Das "ROSIG-Projekt" - Nachrichten

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Bir.Kle.

Chef
Erstellt am 13.10.2013, 22:22 Uhr und am 14.10.2013, 00:19 Uhr geändert.

Von "Über-das-Ziel-Hinausschießenden" und Hellsehern

"Die DDR war einer der perfektesten Überwachungsstaaten aller Zeiten."
Ob diese Behauptung den Tatsachen entspricht, ist an dieser Stelle irrelevant, zumal es hier um Sprachliches geht. Deshalb werde ich auf diese These in inhaltlicher Sicht nicht weiter eingehen, sondern ausschließlich den sprachlichen Aspekt beleuchten.
Die erste Frage, die sich diesbezüglich aufwirft:
Warum ist dieser Satz gleich in zweierlei sprachlicher Hinsicht schwachsinnig?

1. Der Satz beinhaltet ein sogenanntes Hyperlativ, das heißt, eine regelwidrige Steigerungsform. Das Adjektiv "perfekt" ist nämlich ein Absolutadjektiv, drückt somit einen Höchstzustand aus und ist demzufolge inkomparabel (nicht steigerungsfähig).
Weitere Beispiele für nicht steigerbare Adjektive: absolut, ideal, maximal, minimal, optimal

2. Wer die dämliche Formulierung "aller Zeiten" anwendet, muss ein Hellseher sein. Zu den Zeiten gehören bekanntlich die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.
Da wir glücklicher- und erfreulicherweise nicht in die Zukunft blicken können und dies auch hoffentlich niemals möglich sein wird, kann man sich besagte Formulierung getrost an den Hut stecken!

Die zweite Frage, die sich stellt:
Wie kann man obige Behauptung sprachlich geradebiegen, ohne sie inhaltlich zu verändern?

Die Antwort:
"Die intensiven Überwachungsmethoden der DDR sind bis heute nahezu unerreicht."

Bir.Kle.

Chef
Erstellt am 13.06.2013, 22:11 Uhr und am 11.08.2013, 17:47 Uhr geändert.

"Der Superlativ des Superlativs"

Im Journalismus geht es häufig weniger um Nachrichten, Informationen und Mitteilungen, sondern vielmehr um Sensation und Dramatisierung: Mit Superlativen, Ausschmückungen, Aufblähungen und Übertreibungen werden reißerische und sensationsgeladene Schlagzeilen produziert, um Aufmerksamkeit zu erhaschen und dadurch den Absatz zu steigern. (Es dreht sich also – wie nahezu überall üblich – (fast) alles ums Raffen).
Jeder Sturm wird zum "Jahrhundertsturm" aufgeblasen, jede Welle zur "Killerwelle" dramatisiert, jede Vulkaneruption zum "Jahrhundertausbruch" erklärt, jede Flut als "Jahrhundertflut" dargestellt und jedes Erdbeben als "Jahrhundertbeben" hingestellt.

Bereits beim Hochwasser im Jahr 2002 wurde immer wieder das Wort "Jahrhundertflut" von zahlreichen Medien bis zum Erbrechen in die Welt hinausposaunt: "Tätärätääärätärää...JAHRHUNDERTFLUT...tärääätärääätätä...bla, bla, bla!"

Zur Erläuterung:
Unter "Jahrhundertflut" versteht man eine Flut, die ein so fatales und katastrophales Ausmaß hat wie keine andere Flut im betreffenden Jahrhundert.

Im Jahr 2013 wurde Deutschland erneut von einer Flut heimgesucht, die jene von 2002 übertrifft.
Die Journalismus-F(l)achleute hatten im Jahr 2002 in ihrer Sensationsgeilheit dummerweise zu früh die "Jahrhundertflut" ausgerufen, denn beide Überschwemmungen fanden im gleichen Jahrhundert statt! Was machen diese Deppen nun, im Jahre 2013?
Sie sprechen von "erneuter Jahrhundertflut"! Die merken offenbar gar nicht, wie blöd sie eigentlich sind!
Es hat in der gesamten Menschheitsgeschichte noch gar nicht so viele Jahrhunderte gegeben, wie die Medien uns "Jahrhundertereignisse" vorzugaukeln versuchen!
Wenn sich innerhalb dieses Jahrhunderts eine weitere Flutkatastrophe von größerem Ausmaß als jene im Jahre 2013 ereignen sollte (welche aufgrund des Klimawandels mit Sicherheit nicht ausbleiben wird), bin ich schon gespannt, wie dieses dämliche Journalisten-F(l)achpersonal diese dann bezeichnen wird!

