Das "ROSIG-Projekt" - Nachrichten

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Das "ROSIG-Projekt"

Erstellt am 01.05.2013, 18:24 Uhr von Bir.Kle. (Chef) und am 11.05.2013, 18:37 Uhr geändert.
...nein, es geht nicht darum, Rosen zu verwursten und den Meisterschnüffler und Duftwässerchenpanscher aus dem Film "Das Parfum" (Ein grauenhafter Film) in Sachen Duftkreation zu übertreffen.
Es geht auch nicht um ein botanisches Projekt, welches das Anliegen hat, neue Rosenarten zu kreieren und heranzuzüchten.
Es handelt sich auch nicht um ein Forschungsprojekt, welches sich zum Ziel gesetzt hat, Konzepte für eine rosig(er)e Zukunft zu erarbeiten.


"ROSIG" - Was bedeutet das überhaupt?

Es handelt sich um ein Akronym (eine Abkürzung, bestehend aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter.)
Die einzelnen Buchstaben stehen dabei für Folgendes:

Rhetorik
Orthographie
Stilistik
Interpunktion
Grammatik

Die Reihenfolge entspricht nicht der Gewichtung, das bedeutet, dass ich beispielsweise weder der Rhetorik die höchste noch der Grammatik die niedrigste Relevanz einräume.
Die Anordnung habe ich so vorgenommen, dass das Ganze sich wie ein Wort anhört; vor allem aber soll es les- und aussprechbar sein.
Zu der Interpunktion sei noch angemerkt, dass sie eigentlich zur Grammatik gehört. Ich habe sie dennoch separat angeführt, weil ich sie einerseits für ausgesprochen wichtig erachte, andererseits brauchte ich zum Erstellen eines leserlichen und aussprechbaren Akronyms noch einen zweiten Vokal.

Weitere symbolische Hintergründe für dieses Akronym:

1. "ROSIG" ist auch eine Anspielung auf das gleichklingende Adjektiv "rosig". Dieses wiederum ist ein Derivat des Substantivs "Rose". Die Rose wiederum bildet die Assoziation zur Liebe. Und genau darum geht es beim "ROSIG-Projekt": Um die Liebe – die Liebe zur Sprache.
2. Aus dem gleichklingenden Adjektiv "rosig" geht noch eine weitere Bedeutung für das "ROSIG-Projekt" hervor, nämlich diejenige des Adjektivs selbst, welches in etwa soviel bedeutet wie "positiv", "zuversichtlich", "optimistisch".
Das "ROSIG-Projekt" möchte einen (kleinen) Beitrag zur positiven (rosigen) Sprachentwicklung leisten, indem es gegen Sprachpanscherei, Sprachverhunzung, Sprachverwurstung und Sprachvergewaltigung vorgeht.


Das "Logo" des "ROSIG-Projekts"

Das Logo des "ROSIG-Projekts" präsentiert sich recht schlicht, getreu dem Motto "Weniger ist mehr (Meer)."
Es handelt sich dabei um eine Aufnahme, welche einen Ausschnitt des Meeres zeigt.
Das Meer ist dabei als Sinnbild zu verstehen: So tief und reichhaltig wie das Meer ist - genauso tief und reichhaltig ist die Schatzkiste des Wortschatzes.


Wer ist der Initiator und Leiter des "ROSIG-Projekts"?

Initiator und Leiter des "ROSIG-Projekts" ist ein adliger Sprachgelehrter orthodoxer Glaubensrichtung: Der "Ortho-Graf"!


Bedingungen, Konzept, Zweck und Ziel

1. Das "ROSIG-Projekt" versteht sich als eine Einrichtung, welche dem Austausch von Menschen dient, die Leidenschaft für sowie Interesse und Spaß an der Sprache haben.

2. Gleichermaßen willkommen sind auch alle anderen Menschen, die ihre sprachlichen Kenntnisse etwas erweitern möchten.

3. Hauptziel des "ROSIG-Projektes" ist es, die im Rahmen des Projektes gesammelten Fehler, sprachlichen Missstände und Verhunzungen zu bündeln zu einem "Medizinischen Lexikon der sprachlichen Krankheiten".

4. Damit ein übersichtlicher Rahmen gewährleistet ist, ist das "ROSIG-Projekt" auf die deutsche Sprache beschränkt.
Es ist jedoch ausdrücklich gestattet, die Idee des "ROSIG-Projektes" zu übernehmen und auf andere Sprachen oder Mundarten zu übertragen, indem man ein entsprechendes "Projekt" gründet (Gruppe erstellt).

5. Die Beiträge innerhalb des Projektes beruhen auf folgenden Komponenten:

- sie sollen leicht verständlich sein. Fachbegriffe (Termini) sind selbstverständlich nicht nur gestattet – sie sind oft auch unumgänglich. Sie sollten jedoch aus Gründen der Rücksicht auf weniger kompetente Personen erläutert werden (beispielsweise indem man die deutsche Entsprechung in Klammern dahinter angibt).
- die Beiträge sollen lehrreich, sachlich und informativ sein.
- sie sollen gleichzeitig auch unterhaltsam und humorvoll sein (Der Humor sollte sinnigerweise sprachlicher Natur sein und beispielsweise auf Wortspielen, Ironie, Metaphern etc. beruhen.)

6. Das "ROSIG-Projekt" ist ausschließlich auf den sachlichen und fachlichen Aspekt sprachlicher Art ausgerichtet. Es hat in keiner Weise die Absicht, irgendjemanden persönlich anzugreifen oder bloßzustellen.

7. Zur Teilnahme am Projekt ist jeder berechtigt, der die unter Absatz 1 und 2 angeführten Kriterien erfüllt.
Jeder Projektteilnehmer verpflichtet sich mit der Teilnahme am Projekt, für jeden von ihr/ihm begangenen sprachlichen Fehler ein "Bußgeld" zu entrichten. Die Fehler werden folgendermaßen geahndet:

Syntaktische Fehler: 50 Cent
Flexionsfehler (Deklination, Konjugation, Komparation): 40 Cent
Orthographische Fehler: 30 Cent
Interpunktionsfehler: 20 Cent

Für das dadurch in die Projektkasse fließende Geld gibt es einen streng festgelegten Verwendungszweck: Alle zwei Jahre veranstalten die Projektteilnehmer eine Sause, bei der die Hütte dermaßen zum Wackeln gebracht wird, dass der Putz von den Wänden abgeht.
Warum nur alle zwei Jahre? Weil in den Jahren dazwischen das neue Verputzen der Wände finanziert werden muss!
Sollte irgendjemand der Verwendung von Korrekturprogrammen überführt werden, sieht das Strafmaß folgendermaßen aus:
Alle anderen Projektteilnehmer werden für die Dauer von einem Jahr von den Bußgeldzahlungen befreit. Der "Übeltäter" hingegen muss die nächste Fete der Projektteilnehmer komplett aus eigener Tasche finanzieren.

