Gassen und Höfe von Neppendorf

Die älteste Gasse ist die Kirchgasse, die unterhalb der Kirche, einen Teil der Hauptachse des Dorfes bildet. Gebräuchlicher als der Name „Kirchgasse“ ist der Name „än der Gmien“ oder „im Dorf“.
Die Kirchgasse wird jetzt von einer Asphaltstrasse im Osten abgegrenzt. Durch die Kirchgasse floss ein Bächlein, das von Weiden begleitet war. Dort wo jetzt die Asphaltstrasse in die Stadt führt, war früher ein schmales Gässchen, genannt die „Plaschka-gässchen“. Neben diesem Gässchen auf Nr.64 wohnte ein Mann mit dem Spitznamen „Plaschka“.
Zwischen dem Haus Nr.72 und 74 befand sich einst ein Gässchen, das zum Zibin führte. Wegen diesem Gässchen wurde 1757 ein Vergleich zwischen der Nachbarschaft einerseits und dem Gässchennachbarn Franz Huber 72 und Josef Deibler 74 andererseits vorgenommen. Der Zaun gegen Josef Deibler sollte von der Nachbarschaft erhalten werden, das über Nacht geschlossen werden sollte. Neben dem Gemeindeamt- einem stockhohen Gebäude- zweigt das „Krautgassel“ab, das meist nur kurz „s Gassel“ genannt wird. Es führte zu den Krautgärten. In diesem Gassel befand sich der Predigerwirtschaftshof, der 1808 das erste mal erwähnt wird. 1825 wird dieser Predigerwirtschaftshof an Mathias Reisenbüchler verkauft, der dorthin das Haus Nr.90 baut. Dieses Gässchen führt zum Zibin. In der Verlängerung des Gässchens , wurde 1929 ein moderner evangelischer Kindergarten gebaut. Der Kindergarten steht auf ehemaligen Krautgärten, die 1927 zusammengelegt worden sind. Bei dieser Zusammenlegung erhielt die Kirchengemeinde dieses Grundstück von etwa 750 Quadratklaftern. In der Kirchgasse befindet sich Nr.84 ein Haus, das 1928 von der Kirchengemeinde gekauft wurde und für Lehrerwohnungen verwendet wurde. Nr.114 steht der Predigerhof. Dieser war ursprünglich Besitz des Rektors Michael Beer und wurde 1823 von diesem gekauft.
Die Häuser 114 bis 120 werden von der Kollektivwirtschaft verwendet. Am Westende weitet sich die Kirchgasse zu einem Platz aus. Oberhalb von diesem Platz steht die alte Gemeindewassermühle. In nächster Nähe- unweit vom Mühlkanal- stand ein kleines Häuschen, hier wurden alleinstehende, alte und unbemittelte Personen untergebracht. Das Häuschen war Besitz der politischen Gemeinde. Es wurde „Säffenhäuschen“ genannt. Angeblich hat dort einmal ein Rumäne mit dem Namen „Säff“ gewohnt Nach dem erstenWeltkrieg wurde das Häuschen abgetragen.
Der Teil der Kirchgasse, der sich gegen den Platz bei der Mühle ausweitet, wird bei der Mühle genannt.
In der Kirchgasse vor der Kirche liegt der Pfarrhof Nr.492. Das Pfarrhaus steht nicht unmittelbar an der Straße. Eine Mauer trennt den Pfarrhof von der Straße ab. Zwischen dem Pfarrhof und dem Haus Nr.491 führt ein Gässchen in die Hintergasse. Da dieses Gässchen den Pfarrhof entlang führt, wird es „Pfarrgässchen“ genannt. Vor dem Pfarrhof stand einst eine Fleischbank in der Nähe des Grabens. Die Kirche steht abseits, hinter dem Pfarrhof, auf einer kleinen Erhöhung. Neben dem Pfarrhof steht die neue Schule und die alte Schule. Auf Nr.503 steht das älteste Haus auf dem „Siedlerhof“.Auf der Vorderseite gegen die Gasse ist unterhalb der Fenster die Jahreszahl 1564 eingekratzt. Gegen den Hof zu hat das Haus einen Holzvorbau. Das Haus ruht auf sehr dicken Mauern. Auch andere alte Häuser sind in der Kirchgasse. Auf dem Giebel des Hauses Nr.476 steht die Jahreszahl 1783. Das Haus Nr.89 ist auch alt. Hierher soll ein unterirdischer Gang geführt haben, der von der Kirche ausging.
