Seiden - Informationen

Übersicht über die Informationen auf dieser Seite:

Zur Geschichte des Ortes

Seiden, rumänisch Jidvei, ungarisch Zsidve, liegt in einem linken Seitental an der Kleinen Kokel, etwa 20 Kilometer von Blasendorf und Martinskirch entfernt.

Die Ortschaft wurde, wie heute angenommen wird, von einem Mann namens Sido gegründet, nach dem sie auch benannt wurde. Auf Komitatsboden gelegen, gehörten Teile von Seiden dem ungarischen Adel sowie den sächsischen Grafen von Talmesch. Im Jahre 1424 ging ein Teil von der Gemeinde an die sieben Richter über und wurde bis zur Auflösung der Nationsuniversität im Jahre 1876 vom Magistrat der Stadt Hermannstadt verwaltet.

Urkundlich wurde Seiden zum ersten Mal 1309 erwähnt, und zwar in dem großen Zehntprozeß, der von den sächsischen Dekanaten gegen das Domkapitel in Weißenburg geführt wurde, und in dem der damalige Seidener Pfarrer Johannes maßgeblich beteiligt war. Es gibt aus der fernen Vergangenheit mehrere Urkunden über Seiden, die belegen, daß Seiden zu den aufstrebenden Gemeinden des Sachsenlandes zählte. 1453 verlieh König Ladislaus V. auf Vorschlag des Woiwoden J. Hunyady der Gemeinde die Blutgerichtsbarkeit als Dank für die erwiesene Tapferkeit in der Schlacht auf dem Amselfeld gegen die Türken.

In dem Matrikelbuch der evangelischen Kirchengemeinde A.B., das 1699 angelegt wurde, registrierte der damalige Pfarrer A. Mildius 76 steuerzahlende sächsische Familien. 1786 wurden 1084 deutsche Bürger gezählt. 1864 gab es dann 1014 Deutsche (78,8%) und 272 sonstige Nationalitäten (21,2%), 1944 gab es 1084 Deutsche (77,2%), 153 Rumänen (10,9%) und 168 Zigeuner (11,9%). 1995 zählt Seiden noch 85 evangelische Gemeindemitglieder.

Durch die vorhandenen Urkunden können wir weit in die Vergangenheit zurückblicken: 1408 wurde der Wehrturm gebaut; 1508 wurden die ersten Renovierungsarbeiten durchgeführt; 1775 wurde die Turmuhr mit Schlagwerk und Monatsanzeige vom Seidener Johann Barth alias Stundenmacher gebaut; 1804 wird der Turm um ein Stockwerk auf 48 m erhöht sowie der Turmknopf vergoldet. 1928 wird das Turmdach repariert und mit einem Blitzableiter ausgestattet. Im alten Turmknopf fand man Münzen aus der Zeit um 1408 sowie alte Schriften, die mit der Aufforderung schlossen: "Wir haben gebaut, baut nun auch ihr!" Dieser Aufforderung sind die Seidener Sachsen treu gefolgt. 1795 wurde die Kirche wesentlich vergrößert. 1806 wurde die neue Orgel von Samuel Mätz aus Birthälm aufgebaut; 1808 wurde die alte Schule errichtet, die nach 1892 zum Kindergarten umgebaut wurde; 1892 wurde die neue Schule gebaut; 1910 erfolgte der Umbau und die Vergrößerung des Pfarrhauses; 1912 der Bau des Rathauses; 1922 wurden zwei neue Glocken von über 800 kg Erz an Stelle der zwei im 1. Weltkrieg enteigneten Glocken angeschafft. 1928 wurde von den Sachsen die rumänische Schule gebaut; es erfolgten 1933 der Bau des neuen Kindergarten; 1939 der Bau eines großen, ganz unterkellerten Gemeindehauses mit Bühne, Wirtschaftsräumlichkeiten und einem Kindergarten. 1942 erfolgte der Umbau der alten Wassermühle in eine mit Motor angetriebene Mühle, deren Kosten sich auf über 2 Millionen Lei bezifferten. Die Gesamtkosten wurden von der evangelischen Kirchengemeinde getragen, obwohl die Mühle zu 75% der politischen Gemeinde gehörte. Die Komitatsbehörden lehnten sämtliche Zahlungen ab. Für all diese Unternehmungen haben die Sachsen freiwillige Spenden und viele andere Opfer aufgebracht.

