50 Jahre "Junge Blaskapelle in Brenndorf"

Allgemeiner Bericht

26. Juni 2005

Die "Junge Blaskapelle Brenndorf" bestritt ihren ersten öffentlichen Auftritt am 26. Juni 1955 in Brenndorf und setzte damit eine lange Blasmusiktradition in der Burzenländer Gemeinde fort. Die erste urkundliche Erwähnung der Adjuvanten in Brenndorf geht auf das Jahr 1816 zurück. Die Urkunde wird weiter unten, im Anschluss an den Artikel von Otto Gliebe, veröffentlicht.
Nachdem Hans That 1946 in Brenndorf die ersten Versuche unternommen hatte, die nach der Deportation zusammengebrochene Brenndörfer Blaskapelle neu zu formieren, drängten auch einige Jugendliche darauf, ein Instrument zu erlernen. Die Ersten unter ihnen waren Hans Schmidts (223) und Hans Schuster (255). Hans Schmidts lernte bei Hans That zunächst Althorn und später dann Baßflügelhorn, Hans Schuster Schlagzeuger bei Peter Hensel, Zuckerfabrik, wo er auch beschäftigt war. Anfang der 50er Jahre lernten dann Martin Jekel Flügelhorn, Edmund Seimen und Reinhold Mechel Klarinette bei Hans Darabas sen. Sie wurden als Verstärkung in die bestehende Kapelle eingegliedert. Kurz darauf lernte noch Hans Rhein Althorn, später Baßflügelhorn, und Edmund Martini Bass und traten der Kapelle bei.

Ende der vierziger Jahre gründete der bekannte Musiker Rudi Klusch mit den in den Kronstädter Traktorenwerken arbeitenden Musikanten aus den umliegenden Gemeinden des Burzenlandes eine etwa 50 bis 60 Mann starke Blaskapelle. Da sie von der Werksleitung als Prestigeobjekt volle Unterstützung bekam, entwickelte sie sich zu einer der bedeutendsten Blaskapellen im weiten Umfeld, ebenbürtig mit der Eisenbahnerkapelle (CFR) oder der Militärkapelle der Gebirgsjäger. Die Gründer der Jungen Blaskapelle Brenndorf im ...Die Gründer der Jungen Blaskapelle Brenndorf im Jahr 1955, kniend: Friedrich Mechel, Hans Otto Martini, untere Reihe, von links nach rechts: Reinhold Martini, Walter Dieners, Georg That, Martin Jekel, Dirigent Rudi Klusch, Hans Klusch, Siegbert Reiss, Fritz Schuster; obere Reihe, von links: Edmund Martini, Hans Wagner, Fritz Wagner, Fritz Schuster, Albert Klein, Fritz Copony, Fritz Szabo.Die Gründer der Jungen Blaskapelle Brenndorf im Jahr 1955, kniend: Friedrich Mechel, Hans Otto Martini, untere Reihe, von links nach rechts: Reinhold Martini, Walter Dieners, Georg That, Martin Jekel, Dirigent Rudi Klusch, Hans Klusch, Siegbert Reiss, Fritz Schuster; obere Reihe, von links: Edmund Martini, Hans Wagner, Fritz Wagner, Fritz Schuster, Albert Klein, Fritz Copony, Fritz Szabo. Rudi Klusch, der erfahrene Musiker, wollte sein Wissen auch an die jungen Generationen weitergeben und so entstanden in den Burzenländer Gemeinden fast gleichzeitig die ersten jungen Blaskapellen, darunter 1954 auch in Brenndorf. 17 junge Leute wurden von ihm ausgebildet, die innerhalb eines Jahres, 1955 ihren ersten Auftritt bei der Hochzeit von Ernst Schoof und Traute Stamm bestreiten konnten. Die Kapelle konnte leider nicht lange in dieser Formation zusammenbleiben, denn die Einberufungen zum Militärdienst hinterließen immer größere Lücken, die nicht durch nachrückende junge Leute geschlossen werden konnten. So kam es 1957 zum Zusammenschluss der beiden bestehenden Kapellen unter der Leitung von Hans That zu einer Großformation von 26 Mann, die einige Jahre harmonisch zusammen spielte. 1960 traten die alten Musikanten geschlossen zurück, um den heimgekehrten „Reservisten“ Platz zu machen. Die Leitung dieser Formation übernahm Otto Gliebe, der bis zu seiner Ausreise 1970 zahlreiche neue Tanzmusikstücke bearbeitete, Aufführungen mit anspruchsvollen Konzertstücken organisierte, die dann später unter Walter Dieners, Horst Hergetz und Georg That fortgesetzt und unter den Gastdirigenten bei Wettbewerben, Ernst Fleps (Tartlau) und Hartfried Depner (Heldsdorf), zu beachtlichen Erfolgen, Ehrenpreisen und Diplomen beim Landesfestival der Blaskapellen geführt haben.

