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Transilvanian Brunch in Schlatt am 26.07.2014!

www.siebenbuerger.de/ortschaften/schlatt/dateien/d/2014/s.pdf
Am 26.07.2014 fand der erste Transilvanian Brunch in Schlatt statt!

Andacht von Pfarrer Johannes de Fallois

15. Schlattner Treffen / 24.05.2014 / Andacht von Pfarrer Johannes de Fallois
Heimattreffen der Siebenbürger aus Schlatt am 24.05.2014
im Rödenhof ND, 11 Uhr

Die geistigen und geistlichen Werte den nachfolgenden Generationen weitergeben

Gnade sie mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus

Buch der Weisheit 3, 1-9; Evangelium: Matthäus 28, 16-20

Liebe Siebenbürgerinnen und Siebenbürger, besonders liebe ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner von Schlatt, Ihrer vertrauten Heimat! Liebe Gäste aus nah und fern hier in unserer Heimatstadt Neuburg an der Donau!

Ihr alle, die Ihr vor inzwischen vielen Jahrzehnten Eure Heimat Siebenbürgen verlassen habt, Ihr habt – so wie alle deutschen Flüchtlinge und Heimatvertriebenen wie sonst keine andere Bevölkerungsgruppe die Realität des pilgernden Volk Gottes erfahren; ja Ihr habt als Christen die Vorläufigkeit, Zeitbedingtheit und Brüchigkeit menschlicher Existenz in erschreckend-drastischer Weise durchleiden müssen.
Was habt Ihr da nicht alles zurücklassen müssen:
natürlich zunächst mal Menschen: die, die nicht mehr mit wollten, die den Schritt nach Deutschland nicht mehr wagen wollten, natürlich liebgewordene und vertraute Nachbarn.
Zurückgelassen habt Ihr zum größten Teil Euren Besitz, Häuser und Höfe, Äcker, Felder, Wiesen. Jeden Strauch, jede Krume Erde habt Ihr daheim gekannt.
So wie die, die Ihr auf den Friedhöfen zurückgelassen habt, deren alte Gräber inzwischen immer schwerer zu finden sind.
Zurückgelassen wurden auch die Kirchen und Pfarrhöfe. Wie viele schöne Erinnerungen verbinden sich mit diesen Gotteshäusern und Kirchtürmen. Und die Bilder sind ja immer noch da: all die Weihnachten im Kerzenschein, die Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen.
Heute werden vor allem die Älteren in der ein oder anderen Erinnerung schwelgen: „weißt du noch, wie wir damals, der war dabei, und die lebte damals noch. Da stand auch noch dieses und jenes Gebäude und gleich da hinten hat die Familie XY gewohnt, wo wir so oft ... Ja, Erinnerungen an Feste und Feiern, Tracht und Musik, Tanz und Fröhlichkeit, aber auch an den Alltag, voller Arbeit und Fleiß. Die Felder, die Gärten, die Ernte in Sommer und Herbst. Das unvergleichliche Klima. Der Zusammenhalt, den es wohl nie mehr so geben wird... und und und.
All das habt Ihr aufgegeben, um – ja warum eigentlich? Um in die alte Heimat Deutschland zurückzukehren, um das Deutschsein frei und ungehindert leben zu können, um den Jungen eine Lebensperspektive zu geben, auch um wirtschaftlich weiterzukommen, sich mehr als bisher leisten zu können.

Leicht war diese Entscheidung zu gehen, nicht, obwohl ich nie einen getroffen habe, der ihn je bereut hätte. Und dieser Weg der Eingliederung in der neuen Heimat, ich denke, der war durchaus auch ein Glaubensweg, ein Glaubensweg mit unserem Gott.