Ein bestimmter Effekt dieses maßlosen Übetreibungswahns soll nicht unerwähnt bleiben:
Aufgrund ihrer zu häufigen Anwendung sind die Superlative irgendwann "ausgelutscht" und verlieren dadurch jedwede Kraft und Intensität.

Heinz Erhardt hat in einem Vierzeiler absolut treffend beschrieben, was auf viele Menschen der Spezies "Journalist" zutrifft:

An einen jungen Journalisten

Das Schreibenlernen, das begannst
du früh schon zu betreiben;
und doch - obwohl du schreiben kannst -
kannst du bis heut' nicht "schreiben"!

Bir.Kle.

Chef
Erstellt am 07.05.2013, 21:09 Uhr und am 08.05.2013, 20:19 Uhr geändert.

Warum es im Sommer keine heißen und im Winter keine kalten Temperaturen gibt

Oft hört man Sätze wie:

"Aufgrund anhaltender heißer Temperaturen besteht die Gefahr einer Dürreperiode."

oder:
"Die kalten Temperaturen begünstigen die Bildung von Glatteis."

Was ist daran falsch?
Die Temperatur ist, genau wie beispielsweise auch die Länge oder die Zeit, eine physikalische Größe.
Sie ist demzufolge etwas Abstraktes und kann somit weder heiß noch warm, lau, kühl, kalt oder frostig sein.
Im Hinblick auf die Skala (des Thermometers) spricht man deshalb korrekterweise von niedrigen oder hohen Temperaturen.
Oben genannte Adjektive sind lediglich das, was wir bei bestimmten Temperaturen empfinden (beispielsweise kalt oder kühl bei niedrigen oder heiß bei hohen Temperaturen).

Genauso wie bei der Temperatur verhält es sich auch mit dem Preis: Es gibt weder teure noch günstige oder billige Preise. Auch der Preis ist etwas Abstraktes.
Teuer, günstig oder billig ist das Produkt, auf das sich der Preis bezieht und nicht der Preis selbst!

Bir.Kle.

Chef
Erstellt am 03.05.2013, 04:04 Uhr und am 11.05.2013, 18:39 Uhr geändert.

Eine Hommage an die Sprache

Alle Sprachen, Dialekte und Mundarten dieser Welt - ganz gleich ob sie nur von einigen Hundert oder vielen Millionen Menschen gesprochen werden - sind etwas Besonderes: Sie alle sind einzigartige Errungenschaften.
Sie sind Brücken, die Verbindungen zwischen Menschen möglich machen.
Jede einzelne von ihnen ermöglicht es Menschen, sich gegenseitig Freud und Leid, Ängste, Kummer und Sorgen, Vorhaben, Bedürfnisse, Absichten, Zustimmung, Einwände, Ablehnung, Zweifel, Lob, Tadel und vieles mehr mitzuteilen.
Somit ist jede Sprache von unschätzbarem Wert und deshalb schützens- und erhaltenswert.

Die Sprache beziehungsweise Kommunikation ist die Grundlage unserer Zivilisation: Ohne sie wäre unsere Kultur, Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft – ja unsere gesamte Gesellschaft – undenkbar.

Die Sprache ist eine sogenannte Schlüsselkompetenz: Sie ist der Schlüssel, der Tür und Tor zu allen Wissenschaftsdisziplinen sowie zu sämtlichem Wissen der Menschheit öffnet.

Für mich – und mit Sicherheit nicht nur für mich allein – ist die Sprache die mit Abstand größte, wichtigste und genialste menschliche Errungenschaft.

Bir.Kle.

Chef
Erstellt am 03.05.2013, 02:22 Uhr und am 04.01.2014, 14:38 Uhr geändert.

Falscher Geiz und falsche Großzügigkeit

Den falschen Geiz und die falsche Großzügigkeit möchte ich anhand zweier Adverbien verdeutlichen, welche ziemlich häufig vorkommen und sehr oft falsch geschrieben werden: "nochmals" und "öfter".