8. Sobald jemand dem Projekt beigetreten ist, erhält sie/er umgehend eine E-Mail mit der Bitte um die Kontoverbindung und um eine Einzugsermächtigung, damit eventuell anfallende Bußgelder eingezogen werden können.
Wer dies verweigert, wird aus dem Projekt ausgeschlossen.

Abschließender Hinweis: Alle Beiträge, die persönlich, unsachlich oder nicht themenbezogen sind, werden unverzüglich entfernt – ohne Vorwarnung und ohne Begründung!

So, nun solltet ihr Beiträge schreiben,
emsig "die Feder übers Papier treiben"!
Ihr solltet also vor allen Dingen
eifrig "den Griffel übers Blatt schwingen",
und auch etwas Kleingeld mitbringen;
denn auf unserer kapitalistischen Welt
kostet nun mal alles Geld.
Für Fehler, das ist bekannt uns allen,
muss man oft am meisten zahlen!


Allen Freunden der Sprache wünsche ich viel Spaß und viel Erfolg beim Kampf gegen Metastasen im Sprachkörper, gegen sprachliche Wucherungen und sprachliches Unkraut!
Lasst uns tief schöpfen aus der Schatzkiste des vielfältigen und reichhaltigen Wortschatzes, damit die Sprache in ihrer ganzen Pracht und Schönheit erblühe!


Schöne Grüße

Bir.Kle.

Nichtssagend und unbrauchbar

Erstellt am 19.04.2021, 21:25 Uhr von Bir.Kle. (Chef) und am 21.04.2021, 17:28 Uhr geändert.
Die Grundidee der Produktrezension ist hervorragend: Menschen, die ein bestimmtes Produkt erworben haben, teilen die Erfahrungen, die sie mit diesem Artikel gemacht haben, geben eine Bewertung ab und - je nachdem - sprechen eine Kaufempfehlung aus oder raten von einem Kauf ab.
Der Zweck dürfte auch jedem klar sein: Kaufinteressierte erhalten eine Hilfestellung und werden unterstützt bei ihrer Kaufentscheidung.

Doch was nützt eine gute Grundidee in einer Welt voller Idioten, in der nur die wenigsten imstande sind, eine Rezension zu verfassen, die dieser Bezeichnung tatsächlich würdig ist?

Viele scheitern bereits an dem Begriff "Rezension": Immer wieder liest man von "Rezession" oder vereinzelt gar von Wörtern, die gar nicht existieren, wie etwa "Rezision".

Zu den "Spezialisten", die "Rezession" schreiben anstatt "Rezension", ist zweierlei festzustellen:

1. Sie haben noch nicht einmal den Hauch eines Schimmers, was der Begriff "Rezession" bedeutet - anderenfalls würden sie ihn in sinnvollem und korrektem Kontext verwenden.
2. Sie sind zu blöd zum Lesen, zumal einem beispielsweise bei Amazon Begriffe wie "Produktrezension", "Spitzenrezension" oder "Kundenrezension" förmlich "ins Gesicht springen", wenn es etwa heißt: "Schreiben Sie eine Kundenrezension!"

Was die Rezensionen an sich anbelangt, sind weit mehr als die Hälfte, wenn nicht sogar mindestens drei Viertel aller Rezensionen, inhaltlich wie sprachlich gleichermaßen katastrophal und somit nutzlos und unbrauchbar.

Ich bin beispielsweise auf eine Rezensentin gestoßen, die ihre Rezensionen stets nach dem gleichen Schema hinrotzt:
Als Titel der Rezension wird einfach ein Fetzen der zu rezensierenden Artikelbezeichnung (z.B. Buchtitel, Filmtitel, CD-Titel) hingeklatscht, anstatt Kreativität walten zu lassen und einen interessanten Rezensionstitel zu formulieren, der die Leserschaft anzieht und neugierig auf mehr macht.
Aber wie soll man etwas walten lassen, was nicht vorhanden ist?
Der eigentliche Rezensionstext ist auf läppische vier(!) Wörter beschränkt: Zwei Substantive, denen jeweils ein Adjektiv vorangestellt ist - und zwar nicht irgendein Adjektiv, sondern das billigste, beliebigste und farbloseste Adjektiv, das man sich vorstellen kann: "toll".

Und hier ein paar Originalrezensionen von dieser "Rezensionsgöttin":

CD "Das Beste" von Linda Fäh:
Linda
Tolle Lieder! Tolle Stimme !!


CD "Es ist nie zu spät" von Laura Wilde:
Laura
Tolle Sängerin!!! Starke Lieder !!


CD "Schenk mir den Moment" von Anna-Carina Woitschak:
Anna-Carina
Tolle cd !! Tolle Lieder!!


Wer hat solchen Menschen eigentlich ins Hirn geschissen? Jeder feuchte fliegende Furz hat einen höheren Informationsgehalt als diese Pseudo-Rezensionen!

Ein anderer Kandidat, ein Fan von Actionfilmen, eifert seinen Vorbildern fleißig nach - mit dem kleinen Unterschied, dass er im Gegensatz zu den Action-Hau-Draufs nicht Menschen, Gegenstände und Gebäude zu Kleinholz verarbeitet, sondern stattdessen in seinen Rezensionen sämtliche Komposita (zusammengesetzte Wörter) konsequent in ihre Einzelteile zerlegt.
Da sind am laufenden Band Wörter zu lesen wie "Action Film", "Panzer Faust" oder "Verfolgungs Jagd". (Dieses Auseinanderreißen der Komposita ist heutzutage geradezu eine Volkskrankheit.)
Dem Typen hat höchstwahrscheinlich irgendjemand einen Fäustel mit voller Wucht auf das Wernicke-Areal (sensorisches Sprachzentrum) sausen lassen - oder er ist von einem äußerst gefräßigen Hirnparasiten befallen.