Die zweitälteste Gasse scheint die Weingasse zu sein, die eine Verlängerung der Kirchgasse gegen Großau zu ist. Schon in den ältesten Hausnummernlisten stellen die Häuser der Weingasse bis ziemlich weit hinauf eine geschlossene Reihe dar. Die Weingasse hat ihren Namen, weil sie zu den Weingärten führt. Diese sind im 18. Jahrhundert angelegt worden, aber jetzt aufgelassen. Im Volksmund heißt diese Gasse „steazä“. Dieser Name soll sich von den ärmlichen Holzhäuser herleiten, die einst hier standen.
Zwischen den Häusern 462 und 463 führt ein Gässchen in die Neugasse hinauf. Es ist das Dörnergässchen, weil einst ein Mann namens Dörner daneben wohnte Zwischen dem Haus Nr. 411 und 412 führt ein Gässchen zum Mühlkanal das „Kabelgässchen“ genannt wird. In der Weingasse gibt es auch alte Häuser.
Parallel zur Weingasse läuft nördlich die Hintergasse. Kurz nennt man diese Gasse „hinter den Garten“. Die Häuser dieser Höfe wurden in Gärten gebaut, die sich hinter den Höfen der Kirchgasse befinden. Da sich auch Wiesen dort befanden, wird die Hintergasse auch Wiesengasse genannt. In einem Bogen mündet die Hintergasse in die Weingasse. Wo sich die beiden Gassen treffen ist der „Platz“. Auch alte Häuser sind in der Hintergasse. Auf dem Giebel des Hauses 579 ist die Jahreszahl 1777 und auf dem des Hauses 580 ist die Jahreszahl 1774. Die Hintergasse wird durch das Pfarrgässchen und das Friedhofgässchen in zwei Teile geteilt. Im Friedhofgässchen stehen nur zwei Häuser (602 und 734) Es wird auch Leichengässchen genannt.
Der ansteigende Teil der Asphaltstrasse wird „neue Straße“ oder „Hundsrücken“ genannt. Auf der linken Seite dieser Gasse sind neuere Höfe. Auf der linken Seite sind die Häuser (774-780 alles neue Bauten.Sie sind auf dem Grund gebaut der einst dem Michael Liebhart 106/498 gehörte. Dieser teilte den Grund in 6 Teile und hinterließ ihn 6 Kindern. Der letzte alte Hof auf dem „Hundsrücken“ ist der Hof Nr. 781. Dort wohnte einmal ein Schwachhofer Andreas. genannt „Schneider Onre“. Nach diesem wird der Ort auch „Schneider-Onrepiel“ genannt. Bis zu diesem Hof sind auch andere late Höfe von der alten Straße angefangen.
Von dem „Hundsrücken“ zweigt nach Osten ein stilles Gässchen ab, das „Königsgässchen“. Man nennt die Gegend bei diesem Gässchen „am Königshof“. Die Sage erzählt, das einst in der Nähe dieses Gässchens ein König ein Lager aufgeschlagen hatte. In der Landlermundart heißt dieses Gässchen auch „Zerrigansgässchen“.Auf 792 wohnte einst ein gewisser Johann Rastel . Dieser rief oftmals seinem Hund zu, die Gänse zu verjagen. Er sagte „Zerre die Gans“. Der Name blieb bei der Familie und beim Gässchen. Nur einige Häuser sind im 19. Jahrhundert entstanden. Die meisten Häuser sind jüngeren Datums. Parallel mit der oberen Hintergasse geht die Neugasse. Die Höfe der Seite mit den Hausnummern 603-655 sind aus den Gärten der Hintergasse entstanden. Die Höfe 668-688 und 700-733 waren Ackerstücke, die senkrecht auf das Leichengässchen sich hinzogen. Diese Grundstücke wurden um 90 Grad gegen die Neugasse zu gedreht und als Hofstellen abgegrenzt. Auf Ackergrundstücken oberhalb der Neugasse sind nach dem Weltkrieg die Höfe 690-699 entstanden.