Die Hauptbeschäftigung der Seidener war die Landwirtschaft (Ackerbau, Weinbau und Viehzucht). Die Gemarkung betrug vor der totalen Enteignung 4139 ha. Die Gemeinde nahm den 7. Platz unter den weinbaubetreibenden Gemeinden in Siebenbürgen ein und war für die überaus guten Weine bis nach Wien, Budapest und Bukarest bekannt.
Das friedliche Dorfleben wurde durch die zwei Weltkriege wesentlich beeinträchtigt. Von den mindestens 129 Kriegsteilnehmern im 1. Weltkrieg kehrten 20 Männer nicht mehr zurück.

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges begann auch der Niedergang unserer Gemeinde. Mindestens 194 Männer wurden einberufen, von denen 50 auf den Schlachtfeldern in Ost und West ihr Leben verloren. 236 Frauen und Männer wurden 1945 in die Sowjetunion verschleppt. Davon starben 26 in Rußand oder an den Folgen der Deportation. Durch die Ereignisse wurden mindestens 93 von den 144 bestehenden Familien auseinandergerissen. Erschwert durch den Kalten Krieg, begann im Jahre 1952 die Familienzusammenführung.

So wie vielerorts auch, gab es in Seiden Persönlichkeiten, die viel für die Gemeinschaft geleistet haben. Zu diesen zählten Weinbauinspektor Samuel Schoeppner, der Hauptsekretär des siebenbürgisch-sächsischen Landwirtschaftsvereins in Hermannstadt Martin Roth, die Apothekerfamilie von Schiessl, der Arzt Dr. Hans Wachsmann, um hier nur einige zu erwähnen.

von Friedrich Orendi
(erschienen in der Siebenbürgischen Zeitung, 15. Oktober 1995)

Monografien

Vollständige Literaturliste (Ortsmonografien, Belletristik etc.) anzeigen

Die HOG Seiden

Der erste Aufruf zu einem Seidener Treffen erfolgte am 6. Juni 1981 von Martin Singer und Johann Henning/München. Es waren nicht wenige, die dem Aufruf Folge leisteten. Die Treffen wurden zur Tradition. Die Teilnehmerzahl ist mittlerweile mit steigender Tendenz auf 400 Personen angewachsen. Die HOG, die 1984 gegründet wurde, ist bestrebt, alle über 600 in ihrer neuen Heimat lebenden Landsleute sowie deren Nachkommen für unsere Gemeinschaft zu gewinnen. Als Schwerpunkte in ihrer Arbeit gelten die Hilfeleistungen nach Seiden. Zwischen den Jahren 1985 und 1995 wurden über 900 Pakete sowie ein Lebensmitteltransport von 10,5 Tonnen im Wert von über 100000 DM nach Seiden geschickt. Als Spender konnten die Patengemeinde der Leonhardskirche Stuttgart, das Rote Kreuz, das Diakonische Werk, das Hilfskomitee sowie Mitglieder der HOG gewonnen werden. Erfolg hatte auch die Aktion zur Pflege des Seidener Friedhofs, an der im Oktober 1984 mehrere Mitglieder der HOG teilgenommen hatten.
Seit 1987 wird einmal jährlich in 350 Exemplaren "Det Weimerblat" herausgegeben, das unsere Mitglieder mit Informationen von und um Seiden versorgt. Im Rahmen der Erfassung und Erhaltung unseres Kulturerbes wurde eine Monographie sowie ein umfassendes Familienbuch erstellt. Andere wichtige Dokumentationen befinden sich derzeit in Vorbereitung.
Alles, was bislang erreicht worden ist, wäre ohne unseren langjährigen Vorsteher Martin Schuller aus Stuttgart nicht möglich gewesen, denn er hat es verstanden, mit Hingabe und Aufopferung die Aktionen zu planen und durchzuführen.

von Friedrich Orendi

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