Was bei Rezensionen noch allgemein auffällt, ist, dass offensichtlich ein Zusammenhang zwischen Musik- beziehungsweise Filmgeschmack und Bildungsgrad besteht.
So haben beispielsweise Rezensionen von CDs Klassischer Musik zumeist Hand und Fuß: Präzise Beschreibungen und konkrete Ausführungen, stringente Argumentation, nachvollziehbare Begründungen und aussagekräftige Bewertungen - und das Ganze sprachlich nahezu einwandfrei verpackt: An Orthographie, Grammatik oder Stilistik gibt es selten etwas auszusetzen.

Gut, dass ich mich vor fast zwanzig Jahren der Klassischen Musik zugewendet habe: Einerseits ist diese brillante Musik ein musikalischer Hochgenuss und andererseits kommt als positiver Nebeneffekt hinzu, dass ich mich nicht mit dem Rezensionsschrott irgendwelcher geistiger Tiefflieger herumärgern muss.

Zum Schluss sei noch auf einen generellen Schwachpunkt von Rezensionen hingewiesen:

"Alles ist relativ." hatte bereits der geniale Einstein festgestellt. Das gilt auch für Rezensionen, zumal sie eine subjektive Angelegenheit sind: Wie eine Produktbewertung letztendlich ausfällt, ist stark abhängig von den Vorstellungen, Erwartungen und Ansprüchen der Rezensentin/des Rezensenten.
So kann es passieren, dass das, was der eine als "Spitzenprodukt" wärmstens empfiehlt, von einem anderen als der "größte Schrott" angesehen wird.

Sprache, ihre Auswirkungen und Gedanken zur aktuellen Situation

Erstellt am 14.04.2020, 00:31 Uhr von Bir.Kle. (Chef) und am 14.04.2020, 19:33 Uhr geändert.
Die Sprache ist zweifelsohne eine der größten – wenn nicht sogar die größte – menschliche Errungenschaft. Unsere Welt, wie sie für uns selbstverständlich ist, unsere Gesellschaft, die Kunst, Kultur, die Wissenschaft, die Wirtschaft – ja unsere gesamte Zivilisation wäre ohne Sprache nicht denkbar.
Die Sprache ist eine Schlüsselkompetenz: Sie ist das Tor, das uns den Zugang ins Reich des Wissens öffnet. Bildung wäre ohne Sprache nicht möglich.

Die Anwendung von Sprache kann leider auch ganz fatale und schreckliche Auswirkungen mit sich bringen.
Wenn wir in den Nachrichten von Greueltaten aus Kriegsgebieten hören oder wenn wir in Zeitungen oder im Internet von Kriegsgreueln lesen, fragen wir uns erschüttert und entsetzt: Wie ist das möglich? Wie können Menschen anderen Menschen derart Schreckliches antun?

Nun, das läuft stets nach dem gleichen Muster in drei Phasen ab. Die Sprache hat hierbei – wie bereits erwähnt – leider eine Schlüsselfunktion:

Phase 1: Sprache
Ein typisches Merkmal der Kriegsrhetorik ist, dem Feind beziehungsweise Kriegsgegner das Menschsein abzusprechen. Folglich wird der Feind stets als "Bestie", "Barbar", "Abschaum", "Unmensch", "Untermensch" und dergleichen bezeichnet.

Phase 2: Denkweise
Wird die Verwendung einer solchen Kriegsrhetorik permanent und konsequent propagiert und praktiziert, führt das zwangsläufig dazu, dass das sich in den Köpfen der Menschen "zementiert". Im Klartext: Man nennt das feindliche Gegenüber nunmehr nicht einfach nur "Barbar" oder "Bestie", sondern es manifestiert sich sukzessive die feste Überzeugung, dass die Gegner tatsächlich "Untermenschen" oder "Abschaum" sind.

Phase 3: Handeln
Wenn man das Gegenüber nur noch als "Abschaum" oder "Bestie" wahrnimmt, ist es lediglich ein kleiner Schritt, bis die Menschlichkeit und jegliches Mitgefühl (Empathie) komplett auf der Strecke bleiben.

Dieses Verhalten wiederholt sich immer und immer wieder. In jedem Krieg. Es ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass der Mensch – wenn überhaupt – höchstens bedingt in der Lage ist, aus seinen Fehlern und seinem Fehlverhalten die richtigen Konsequenzen zu ziehen: Er lernt nicht viel dazu - Geschichte wiederholt sich!

Während die Kriegsgegner als "Bestien" oder "Barbaren" verunglimpft werden, werden in den eigenen Reihen diejenigen, denen das meiste Blut an den Händen klebt, weil sie den Tod Tausender und Abertausender organisieren (Offiziere), mit Medaillen und Orden ausgezeichnet und als "Helden" verehrt. Zynischer geht es ja wohl nicht! Wer hat uns Menschen eigentlich ins Hirn geschissen?
Es heißt dann stets "das seinen Patrioten". Aber was ist eigentlich ein Patriot? Eine Mischung aus "Patria" und "Idiot"!
Der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788-1860) hat es treffend auf den Punkt gebracht:
"Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein: hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen."

Machen wir nun einen Schwenk hin zur aktuellen Situation: Die ganze Welt ist damit beschäftigt, gegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie anzukämpfen.
Ein mikroskopisch kleines Virus, das unter dem Mikroskop wie eine Krone oder ein Kranz aussieht (lat. Corona), und das – wie alle anderen Viren auch – um ein Vielfaches winziger ist als ein Bakterium, versetzt den Planeten Erde in einen globalen Ausnahmezustand und führt uns allen vor Augen, wie verletzlich und zerbrechlich wir als Individuen sind und auch, wie anfällig unser gesamtes System ist.
Die Corona-Krise ist eine Chance, aus der eine Hoffnung keimt. Die Chance und die Hoffnung, dass wir diese Ausnahmesituation dazu nutzen, innezuhalten, um uns zu überlegen, ob wir die Weichen hinsichtlich einer rosigeren Zukunft nicht in eine andere Richtung stellen sollten oder gar müssten.
Bei mir allerdings hält sich die Hoffnung in Grenzen, umso größer aber ist meine Befürchtung, dass es, nachdem die Corona-Krise (halbwegs) ausgestanden ist, ein "Weiter so" geben wird und alles im altbekannten Trott weitergeht. So war es meistens. Selten hat sich etwas zum Besseren gewendet.