I. Falscher Geiz

Von dem Adverb "nochmals" liest man oft folgende falschen Varianten: "nochmal", "noch mal", sowie seltener auch "noch Mal".

Es handelt sich dabei um zweifache verbale Vergewaltigung: Nicht nur, dass dieses unschuldige Adverb auseinandergerissen wird - es wird ihm auch noch das "s" am Ende einfach abgerissen!

Kleine Eselsbrücke für diejenigen, die mit dem Adverb "nochmals" auf Kriegsfuß stehen:

Es gibt noch ein weiteres Adverb, das mit "n" beginnt und das Wörtchen "mal" enthält: "niemals".
Jeder weiß, dass dieses Wort zusammengeschrieben wird und ein "s" am Ende hat. Jeder bekommt das bei "niemals" hin - es dürfte also nicht so schwierig sein, dies auch bei "nochmals" auf die Reihe zu bekommen.


II. Falsche Großzügigkeit

"öfters" - ein "s", das man sich sparen kann!

Was ist "öfter"?
Es handelt sich dabei um den Komparativ (Höherstufe) von "oft", einem der wenigen komparabelen (steigerbaren, vergleichbaren) Adverbien.

Schauen wir uns einmal den Komparativ bei einigen Adjektiven an:
größer, schöner, klüger, lieber, kleiner, älter

Man könnte diese Aufzählung beliebig fortsetzen - man würde stets Folgendes feststellen: Bei keinem Komparativ steht am Ende ein "s".

Von welchem Teufel muss man also geritten sein, wenn man dem Adverb "öfter" noch ein "s" hinten dranhängt!?

Viele Menschen sind alles andere als erfreut angesichts der nicht gerade wenigen Ausnahmen und Unregelmäßigkeiten im sprachlichen Bereich.
Den meisten von diesen Menschen ist gar nicht bewusst, dass sie selbst zur Entstehung solcher Ausnahmen und Unregelmäßigkeiten beitragen!

Eine Möglichkeit, wie sprachliche Ausnahmen entstehen können, ist, wenn eine große Anzahl von Menschen ein Wort über einen längeren Zeitraum hinweg in einer bestimmten Schreibweise schreibt. Diese Schreibweise hat sich dann "eingebürgert" und gilt als korrekt.
Wenn also viele Menschen immer und immer wieder "öfters" anstatt "öfter" schreiben, dann haben wir irgendwann die nächste Ausnahme: Neben den ohne "s" endenden Komparativen gäbe es auch einen mit einem "s" am Ende.
Eine wirklich "großartige" Leistung!

Bir.Kle.

Chef
Erstellt am 03.05.2013, 01:38 Uhr

Keine Macht den "Machen"schaften

Die Besonderheit des Verbs "machen" liegt darin, dass es ein Paradoxon birgt: Sein Vorteil ist zugleich auch sein Nachteil.

Dieses vielseitige Verb ist wie für die Umgangssprache geschaffen; in der alltäglichen Kommunikation, wo es vor allem darauf ankommt, sich möglichst unkompliziert, knapp und schnell zu artikulieren, erweist es sich als äußerst praktisch.

Als Beispiel sei der Fußball genannt:
Den Kommentatoren bleibt aufgrund des sich fortwährend ändernden Spielgeschehens kaum Zeit für mannigfaltige Formulierungen. Deswegen greifen sie immer wieder auf dieses vielseitig einsetzbare Verb zurück und sorgen so dafür, dass im Fußball nahezu alles "gemacht" wird:

- Die Spieler machen Tore – anstatt sie zu schießen oder zu erzielen.
- Die Spieler machen Spiele – anstatt sie zu absolvieren, zu bestreiten oder eingesetzt zu werden.
- Ja sogar Verträge werden im Fußball gemacht – anstatt abgeschlossen, unterschrieben oder unterzeichnet.

Seinen vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten verdankt "machen" sein ausgesprochen häufiges Vorkommen – sei es alleinstehend oder als Grundwort innerhalb von Komposita (zusammengesetzten Wörtern), wie etwa mitmachen, nachmachen, aufmachen, zumachen, ausmachen, vollmachen, leermachen, vormachen, wegmachen, wettmachen und viele andere.