Dass wir heute beim Schlatter-Treffen auch gemeinsam die Andacht feiern, das macht mir deutlich, dass Ihr wisst, woher aller Segen kommt und woher Ihr die Kraft und Zuversicht habt, Euer Leben immer wieder neu und in rechter Weise zu gestalten. Ich denke, da ist schon viel dran, wenn mir eine alte Siebenbürgerin sagt: „Wir Siebenbürger sind Menschen der Treue, der Treue zur Heimat, der Treue zu unserm Herrgott und der Treue zum Willen einer versöhnten Nachbarschaft.“

Zu diesen drei Stichworten will ich etwas sagen:

1. Treue zur Heimat
Ich denke, jeder Mensch braucht eine Heimat, den Ort, an dem er sich wohl fühlt, an dem er von Menschen umgeben ist, die ihm Gutes wollen, an dem er seine Wurzeln schlagen kann und so einen Ort der Geborgenheit findet. Die Liebe zur Heimat zeichnet einen Menschen aus, der ein Mensch der Dankbarkeit ist. Und deshalb sind meine Frau und ich dankbar und froh, dass die Siebenbürger Menschen der Treue zu ihrer alten und genau so auch zu ihrer neuen Heimat sind. Heimat ist ja ganz vielschichtig. Heimat hat geographische, kulturelle, geistliche und religiöse Dimensionen. Heimat gehört zum Menschen dazu und zu seiner Geschichte und darf daher niemandem gewaltsam genommen werden. Es ist furchtbar, wenn solche Wurzeln rausgerissen werden, wenn der Ort der Geborgenheit durch Furcht und Leid überschattet wird. Für viele ist das dort erlittene Unrecht: Vertreibung, gewaltsame Umsiedlung und Zwangsarbeit immer noch ein Schmerz. Als Christen leben wir natürlich in der Hoffnung, dass die versöhnende Kraft unseres menschenfreundlichen Gottes die Wunden der Vergangenheit heilen und eine bessere Zukunft eröffnen kann.
Das zentrale Anliegen der meisten Heimatvertriebenen heute, ist neben dem lebendigen Kontakt zur alten Heimat die Bewahrung ihres leidvollen Schicksals und ihres religiösen und kulturellen Erbes im kollektiven Gedächtnis des deutschen Volkes wie auch im Bewusstsein unserer Kirche. Beides gehört zu unserer deutschen Identität, zu unserer deutschen Kultur und (Kirchen-)Geschichte dazu, die zugleich immer auch Teil unserer europäischer Geschichte ist. Die Nachkommen von heute sind zwar nicht verantwortlich für das, was damals geschah, wohl aber dafür, was in der Geschichte daraus wird. Denn es gibt eine Solidargemeinschaft nicht nur im Glück und im Erfolg, sondern auch im Leid und in der Trauer, im Gedenken und in der Versöhnung. Deshalb müssen alle Generationen sich ihrer Verantwortung bewusst sein, die Erinnerung an die Ursachen, Geschehnisse und Folgen von Fremdherrschaft und Unterdrückung wach zu halten und dafür Sorge zu tragen, dass es nie wieder dazu kommt. Diese geistigen und geistlichen Werte gilt es, den nachfolgenden Generationen weiterzugeben.

2. Treue zu Gott
Wir wissen, dass unser Leben geschenkt ist und dass wir es nicht hätten, hätte einer unser Leben nicht gewollt und uns unsere Existenz verliehen. Deshalb dürfen wir Gott nicht vergessen, weil wir sonst die Quellen unseres Ursprungs vergessen, aus dem wir kommen. Und deshalb sind meine Frau und ich als Pfarrersehepaar dankbar und froh, dass die Siebenbürger auch Menschen der Treue zu ihrem Gott sind – oder zumindest einmal waren, denn: auch das bitte gestatten Sie mir: Siebenbürger treten inzwischen prozentual weit häufiger aus den Kirchen aus als alle anderen.
Aber wenn wir Gott vergessen, dann verlieren wir unser Menschsein. Viele von Ihnen haben mit dem Sozialismus in Rumänien noch erlebt, was es heißt, wenn Systeme darauf bauen, den Menschen, den neuen Menschen zu machen. Und sie haben wie so viele Heimatvertriebenen erfahren, was daraus geworden ist. Wie es Millionen von Menschen das Leben gekostet hat, weil Unrechtsregime des Nationalsozialismus und Kommunismus ohne Gott den Menschen aufbauen wollten. Es hat nicht nur zu einem unmenschlich-uniformen Menschenbild geführt und zur Verführbarkeit durch die Securitate und andere Staatsorgane, es hat auch dazu geführt, dass ein jahrhundertelanges Zusammenleben voll von geistiger, kultureller, wirtschaftlicher und religiöser Fruchtbarkeit, zerstört worden ist. Dieses schreckliche Erbe betrifft die Völker Europas bis heute.
Gut, wir leben heute – Gott sie Dank – in einem anderen, in einem neuen Europa, aber wir sind m.E. durchaus wieder daran, unseren Gott zu vergessen. Daher tragen wir als Christinnen und Christen Mitverantwortung dafür, dass der Gedanke an Gott lebendig bleibt. Wir müssen Zeugnis geben dafür, dass durch Gott und auf ihn hin alles geschaffen, Jesus Christus das Alpha und Omega, Anfang und Ende aller Wirklichkeit, der Schlüssel, der Mittelpunkt und das Ziel all unseres Tuns ist. Er ist der Punkt, auf den hin alle unsere Wege zulaufen. Von ihm her empfängt unser Leben seinen Sinn und seinen letzten Zusammenhalt. Deshalb sollten wir treu sein zu ihm im Gebet, im Bekenntnis, im Gottesdienst. Denn daraus schöpfen wir die Kraft und Hoffnung für unser Leben. Und wenn Christen sich treu zu Gott bekennen, dann wirkt das weiter, dann wirkt das auch als ein Beispiel für andere Menschen, dass sie den Mut haben, zu Gott und zur Kirche zu stehen.