Hier ein Beispiel:
Am 10. November 2009 musste die Nation erschüttert und fassungslos zur Kenntnis nehmen, dass der an Depressionen erkrankte Fußball-Nationaltorwart Robert Enke in Neustadt am Rübenberge Suizid begangen hatte. Es folgte das Übliche: Jede Menge Palaver, es wurde salbadert, was das Zeug hält, Politiker und Fußballfunktionäre gelobten "dass es so nicht mehr weitergehen könne und dass sich etwas ändern müsse". All das war so flüchtig wie Fürze im Wind.
Geändert hat sich nichts – im Gegenteil: Erfahrungsberichten zufolge soll sich die Situation für depressive Fußballer sogar verschlimmert haben.
Andreas Biermann (Jahrgang 1980), ebenfalls an Depressionen erkrankter ehemaliger Zweitliga-Profi (u.a. FC St. Pauli), hatte nach Enkes Freitod den Mut, in die Offensive zu gehen und seine Erkrankung öffentlich bekanntzugeben. Die fatale Folge: Nach Vertragsende beim FC St. Pauli erhielt Biermann keinen weiteren Profivertrag mehr – kein Verein wollte einen an Depressionen erkrankten Spieler verpflichten. Fortan blieb ihm nichts anderes übrig, als im Amateurbereich herumzudümpeln. Ich bin zwar kein Neurologe, Psychologe oder Psychiater, kann mir aber gut vorstellen, dass ein derartiger Schicksalsschlag die Symptome einer bereits bestehenden Depression noch weiter verstärken könnte.
Nach mehreren Selbstmordversuchen hat Andreas Biermann sich am 18. Juli 2014 in Berlin das Leben genommen. Er war gerade einmal 34 Jahre alt und hinterließ seine Ehefrau sowie zwei Kinder. Wie verzweifelt muss dieser junge Mann gewesen sein? Wie gleichgültig und herzlos ist diese Gesellschaft? Warum fand das tragische Schicksal Biermanns kaum Beachtung und warum gab es kaum Anteilnahme? Sind wir Menschen nicht alle gleich? Ist jemand besonders oder "etwas Besseres", nur weil er für die deutsche Nationalmannschaft aufläuft?
Genau wie bei Robert Enke gab es auch bei Andreas Biermann Hinterbliebene – Menschen, die um einen geliebten Menschen weinten und die es womöglich vor lauter Schmerz, Verzweifelung und Trauer aus der Bahn geworfen hat.
Aber Andreas Biermann war ja "nur" ein Zweitliga-Spieler. Er war kein "Held" (welch absurde und schwachsinnige Bezeichnung für einen Fußballspieler!), der für Deutschland spielte.
Offensichtlich sind wir nur auf dem Papier (Grundgesetz) gleich – die traurige Realität sieht leider ganz anders aus.
Abschließend möchte ich noch eine kurze und treffende Zusammenfassung formulieren:
WAS IST DAS FÜR EINE BESCHISSENE WELT, IN DER WIR LEBEN?

Was bliebe eigentlich noch übrig, wenn man sich von alldem abwendete, was menschenverachtend ist?
Ich war einst auch ein begeisterter Fußballfan. Seit etwa fünf Jahren existiert der Profifußball für mich nicht mehr: Ich habe mich von diesem dreckigen Geschäft, in dem der Sport lediglich Mittel zum Zweck ist, angewidert abgewendet.

Eines der übelsten Wörter überhaupt

Erstellt am 25.02.2018, 23:13 Uhr von Bir.Kle. (Chef) und am 08.04.2018, 17:18 Uhr geändert.
Wer hat uns eigentlich dieses gottverdammte Perfektionsvirus eingepflanzt? Wörter wie das Substantiv "Perfektion" und insbesondere das dazugehörige Adjektiv "perfekt" schwirren omnipräsent umher; Tag für Tag kontaminieren sie in allen (un)möglichen Fügungen den Gehörgang.
Vernehme ich eines dieses Wörter morgens in aller Frühe, ist sogleich der ganze Tag für mich gelaufen - dermaßen habe ich den Kaffee auf!
Da reicht der Hals aber bis nach Kapstadt!

Begreift eigentlich irgendjemand, dass man ein Wort seiner Kraft und seiner Intensität beraubt, wenn es von einer großen Anzahl von Menschen über einen längeren Zeitraum übermäßig oft in die Welt hinausposaunt wird?
Die betreffenden Wörter büßen in ihrer Bedeutung stark an Wert ein - sie sind völlig ausgelutscht!
Da ist "perfekt" übrigens bei Weitem kein Einzelfall. Es gibt etliche solcher ausgelutschter Modewörter wie etwa Innovation, Technologie oder Kreativität. Das sind eigentlich keine Wörter mehr, sondern eher leere Worthülsen. Inhalt? Fehlanzeige!

Insbesondere die Werbung überspannt maßlos den Bogen. Dort hört und liest man das Unwort "perfekt" am laufenden Band. Fortwährend wird dem Konsumenten Perfektion suggeriert, beispielsweise:
● in der Autowerbung: ("perfektes" Fahrvergnügen)
● in der Waschmittelwerbung ("perfekte" Sauberkeit bzw. "perfekte" Reinheit, "perfektes" Weiß)
● in der Reinigungsmittelwerbung ("perfekte" Hygiene, "perfekter" Glanz)
● in der Nahrungsmittelwerbung ("perfekter" Geschmack, "perfektes" Aroma)
● in der Werbung für Körperpflegemittel ("perfektes" Aussehen, "perfektes" Styling, "perfekte" Rasur)

Was ist Perfektion? Perfektion ist schwachsinnig und fatal! Perfektion ist das Ende aller Motivation und der Tod jeglichen Fortschritts.
Nehmen wir einmal an, alles wäre tatsächlich "perfekt". Das hieße, dass alles das höchste Maß an Entwicklung erreicht hätte und vollkommen wäre. Wo wäre da noch Raum und Potenzial für Fortschritt?
Und woher nähme man ohne weitere Fortschrittsmöglichkeit die Motivation? (Verbesserung und Weiterentwicklung wäre bei Vollkommenheit ja nicht mehr möglich.)

Man sieht also: Perfektion ist langweilig! Und das gleich in mehrerlei Hinsicht:
Wir gehen heutzutage an vieles völlig verkrampft und verbissen heran, wollen alles "perfekt" bis ins kleinste Detail durchplanen und möglichst nichts dem Zufall überlassen. Langweiliger geht es ja wohl kaum!
Nehmen wir als Beispiel den Tag, den die meisten Menschen als den schönsten in ihrem Leben sehen: Die Hochzeit.
Die schönsten und unvergesslichsten Hochzeiten sind diejenigen, die alles andere als "perfekt" sind. Wenn beispielsweise die Trauung auf einem Bootssteg stattfindet, dieser während der Zeremonie zusammenbricht und das Brautpaar mitsamt den Hochzeitsgästen ein unfreiwilliges, aber zünftiges Bad nimmt.
Vorausgesetzt, es kommt dabei niemand ernsthaft zu Schaden, ist ein solches außerplanmäßiges Vorkommnis ein Ereignis, das man nie vergisst und über das man ein Leben lang herzhaft lachen kann.
Ganz im Gegensatz zu einer "perfekten", straff durchorganisierten Hochzeit, wo alle derart steif sind, als ob sie einen Stock im Allerwertesten hätten! Die gerät recht schnell in Vergessenheit, weil es nur "eine von vielen" ist.

