Meeburg - Informationen

Übersicht über die Informationen auf dieser Seite:

Dokumentationen über Meeburg in Archiven

siehe www.meeburg.de > Nachbarzeichen

Monografien

Vollständige Literaturliste (Ortsmonografien, Belletristik etc.) anzeigen

Einweihung des Meeburger Altarbilds > siehe ADZ vom 05.11.2015 (Doc-Artikel kann hier nicht dargestellt werden)

z ...

Einweihung des Meeburger Altarbilds S2

z ...

Einweihung des Meeburger Altarbilds S3

z ...

Einweihung des Meeburger Altarbilds S4

z ...

Einweihung des Meeburger Altarbilds S5

z ...

Namen Reps-Meeburg Titelseite

z ...

Namen Reps-Meeburg Rückseite

[bild]null[/bild]z ...

Buch: "Flurnamen ... in Siebenbürgen: Region Reps-Meeburg" im SVH-Verlag Saarbrücken erschienen

Buch: „Flurnamen und Namen von Personen in Siebenbürgen: Region Reps-Meeburg“ im SVH-Verlag Saarbrücken erschienen. Die Flurnamen, die Personennamen und die beeindruckenden Kirchenburgen in Siebenbürgen - Rumänien, über die viele Touristen heute staunen, dokumentieren sichtbar die Verbundenheit Rumäniens mit Mittel- und Westeuropa schon im Mittelalter. Viele Vorfahren der heutigen Siebenbürger sind in diese osteuropäische Region im Karpatenbogen schon zwischen 1142-1772 eingewandert (siehe Einleitung). Sie waren aus Holland, Belgien, Luxemburg, aus dem Osten Frankreichs, aus vielen Regionen Deutschlands und Österreichs ausgezogen, vor allem um ihr Glück und die völlige Freiheit zu finden – ähnlich wie es von den Pionieren Amerikas bekannt ist, die in den vorigen Jahrhunderten den Westen ihres Landes besiedelten. Und ähnlich wanderten Schwaben aus Süddeutschand nach Südosteuropa aus, um sich da in Ungarn, Kroatien, Serbien und im Westen Rumäniens anzusiedeln. Auch die Region Reps – Meeburg im Hommorodtal in Siebenbürgen wurde von den Ansiedlern geprägt, was die Flur- und Personennamen heute am besten bezeugen, die in diesem Buch aufgezeichnet sind, um sie vor der Vergessenheit zu retten. Auf über 100 Seiten erfährt der Leser in deutscher und rumänischer Sprache Erstaunliches über diese Region Siebenbürgens seit der Einwanderung der meisten Siedler im Mittelalter bis heute. Am Ende des Buches befinden sich dazu topografische Karten von 1914 bis 1983, sowie eine künstlerische Karte der Kirchenburgen im Tal des Großen und Kleinen Hommorods und am Alt, in der Region Reps-Fogarasch. Infos auch unter www.meeburg.de > Nachbarzeichen und www.siebenbuerger.de > Meeburg. Das Buch kann bestellt werden über www.amazon.de, www.svh-verlag.de/catalog und im Buchhandel (ISBN: 978-3-8381-5392-6) für ca. 35,- €.