3. Treue zum Willen einer versöhnten Nachbarschaft
Die Siebenbürger wissen wie alle deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen, wie viel Leid Menschen erfahren, die ihrer Heimat entrissen, die ihrer Vergangenheit beraubt und ihrer Zukunft in Hoffnungslosigkeit ausgeliefert sind. All diesem Leid, und den vielen unbekannten, nur zu oft vergessenen Leidenden, setzt die Bibel die Frohe Botschaft der Vergebung entgegen. Gott selbst ist der Vater des Erbarmens und Trostes. Auf ihn vertrauen wir, auch wenn uns das oft genug ziemlich schwer fällt. Es beginnt im Herzen eines Menschen und ist in jedem eine Gnade, die uns Gott schenken will. Diese einzigartige Erfahrung der Gnade motiviert das ganze pilgernde Gottesvolk und jeden einzelnen Getauften, das Gebot des Herrn ernst zu nehmen. Und deshalb bin ich dankbar und froh, dass die Siebenbürger auch Menschen der Treue zum Willen einer versöhnten Nachbarschaft sind.
Gut, ich weiß, mit wie viel Enttäuschung manche ihr Elternhaus nach Jahren schier nicht wiedererkannt haben, wie ganze Dörfer verfallen sind oder einfach von den jetzigen Bewohnern heruntergewirtschaftet wurden. Aber Sie sind damals freiwillig gegangen und – wie bereits gesagt - ich weiß von keinem und keiner, die diesen Schritt je bereut haben oder gar wieder zurück wollten.
Im Dienst der Verständigung und Freundschaft ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen wie mit der gemeinsamen Vergangenheit notwendig. Eine Aufarbeitung in historischer Wahrheit und Gerechtigkeit erleichtert dies und ist für eine friedliche Zukunft zwischen den Menschen in unserem Lande und den Völkern Europas von großer Bedeutung.
Ich bin froh und dankbar, dass dieses Versöhnungswerk ja schon zu guten Teilen funktioniert, weil schon viele Heimatvertriebene, Siebenbüger wie Schlesier, Sudeten und wie sie alle heißen mögen, wie Sie als Menschen guten Willens in Deutschland und in den ehemaligen Heimatgebieten mit großem Erfolg dabei sind, Gräben zu überwinden, gemeinsame Projekte zu entwickeln und über die Grenzen hinweg Vertrauen aufzubauen und zu vertiefen. Die gesellschaftlich und politisch Verantwortlichen in den Ländern Europas sind aufgerufen, verstärkt diese Initiativen zu fördern.

