Weihnachten in Siebenbürgen (Malmkrog)

21. Dezember 2012

Sonstiges

Link zum VideoBesinnlichkeit bei Kerzenlicht kennt man hier im Dorf allerdings nicht. Zur Weihnachtszeit herrscht eher Hektik. Die Dorfbewohner schrubben ihre Flure, fegen vor dem Haus, waschen noch einmal die Gardinen. Und natürlich wird ein Schwein geschlachtet. Das ist selbstverständlich Männersache, während das Wurstmachen in den Händen der Frauen liegt.
Eigentlich wollten Pfarrer Joachim und seine Frau Christiane Lorenz nur ein Jahr Praktikum in Siebenbürgen in Rumänien machen. Damals in den 90er Jahren haben sie versucht, die Bewohner des Dorfs Malmkrog zum Bleiben zu motivieren und nicht den Ausweg darin zu sehen nach Deutschland wegzuziehen. Inzwischen lebt die Pfarrersfamilie seit 20 Jahren in Malmkrog. Joachim ist heute Vater von drei Kindern und hat sich über die vielen Jahre vertraut gemacht mit der anfangs doch fremden Kultur der Siebenbürgensachsen. Er kennt nun die weihnachtlichen Rituale, hat gelernt, dass hier die Männer für das Schmücken der Kirchentanne verantwortlich sind, während die Frauen der Gemeinde sich um das leibliche Wohl kümmern. Im grossen Ofen backen sie einen Tag lang die leckeren Honigkuchen für den Heiligen Abend. Eine alte Tradition. Einige Tage später werden sie die Honigkuchen dann mit Glasur verzieren und als Geschenke verpacken. Am Heiligen Abend liegen die dann unter dem kirchlichen Weihnachtsbaum. Und während das Lied “Ihr Kinderlein kommet” erklingt, gehen die Kinder Richtung Altar, um ihre Geschenke abzuholen.

Besinnlichkeit bei Kerzenlicht kennt man hier im Dorf allerdings nicht. Zur Weihnachtszeit herrscht eher Hektik. Die Dorfbewohner schrubben ihre Flure, fegen vor dem Haus, waschen noch einmal die Gardinen. Und natürlich wird ein Schwein geschlachtet. Das ist selbstverständlich Männersache, während das Wurstmachen in den Händen der Frauen liegt. Rund 1200 Menschen wohnen in dem schönen Dorf Malmkrog. Die meisten leben von der Landwirtschaft, viele mehr schlecht als recht. Malmkrog ist ein multiethnisches Dorf: Rumänen, Roma, einige Ungarn und Siebenbürger Sachsen kommen hier miteinander klar, trotz aller sozialen Probleme, die es gibt. Das grösste Problem im Dorf ist die Armut. Das belastet Joachim und Christiane. Wie soll man damit umgehen, dass im Dorf manche Familie nicht genügend zu essen hat, einige wirklich hungern. Er und seine Frau versuchen immer wieder individuell zu gucken, wo Hilfe wirklich nötig ist.

Es gibt Zeiten, in denen ist Joachim unsicher, ob sich sein Engagement in Rumänien wirklich lohnt. Oft wünscht er sich mehr Feedback auf seine Arbeit und mehr Austausch. Dass er für viele Gemeindeglieder eine strenge Autorität verkörpern soll, gefällt ihm nicht. Auch deshalb denkt der 44Jährige immer mal wieder über eine Veränderung nach. Und dann spielen er und seine Frau auch mit dem Gedanken wieder zurückzukehren nach Deutschland.

Stichworte: Weihnachten, Malmkrog, Pfarrer

Weitere Multimedia-Beiträge »