Wenn man sich der Schriftsprache zuwendet, wo Sprachästhetik und sprachliche Eleganz gefragt sind, stellt man fest, dass die Beliebigkeit des Verbs "machen", welche sich in der Umgangssprache als sehr vorteilhaft erweist, in der Schriftsprache äußerst nachteilig ist:
Die "Allzweckwaffe" unter den Verben wirkt plötzlich fade, farblos und blutleer – ein langweiliges und liebloses "Allerweltsverb" und somit ein Garant für Monotonie in Texten.

Somit ist das Verb "machen" in der Schriftsprache kaum empfehlenswert, zumal es – sowohl alleinstehend als auch als Grundwort in Komposita fungierend – in den meisten Fällen durch ein eleganteres Verb ersetzt werden kann.

Insbesondere in Kombination mit dem Substantiv "Sinn" hat "machen" nichts verloren!
"Sinn machen" ist ein versteckter Anglizismus - die wörtliche Übersetzung von "to make sense".
In elegantem Deutsch hingegen heißt es "Sinn haben", "Sinn ergeben" oder "sinnvoll sein".

Bir.Kle.

Chef
Erstellt am 01.05.2013, 22:03 Uhr und am 31.10.2017, 21:33 Uhr geändert.

"Mut" - und trotzdem nicht kühn

Die deutsche Sprache beinhaltet eine Vielzahl an Suffixen (Endsilben). Eine – wie ich finde ziemlich Besondere – ist die Endsilbe "-mut".
Sie hat gleich mehrere Besonderheiten:

1. Sie ist die einzige Endsilbe, die auch eigenständig und alleinstehend vorkommt, nämlich in Form des Substantivs "Mut". Als Endsilbe hat sie jedoch nur selten die Bedeutungen "Tapferkeit" oder "Kühnheit".

2. Die Wörter mit bestimmten Endsilben gehören immer dem gleichen Genus (Geschlecht) an. So sind beispielsweise alle Wörter, die auf "-heit", "-keit", oder "-schaft" enden, feminin (weiblich).
Bei den Wörtern, die mit "-mut" enden, sind jedoch einige feminin, andere widerum maskulin (männlich). Das macht sie für manch einen Zeitgenossen nicht gerade einfach zu handhaben.

3. Das Suffix "-mut" ist die einzige Endsilbe in der deutschen Sprache, welche auch rückwärts gelesen eine Endsilbe ergibt: "-tum", beispielsweise Altertum, Brauchtum, Bürgertum, Eigentum, Fürstentum, Heiligtum, Heldentum, Herzogtum, Irrtum, Reichtum, Siechtum, Wachstum.


Da viele dieser Wörter eher wenig bekannt sind und überdies die Sache mit dem Genus für viele verwirrend ist, nachfolgend eine Auflistung mit Angabe des Genus sowie eine kleine Erläuterung ihrer Bedeutung (in Form von Synonymen):

Anmut, die: Schönheit, Grazie
Armut, die: Besitzlosigkeit, Mittellosigkeit
Demut, die: Ergebenheit, Ehrfurcht
Edelmut, der: Selbstlosigkeit, Gutherzigkeit
Freimut, der: Ehrlichkeit, Offenheit, Geradlinigkeit, Aufrichtigkeit
Gleichmut, der/die: Ausgeglichenheit, Gelassenheit, Besonnenheit, Gefasstheit
Großmut, die: Großzügigkeit
Hochmut, der: Überheblichkeit, Vermessenheit
Kleinmut, der: Mutlosigkeit, Angst, Verzagtheit
Langmut, die: Geduld, Beharrlichkeit
Missmut, der: schlechte Laune, Frust, Verdrießlichkeit
Sanftmut, die: Milde, Gutherzigkeit, Güte
Schwermut, die: Depression, Niedergeschlagenheit
Übermut, der: Leichtfertigkeit, Ausgelassenheit
Unmut, der: Ärger, Verdruss, Empörung
Wagemut, der: Kühnheit, Tapferkeit, Waghalsigkeit
Wankelmut, der: Unentschlossenheit, Unbeständigkeit
Wehmut, die: Melancholie, Sehnsucht


Hinweise:

1. Komposita (zusammengesetzte Wörter), deren Bestimmungswort zum Zwecke der Verstärkung des Grundwortes "Mut" (im Sinne von Tapferkeit) fungiert, habe ich nicht berücksichtigt. Beispiele solcher Wörter wären: Heldenmut, Löwenmut oder Todesmut.