Meeburg zwischen Alt und Mieresch

l ... Der wertvolle Flügelalter steht heute in der Schäßburger Bergkirche; Kirchenturm verdient renoviert zu werden[ Die Ortschaft Meeburg/Beia, an der Wasserscheide zwischen Alt und Mieresch, liegt an der Eisenbahnlinie Kronstadt/Braşov – Schäßburg/Sighişoara, so dass ihr spitzer weißer Kirchturm inmitten der kleinen Kirchenburg auch heute als stummer Zeuge auf die vorbeifahrenden Züge blickt - wie vor 70 Jahren, als die Güterwaggons mit den deportierten Siebenbürger Sachsen vorbeirollten (siehe auch Kopony, Helene-Martha: Fünf Jahre Arbeitslager, Aldus-Verlag Kronstadt/Braşov). Der Berg, unter dem die Eisenbahnzüge dort durchfahren, ist Schnittpunkt der Landkreise Kronstadt, Mieresch und Harghita. Jahrhundertelang, bis nach dem 2. Weltkrieg, hat Meeburg verwaltungsmäßig zu Schäßburg gehört, sprachlich und kunstgeschichtlich (Möbelmalerei) allerdings zum Repser Land. Heute gehört Meeburg sowohl verwaltungsmäßig als auch kirchlich zu Kronstadt. An einem Gestühl in der Meeburger evangelischen Kirche kann man auch heute das Wappen [mit dem Datum 1698] des ehemaligen Schäßburger Bürgermeister von Rosenthal (ein Arm mit drei Rosen ) erkennen, sowie den lateinischen Wahlspruch „per spinas ad rosas“ (Durch die Dornen zu den Rosen). l ... z ... Fotos: Wappen des Schäßburger Bürgermeisters von Rosenthal von 1698 in der Kirchenburg Meeburg und … l ... …an einem Tor in Schäßburg [Das Wappen sieht man heute auch über dem gewölbten Tor zu einem Hof neben dem Park in der Unterstadt Schäßburg, früher vermutlich das Haus des genannten Bürgermeisters von Rosenthal – siehe Foto oben. Man vermutet, dass das Meeburger Wappen - ein Kreuz mit je einem Ring an seinen drei oberen Enden und einem kleinen Kreuz an seinem unteren Ende, siehe Zeichnung unten - ihren Ursprung im o.g. Wappen mit den drei Rosen hat, das auch den Ursprung des Meeburger Rosenmusters bedeutet, siehe „Karpatenrundschau“ von 1999]. l ... Meeburger Wappen, Zeichnung: Oswald Zerwes
Der bekannte Dichter Michael Albert beschrieb meisterhaft in „Der Pfarrer aus dem Haferland“ den beschwerlichen aber malerischen Weg aus der abgelegenen Meeburger Region nach Schäßburg. Zwischen 1966-1976 kam die bewundernswerte Malerin Juliana Fabritius-Dancu oft in dieses Gebiet, um authentische siebenbürgisch-sächsische Trachten näher kennenzulernen. Die Meeburger Mädchentracht konnte man damals sogar als Plakatbild ihrer Aquarellaustellung über siebenbürgisch-sächsischen Trachten in Bukarest und Kronstadt bewundern (siehe Foto). l ... Juliana Fabritius-Dancu: Meeburger Mädchentracht 1977 (Plakatbild der Aquarellausstellung in Bukarest)
Nördlich von Meeburg liegt die ungarische Nachbargemeide Dersch/Dârjiu, deren Kirchenburg auf der UNESCO-Liste als Weltkulturerbe steht, wie die Schäßburger Burg, [die Kirchenburg Keisd] und die Kirchenburg Weißkirch bei Reps, also weitere Sehenswürdigkeiten in der Region. Nordöstlich von Meeburg liegt Draas/Drăuşeni, früher vielen bekannt als die östlichste Siedlung der Siebenbürger Sachsen auf Königsboden [ein Gebiet in Südsiebenbürgen, welches direkt zum Besitz des Königs gehörte und nicht zum ungarischen Adel]. Das symbolische Draaser Schwert, das von der Einwanderung der Siebenbürger Sachsen zeugt, und beispielsweise auch im Wappen von Hermannstadt/Sibiu abgebildet ist [mit den beiden gekreuzten Schwertern, welche die Einwanderer aus Westeuropa in die Grenzsiedlungen der späteren Siebenbürger Sachsen trugen: Broos im Westen und Draas im Osten]. Das genannte Draaser Schwert ist auch heute noch Meeburger Augenzeugen bekannt. Weiter östlich erheben sich die Harghita-Berge als Teil der Ostkarpaten. Somit ist diese Region Siebenbürgens im oberen Hommorodtal vor allem natur- und