Liebe Siebenbürger aus Schlatt, als Sie in den Westen kamen, da brachten sie keinen materiellen Besitz mit. Das allermeiste musste in der alten Heimat zurückgelassen werden. Mitgebracht haben sie aber ein geistiges Fluchtgepäck, das unauslöschlich in ihnen war und das sie bis heute auch als ihr Eigentum bezeichnen. Zu diesem Fluchtgepäck gehörte neben Sprache, Mentalität und Kultur auch die heimatliche Ausformung der Religiosität. In unserer Kirche gibt es eine große Vielfalt, unser Glaube ist bunt und kennt ganz unterschiedliche Ausprägungen. Ihre Religiosität ist so etwas wie ein Mittler der Verständigung, eine Brücken der Freundschaft zwischen der alten und der neuen Heimat geworden. Als Gemeinsamkeit diesseits und jenseits unserer Grenzen gibt unser Glaube uns Orientierung und Vertrauen jeden Tag neu.
Worauf es in Zukunft ankommt, entdecke ich in dem Gedicht „Ziehende Landschaft“ von Hilde Domin:

Ziehende Landschaft
von Hilde Domin

Man muss weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muss den Atem anhalten,
bis der Wind nachlässt
und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,
bis das Spiel von Licht und Schatten,
von Grün und Blau,
die alten Muster zeigt
und wir zuhause sind,
wo wir zuhause sind,
wo es auch sei,
und niedersitzen können und uns anlehnen,
als sei es das Grab
unserer Mutter.

Auch solche Treffen wie heute der Menschen aus der alten Heimat Schlatt lassen uns diese Werte neu bewusst werden. Der Zusammenhalt der Erlebnis- und Bekenntnisgeneration, die Treue zur Heimat, die Treue zu Gott und die Treue zum Willen einer versöhnten Nachbarschaft wird uns weiterführen, uns Zukunft geben und Hoffnung eröffnen.
Amen.

Pfarrer Johannes de Fallois, Apo ND

Andacht von Herrn Pfarrer Johannes de Fallois (Apostelkirche, Neuburg a. d. Donau)

Im Namen aller Schlattnerinnen und Schlattner dankt der Vorstand Herrn Pfarrer Johannes de Fallois für seine schöne und bewegende Andacht anlässlich des 13. Schlattner Treffens in Neuburg a. d. Donau!