2. In der Sprache gibt es eine Vielzahl von Ausnahmen und Unregelmäßigkeiten. Eine davon ist bei den Wörtern mit "-mut" festzustellen:
Jeder weiß, dass "groß" das Gegenteil (Antonym) von "klein" ist.
Die Großmut und der Kleinmut stehen jedoch, wie aus obiger Erläuterung ersichtlich wird, nicht in einem antonymen Verhältnis.

Bir.Kle.

Chef
Erstellt am 01.05.2013, 19:09 Uhr und am 04.11.2017, 00:48 Uhr geändert.

Das "Kobra-Syndrom"

Das "Kobra-Syndrom" oder "Morbus Naja"


Was ist das überhaupt?

Das "Kobra-Syndrom" ist die Neigung, an das Suffix "-nis" ein zusätzliches und überflüssiges "s" dranzuhängen.

Betroffene Wörter sind beispielsweise (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Ärgernis, Bangnis, Bedrängnis, Bedürfnis, Befremdnis, Befugnis, Begebnis, Begräbnis, Behältnis, Bekenntnis, Beklemmnis, Besorgnis, Betrübnis, Bewandtnis, Bildnis, Bitternis, Bündnis, Düsternis, Empfängnis, Ereignis, Ergebnis, Erkenntnis, Erlaubnis, Erlebnis, Ersparnis, Erträgnis, Erzeugnis, Fäulnis, Finsternis, Gedächtnis, Gefängnis, Geheimnis, Gelöbnis, Geschehnis, Geständnis, Gleichnis, Hemmnis, Hindernis, Kenntnis, Kümmernis, Ödnis, Trübnis, Verdammnis, Verhältnis, Verhängnis, Vermächtnis, Versäumnis, Verständnis, Verzeichnis, Vorkommnis, Wagnis, Wildnis, Wirrnis, Zerwürfnis, Zeugnis

Bei der Aussprache macht sich dieses überflüssige "s" bei den vom "Kobra-Syndrom" Betroffenen nicht bemerkbar, aber:
Für das Auge des sprachsensiblen Zeitgenossen wirkt dieses überflüssige "s" im schriftlichen Gebrauch ungewohnt und befremdlich und bildet unwillkürlich die Assoziation zum Zischen einer Schlange. Daher der Name "Kobra-Syndrom".


Worin liegt die Ursache für das "Kobra-Syndrom"?

Ich glaube, den "Erreger" für das "Kobra-Syndrom" gefunden zu haben; es handelt sich dabei höchstwahrscheinlich um ein Zusammenspiel zweier Komponenten:

1. Die Anglizismen, die in der deutschen Sprache nahezu omnipräsent sind und wie aggressive Metastasen durch den Sprachkörper wuchern.
(Der von "Anglizismus-Metastasen" zerfressene "Patient" hat übrigens sogar einen Namen: "Neudeutsch" oder "Denglisch".)

2. Ein "Differenzierungs-Defizit":
Manch ein Zeitgenosse überträgt Orthographie- und Grammatikregeln zwischen zwei Sprachen einfach hin und her, wobei Feinheiten, Eigenheiten und Ausnahmen einfach ignoriert werden (vermutlich aus Gründen mangelnder Sprachkompetenz).


Wie entsteht aus diesen zwei Komponenten das "Kobra-Syndrom"?

Ganz einfach: Es gibt in der englischen Sprache einen Suffix, welcher sehr ähnlich klingt wie die deutsche Endsilbe "-nis", jedoch mit zwei "s" geschrieben wird: "-ness".

Beispiele: Fitness, Business, Fairness, Cleverness, Coolness, Happiness, Witness, Luckiness, Wellness

Vermutlich übertragen die "KS-Patienten" aufgrund der Ähnlichkeit der beiden Endsilben die "Doppel-s-Schreibweise" einfach von dem englischen auf das deutsche Suffix.