kulturinteressierten Touristen zu empfehlen. Der beliebte Reiseleiter Oswald Zerwes, dessen Urgroßvater der erste namentlich bekannte Organist in Meeburg war, hat nicht nur Kulturreisen durch Deutschland, Belgien und Italien organisiert, sondern immer wieder gern auch Reisen durch Siebenbürgen, zu den Moldauklöstern, oder ins Donaudelta. Nächsten August plant er wieder eine Busreise durch Siebenbürgen – diesmal eben auch ins obere Hommorodtal. [Für sein bewundernswertes Engagement und sein organisatorisches Talent wurde Oswald Zerwes unter anderem mit dem goldenen Wappen des Verbands der Siebenbürger Sachsen geehrt]. Die etwa 10-tägige Reise soll voraussichtlich in Oberbayern starten, und durch Österreich und Ungarn nach Siebenbürgen und ins Banat führen. Dabei können die Reisenden u.a. die bekannten Orte Großwardein, Klausenburg, Bistritz, Schäßburg, Kronstadt, Mediasch, Hermannstadt und Temeschburg besichtigen. Höhepunkt der Reise soll die Einweihung des Meeburger Altarbilds Anfang August in der Meeburger ev. Kirche sein, wenn möglich im Beisein des Repser und des Schäßburger ev. Stadtpfarrers. Dechant Pfarrer Fröhlich fühlt sich mit Meeburg besonders verbunden, da einer seiner Urahnen früher als Prediger in dieser Gemeinde gewirkt hat. Genaueres zur oben genannten geplanten Reise können Interessenten von Oswald Zerwes unter Tel.: … erfahren. Der Meeburger Flügelaltar von 1513 stammt aus der Werkstatt des Schäßburger Meisters Johann Stoß, Sohn des Nürnberger Bildhauers Veit Stoß [der der Schule um Albrecht Dürer angehörte]. Die Festtagsseite zeigt vier Bilder aus dem Leben der heiligen Ursula, Märtyrerin von Köln, die sich um die Zentralgestalt reihen. Das ist Jesus in der seltenen symbolischen Darstellung als Weltherrscher mit der Weltkugel in der Hand, also nicht am Kreuz, wie wir ihn aus zahlreichen Darstellungen kennen, sondern als Sinnbild des Lebens und der Nächstenliebe. Die Werktagsseite (Rückseite des Flügelaltars) zeigt Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu‘. Nach der Wende wurde der wertvolle Meeburger Altar vor den Kunsträubern gesichert, da sie bekanntlich Kunstgegenstände aus siebenbürgischen Kirchen entwendeten, wie den Meeburgern von dem Raub in der Kirchenburg der Nachbargemeinde Radeln/Roades her bekannt war [die geraubten Sachen wurden von der Polizei auf dem Weg nach Italien sichergestellt]. Ende der 1990-er Jahre konnte der Flügelaltar auch dank des Engagements des Schäßburger Pfarrers Fröhlich restauriert in der Schäßburger Bergkirche aufgebaut werden. Heute wird der Flügelaltar da von hunderten Touristen jährlich bewundert.
l ... Altarbild in der Kirchenburg Meeburg 2015, Foto: Oswald Zerwes
Das Altarbild, das erstmals 2014 durch das Engagement von Johann Schell (ebenfalls mit Meeburger Wurzeln) in Bietigheim-Bissingen bei Stuttgart ausgestellt wurde, ist eine bewundernswerte Kopie des genannten Flügelaltars. [Johann Schell hat in Bietigheim-Bissingen din Meeburger Treffen organisiert, wo unter anderen auch der Bürgermeister Meeburgs, Gh. Vocilă, als Ehrengast anwesend war]. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn als zweiter Schritt die entsprechende Renovierung des bereits erwähnten, von Weitem sichtbaren Meeburger Kirchturms folgen würde. Der Kirchturm war nämlich schon in der Zwischenkriegszeit sogar in Westrumänien bekannt - die Banater bewunderten ihn, wenn sie per Eisenbahn von Temeschburg und Arad nach Bukarest reisten. So hatte sich bis dahin herumgesprochen, dass nach dem Eisenbahntunnel unter einem Berg in Siebenbürgen, wo drei Verwaltungskreise zusammentreffen, ein besonders hoher weißer Kirchturm zu sehen ist (zu Details siehe den Artikel „Meeburg … mit dem spitzen, weißen Kirchturm“ in der „Karpatenrundschau“ vom 30.10.2010). Der Sage nach soll die Jesusstatue des Meeburger Flügelaltars aus dem Nonnenkloster stammen, das sich früher auf der „Koppe“ (ungarisch „Léanyhalom“) in der Nähe Meeburgs befand, und von wo die Jungfrau (sieb.