Noch ein Beispiel: Das Erscheinungsbild/Aussehen.
Auch da sind wir völlig verkrampft und wollen "perfekt" aussehen. Da wird retuschiert, übertüncht, zugeschmiert, verspachtelt was das Zeug hält.
Ich finde ein solches makelloses Aussehen nicht schön, sondern vielmehr langweilig, unnatürlich, ja geradezu unheimlich.
Ist es nicht eher so, dass das "Unperfekte", also die kleinen Makel wie Lachgrübchen, Muttermale, Fältchen, Sommersprossen und Ähnliches einen Menschen erst so richtig liebenswert, sympathisch, einzigartig und unverwechselbar machen?
Warum wollen so viele Menschen wie genormt aussehen, wie am Reißbrett entworfen? Ist es die "Beauty-Industrie", die ihnen dieses irreale Schönheitsideal mit ihrer idiotischen Werbung in die Schädel gekackt hat?
Ist es nicht überhaupt die Werbung, die uns so bekloppt macht und uns diesen Perfektionswahn einimpft?
Fragen über Fragen.

Zum Schluss noch ein kleiner Reim zur Verwendung des Wörtchens "perfekt":
Benutzt Du oft das Wort "perfekt",
mangelt's Dir an Intellekt!


oder meinetwegen so:

Benutzt Du oft das Wort "perfekt",
bist Du so blöd wie Konfekt!


Vielleicht können diese kleinen Reime ein bisschen dazu beitragen, dass diejenigen, bei denen dieses kleine widerliche Wort recht locker auf der Zunge sitzt - und das sind leider nicht gerade wenige - sich diesbezüglich mäßigen und dieses Wort weitgehend aus ihrem Wortschatz verbannen. Und mit dem Wort am besten auch die entsprechende Einstellung; Perfektion ist nämlich in den meisten Fällen eine Utopie. Der Wunsch und das Bestreben, sie zu erreichen, führen folglich nicht selten zu Unzufriedenheit und Enttäuschung.

In diesem Sinne:
Versuche niemals, "perfekt" zu sein - sei einfach Du selbst, stehe zu Deinen Stärken und Schwächen und Du wirst Sympathie erfahren!

Das Tor zur Torheit

Erstellt am 23.08.2017, 20:56 Uhr von Bir.Kle. (Chef) und am 18.10.2020, 13:24 Uhr geändert.
Wir Menschen halten uns gerne für etwas Besseres oder Besonderes. Wir meinen, einzigartig und allen anderen Lebewesen überlegen zu sein. Obendrein bezeichnen wir uns mitunter als "Krone der Schöpfung" oder "Ebenbild Gottes".
Einzigartig also. Na und!? Ein Blauwal, eine Kakerlake, ein Laubfrosch oder ein Gepard sind ebenfalls einzigartig!
Etwas Besonderes? Allein schon die Tatsache, dass wir die Überheblichkeit, die Maßlosigkeit und den Größenwahn besitzen, uns selbst beispielsweise "Krone der Schöpfung" zu nennen, zeigt, dass wir eben nichts Besonderes sind.
Einst ging unser Hochmut sogar soweit, dass wir der Überzeugung waren, der Mittelpunkt des Universums zu sein und alles sich um uns drehen würde (Geozentrisches Weltbild). Tatsächlich ist dieser zerbrechliche Planet ein Staubkorn in den unermesslichen Weiten des Weltalls; der einzelne Mensch ist nur ein Furz im Wind – verletzlich und schwach.

Schauen wir uns ein paar Tatsachen an über das selbsternannte "Ebenbild Gottes":
Ein nicht gerade geringer Anteil der männlichen Individuen ist offensichtlich zu dämlich, das Urinal zu treffen. (Die Lache, in der man jedes Mal beim Aufsuchen einer öffentlichen Herrentoilette steht, sollte Beweis genug sein.) Ich bin felsenfest davon überzeugt, würde man Urinale mit einem Durchmesser von zwei Metern herstellen, gäbe es dennoch genügend Trottel, die selbst diese nicht zu treffen imstande wären.
Nun zu den Weibchen der Spezies "Krone der Schöpfung": Manch eine von ihnen definiert sich größtenteils über das Äußere (Kleidung, Schuhe, Figur, Frisur, Kosmetik, Schmuck). Wenn nun aber ein Männchen es wagt, ein solches Weibchen auf Äußerlichkeiten zu reduzieren, ist die Frau pikiert und hält den Kerl für oberflächlich (was er ja auch tatsächlich ist). Aber was ist mit euch, Mädels? Selbstreflexion wäre da angebracht. Oder um es leichter verständlich auszudrücken: Schon einmal an die eigene Nase gepackt?
Wenn eine solche Spezies die Krone der Schöpfung sein soll, lache ich mich krumm und bucklig!

Weitere Fakten:
Der Mensch ist das einzige Lebewesen auf diesem Planeten, das seine Lebensgrundlage vernichtet, weil er seinen Lebensraum zerstört und die Bedingungen massiv in Negative verändert. (Er sägt unentwegt an dem Ast, auf dem er sitzt.) Wenn man bedenkt, dass ihm die Konsequenzen seines Handelns durchaus bewusst sind, erscheint das besonders borniert. Gleichermaßen borniert sind auch diejenigen, die die ganze Zerstörung, Vernichtung, Verseuchung und Ausbeutung verharmlosen oder gar völlig leugnen.
Man kann hierüber ganze Bücher verfassen; ich möchte an dieser Stelle nur einen Aspekt als Beispiel anführen: Die Ausbeutung der Ressourcen in so hohem Maße, dass diese sich kaum noch oder gar nicht mehr regenerieren können. Beispiele hierfür wären die Überfischung der Ozeane und die Rodung des Regenwaldes.
Generell gerät in der Natur immer dort alles aus dem Gleichgewicht, wo die gierigen Finger des Menschen im Spiel sind. Allein der Mensch ist imstande, ganze Ökosysteme zu vergewaltigen. (Man bedenke beispielsweise, welch gewaltiger Eingriff in die Natur der Bau eines Staudamms ist.)