Heimattreffen der Siebenbürger aus Schlatt am 15.05.2010
Entwurf für die Andacht. Es gilt das gesprochene Wort.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Votum Dies ist der Tag, den der Herr macht. Lasset uns freuen und fröhlich an ihm sein,. O Herr hilf, o Herr, lass wohl gelingen.
Lied: 317,1-4 „Lobe den Herren“
Gebet Im Auf und Ab unserer Zeit, im Wechsel von Tag und Nacht, von Woche zu Woche, von Jahr zu Jahr, von Abschied und Neuanfang, von Fremden zu Freunden, vom Schlafen zum Wachen – bist du, Gott unser Halt. Im Auf und Ab unserer Zeit, im Wechsel von Hoffnung zu Verzweiflung, von der Härte zu den Träumen von morgen und einer besseren Welt – bist du, Gott, unser Grund! Im Auf und Ab unserer Zeit, im Wechsel der Nachrichten, solcher, die sich beklemmend auf unser Herz lege, und solcher, die uns gut sind, aufatmen lassen. Im Lärm auch der Wörter, die unserem Leben den Raum nehmen, und in den Worten, den kostbaren, die unser Leben wieder aufrichten und gedeihen lassen - bist du, Gott, das Wort des Lebens! Im Auf und Ab unserer Zeit sei´st du gepriesen, unser Gott, in Ewigkeit. Amen.
Psalm 84, im Wechsel gesprochen I Gott der Herr ist Sonne und Schild. Der Herr gibt Gnade und Ehre. II Wie lieblich sind mir deine Wohnungen, Herr Zebaoth! Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn. I Mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott. Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen. II Deine Altäre, Herr Zebaoth, mein König und mein Gott. Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar. I Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen. II Sie gehen von einer Kraft zur anderen und schauen den wahren Gott Zions. Herr, Gott Zebaoth, höre mein Gebet, vernimm es, Gott Jakobs! I Gott, unser Schild, schaue doch; sieh doch an das Antlitz deines Gesalbten! Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. II Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Haus als wohnen in der Gottlosen Hütten. I Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen. Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt! II Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild; der Herr gibt Gnade und Ehre. Alle Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.
Ansprache: zu Lk 10,13-15
Lied: 321,1-3 „Nun danket alle Gott“
Fürbitten (Antwort: „Herr, erhöre uns!“) • Herr, unser Gott, wir haben Heimat, wir haben ein Zuhause. Und an diesen Orten wollen wir mithelfen, dass sie lebens- und liebenswert bleiben für viele. Schenke uns dazu Kraft und Ausdauer, vor allem aber deine Hilfe und deinen Segen. Wir rufen zu dir: „Herr, erhöre uns!“ • Herr, unser Gott, wir bitten dich für unsere Kinder und Kindeskinder. Sie brauchen zur Heimat Platz zum Spielen, gute Kindergärten und Schulen, sichere Straßen und gang ganz viel Liebe. Hilf, dass wir uns dafür einsetzen. Wir rufen zu dir: „Herr, erhöre uns!“ • Auch für unsere Alten bitten wir dich: Sie brauchen zur Heimat gute Pflegeheime und ärztliche Versorgung. Vor allem aber brauchen sie unsere Zeit und Orte der Begegnung. Hilf, dass wir ihnen die Ehre geben, die sie verdienen. Wir rufen zu dir: „Herr, erhöre uns!“ • Für uns selbst bitten wir dich: Jede von uns brauchen einen Ort, wo wir zu Hause sind und wo wir uns geborgen fühlen, wo wir wohnen und arbeiten können. Lege deinen Schutz und Segen auf alte und neue Heimat. Wir rufen zu dir: „Herr, erhöre uns!“ • Herr, unser Gott, wir erinnern uns an unsere alte Heimat in Schlatt und anderswo und freuen uns an neuem Zuhause. Darüber aber lass uns auch die nicht vergessen, die auf der Flucht sind, heimatlos umherziehen und vertrieben auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind. Dass wir sie bei uns willkommen heißen, in Schutz nehmen und ihnen auch von dem abgeben, was wir selbst inzwischen reichlich haben. Wir rufen zu dir: „Herr, erhöre uns!“ • Herr, unser Gott, lass die Botschaft deiner Liebe für die Menschen in unseren Häusern hörbar bleiben und unser Handeln bestimmen. Wir rufen zu dir: „Herr, erhöre uns!“ • Wir denken vor dir an die Menschen, die du in deine ewige Heimat gerufen hast und die wir heute schmerzlich vermissen. Wir nennen dir die Namen derer, die du seit dem letzten Treffen 2008 in Ebenstadt zu dir gerufen hast ... Nimm du sie in Gnaden an, tröste, die um sie trauern und lass uns alle bereit sein, wenn du das Tor zur ewigen Heimat auch für uns öffnest. Wir rufen zu dir: „Herr, erhöre uns!“ • Herr, unser Gott, in Zeit und Ewigkeit bleiben wir bei dir. Lass uns darauf vertrauen, jetzt und alle Zeit unseres Lebens. Amen.