-sächs. „Meed“) abstammt, die der Ortschaft am Fuße des Berges den Namen „Meeburg“ gab. Die Jungfrau soll „Bea“ geheißen haben, von wo der rumänische Name der Ortschaft „Beia“ abstammen soll, wie so mancher annimmt [1850 wurde der Name „Beja“ verzeichnet, 1854 der deutsche Ortsname “Mehburg” und 1913 der ungarisch Ortsname „Homorodbene“ (Coriolan Suciu: Dicţionar istoric al localităţilor din Transilvania), siehe die Bibliografie]. Der Sage nach warnte die Jungfrau von der Koppe die Ortschaften der Umgebung rechtzeitig vor den nahenden Feinden, damit sie sich in ihre Kirchenburgen zurückziehen konnten. [Sie stammte angeblich aus dem untergegangenen Nachbardorf Rumes in der Nähe des heutigen Tunnels, Dorf welches nach dem Wüten der Pest da aufgegeben wurde]. Heute kennen die Bewohner Meeburgs zu dieser Geschichte bloß die rumänischen Flurnamen der Region: „Dealul Chiliei“ (Kapellenberg) und „Pârâul Chiliei“ (Kapellengraben), sowie den ungarischen Flurnamen für eine Stelle in der Nähe des Tunnels „Romocsag“ (nur Trümmer). Von da oben hat man auch heute eine hervorragende Aussicht von den Harghita-Bergen und der ungarischen Ortschaft Petecu/Petek im Nord-Osten, über die Gemarkungen der Nachbarortschaften [Dersch/Dârjiu (ungarisch Derzs) – mit der berühmten Kirchenburg, die sich als Weltkulturerbe auf der UNESCO-Liste befindet], Arkeden/Archita, Radeln (mit Maffays Ferienheim für traumatisierte Kinder) und Schweischer/Fischer (mit dem evangelischen Altersheim im Repser Ländchen), sowie über die Repser Burg im fernen Süden, bis Katzendorf/Caţa, Königsdorf/Paloş und Draas/Dráuseni [früher die östlichste siebenbürgisch-sächsische Gemeinde auf Königsboden wie bereits erwähnt]. Diese Route am Rande des Haferlandes – [siehe die „Haferlandwoche“ jährlich organisiert von der Michael-Schmidt-Stiftung] wäre heute ideal etwa für Mountainbiker, die eine Region mit fast unberührter Natur im Hommorodtal erkunden möchten, Region die schon früher als „Luftkurort“ geschätzt wurde, und heute sogar von Persönlichkeiten bewundert wird wie der britische Prinz Charles [oder Peter Maffay, der größte deutsche Rocksänger; Prinz Charles hat die Ortschaft Radeln und die bewundernswerte Natur um Meeburg auf seinem Weg nach Deutsch-Weisskirch besucht]. Dazu muss die bewundernswerte Volkskunst der Region erwähnt werden, vor allem die bemalten Möbel aus Meeburg, die heute von Siebenbürgen bis Nordamerika verstreut sind (siehe auch „Karpatenrundschau“ vom 10.04.2008). Weitere Infos über die Region Meeburg können Interessente auch im Bildband „Das Repser und das Fogarascher Land“ erfahren (zu bestellen unter Tel. 07132/9511612 beim „Buchversand Südost“), oder unter www.meeburg.de > Nachbarzeichen > Dokumentation (in der Siebenbürgischen Bibliothek, im Foto- und Nachlassarchiv Gundelsheim am Neckar und in online-Zeitungsarchiven). Zu der Möbelmalerei und den früheren Meeburger Malermeistern hat bereits die „Siebenbürgischen Zeitung“ berichtet (siehe SZ von 1999 und vom 31.01.2000.) Heute freuen sich die Meeburger, dass sie engagierte Freunde zu ihrer Gemeinschaft zählen dürfen wie den Kunstexperten Werner Förderreuther, den Historiker Martin Rill u.a., die sich als Fachleute für ganz Siebenbürgen einsetzen. Michael Schuller: „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (ADZ)“ Kronstadt-Bukarest 26.04.2015
[Die nachträglichen Ergänzungen, sowie die Abschnitte, die aus Platzmangel in der Zeitung nicht veröffentlicht werden konnten, sind in eckigen Klammern vermerkt.]