Wir Menschen sind euphorisch, enthusiastisch und naiv, wenn in irgendeinem Bereich ein Fortschritt zu verzeichnen ist. Dadurch wird zwar ein Problem gelöst, jedoch mindestens ein neues geschaffen.
Beispiel medizinischer Fortschritt: Dank der medizinischen Forschung wird die Lebensqualität zahlloser Menschen erhöht; sie werden befreit von Höllenqualen, unvorstellbaren Schmerzen und Siechtum. Immer mehr Krankheiten werden heilbar. Alles schön und gut.
Der Nachteil ist jedoch gravierend: Die steigende Lebenserwartung hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Bevölkerungswachstum und ist somit für die Übervölkerung erheblich mitverantwortlich. Die Übervölkerung wiederum ist die Wurzel (fast) aller Probleme der Menschheit.
Beispiel technischer Fortschritt: Maschinen, Anlagen, Geräte und Apparate sorgen dafür, dass das Arbeiten präziser, schneller und leichter wird.
Nachteile: Umweltverschmutzung, Rohstoffausbeutung und – Arbeitsplatzrückgang!
In der Metallbranche beispielsweise musste früher zu Zeiten der konventionellen Maschinen jede einzelne Drehmaschine von einem Dreher bedient werden. Heute, im Zeitalter der Automatisierung und Digitalisierung, hat ein CNC-Dreher drei oder vier CNC-Drehmaschinen zu bedienen und springt acht Stunden täglich wie ein Idiot im Dreieck oder Viereck zwischen den einzelnen Maschinen hin und her.
Im Bürowesen ist es ähnlich: Wo früher drei oder vier Tippsen saßen und alles manuell in die Schreibmaschinen einhacken mussten, sitzt heute nur noch eine einzige Sekretärin und kann per Mausklick alle benötigen Formulare, Vordrucke und Dokumente aufrufen und ausdrucken.
Beispiel Waffentechnik: Waffen haben dem Menschen schon immer nur Not, Leid und Elend gebracht.
Früher, als man einander noch mit Schwert, Speer, Axt, Keule, Armbrust, Katapult und Kanone bekämpfte, konnte man sich zwar gegenseitig niedermetzeln, jedoch keinen derartig verheerenden Schaden anrichten, welcher die Existenz der gesamten Menschheit oder gar des Lebens insgesamt auf der Erde ernsthaft gefährden könnte.
Und heute? Der Fortschritt hat die Massenvernichtungswaffen (ABC-Waffen) gebracht. Wir sitzen sozusagen auf einem Pulverfass; das weltweite Arsenal reicht aus, um die Menschheit gleich mehrfach auszulöschen - und mit ihr auch große Teile der Flora und Fauna.
Vielleicht gibt es eines Tages einen "Fortschritt" der ganz anderen Art, nämlich wenn die Menschheit fortschreitet, also von der Bildfläche verschwindet.
Das traue ich dieser Spezies allemal zu; es muss nur einer von denjenigen, die Zugriff auf den roten Knopf haben, die Nerven verlieren.

Fazit:
Ist es nicht so, dass der Mensch eine strohdumme Spezies ist? Ist es nicht auch so, dass wir uns der Blödheit der Menschheit insgeheim bewusst sind und sie uns dennoch nicht so richtig eingestehen wollen – oder falls wir es eingesehen haben – es aus welchem Grund auch immer nicht auszusprechen vermögen?
Einer der raren Lichtblicke in den unermesslichen Weiten geistiger Dunkelheit hatte nicht nur den diesbezüglichen Geistesblitz, sondern auch den Mut, ihn auszusprechen – kein geringerer als Albert Einstein:
"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."
Dass geistige Lichtblicke wie Einstein rar gesät sind, hatte wiederum Friedrich Schiller richtig erkannt:
"Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn! Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen."

Aber all diese Erkenntnis scheint sich ja zu verbreiten, was sich beispielsweise im Sprachgebrauch manifestiert: (Endlich komme ich nun zu dem, wofür ich die ellenlange vorangestellte Einleitung verfasst habe.)

Man erkennt ohne Mühe, ohne Not
den Tor oder auch Idiot,
denn er ist fast omnipräsent,
wenngleich subtil und dezent:

Administrator, Agitator, Autor, Diktator, Direktor, Doktor, Gladiator, Illustrator, Imitator, Imperator, Initiator, Inquisitor, Inspektor, Investor, Kantor, Kommentator, Konditor, Laudator, Lektor, Liquidator, Mentor, Moderator, Narrator, Navigator, Organisator, Pastor, Präparator, Reformator, Restaurator, Senator, Tutor

Toren sind selbstverständlich international anzutreffen: Im Rumänischen beispielsweise der conducător, vânător und vânzător; der Torero in Spanien oder im englischen Sprachraum unter anderem der actor, administrator, collaborator, collector, creator, editor, narrator, navigator, traitor und visitor.
Ein aus Österreich stammender Schauspieler, den es in die Vereinigten Staaten verschlagen hat, hat in seinen Filmrollen bereits mehrfach Idioten verkörpert: Den Terminator und den Predator.

Im Fußball wird des Öfteren gefoult, woraufhin dann ein Tor fällt. Das ist ja auch alles kein Wunder – wenn etwas fault, fällt es irgendwann zwangsläufig.

Ist "Terra" womöglich der falsche Name für unseren Heimatplaneten? Vielleicht sollten wir ihn umbenennen in "Torra – Das Tor zur Torheit"

Was ist der Unterschied zwischen einem Tor und einem Tor?
Das Tor besteht vollständig aus Brettern, wohingegen der Tor ein Brett vor dem Schädel hat!

Schicksale

Erstellt am 12.02.2017, 20:45 Uhr von Bir.Kle. (Chef)
Viele Redakteure, Journalisten und Reporter haben vonseiten ihrer jeweiligen Chefetage die Anweisung, beim Verfassen der Artikel weitgehend auf die Verwendung des Genitivs und des Konjunktivs zu verzichten, um die Leserschaft nicht zu überfordern.

Als ich das las, dachte ich: "Was ist aus dem (einstigen) Land der Dichter und Denker bloß geworden? Armes Deutschland!"

