Das Vereinshaus in Brenndorf: Geschichte und Rückgabe

Allgemeiner Bericht

2. Juni 2011

In Brenndorf ist am Dienstag, den 3. Dezember 1929, das erste Vereinshaus eines landwirtschaftlichen Vereins in Siebenbürgen mit einem kleinen Freudenfest seiner Bestimmung übergeben worden.
Da es dem landwirtschaftlichen Ortsverein (und seinen Unterabteilungen, den Genossenschaften für Zuckerrübenbau, Zichorienbau, Pfefferminzbau, Molkereiwesen, Herdbuchverein) an dem nötigen Arbeit- und Kassenraum ebenso fehlte wie an dem nötigen Versammlungsraum – es finden jährlich gegen 20 stets sehr gut besuchte Vollversammlungen für die über 220 Mitglieder statt –, entschloss sich der Verein, einen eigenen Bau für seine und die Zwecke aller anderen deutsch-sächsischen Vereine zu schaffen. So entstand auf dem von der Kirchengemeinde zur Verfügung gestellten Bauplatz neben der Kirche, zwischen der Schule und dem Gemeindehaus, im Laufe des Jahres 1929 ein einfaches, aber sehr schönes Vereinshaus, das in diesen Tagen fertig übergeben werden konnte. Es enthält im Erdgeschoss außer dem Zimmer des Ortsvereins den Raum für den Vorschussverein, das Zimmer der Kirchenkasse, ein Fremdenzimmer für Revisoren, Vortragende usw. und die Wohnzimmer des Hauswarts, im Obergeschoss die schönen Lese- und Spielzimmer und den Versammlungssaal, der mit dem angrenzenden Lesezimmer etwa 200 Sitzplätze hat. (Das Haus ist naturgemäß nur den Mitgliedern zugänglich und streng alkoholfrei.) Das Vereinshaus in Brenndorf, links das Rathaus ...Das Vereinshaus in Brenndorf, links das Rathaus und rechts die Schule mit dem Turnsaal. Foto: Robert Klein Das Ganze ist, auch bis in die Einzelheiten der Innenausstattung, ein Werk des Kronstädter Architekten Alb. Schuller, dessen Namen auch in diesem Fall das Urteil über das Werk schon mitenthält. Die Ausmalung besorgte der akademische Maler Waldemar Schachl. Die Kosten sind zu mehr als der Hälfte aus vorhandenen Mitteln der Vereine abgedeckt worden, der Rest wird nach dem aufgestellten Zahlungsplan wohl ohne besondere Schwierigkeiten im Lauf der nächsten drei Jahre getilgt werden können.

Der Tag der Weihe war ein schönes Fest der Gemeinde, besonders des landwirtschaftlichen Ortsvereins, an dem als Gäste Bezirkdechant D. Reichart, Abg. Direktor Fritz Connert, Generaldirektor Teutsch, Bezirksvereinsvorsteher Pf. Dr. Wagner, Direktor Doktor Stephani, Dir. Hans Kaufmes und viele andere Abgesandte und Vertreter – auch aller landwirtschaftlichen Ortsvereine des Burzenlandes – teilnahmen.

Die Feier wurde eingeleitet durch einen Festgottesdienst (Predigt: Ortspfarrer Lienert); es folgte die Weihe durch Bezirks-Vereinsvorsteher Pfr. Dr. Wagner – Heldsdorf, darauf die Besichtigung des neuen Hauses und nach halbstündiger Pause der Baubericht des Ortsvereinsvorstehers Martin Kaufmes. Ein einfaches Mittagessen vereinigte dann alle Festteilnehmer im großen Gemeindesaal; es war gewürzt von nicht allzu vielen, aber den von „üblichen“ Reden unserer Festlichkeiten sich zum Teil wesentlich abhebenden Tischreden, einigen Gesängen der Jugend und des Männerchors und – von keiner Blechmusik. Dem verdienten Ortsvereinsvorsteher Martin Kaufmes, dem eigentlichen Anreger und unermüdlichen Förderer des Vereinshausbaues, wurde vom Ortsverein in Anerkennung hierfür und für andere wesentliche Verdienste um den Ortsverein und die Gemeinde eine goldene Uhr als Ehrengabe überreicht.

Da Haus und Grund Eigentum der evangelischen Kirche bleiben, geht auch hieraus hervor, welcher Geist die Vereine Brenndorfs und das Gemeindeleben erfüllt, – und so mag auch in den „Kirchlichen Blättern“ dieser kurze Bericht nicht „fehl am Orte“ sein.
L. (Kirchliche Blätter 1929, Seite 516)

Das Vereinhaus wurde an die Kirchengemeinde Brenndorf zurückgegeben

Das Vereinshaus wurde nach dem zweiten Weltkrieg von der damaligen politischen Führung besetzt und umgestaltet. Der Kassaraum mit der schweren Kasse, welche Eigentum der Kirchengemeinde war, wurde enteignet und von der neuen Führung beansprucht. Später wurde die Kasse von der Kirchengemeinde zurückgefordert und im Pfarrhaus aufgestellt.

Um dem rumänischen Volk Bildung beizubringen, wurde jeder Haushalt in Brenndorf mit einem Lautsprecher zwangsausgestattet. Die zentrale Radiostation wurde im Erdgeschoss des Vereinhauses betrieben.

Anfang der sechziger Jahre wurde das größere Zimmer im Obergeschoss der Blaskapelle, als Kulturformation von Brenndorf, als Proberaum zugesprochen und sie konnte es bis zur Wende 1989 auch als Musikzimmer nutzen. Im Vereinshaus wurden auch Geschirr und Gläser, die für Hochzeiten ausgeliehen werden konnten, aufbewahrt. Ebenfalls im Vereinshaus spielte die „Atlantis“-Band in den siebziger und achtziger Jahren zur „Disco“ für junge Leute auf.

Das Vereinshaus wurde im April 2011 an die ev. Kirchengemeinde rückerstattet. Die Änderung im Grundbuch muss zuerst vorgenommen werden. Die jetzigen Mieter werden voraussichtlich übernommen, was auch gesetzlich so geregelt ist. Die Räume sind seit einigen Jahren an unterschiedliche Unternehmen wie Romtelecom, Kabelfernsehen und CEC Bank vermietet. Zudem steht der Lokalpolizei (Poliţia Comunitară) ein Raum zur Verfügung. Die Dorfbibliothek ist vor kurzem in die rumänische Schule umgezogen.

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