am Wappen des früheren türkischen Gefangenen und späteren Schäßburger Bürgermeisters). G.D. Teutsch erwähnt in der Geschichte der Siebenbürger Sachsen, daß Johann Schuller von Rosenthal in Meeburg Grund besaß. Heute kann man neben dem Meeburger Altar (am Konfirmandengestühl) sein Wappen (ein Arm mit drei Rosen in der Hand), seinen Wahlspruch: "per sinas ad rosas" (Durch die Hecken zu den Rosen) und die Inschrift "J. Schuller, Pro-Consul Schässburg, 1696" erkennen.
Meeburg gehörte verwaltungsmäßig jahrhundertelang zum oberen Schäßburger Stuhl; seit Kriegsende gehört es zum Kreis Kronstadt und dazu seit 1968 zur Zentrumsgemeinde Katzendorf. Geographisch gesehen und aus der Sicht der Mundart gehört Meeburg zum Repser Ländchen.

Meeburger Gemeinschaft heute
Auf die Frage, ob die Meeburger eine ordnungsgemäße "Heimatortsgemeinschaft" (HOG) in Deutschland bilden, würden so manche unterschiedlich antworten. Denn die Meeburger sind eigentlich nicht nach den Satzungen der "HOG" organisiert (mit Vorsitzenden, festen Beiträgen usw.). Die Meeburger Gemeinschaft hat einen Vertreter (in Bayern) und einen Kirchenvater (in Siebenbürgen). Weil sich die meisten Meeburger in den verschiedensten Regionen der Bundesrepublik zusammengefunden haben, gibt es darüber hinaus traditionsbewußte Ansprechpartner ("Nachbarväter"?) der Gruppen in Traunreut, Augsburg, am Bodensee, Stuttgart, Düsseldorf-Köln und Hannover-Braunschweig.
Die Meeburger haben kein regelmäßig erscheinendes Mitteilungsblatt. Zu besonderen Anlässen werden sie über ein Rundschreiben ("Nachbarzeichen"?) durch den Vertreter und die Ansprechpartner sowie über die Siebenbürgische Zeitung benachrichtigt, wie beispielsweise anläßlich des Erscheinens des Meeburger Heimatbuches oder des bisher letzten Meeburger Treffens zu Ostern 1995 in Metzingen bei Stuttgart. (Das erste Meeburger Treffen in der Bundesrepublik fand 1980 in Drabenderhöhe statt).
Diese Organisationsform der Meeburger Gemeinschaft hat sich im Laufe der Jahre, bedingt durch die letzte Aussiedlungswelle in den 90er Jahren, so herausgebildet. (Die erste bekannte Auswanderungwelle der Meeburger erfolgte um 1900 nach Nordamerika).
Deshalb ist es besonders erfreulich, wenn sich so manche Meeburger Nachkommen - die heute in der Bundesrepublik, in Dänemark, Schweden, Kanada, USA und in anderen Ländern wohnen - zu der Meeburger Gemeinschaft zählen (auch wenn sie nicht Meeburgerisch sprechen), zu den veranstalteten Treffen erscheinen, das Meeburger Heimatbuch und die Siebenbürgische Zeitung lesen.
So ist es heute schwer, die Zahl der Meeburger in einer Statistik zusammenzufasssen.


von Michael Schuller


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