Vaterunser
Segen
Lied: „Kein schöner Land in dieser Zeit“ (anderer Text)  
Predigt:
Gnade sie mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus Liebe Siebenbürgerinnen und Siebenbürger, besonders liebe ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner von Schlatt, Ihrer vertrauten Heimat! Liebe Gäste aus nah und fern hier in unserer Heimatstadt Neuburg an der Donau! Nächste Woche brechen sie wieder auf, die Urlauber, weil in Bayern die Pfingstferien beginnen. Und gar nicht mehr lange ist es hin, da geht’s für viele in anderen Bundesländern schon in die langersehnten Sommerferien. Hunderttausende sind dann wieder unterwegs, suchen Erholung, sind gespannt auf Neues. Manche von Ihnen werden vielleicht nach Rumänien fahren, Siebenbürger, der alten Heimat wieder einen Besuch abstatten, in Schlatt und anderswo die Straßenzüge entlanggehen, an manchen Ecken und vor manchen Häusern stehen bleiben, sich erinnern an die Menschen, die hier gelebt haben, ja wie man selbst hier daheim war, jeden Strauch, jeden Krumen Erde kannte. Sie werden Friedhöfe betreten, nach alten Gräbern suchen, die vertrauten Namen lesen, vielleicht zum Kirchturm hinaufblicken. Und die Bilder werden wieder da sein: was man in diesem Gotteshaus alles erlebte: all die Weihnachten im Kerzenschein, die Taufe, Hochzeiten, Beerdigungen. Und der ein oder andere wird in Erinnerungen schwelge, so wie heute ja auch: „weißt du noch, wie wir damals, der war dabei, und die lebte damals noch. Da stand auch noch dieses und jenes Gebäude und gleich da hinten hat die Familie XY gewohnt, wo wir so oft ... Ja, Erinnerungen an Feste und Feiern, Tracht und Musik, Tanz und Fröhlichkeit, aber auch an den Alltag, voller Arbeit und Fleiß. Die Felder, die Gärten, die Ernte in Sommer und Herbst. Das unvergleichliche Klima. Der Zusammenhalt, den es wohl nie mehr so geben wird... und und und. Ja, Heimat ist wichtig, auch für junge Menschen. Sie spüren: Wo ich aufgewachsen, zur Schule gegangen bin, das hat mich geprägt. Hier habe ich meine Wurzeln. Das erste Verliebtsein, der ersehnte Kuss, gewisse Düfte und Melodien, die vergisst man einfach nicht. Freilich ist das Heimat? Ja, was ist Heimat, wo ist Heimat? Ist die Heimat da, wo ich ein Grab habe, auch wenn die Pflege aus der Ferne schwierig geworden ist. Ist die Heimat da, wo mein Elternhaus steht, auch wenn längst Fremde drin wohnen und der Zustand einen ärgert, zornig macht. Weil es früher anders, zumindest in der Erinnerung viel besser war? Kann Heimat das sein, was ich doch mal – aus welchen Gründen auch immer - mehr oder minder freiwillig verlassen habe, den Rücken zugekehrt, auch wenn die Verbundenheit gepflegt, die Traditionen bewahrt und die Trachten noch im Schrank hängen? Oder ist Heimat dort, wo die Kinder und Enkel sind, wo sie in den Kindergarten und zur Schule gehen, einen sicheren Arbeitsplatz haben, ich mich auf die sichere Rente verlassen kann? Wo die nächsten Generationen Häuser bauen, Gärten anlegen, säen und pflanzen und längst ja schon ernten? Ist Heimat ein Land, eine Landschaft, ein Ort, eine Tradition, eine Landsmannschaft? Oder sind Heimat vor allem Menschen: die, die mir lieb sind, die zu mir gehören, auf die ich mich verlassen kann? Ich will Sie heute mitnehmen in die Heimat Jesu, in die Landschaft, in der Jesus seine Wurzeln hatte, auh viele Tausend Kilometer von hier entfernt. Kommen Sie mit nach Galiläa, an den See Genezareth. Hier ist Jesus zu Hause. . Hier sidn die Menschen, die er kennt und die ihn kennen. Er sieht die Städte, die Dörfer, sieht die Menschen, und dann, so berichtet es das Lukasevangelium um 10. Kapitel, dann bricht es urplötzlich aus ihm heraus: „Weh dir, Chorazin! Weh dir, Bethsaida! Denn wären solche Taten in Tyrus und Sidoen geschehen, wie sie bei euch geschehen sind, sie hätten in Sack und Asche gesessen und Buße getan. Doch es wird Tyrus und Sidon erträglicher ergehen im Gericht als euch. Und du, Kapernaum, wirst du bist zum Himmel erhoben werden? Nein, du wirst bis in die Hölle hinuntergestoßen werden.