Als eine wichtige Institution erfüllte die Blaskapelle in Brenndorf sowohl kulturelle als auch gemeinschaftliche Aufgaben. Wo immer gemeinschaftliche Hilfe nötig war, wie z. B. bei der Kirchenrenovierung nach dem Erdbeben von 1977, war die Kapelle geschlossen dabei. Die Blaskapelle Brenndorf im Jahr 1966, hintere ...Die Blaskapelle Brenndorf im Jahr 1966, hintere Reihe, von links: Edmund Martini, Hans Rhein, Hans Schmidts, Fritz Hans Reiss, Albert Klein, Hans Wagner, Martin Jekel; vorne: Otto Gliebe, Edmund Seimen, Reinhold Mechel, Paul Kloos, Fritz Wagner, Georg That, Walter Dieners, Hans Schuster. Die Wende von 1989, die eine fluchartige Aussiedlung nach sich zog, brachte auch für diese Kapelle das vorläufige „Aus“. Doch es sollte nicht all zu lange dauern, bis man wieder zusammenfand. Beim großen Nachbarschaftstag 1991 in Dinkelsbühl überraschte die Kapelle die Anwesenden mit einem dargebrachten Ständchen im voll besetzen Schrannensaal.

Am 1. und 2. Mai 1993 organisierte der Vorstand der Dorfgemeinschaft das erste Musikantentreffen im Gasthof „Felsenkeller“ in Mönchsroth bei Dinkelsbühl. 36 Musikanten, begleitet von ihren Ehefrauen oder Freundinnen, nahmen daran teil. Ein Jahr später, zu Pfingsten 1994, fand das 2. Musikantentreffen in Mönchsroth sowie der erste öffentliche Auftritt beim Trachtenumzug der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl statt. Es waren bewegende Momente für alle, als die Brenndörfer Blaskapelle, im Rahmen der Gruppe „Burzenland“, den langen Festzug aller siebenbürgischen Teilnehmer anführen durfte.

Beim dritten Musikantentreffen 1995 in Mönchsroth wurden gleich zwei Jubiläen gefeiert, und zwar 150 Jahre seitdem die Adjuvanten in den Consistorial-Protokollen der Kirchengemeinde Brenndorf zum ersten Mal erwähnt wurden und 40 Jahre seit dem ersten Auftritt der „Jungen Brenndorfer Blaskapelle“ unter Rudi Klusch. Den Höhepunk dieses Treffens bildete wieder die Teilnahme am Trachtenumzug am Pfingstsonntag, gefolgt von der gemeinsamen Darbietung aller teilnehmenden siebenbürgischen Kapellen unter der Leitung von Stefan Bretz.

Seither wurde die Blaskapelle zu allen Nachbarschaftstagen eingeladen und erfreut mit ihren Klängen die Teilnehmer an diesem Gemeinschaftsfest. Bei den traditionellen Regionaltreffen in Garching bei München ist sie inzwischen ein unentbehrlicher Gast geworden und hat auch beim letzten Regionaltreffen in Drabenderhöhe mitgewirkt.

Von den Gründungsmitgliedern sind nach 50 Jahren nur Walter Dieners, Georg That und Martin Jekel noch aktiv dabei.

Wir alle hoffen und wünschen, dass diese Blaskapelle ihrer langjährige Tradition weiterhin treu bleibt, um uns noch lange mit ihren vertrauten Weisen zu erfreuen.

Otto Gliebe

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