Dr. Gerda Bretz-Schwarzenbacher im Alter von 88 Jahren gestorben

15.03.2017, 13:59 Uhr

HG

Dr. Gerda Bretz-Schwarzenbacher im Alter von 88 Jahren gestorben

Verdiente Trachtenspezialistin
Dr. Gerda Bretz-Schwarzenbacher, geb. am 24.12.1928 - gest. am 25.02.2017.

Am 25. Februar ist Dr. Gerda Bretz-Schwarzenbacher im Alter von 88 Jahren im Siebenbürgerheim in Rimsting am Chiemsee gestorben. Besondere Verdienste hat sich die gebürtige Schellenbergerin ohne Zweifel um die Erhaltung und Pflege der siebenbürgischen Trachten erworben, als Autorin von wissenschaftlichen Beiträgen, wie etwa im Buch „Die Festtracht der Siebenbürger Sachsen“ (gemeinsam mit Ortrun
Scola und Annemarie Schiel), mit ihrem Einsatz bei den Trachtenumzügen 1986 bis 2001 beim Oktoberfest in München und ihrem Werben für ein einheitliches klares
Erscheinungsbild der Trachtenträger. Zu Recht wurde sie für ihre Verdienste und ihren Einsatz mit dem Goldenen Ehrenwappen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland ausgezeichnet.

Gerda Bretz wird am Weihnachtsabend 1928 in Schellenberg geboren. Ihr Vater Heinrich Emil Bretz (1891-1986) ist Lehrer, Predigtlehrer und Rektor der Schule,
die Mutter Emma, geborene Gündisch (1897-1978). Gerda ist ihr Viertes und
jüngstes Kind. Heinrich Emil Bretz schreibt in seinen Erinnerungen:
„Ich hatte Dienst in der Kirche mit der Christbescherung der Schulkinder (...).
Nachdem wir dort die schönen alten Christlieder gesungen u. die Geburt Christi erzählt hatten, erhielten die Kinder ihre Geschenke (...). Darauf eilte ich nach Hause und fand neben meiner Frau das schönste Christgeschenk für mich: Ein neugeborenes Mädchen in Windeln gewickelt, neben der Mutter liegend! Sie sagte zu mir: ‚Heinrich, es ist nur ein Mädchen‘, worauf ich erwiderte: ‚Wie freue ich mich, dass ich euch beide gesund finde!‘ Dieses Mädchen sollte uns später noch viel Freude bereiten, denn es wurde ein munteres, gesprächiges Kind, eine Frohnatur“.
Vier Jahre besuchte Gerda die Volksschule in Schellenberg, danach das Mädchenlyzeum in Hermannstadt (1940-44), wohnte die ersten Monate im Diasporaheim, danach im Privatquartier. Im Mai 1944 zog Gerda nach Schäßburg
und bestand die Aufnahmeprüfung für die erste Klasse des Lehrerinnenseminars.
Nach dem 23. August 1944, nach dem Frontwechsel Rumäniens, be-
hielten die Eltern ihre Tochter daheim in Hahnbach, und so entging sie der Deportation nach Russland. In den beiden Schuljahren 1946 bis 1948 war Gerda parallel in zwei Schulen in Hermannstadt eingeschrieben, in der Handelsschule und im Mädchenlyzeum, wechselte am 1. September 1948 in die neu eröffnete pädagogische Schule in Schäßburg und absolvierte hier die 3. und 4. Klasse samt der Matura. Im Schuljahr 1950/51 erhielt Gerda eine Lehrerstelle an derselben Schule, an der ihre ältere Schwester Emma (1918-2010) vier Jahre erfolgreich gewirkt hatte: in Scharosch bei Fogarasch. Sie übernahm Klasse 1 und 2. Danach
bat sie allerdings die Eltern um Unterstützung für ein Universitätsstudium und ließ sich für das Studium „Deutsche Sprache und Literatur“ in Bukarest einschreiben. Im Juni 1955 legte Gerda das Staatsexamen ab. Ab 1. September 1955 übernahm Gerda eine Professorenstelle für Deutsch am neuen deutschen Abendlyzeum in Heltau ebenso wie in der dritten Klasse der dortigen Grundschule bis zum Herbst 1958.
Am 1. Oktober 1958 übersiedelte Gerda nach Klausenburg, wohin sie als Assistentin auf Bitten von Prof. Georg Scherg an die Hochschule für Deutsche Sprache und Literatur berufen wurde.
Sieben Jahre wirkte Gerda an dieser Universität, „wurde aber immer von dem Gefühl bedrückt“, so schreibt ihr Vater weiter, „kein freier Mensch zu sein. Und nach dieser inneren Freiheit sehnte sie sich so sehr, dass sie sich entschloss, auch diese Stelle aufzugeben, in der Hoffnung, dass es ihr doch gelingen werde, in die, freie Welt‘
hinaus zu gelangen“. Für das Schuljahr 1965/66 nahm Gerda zunächst eine Hilfslehrerstelle an einer Grundschule an, erhielt dann eine Lehrerstelle für Deutsch
an der Oberstufe einer Volksschule in Hermannstadt für zunächst zwei Jahre wurde 1967 an das pädagogische Lyzeum als Deutschprofessorin berufen, war hier erneut
zwei Jahre tätig. Am 1. Oktober 1969 wird Gerda Bretz schließlich als „Lektor für Deutsche Sprache“ an die neu errichtete Fakultät in Hermannstadt berufen. Sie wird Universitätsprofessorin, unterrichtet begeistert von der Deutschen Klassik und arbeitet weiter (seit 1956) am Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuch mit.
Ihr Ziel, die Ausreise nach Deutschland, behält sie weiter im Auge. 1970 beantragt sie erstmals einen Pass für einen Studienaufenthalt in Deutschland, erhält ihn und bleibt im August und September in Deutschland, nutzt ihn für einen Deutschlehrerkurs am Goethe-Institut sowie zu Kontakten mit Hochschullehrern in Hamburg und Marburg. Wieder wird ein Studienaufenthalt im Jahr 1971 genehmigt, drei Monate. Gerda kehrt erneut nach Rumänien zurück und so steht auch ihrem Wunsch nach einem „Besucherpass“ im Jahr 1974 nichts entgegen. Diesmal allerdings bleibt Gerda in Hamburg, schreibt ihre Doktorarbeit zu Ende („Die mundartliche Fachsprache der Spinnerei und Weberei in Heltau, Siebenbürgen in
ihren räumlichen, zeitlichen und sachlichen Bezügen“). 1977 wird sie promoviert. Von 1977 bis 1988 hat Dr. Gerda Bretz daraufhin in München an der Volkshochschule und am Goethe-Institut als Dozentin für Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, ab 1979 verheiratet mit Hans Schwarzenbacher, einem Münchner Ingenieur.
Bis zur Trennung von ihrem Mann um die Jahrtausendwende wohnte Gerda in München, dann für einige Jahre in Geretsried, ab Herbst 2009 im Siebenbürgischen Altenheim in Rimsting am Chiemsee. Die Heimat und Berge waren zeitlebens Teil ihrer Sehnsucht, wie ihre Gedichte verdeutlichen. "Wo äs Hiemet?" und "Surul" werden in der Rubrik „Sachsesch Wält“ der nächsten Ausgabe dieser Zeitung veröffentlicht.
Dr. Gernot Czell

SBZ vom 15. März 2017, Seite 7

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