“ (Lk 10,13-15) Das sind zornige Worte. Nur ganz selten erleben wir Jesus so wütend. Wie komm´s? Wie kann das sein? Was ist der Grund für solch einen Ausbruch? Ich denke, es sind Worte, die aus einer tiefen Enttäuschung heraus kommen. Weil: Hier in Kapernaum und den anderen Orten, hier hat Jesu gepredigt und geheilt. Hier konnte man ihn sehen und hören, was er getan und gesagt hatte. Aber das alles hatte offenbar nichts gebracht. Ich gestehe, ich bin erschrocken über diesen Wutausbruch Jesu, erschrocken über seine Worte „Hölle“ und „Gericht“. Aber ich spüre natürlich auch seine riesengroße Enttäuschung über seine Heimat.. Und das kenne ich auch von mir. Je mehr mir etwas bedeutet, je mehr ich es liebe, desto größer ist mein Schmerz, wenn ich enttäuscht werde. Und das gilt dann auch für die Heimat. Im Urlaub fällt mir das immer wieder auf. Schon kurz nach der Grenze nehme ich die Landschaft ganz anders wahr als zu Hause. Ich spüre: Ich bin hier nur Gast, Zaungast sozusagen. Ich habe hier keinen wirklichen Anteil. Ich kennen vielleicht ein bisschen die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten der Landschaft, spreche ganz leidlich die Sprache, aber Muttersprache ist was anderes. Und es sind nicht meine Vorfahren, die hier lebten. Ich habe hier nicht mitgewirkt, mitgeschaffen. Ich habe noch nicht einmal zugesehen, wie hier etwas gewachsen oder entstanden ist. Die Menschen; die hier wohnen, sind mir unbekannt. Ich habe nicht an ihrem Glück und auch nicht an ihren Leidensgeschichten teilgenommen. Und am Urlaubsort selbst ahne ich: Ein guter Teil meines Wohlbefindens ist auch darauf zurückzuführen, dass ich dort ja nur zu Gast bin. Hier geht´s mir gut. Denn hier geht mich nichts an. Hier geht mich nichts wirklich an, sodass ich mich einmischen müsste. Zu Hause, ist das anders. Da kenne ich die Menschen, die dort wohnen. Ich kenne ihre Leidensgeschichten und durfte und darf immer wieder auch Anteil nehmen an ihrem Glück. Da gehen meine Kinder mit anderen zur Schule, da sehe ich, wie sie groß werden und sich entwickeln. Das ist Heimat. Ja, was in der Heimat passiert, das lässt mich nicht kalt. Das geht mich an. Und deshalb ärgere ich mich auch über das, was dort passiert, wenn Friedhöfe aufgelassen werden, Häuser verkommen, einst fruchtbare, ganze Familien ernährende Felder und Gärten verwahrlosen und einfach sich selber überlassen werden. Da ist es mir nicht egal, wenn ich von Korruption höre und es macht mich wütend, wenn alle nur wegschauen, jeder bloß an sich selber denkt, keiner Verantwortung übernehmen möchte, niemand vor Ort mal den Mund aufmacht, sich für das Ganze engagiert und das Gemeinwohl in den Blick nimmt. Ja, grade deshalb kann ich auch den enttäuschten Jesus und seinen Zorn gut verstehen. Wenn ich nur Gast bin, kann ich mir alles ganz gelassen anschauen. Wer aber eine Heimat hat, der bleibt nicht cool und distanziert, der wird sich immer wieder einmischen. Wer mit Entscheidungen vor Ort nicht einverstanden ist, der wird auf Veränderung hin arbeiten, oder schädliche Tendenzen zu verhindern suchen. Und das wird - so oder so - nicht immer ohne Ärger und Streit abgehen. Heimat – ein guter, ein wichtiger, aber eben auch ein ganz weiter Begriff. Es ist gut, in jedem Fall, die Heimat zu pflegen, liebevoll und ein bisschen wehmütig die Erinnerung an ein früheres Daheim, aber eben auch das, was längst für die nächsten Generationen zu neuen Heimat geworden ist und auch bleiben wird. Da, wo mein Herz hängt, wofür ich mich engagierte, wofür ich bereit bin, mich zu engagieren und über den Tellerrand hinwegzuschauen, das ist mein Zuhause, meine Heimat. Mit der freue ich mich, aber ich leide auch an ihr und mir ihr. Als Christ weiß ich freilich auch, dass ich hier auf Erden keine ewige, keine bleibende Heimat habe, dass Zeit und Leben vergehen, in Vergessenheit geraten und so manches Aufgebaute auch wieder abgebrochen wird. Aber: Jesus Christus hat uns mit seinem Sterben am Kreuz von Golgatha ganz ohne unser Zutun und aus lauter Gnade das Bürgerrecht in der Heimat erworben, die der Himmel für uns bereit hält. Und von dort müssen wir nicht mehr fort, dort dürfen wir bleiben, dort werden wir uns einst wiedersehen und es ist gut für uns. Christus sagt: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die Zukünftige suchen wir.“ „Das Alte ist vergangen, siehe ich mache alles neu!“ Amen.

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