Warum ein Verein mit "Aktivitäten" keineswegs aktiver ist als einer mit Aktivität

Erstellt am 03.11.2016, 16:54 Uhr von Bir.Kle. (Chef) und am 23.05.2017, 16:53 Uhr geändert.
Immer wieder liest man in Bezug auf Vereine, Verbände, Organisationen, Institutionen oder weitere Einrichtungen von "Aktivitäten" - dass das völliger Schwachsinn ist, scheint sich selbst vielen Leuten vom Fach, wie etwa Journalisten, nicht zu erschließen.

Aber was ist denn nun an dem Wort "Aktivitäten" schwachsinnig?

Um das zu begreifen, muss man sich mit der Definition dieses Wortes befassen:
Beziehen wir uns beispielsweise auf einen Verein, so versteht man unter "Aktivität" die Gesamtheit aller Abläufe, Aktionen, Handlungen, Maßnahmen, Tätigkeiten und Veranstaltungen, die innerhalb des betreffenden Vereins stattfinden.

Demzufolge kann ein Verein nur eine Vereinsaktivität haben - genauso, wie er auch nur einen Vorstand und nur ein Vereinsleben hat.

"Hammermäßige Megasteigerung"

Erstellt am 21.03.2016, 00:36 Uhr von Bir.Kle. (Chef) und am 21.03.2016, 01:09 Uhr geändert.
Viele junge Menschen kennen heutzutage leider nur zwei scheußliche Möglichkeiten, wenn es darum geht, etwas zu steigern, zu verstärken oder zu bekräftigen: Die Vorsilbe „mega-“ (z.B. megageil, megakrass) sowie „Hammer“ - wobei Letzteres nicht nur als Substantiv herumgeistert, sondern auch als Bestimmungswort fungiert (z.B. hammergeil, hammermäßig).

Mich würde eines brennend interessieren: Wie viele von diesen jungen Menschen wissen überhaupt, was die Vorsilbe „mega-“ eigentlich genau bedeutet?

Ich bin davon überzeugt: Führte man diesbezüglich eine Umfrage durch, wüsste bestenfalls die Hälfte der Befragten, dass diese Silbe aus dem Griechischen kommt („mégas“) und soviel wie „groß“ bedeutet.
Darüber hinaus handelt es sich hierbei natürlich auch um einen Vorsatz (Präfix), der Maßeinheiten vorangestellt wird, um das Millionenfache auszudrücken. (So entspricht beispielsweise ein Megawatt einer Million Watt, oder: 1 MW = 1.000.000 W).

Was kann man zusammenfassend sagen? Da werfen viele mit einer Vorsilbe dauernd einfältig um sich, ohne überhaupt einen blassen Schimmer von deren genaueren Bedeutung zu haben!


Nun zum „Hammer“: Als ob dieses Wort für sich nicht schon nervtötend genug wäre, wird es zuweilen auch noch gesteigert; wenn jemand besonders überrascht ist oder etwas extrem großartig findet, hört man bisweilen: „Das ist ja wohl der Oberhammer!“

Irgendwann werde ich in einen Baumarkt gehen, mich schnurstracks in die Werkzeugabteilung begeben und dem erstbesten Baumarktmitarbeiter, den ich antreffe, folgendes Anliegen vortragen:
„Guten Tag! Ich hätte gerne einen Schmiedehammer, einen Zimmermannshammer sowie einen Oberhammer!“

Da bin ich aber gespannt, was der wohl antworten würde!

Käme jemand mit einem derartigen Anliegen auf mich zu, ginge ich auf die Wortspielerei ein und gäbe diese Antwort:
„Also das mit dem Schmied und dem Zimmermann leuchtet mir ja vollkommen ein – aber seit wann benötigt ein Ober einen Hammer zur Ausübung seines Berufes!?“

Der Trugschluss mit dem Blei

Erstellt am 15.05.2015, 02:07 Uhr von Bir.Kle. (Chef) und am 23.05.2017, 16:55 Uhr geändert.
Jeder kennt das: Wenn etwas schwer ist, wird oft der Vergleich mit Blei herangezogen – "Das ist schwer wie Blei" heißt es dann. Aber auch in anderen Situationen wird der Vergleich mit Blei bemüht, beispielsweise wenn jemand beim Autofahren gerne richtig "auf die Tube drückt", nennt man die betreffende Person mitunter "Bleifuß".
Doch was ist dran an Blei? Ist dieses weiche Metall wirklich so schwer?
Wie schwer etwas ist, hängt logischerweise von der vorhandenen Menge des betreffenden Stoffs ab. Wenn wir einen aussagekräftigen Vergleich vornehmen wollen, sind wir mit "schwer" oder "Gewicht" auf dem Holzweg. Wir müssen uns also einer anderen Größe, nämlich der Dichte, bedienen. Hierbei wird die Masse in Bezug auf das Volumen angegeben.
Die Dichte kann in folgenden Einheiten angegeben werden:
- Tonne pro Kubikmeter (t/m³)
- Kilogramm pro Kubikdezimeter (kg/dm³)
- Gramm pro Kubikzentimeter (g/cm³)
- Milligramm pro Kubikmillimeter (mg/mm³)

(Übrigens: Egal, welche dieser vier Einheiten man verwendet, der Zahlenwert ist immer gleich. Beispiel:
12 t/m³ = 12 kg/dm³ = 12 g/cm³ = 12 mg/mm³)

Doch nun zurück zum Thema: Schauen wir uns einmal an, wie Blei im Vergleich zur Konkurrenz dasteht:
Blei hat eine Dichte von 11,342 g/cm³. Das Element mit der höchsten Dichte ist ein Edelmetall: Osmium mit 22,59 g/cm³. Ganz knapp dahinter liegt Iridium, ein weiteres Edelmetall, mit einer Dichte von 22,56 g/cm³.
Osmium und Iridium haben eine Dichte, die jeweils fast doppelt so hoch ist wie jene von Blei! Aber das ist noch nicht alles: Zwischen diesen beiden Edelmetallen und Blei befinden sich noch 21 weitere Elemente, die allesamt eine höhere Dichte besitzen als Blei, darunter zahlreiche Edelmetalle (Platin, Rhenium, Gold, Ruthenium, Rhodium, Palladium), viele radioaktive Metalle (Neptunium, Plutonium, Uran, Protactinium, Californium, Americium, Curium, Berkelium, Thorium und Technetium) sowie die Elemente Wolfram, Tantal, Quecksilber, Hafnium und Thallium, das noch toxischer ist als sein "Bruder" Blei.

