Die Wanderung um Mediasch von Nimesch nach Meschen

- Tag vier des Mediascher Treffens Mai 2008
Die zwischenzeitlich ausgegebene Hiobsbotschaft – der Wandertag fiele mangels InteressentInnen aus – ist glücklicherweise und kurzer Hand Sonntagmittag noch revidiert worden.
Und nun das: Die ganze Nacht von Sonntag auf Montag ein Gewitter, dass sich die Balken (und Ohren) biegen – Mediascher Gewitter eben! So ein Unwetter. Was wird bloß aus unserem Ausflug? Der fällt bestimmt aus…Dabei haben wir uns doch so darauf gefreut! Da aber „Ein Wanderer i m m e r ein Wanderer ist!“ (O-Ton Helmuth Knall) gehen wir um kurz vor neun zum Treffpunkt am Eingang des Kirchenkastells und sind erstaunt, dass wir ein bunt gemischtes Dutzend unerschrockener Wandersleut‘ abgeben! Nach einer kurzen Vorstellungsrunde machen wir uns mit zwei VW-Bussen zu dem bisher unbekannten (weil streng gehüteten) Ausgangspunkt auf: nach Nimesch!

Die Stimmung in unserem Bus ist prima, alldieweil wird hier und dort geplauscht. Und eh wir’s uns versehen, sind wir auch schon in Nimesch, das sich bei Sonnenschein von seiner besten Seite zeigt. Wo wir schon in Nimesch sind, da könnten wir doch noch kurz zum Pfarrhaus und in die Kirche? Immerhin hat Stephan Ludwig Roth hier lange Jahre gelebt! Wir sind uns alle einig, diese Gelegenheit wollen wir uns nicht entgehen lassen, und unsere Ausflugsleitung setzt auch schon alle Hebel in Bewegung….

Von neuen Eindrücken beseelt verabschieden wir uns von der Kirchenbesorgerin Frau Gärtner und es geht jetzt aus Nimesch hinaus und auf nach Meschen! An dieser Stelle muss ich es doch einmal los werden, dass – und alle Nicht-MediascherInnen mögen es mir nachsehen, aber ich kann nicht anders! – die allerschönste Gegend der Welt, die um Mediasch ist! In diesem Bewusstsein betrachte ich jeden Hügel und jeden Baum, jede Wiesenblume und jede Biene mit Bewunderung und Dankbarkeit.


Genug der salbungsvollen Worte, denn auf den unbefestigten Feldwegen macht sich der starke Regen der letzten Nacht doch bemerkbar und so mancher Schritt endet trotz strategischer Überlegungen in einer Rutschpartie. Ein glimpflich, weil glitschig (!) verlaufender Sturz – mehr gibt es gottlob nicht zu beklagen. Wir setzen unseren Weg fort und hier und da zitiert Herr Knall die ein oder andere Stelle aus der Wegbeschreibung, passend zu den landschaftlichen Besonderheiten oder den an Bäumen angebrachten Wegweisern. Wir sind von dieser logistischen Leistung in Wort und Tat beeindruckt!

Weiter geht es durch den Wald und ich wünsche mir, diese Momente umarmt von diesem unvergleichlich schönen leuchtenden Grün und der nur von Vogelgezwitscher umrahmten Stille in meinem Herzen bewahren zu können. Nun bin ich nicht der in Landschaftsbeschreibungen geübte Goethe und kürze besser gedanklich die Wegstrecke ab… Und wir sind – vorbei an einigen leckeren Gärtchen - schon in Meschen. Hier erfreuen wir uns bei einer kurzen Pause an dem kühlen Wasser eines Straßenbrunnens und setzen unseren Weg fort zur Meschener Kirchenburg!

Hier angekommen stürzt ein Teil von uns direkt in die Kirche, um den Stand der Bauarbeiten in Erfahrung zu bringen. Oh Schreck! Hier sieht‘s aber richtig schlimm aus! Noch bevor wir Näheres in Erfahrung bringen können, werden wir eilig in den Glockenturm gerufen. Dort soll es eine Überraschung geben! Und tatsächlich: Auf der ersten Turmebene ist ein wundervolles Buffet aufgebaut! Auf weißen Tischdecken stehen Teller mit frischem Brot, geviertelten Tomaten, Frühlingszwiebeln, Käsestückchen und Speck (lies: Baufliesch). Dazu gibt es Wasser, Pali und meinen Lieblingswein: Isabella! Wir sind begeistert– das haben wir nicht erwartet! An dieser Stelle möchten wir uns herzlich bei Frau Ilse und Frau Luci für die gelungene Vorbereitung und bei dem Spender dieser Mahlzeit, unserem Herrn Bezirksdechant Guib, bedanken.

So prima versorgt lässt es sich im kühlen Glockenturm vortrefflich plaudern und: die Zeit vergessen. Nach vielen schönen Gesprächen und ausgiebiger Stärkung verlassen wir diesen herrlichen Ort und gehen nochmals in die Kirche, wo uns Herr Ionel Şotropa – seines Zeichens Schulleiter in Meschen und stellvertretender Vorsitzender des Historikervereins „Mediasch und Umgebung“ schon erwartet. Er berichtet über den derzeitigen finanziellen Engpass und die sich daraus ergebenden Sorgen um die Kirchenburg.

Herr Şotropa beantwortet geduldig unsere vielen Fragen und lädt uns zur Fortsetzung der Diskussion in das Lehrerzimmer zu Kaffee und Bier ein! Dort sitzen wir nun gemütlich und erfahren Historisches und Neues zuweilen in Simultanübersetzung, da wir nicht alle der rumänischen Sprache mächtig sind.

Als Dankeschön für sein Engagement und die freundliche Bewirtung singen wir Zwölf im Treppenhaus für Herrn Şotropa hingebungsvoll „Af dëser Ierd“ und „Siebenbürgen“.

Draußen warten schon unsere Busse auf uns - der Abschied ist herzlich und von vielen guten Wünschen begleitet. Erfüllt von einem ereignisreichen und zuweilen auch emotional bewegenden Tag kommen wir gegen 17 Uhr in Mediasch an. Eines steht für uns heute schon fest: Bei nächster Gelegenheit werden wir die neu herausgegebene Broschüre „Wanderwege um Mediasch“ erwerben und uns in Eigenregie auf die Pirsch machen!

Wir bedanken uns herzlich bei allen, die dieses Projekt unterstützt und zum Erfolg geführt haben, insbesondere den Schülerinnen und Schülern des Stephan-Ludwig-Roth-Gymnasiums in Mediasch für ihren Einsatz bei der Markierung der Wanderwege.

Unseren ganz besonderer Dank richten wir an Herrn Helmuth Knall, der sich für uns Zeit genommen und diese Wanderung für und mit uns durchgeführt hat - getreu seinem Motto: „Ein Wanderer ist immer ein Wanderer.“ So sei es!

Monika Schneider-Mild

Monie

Mediascher Infoblatt und "Schritte" Kirchenblatt des Mediascher Bezirks

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