Nebenbei noch zwei kleine Hinweise zum Thema "Differenzierung":

1. Ich habe diese englischen Beispiele groß geschrieben, weil ich sie innerhalb der deutschen Sprache verwende. Im Englischen hingegen werden sie klein geschrieben, zumal die englische Sprache für Substantive bekanntlich die Kleinschreibung vorsieht.
Bei Fremdwörtern gelten immer die Orthographie- und Grammatikregeln derjenigen Sprache, in der sie verwendet werden und nicht die Regeln jener Sprache, aus welcher die Fremdwörter ursprünglich stammen.

2. Die englischen Adjektive werden mit "y" geschrieben (happy, lucky); ihre dazugehörigen Substantive hingegen schreibt man mit "i" (Happiness, Luckiness)



Wie lässt sich das "Kobra-Syndrom" therapieren?

Sollte der Hinweis, dass Wörter mit der Endsilbe "-nis" mit einem "s" geschrieben werden, beim "Patienten" keine Wirkung zeigen, besteht noch eine weitere, mit Sicherheit ziemlich wirksame, aber gleichzeitig auch ziemlich unsensible "Therapiemethode":
Im mündlichen Sprachgebrauch werden gegenüber dem "Kobra-Syndrom-Patienten" die betreffenden Wörter (siehe Beispiele ganz oben) bewusst mit einem langgezogenen "s", welches wie ein Zischen anmutet, ausgesprochen.
Man kann ziemlich sicher von einer "heilenden" Wirkung ausgehen. Bevor diese jedoch eintritt, besteht das Risiko von Nebenwirkungen:
Der "Patient" könnte sich echauffieren, was sogar in Aggressivität und Handgreiflichkeiten münden könnte!
Man könnte es auch so ausdrücken: Der "Giftzahn" wird eingesetzt - wodurch der Begriff "Kobra-Syndrom" eine ganz neue Bedeutung bekäme!

Bir.Kle.

Chef
Erstellt am 01.05.2013, 18:53 Uhr und am 04.01.2014, 14:48 Uhr geändert.

Das "Wolf-Syndrom"

Das "Wolf-Syndrom" oder "Morbus Lupus"


"Wolf-Syndrom" - Was ist das eigentlich?

Keine Panik! Die von diesem Syndrom Betroffenen verwandeln sich in Vollmondnächten keineswegs zu Werwölfen (sonst hieße es ja auch "Werwolf-Syndrom").
Die "WS-Patienten" zeigen auch darüber hinaus keine nennenswerten äußeren animalischen Auffälligkeiten. Umso animalischer ist bei ihnen jedoch eine bestimmte Art, mit der Sprache umzugehen:
Das, was für den Wolf die Schafe, Rinder oder Rehe sind, sind für den "WS-Patienten" die Pronominal-, Demonstrativ- und Interrogativadverbien.
So, wie der Wolf seine Beutetiere zerreißt, reißt auch der "WS-Patient" die betreffenden Wörter erbarmungslos auseinander.
Ein weiteres Symptom bei nahezu allen "WS-Patienten" ist, dass sie dazu neigen, einige der betreffenden Wörter komplett aufzufressen und stattdessen weniger elegante Varianten zu verwenden.
Der Name "Wolf-Syndrom" ist auch noch auf einen weiteren Aspekt zurückzuführen: Da diese "Krankheit" als hochansteckend gilt, sind die Befallenen (leider) keine seltenen Einzelfälle – sie treten stattdessen vielmehr, genau wie die Wölfe, im Rudel auf.
Leider ist das "Wolf-Syndrom" auch im schriftlichen Sprachgebrauch zunehmend anzutreffen.


Wie äußert sich das "Wolf-Syndrom" konkret?

Zunächst einmal sei zur Verdeutlichung eine Auflistung von Pronominal- und Demonstrativadverbien angeführt, welche bei dieser "Krankheit" die Leidtragenden sind:

dabei, dadurch, dafür, dagegen, dahinter, damit, danach, daneben, daran, darauf, daraus, darin, darüber, darum, darunter, davon, davor, dazu, dazwischen

Ebenfalls betroffen sind die zu den aufgezählten Wörtern dazugehörigen Interrogativadverbien, die mit dem Präfix ("wo-") beginnen, beispielsweise wobei, wofür, wovon, wovor.