Die Neugasse wurde von 1900 an ausgebaut. Die Verlängerung der Kirchgasse, die sich gegen die Stadt zu hinzieht, ist die „alte Landstraße“ oder kurz „alte Straße“. Zwischen dem Haus Nr.864 und dem Haus Nr. 866 befand sich die Waage.
Bis zur Waage sind ältere Höfe und auf der anderen Seite sind ältere Höfe.Zwischen dem Hof 34 und der Straße stand das Wirtshaus,heute Nr.24. Die Höfe 22-26 gehörten einst zum Wirtshausgrund. Als die politische Gemeinde 1912 das Wirtshaus kaufte, da hatten sie vom Wirtshausgrund die Parzellen 22, 23, 25 und 26 abgespalten und verkauft, die dann nach dem 1.Weltkrieg auch bebaut wurden. Nr.27-31 stehen auf dem einstmaligen Grund der Familie Beer 64, der nach dem 1.Weltkrieg zu Höfen umgestaltet worden ist. Neben Hausnummer 34 war ein Grundstück das ein Johann Leonbacher Nr.33 um eine Meerschaumpfeife kaufte die er aus dem Franzosenkrieg mitbrachte.
Nr.866-877 sind Höfe, die 1912 aus dem ehemaligen Kasernengrund herausgeschnitten wurden. Auf Nr.871 steht auch heute noch die Kaserne, die jetzt jedoch nicht mehr Grund neben sich hat. Anschließend an diese Höfe enstanden schon 1840 auf Ackergrund die Höfe 887-897. Neben diesen Häusern bis zu der Bahnlinie war ein Grundkomplex mit einer Ziegelscheune, die einem gewissen Gromen gehörte. Dieser war bei der „Albina“ verschuldet. Dadurch kam die Ziegelscheune mitsamt dem Grund in die Hände der Bank. Diese ließ die Ziegelscheune abtragen und parzellierte den Grund im Jahr 1913. Die Parzellen wurden an Privatleute verkauft. So entstanden die Höfe Nr.888-907. Die Höfe 892-903 bilden das Neffgässchen. Der erste, der dorthin baute war Michael Neff 897, der dem Gässchen den Namen gegeben hat. Jenseits der Bahnlinie gegen Hermannstadt zu , entstand nach dem ersten Weltkrieg ein Gässchen auf einstigen Ackergrund, das eigentlich keinen rechten Namen hat.
Jenseits des Mühlkanal ist das Rumänenviertel. Ursprünglich wohnten in diesem Viertel ausnahmslos Rumänen. Erst im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben sich einzelne Deutsche daselbst Hofstellen und Höfe gekauft. Gegenwärtig wohnen einzelne Deutsche eingestreut unter den Rumänen. Das Viertel nennt man einfach „in den Rumänen“. Anschliesend an das Rumänenviertel ist der „Sävoiu“. Aus einer parzellierten Hutweide entstand 1924 als Folge der Agrarreform ein neues Dorfviertel. Auf den zugeteilten Parzellen bauten sich Rumänen und Deutsche einzelne Häuser. Dies geschah zwischen 1923-1939. Zwei Deutsche- Beer 1055 und Zakel 1070 -übersiedelten später mit ihren Häusern auf den „Krautgarten“. Beim Wirtshaus auf der alten Landstraße zweigt ein Gässchen ab. Zwischen diesem Gässchen bis zu der Asphaltstraße ist der Dorfteil „in den Stauen“ oder „in den Weidchen“. Dort wurde 1908/1909 kommassiert. Einige Häuser entstanden vor dem Krieg, die anderen 1923-1939.
Der ganze Krautgarten bestand aus kleine Parzellen, auf denen Hanf und Gemüse angebaut wurde. Der Krautgarten fängt an beim Zusammenfluss zwischen Zibin und Mühlkanal und zieht sich bis zu der Asphaltstraße. 1926 wird der Krautgarten in der Natur kommassiert. Grundbücherlich ist dieses jedoch nicht durchgeführt worden, weil Ingineur Kossilkow nicht bezahlt worden ist. 1926 wurden auch Gassen geschnitten. Zwischen 1926 -1939 wurde in allen Gassen gebaut. 1929 wurde der Kindergarten aufgebaut.

Landeskonsistorium, 1949

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