Zurück zum Blei: Warum wird immer wieder der Vergleich mit diesem grauen Metall angestellt, obwohl es auch in Sachen Dichte fast als "graues" Mittelmaß dasteht?
Blei ist unter allen bekannteren Metallen wie Aluminium, Chrom, Kupfer, Eisen, Magnesium, Mangan, Nickel, Vanadium, Titan, Zink und Zinn dasjenige mit der höchsten Dichte.
Gold und Silber zählen zwar ebenfalls zu den bekanntesten Metallen, sind jedoch für die meisten Menschen unerschwinglich, wodurch nur wenige eine Vorstellung von deren Dichte haben. (Silber hat mit 10,49 g/cm³ eine geringere Dichte als Blei, genau wie die vorhin erwähnten Metalle; Gold hingegen ist mit 19,3 g/cm³ das einzige unter den allgemein bekannten Metallen, welches eine höhere Dichte als Blei aufweist.)

Die meisten Elemente mit einer höheren Dichte als jener von Blei sind vielen Menschen unbekannt, weil sie im Alltag (z.B. Haushalt, Freizeit) höchstens eine untergeordnete Rolle spielen und ihre Einsatzgebiete größtenteils in der Industrie und der Wissenschaft liegen.
Einige dieser Metalle haben zwar eine gewisse Bekanntheit - beispielsweise Platin, Palladium, Uran, Plutonium, Quecksilber oder Wolfram - es vermag jedoch kaum jemand, sie bezüglich ihrer Dichte richtig einzuordnen, zumal sie teuer und recht selten sind (Edelmetalle) oder - wie im Falle der radioaktiven Elemente - einige in der Natur gar nicht vorkommen, sondern künstlich hergestellt werden müssen und ziemlich schnell wieder zerfallen.

Fazit:
Die wahren "Schwergewichte" sind größtenteils exotischer Natur, Raritäten oder radioaktive "Außenseiter".
Das unscheinbare Blei hingegen - in der "Gewichtsdisziplin" eigentlich eher Mittelmaß - ist der breiten Masse aufgrund seiner weiteren Verbreitung und höheren Verfügbarkeit wesentlich vertrauter und lässt somit die richtig "schweren Brocken" wie Gold, Iridium oder Osmium ein Schattendasein fristen.


Zum Schluss noch ein paar Anmerkungen zu Osmium: Es ist nicht nur das Element mit der höchsten Dichte, sondern auch das härteste aller elementaren Metalle. Obendrein ist es auch noch eines der teuersten Metalle.
Es ist Teil des Firmennamens eines bekannten Leuchtmittelherstellers: Osram. Hierbei handelt es sich um eine Zusammensetzung aus den beiden Metallnamen Osmium und Wolfram. Während Wolfram auch heute noch für die Herstellung der Glühdrähte in Glühbirnen dient, wird Osmium in diesem Bereich nicht mehr verwendet.
Trotzdem dürfte manch ein Mensch geringe Mengen von Osmium besitzen: Es kommt als Legierungsbestandteil zum Einsatz, wenn Härte und Verschleißfestigkeit gefragt sind, beispielsweise in den Schreibkugeln von Kugelschreibern, in den Abtastnadeln von Plattenspielern, in den Federn von Füllfederhaltern, in elektrischen Kontakten und im medizinischen Bereich.

Sprachverstümmelung

Erstellt am 02.01.2014, 03:35 Uhr von Bir.Kle. (Chef) und am 15.05.2015, 02:23 Uhr geändert.
Immer wieder hört und liest man Sätze wie
1. "Ich habe Rücken."
2. "Er sieht blass aus; er scheint krank."

oder am allerschlimsten:
3. "Er kann Kanzler."

Darüber hinaus ist die Liste der verstümmelten und verkrüppelten Wörter ellenlang. Hier nur einige Beispiele:

• anstatt Schaltung hört man oft "Schalte"
• die Denkweise oder Denkart wird gerne zur "Denke" gestutzt
• der Schreibstil oder die Schreibweise werden häufig zur "Schreibe" verunstaltet
• die Feuchtigkeit wird immer wieder zur "Feuchte" verstümmelt
Besonders schäbig:
• wenn die Putzfrau oder Reinigungsfachkraft zur "Putze" gemacht wird (das hört sich einem vulgären rumänischen Ausdruck sehr ähnlich an)


Richtigstellung:
1. "Ich habe Rückenschmerzen (Rückenbeschwerden, Rückenprobleme)."

2. "Er sieht blass aus; er scheint krank zu sein." (Die Sonne ist übrigens das einzige, das "scheinen" darf, ohne von "zu sein" begleitet zu werden!)

3. Derartige Sätze kann man nicht komplettieren, ohne dass sich die Aussage ändert. Ein vollständiger Satz wäre "Er kann Kanzler werden." Die Aussage dieses Satzes ist jedoch nicht mehr mit jener des ursprünglichen Krüppelsatzes identisch. Deswegen muss dieser komplett umformuliert werden. Es gibt dabei mehrere Möglichkeiten:
• Er hat das Potenzial zum Kanzler.
• Er hat die Fähigkeit zum Kanzler.
• Er hat das Zeug zum Kanzler.
• Er ist für das Amt (NICHT den Job!!) des Kanzlers geeignet.


Wie kommt es, dass solche Krüppelwörter und Krüppelsätze in die Welt gesetzt werden? Ist es Zeitmangel? Reicht in unserer hektischen und schnelllebigen Welt die Zeit noch nicht einmal mehr aus, um Wörter auszuschreiben oder Sätze auszuformulieren?
Oder ist etwa Blödheit der Grund? Meiner Meinung nach nur in ganz wenigen Fällen.
Sicherlich spielen auch Faulheit, Trägheit und Bequemlichkeit eine Rolle. Insbesondere die modernen Kommunikationsmedien nötigen einen geradezu, Wortkrüppel und Stummelsätze zu produzieren: Das Schreiben von Kurzmitteilungen (SMS) ist aufgrund der kleinen Tasten und kleinen Bildschirme derart nervtötend, dass viele die Wörter und Sätze gnadenlos verstümmeln oder - so wie ich - fast gänzlich auf das Schreiben von SMS verzichten.
Auch der Platzmangel darf nicht unerwähnt bleiben: In Zeitungen und Zeitschriften steht nur ein begrenztes Platzkontingent zur Verfügung, sodass oftmals das Sprachliche darunter leiden muss.

Bleibt zu hoffen, dass diese Sprachverstümmelung nicht derart gravierende Züge annimmt, dass eventuell einige Wörter bis zur Unkenntlichkeit entstellt werden.
Für manch einen Sprachfreund ist bereits beim jetzigen Ausmaß die Schmerzgrenze (beinahe) erreicht!