Ansiedler und Aussiedler

l ... z ...
Die deutschen Ortsnamen und die beeindruckenden mittelalterlichen Kirchenburgen in Siebenbürgen, sind ein sichtbares Dokument der Verbundenheit Rumäniens mit Mittel- und Westeuropa. l ... z ... Foto: Burg Logne bei Malmédy in Belgien nahe der Grenze zu Luxemburg – ein Auswanderungsort der Vorfahren der Siebenbürger Sachsen
Die meisten Vorfahren der heutigen Siebenbürger sind in diese osteuropäische Region im Karpatenbogen bekanntlich schon um 1142 geschlossen eingewandert. Sie waren aus West- und Mitteleuropa ausgezogen, aus Belgien, Luxemburg, aus dem Osten Frankreichs, aus vielen Regionen Deutschlands und um 1772 aus Österreich (Landler), vor allem um ihr Glück und die völlige Freiheit zu finden. Ähnlich wanderten die Siedler in den vorigen Jahrhunderten im Osten der Vereinigten Staaten von Amerika aus, um ihr Glück im Westen ihres Landes zu finden. Und ähnlich wanderten später Schwaben aus Süddeutschland nach Südosteuropa aus, um sich da in Ungarn, Kroatien, Serbien und im Westen - sowie im Nordwesten Rumäniens anzusiedeln. Der erste namentlich bekannte Auswanderer aus Westeuropa, der schon am Anfang des 12. Jahrhunderts, also vor Beginn der geschlossenen Besiedlung des heutigen Siebenbürgens, aus Westeuropa wegzog, um die neue Heimat im Osten Europas zu finden, war Anselm von Bras. Er war Burgvogt der Burg Logne in der Nähe von Stavelot, Region Malmedi in Belgien, in der Nähe der Nordgrenze Luxemburgs. Heute ist der Vertrag von 1103 bekannt, den Anselm von Bras mit dem Kloster „Stablo“ (Stavelot) im Osten Belgiens damals abschloss. Darin wird vermerkt, dass Anselm von Bras die Burgleitung abgibt, weil er mit seinen Söhnen ins „Ungarnland“ auswandern möchte. Sollte er jedoch zurückkehren, sei er berechtigt, die Burgleitung wieder zu übernehmen. Tatsächlich übernahm sein Schwiegersohn die Burgleitung nach seiner Auswanderung. Heute kann man da in Ostbelgien, im Ardennerwald, noch die Ruinen der Burg Logne sehen, von wo die Touristen einen schönen Blick ins Tal haben, ähnlich wie von der Törzburg in Siebenbürgen. Wo sich Anselm von Bras und seine Söhne in Siebenbürgen niedergelassen haben, ist nicht bekannt. Man vermutet jedoch, dass er als Kleinadliger womöglich mehrere Ansiedler angeführt hat, die sich in der Region Broos (Orastie) niedergelassen haben - und somit dem Ort seinen Namen gegeben hat. Bekanntlich erfolgte die erste geschlossene Besiedlung des Karpatenlandes nördlich der Südkarpaten, entlang der Flüsse Zibin, Alt und Hamruden/Homorod, von Broos im Westen bis Draas (lateinisch terra Daraus) bei Reps/Rupea im Osten. Diese Vorfahren der Siebenbürger Sachsen waren freie Bürger vom König mit vielen Privilegien ausgestattet und direkt ihm unterstellt. Der ungarische König Andreas II. stellte den einstigen Ansiedlern diesbezüglich im Jahr 1224 als Urkunde den „goldenen Freibrief“ aus. Im Karpatenland wohnten jedoch auch viele Ungarn und Rumänen, die den ungarischen Adligen unterstellt waren. Das waren auch die Regionen an der Großen – und Kleinen Kokel, sowie jene bis an den Samosch/Somes-Fluß im Norden, also die Regionen Sächsisch-Regen/Reghin und Bistritz, wo sich ebenfalls Einwanderer aus Westeuropa ansiedelten. Diese Siebenbürger Sachsen wünschten sich natürlich ebenfalls die Privilegien und die Freiheit, die ihre Brüder auf dem sogenannten Königsboden besaßen. So erfolgten bis zur Reformation, also bis zur Trennung vom gemeinsamen katholische Glauben, immer wieder Aufstände der Nachkommen der Einwanderer gegen die ansässigen Kirchenfürsten bzw. gegen die ungarischen Adligen. Der erste bekannte Aufstand, der schließlich ein großer Erfolg für die Siebenbürger Sachsen bedeutete, war jener von 1277 angeführt von Gaan von Salzburg bei Hermannstadt (französisch Jean), anscheinend ein Ritternachkomme, wobei die Residenz des katholischen Bischofs Weißenburg (Alba-Iulia) größtenteils zerstört wurde. Die Stadt Weißenburg (heute auch Karlsburg genannt) war der Vorort des siebenbürgischen Bistums, das von den Nachkommen der einstigen Einwanderern zusätzliche Abgaben forderte. 1308 mussten sich deshalb schließlich sieben sächsische Kirchenkapitel vor dem Gericht in (Buda)Pest verantworten, weil ihre sächsischen Bürger damals mit Waffengewalt in den Dom in Weißenburg eingedrungen waren, und danach die Stadt verwüstet hatten. Nach knapp 50 Jahren seit der Ausstellung des „goldenen Freibriefs“ durch den damaligen König war es Henning von Petersberg, Gräf von Kelling, der für sein Volk und die Freiheitsidee vom jetzigen König den „goldenen Freibrief“ bestätigen ließ, und darauf in der Schlacht gegen die kumanischen Söldner bei Reps 1324 sogar sein Leben opferte. Diese Auseinandersetzungen hatten schließlich als Folge, dass der König allen Siebenbürger Sachsen die Privilegien anerkannte (eigene Gerichtsbarkeit, freie Wahl des Pfarrers als Oberhaupt der jeweiligen Gemeinde), so dass die Nachkommen der einstigen Einwanderer endlich als einheitliches