Der "WS-Patient" reißt die Pronominaladverbien auseinander, setzt eines der beiden Wortfragmente an den Satzanfang, während das andere irgendwo im Satz untergebracht wird. Eine schlimmere sprachliche Vergewaltigung ist kaum vorstellbar!
Insbesondere, wenn man bedenkt, dass die betroffenen Wörter flexibel an mehreren Stellen in den Satzbau eingefügt werden können, ohne die Syntax (Satzkonstruktion) zu verletzen, ist das Verhalten der "WS-Patienten" kaum nachzuvollziehen.

Beispiel eines Satzes aus dem Munde/der Feder eines "WS-Befallenen":

"Da kann ich nichts für."

Es gibt gleich mehrere richtige und elegantere Varianten:

Dafür kann ich nichts.
Ich kann dafür nichts.
Ich kann nichts dafür.

Noch ein Beispiel:
"Da kann ich nichts mit anfangen."

Eleganter und korrekt:

Ich kann damit nichts anfangen.
Damit kann ich nichts anfangen.
Ich kann nichts damit anfangen.


Vier Möglichkeiten, von denen drei (75%) richtig sind. Doch was tun viele Menschen? Sie verwenden unbegreiflicherweise ausgerechnet die zweifelhafte und hässliche Variante!

Die bescheuerteste Art der Vergewaltigung eines Demonstrativadverbs ist dieser Satz:

"Da sage ich nichts zu."

Hier ist natürlich das Wort "dazu" auseinandergerissen worden; gemeint ist folglich: "Ich möchte mich dazu nicht äußern."
Der sprachkompetente Zeitgenosse, der die Adverbien nicht vergewaltigt, liest aus diesem Satz das Verb "zusagen" heraus. Demzufolge bedeutet der Satz also: "Da (also irgendwo) gebe ich keine Zusage."

Die Interrogativadverbien müssen genauso schwer leiden. Beispiele, wie viele Leute sprechen (und schreiben):

1. "Wo gehst Du hin?"
2. "Wo träumst Du von?"
3. "Wo hast Du Angst vor?"

Elegant und korrekt:

1. Wohin gehst Du?
2. Wovon träumst Du?
3. Wovor hast Du Angst?

Diese Wörter auseinanderzureißen ist auch insofern unsinnig, zumal es leicht verwirrend sein kann.
Wenn beispielsweise die Frage "Wo träumst Du von?" noch nicht vollständig ausgesprochen wurde ("Wo träumst Du...?") mutet sie für Sekundenbruchteile lokal (örtlich) an ("wo"), als ob der Fragende beispielsweise fragen wollte, an welchem Ort man gerne träume.

Ein weiteres, eingangs bereits erwähntes Symptom des "Wolf-Syndroms" betrifft ebenfalls die Interrogativadverbien:
Oft werden sie nicht auseinandergerissen, sondern ganz weggefressen.

Beispiele:

Anstatt "Wonach sehnst Du Dich?" sagen viele "Nach was sehnst Du Dich?"
Anstatt "Worüber sprecht ihr?" sagen viele "Über was sprecht ihr?"


Wodurch wird das "Wolf-Syndrom" verursacht?

Naheliegend ist, dass eine grammatikalische Regel, die für die Verben gilt, fälschlicherweise auf die Adverbien übertragen wird.


Welche "Therapiemethoden" gibt es?

Es gibt leider kaum vielversprechende Methoden, um dem "Wolf-Syndrom" wirkungsvoll zuzusetzen.
Eine – zugegebenermaßen unsensible Art – ist, die Chance beim Schopf zu packen, wenn jemand den bescheuerten Satz "Da sage ich nichts zu." von sich gibt.
Man sollte diesem Satz jedes Mal mit der Frage "Wo gibst Du keine Zusage?" begegnen, in der Hoffnung, dass der "WS-Patient" darüber nachdenkt, welch sprachlichen Murks er von sich gegeben hat und dadurch zur Einsicht gelangt, die Pronominal-, Demonstrativ und Interrogativadverbien nicht mehr zu zerreißen oder gar zu verschlucken.

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