Anekdoten

Ich heiße ja nun Graeff und wie/wann die Graeffs nach Agnetheln gekommen sind, kann ich nicht belegen. Eben so, wie alle Siebenbürger: Irgendwann zwischen 1141 und ... Wer weiß das schon?! Man weiß das genau nur bei Familien, die später "den Osten besiedelt haben". Wie die Württemberger, gerufen von Stephan Ludwig Roth. Darunter befand sich z.B. auch die Familie Bahmüller: Johannes (Hufnagelschmied) mit seiner Frau Maria und neun "ehelichen" Kindern (ausgewandert 1846 aus Plüderhausen bei Stuttgart). Dabei handelt es sich um die Vorfahren meiner Mutter Christine (det Tinzi) geb. Bahmüller (na, de säster von asem Willi), deren Elternhaus in der Schlachthausgasse, gegenüber dem Sportplatz, steht. Bis in die neueste Zeit bezeichnete der/die AgnethlerIn diesen Ortsteil (die Schlachthausgasse) mit "bei den Banater Schwaben". Diese waren ihnen nun einmal bekannt, die "echten" Schwaben nicht. Auch wegen dieser Verwechslung hielt man die Bahmüllers für ehemalige Katholiken, was nicht stimmt, sind doch auch die Bahmüllers in Plüderhausen heute noch evangelisch. Das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen, sondern dass einer dieser Auswanderersöhne rothaarig war, der Gottlob, und dass dieser auf der langen und beschwerlichen Reise, die Donau entlang, einmal in den Fluss gefallen war. Gerettet wurde er dank seiner roten Haare, die noch im trüben Wasser zu sehen waren. Ist doch schön, oder?!

Dieser prächtige Pub entwickelte sich zu so etwas, wie einem Vorzeige-Agnethler. Zumindest erhielt er im Alter den Spitznamen "Gott lobe das Dreideziglas". Hat sich wohl den Usancen vor Ort angepasst, also perfekt integriert, würde man heute sagen. Von Gottlob gibt es einige nette Geschichten, so soll er gewettet haben, die "Wusch" auf Ihrem Weg durch die Hauptstraße aufhalten zu können. Mit einem quer über das Gleis gelegten Balken, ist ihm das auch gelungen. Er musste für eine Woche in den Karzer, hatte allerdings die Wette (es ging um einen Liter Wein) gewonnen. Die übrigen Moritaten vom Gottlob zu berichten, überlasse ich aber meiner Cousine, dem Brigitt, geb. Bahmüller.



Interessanter noch scheint mir der Essigmann Helmut aus Agnetheln gewesen zu sein. War ein Lebenskünstler und seine Mutter liebte ihn sehr, nannte sie ihn doch immer wieder "Esel". Um seiner Mutter eine Freude zu bereiten, besorgte er sich einmal ein solches Grautier, "überzeugte" es in sein Schlafzimmer und streifte ihm einen Pyjama (Schlafhemd?) über. Als die Mutter ihren Liebling am Morgen wecken wollte, soll sie baff erstaunt gewesen sein, statt diesem, einen am Bettpfosten angebundenen Esel vorzufinden.

Besagte Mutter soll aber diesen sympathischen Kerl nicht immer mit Koseworten bedacht haben. Sie soll, nachdem er einfach nichts gemacht oder aber wieder irgend einen blöden Streich ausgeheckt hat, ihm gegenüber auch geäußert haben, er sei ein Nichtsnutz und es wäre ein Segen, sollte es ihn einmal nicht mehr geben. Diese Äußerungen seiner Mutter haben den jungen Mann sicherlich bis ins Mark getroffen. So kam es, dass er sich eine Waffe besorgte, auf die "Steinburg" ging und da einen Jungen beauftragte, er solle zu seiner Mutter laufen und dieser verkünden, Helmut habe sich das Leben genommen. In der Zwischenzeit murkste er einen Gockel ab, besudelte seine Kleider mit dessen Blut und schoss mit der Flinte in die Luft. Nun legte er sich ins Gras und stellte sich tot. Bald darauf erschien die Mutter in Tränen aufgelöst und wehklagend: "Mein lieber Helmut, Du mein Einziger, wie konntest Du mir das bloß antun?!" Dies allerdings nich lange, denn kaum war Helmut aufgestanden und hatte den Heimweg angetreten - vor sich hin pfeifend, als sei nichts geschehen -, griff die Mutter sofort auf die uns bereits bekannten "Kosenamen" zurück.

Es ist nun doch etwas länger geworden und ich weiß auch nicht, ob es mir gelungen ist, ein realistisches Bild Agnethelns zu vermitteln. Ich habe das allerdings so erzählt bekommen ...



Erhard Graeff

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