Volk betrachtet wurden. Aber ihre eigentliche Unabhängigkeit erhielten alle Nachkommen der einstigen Einwanderer erst nach der Reformation, also nach dem geschlossenen Übertritt zum evangelischen Glauben. Um 1772 wanderten die Vorfahren der Landler aus Österreich nach Siebenbürgen in die Region Hermannstadt ein, und bildeten im Laufe der Jahre gemeinsame Ortsgemeinschaften mit den Siebenbürger Sachsen. Dezember 1989 brachte auch die Massenaussiedlung in die „Urheimat“ mit sich Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zogen gewöhnlich die begabten Söhne der wohlhabenden Bürger Siebenbürgens und Rumäniens zum Studium nach Deutschland und Frankreich. Die Siebenbürger Sachsen studierten gewöhnlich in Süddeutschland (Heidelberg, Tübingen) Theologie, um nach ihrer Rückkehr in die Heimat als Lehrer und Pfarrer ihr Wissen an die junge Generation weiterzugeben. Vor allem aus der rumänischen Literatur ist bekannt, dass die Söhne wohlhabender Grundbesitzer in Südrumänien und der Moldau zum Studium nach Paris fuhren, weil Rumänisch als romanische Sprache mit Französisch verwandt ist, und es somit fast keine Verständnisschwierigkeiten gab. So wurde die französische Sprache früher lange Zeit als Sprache der gehobenen Gesellschaft in Rumänien angesehen. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts wanderten viele Siebenbürger Sachsen und Rumänen nach Westeuropa aus, um etwa von Hamburg oder Bremen mit dem Schiff in die neue Welt nach Amerika weiterzureisen, und da ihr Glück zu suchen. Das vor allem weil Englisch und Deutsch germanische Sprachen sind, und die Siebenbürger da wenige Verständigungsprobleme hatten. Deshalb heißt heute im Volksmund beispielsweise die Ortschaft Palos bei Reps „America Mica“ (Klein-Amerika). Bis Ende der 20-er Jahre konnte man fast problemlos in die USA auswandern, ab 1928 sind dann viele Siebenbürger nach Kanada ausgewandert, um Geld zu verdienen, und um, nach ihrer Rückkehr in Siebenbürgen, Grund zu kaufen, oder moderne Häuser zu bauen. Auch Auswanderungen aus Siebenbürgen beispielsweise nach Sao Paulo in Südamerika sind aus den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts bekannt. Der 2. Weltkrieg und seine unmittelbaren Folgen bedeutete für viele Bürger Rumäniens Umsiedlung und Deportation, er riss bedauerlicherweise viele Familien auseinander, so dass Siebenbürger und rumänische Staatsbürger in der Nachkriegszeit sozusagen auf der ganzen Welt verstreut waren, von Russland über Europa und Amerika bis nach Australien. Gleich nach der Wende 1989 in Rumänien erfolgte eine Massenauswanderung der Siebenbürger Sachsen nach Mittel- und Westeuropa gewöhnlich zu Verwandten, vorwiegend nach Deutschland, aber auch nach Österreich, in die Schweiz, nach Frankreich und Skandinavien, sowie nach Nordamerika. Manche Siebenbürger Sachsen meinten dazu, sie konnten endlich dem Ceausescu-Regime entkommen, und in die Urheimat ihrer Vorfahren einwandern. Aber auch in umgekehrter Richtung erfolgte die Migration: manche Bürger aus Mittel- und Westeuropa wanderten in das befreite Rumänien und nach Siebenbürgen ein. Dazu wanderten auch weltberühmte Firmen aus Westeuropa ins osteuropäische Karpatenland ein, wie Nokia nach Klausenburg / Cluj, Stihl und Bosch nach Mühlbach / Sebes-Alba, Renault nach Südrumänien und viele andere. Seit 2007 ist Rumänien Mitglied der Europäischen Union, so dass sich vor allem die jungen rumänischen Staatsbürger europaweit zu Hause fühlen. So wanderten in den letzten Jahren Millionen rumänischer Staatsbürger nach Mittel- und Westeuropa aus, vor allem um Arbeit und ihr Glück da in der Ferne zu finden. Heute wäre es wünschenswert, wenn vor allem die jungen Bürger Rumäniens den Impuls zum Erlernen einer weiteren europäische Sprache erhalten würden, um ihre interkulturelle Kompetenz zu erweitern und so einen weiteren Grundstein für das Fundament ihres Wissens zu legen, eine Tatsache, die sich seit Jahrhunderten bewährt hat. Denn dann können sie selbstbewusst und hoffnungsvoll in die Zukunft schauen – so wie im Mittelalter die Ansiedler aus Mittel- und Westeuropa.
Michael Schuller: „Karpatenrundschau“ Braşov/Kronstadt 09.04.2015
[Die nachträglichen Ergänzungen, sowie die Abschnitte, die aus Platzmangel in der Zeitung nicht veröffentlicht werden konnten, sind in eckigen Klammern vermerkt.]
(Titel und Zwischentitel von der Redaktion verfasst) Fotos: Ruinen der Burg Logne in Belgien bei Stavelot 1992, Region Malmédy-Spa, Auswanderungsort im Mittelalter nach Osteuropa. Fotos: der Verfasser
Die Kronstädter Wochenschrift "Karpatenrundschau" erscheint als Beilage in der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien". Herausgeber: Demokratisches Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt Redaktion: 500.030 Braşov, Str. M. Sadoveanu 3, Fernruf und Telefax: 0040 -(0)268/475 841, E-Mail:kronstadt@adz.ro Schriftleiter: Ralf Sudrigian. Redaktuere: Hans Butmaloiu, Christine Chiriac, Dieter Drotleff (Redaktionsleiter 1989 - 2007)

Neues von Meeburg »

Editor(en)

Registrieren! | Passwort vergessen?
In Zusammenarbeit mit mehreren Verlagen, Unternehmen und Künstlern bietet das Siebenbuerger.de Shop-Portal eine Auswahl an Artikeln mit Bezug zu Siebenbürgen.

Siebenbuerger.de Shop

Geschenkideen im Shop: "E Liedchen hälft ängden" - Alte und neue Lieder aus Siebenbürgen ~ Martin Eichler: Sechs neue Siebenbürgen-Kalender 2019 ~ Aquarelle von Theo Damm - Städte, Dörfer und Kirchenburgen aus Siebenbürgen ~ Wappen aus Kupfer von Neumarkt ~ Honterus-Verlag ~ Karl-Heinz Brenndörfer: Die Elektrifizierung des Burzenlandes - Von der Vision zum Strom ~ CD: Mit Blasmusik voran ~ Wolfgang Klein: Schnaps für alle ~ Schiller Verlag: Viele neue Bücher ~ Fabini: Sakrale Baukunst in siebenbürgisch-sächsischen Städten ~ Hildegard Bergel-Boettcher und Andrea Gatzke: CD Siebenbürgische Lieder ~ Neue CD von Jürgen aus Siebenbürgen: "Nach meiner Heimat"

Berichte und Rezensionen der SbZ zu Büchern und sonstigen Medien mit siebenbürgischem Bezug
Impressum · RSS · Banner · Online werben · Nutzungsbedingungen · Datenschutz