Weihnachtsanschreiben 2015 des Fördervereins Kirchenburg Zied e. V.

Allgemeiner Bericht

16. Dezember 2015

Die Geschichte vom unglücklichen Engel

von Andrea Schober

Es war einmal ein Engel, der hatte schon so vielen Menschen geholfen, aber selber war er manchmal sehr unglücklich. Er fühlte sich so klein und wertlos und dachte viel darüber nach, was ihn wertvoller machen könnte. Die Menschen sagten ihm „Kauf Dir etwas Schönes, dann fühlst Du Dich besser.“ Und so kaufte sich der Engel zunächst ein neues strahlend weißes Engelsgewand.
Erst fühlte sich der Engel damit ganz toll und alle anderen Engel bewunderten ihn. Nach einiger Zeit fand er sein neues Gewand aber nicht mehr interessant genug und so kaufte er sich golden glitzernden Sternenstaub. Den streute er auf sein Gewand und seine Flügel. Alle anderen Engel waren geblendet von seiner Schönheit.
Doch schon wenig später fand der Engel sich wieder langweilig. Er dachte darüber nach was ihn noch schöner machen könnte und so kaufte er sich von seinem ganzen restlichen Geld eine große weiße Wolke, die so weich war wie Samt. Ein Sonnenstrahl fiel auf die Wolke, so dass sie hell leuchtete. Der Engel war begeistert, legte sich auf die Wolke und ließ sich treiben.
Es dauerte nicht lange, da hatte der Engel wieder dieses schreckliche Gefühl so wertlos zu sein, trotz allem was er besaß und der Bewunderung aller anderen Engel. Da musste er ganz furchtbar weinen, weil er nicht mehr wusste, was er noch tun konnte. Er dachte sich: „ Ich stehe nie mehr auf! Es hilft alles nichts. Soll die Welt nur ohne mich auskommen. Das hat sie nun davon, dass sie mir nichts bieten kann, an dem ich länger Freude habe!“
Am ersten Tag war der Engel so traurig und wütend, dass er sich von allen anderen Engeln zurückzog und nicht mehr mit ihnen reden wollte.
Am zweiten Tag schaute der Engel in die endlose blaue Weite des Himmels und fühlte sich leer und tot.
Am dritten Tag fühlte er einen Sonnenstrahl auf seinem Gesicht. Da dachte er einen Moment: “Wie warm sich der Sonnenstrahl anfühlt!“ Aber dann fragte er sich gleich: „Was soll ich mit einem Sonnenstrahl? Er wird mir auch nicht weiterhelfen!“
Am vierten Tag kam der Sonnenstrahl wieder. Der Engel dachte sich: “Eigentlich ist der Sonnenstrahl das Beste, was ich im Moment habe und wenn er mir auch nicht helfen kann, so kann ich mich doch ein wenig an ihm wärmen!“ Am fünften Tag dachte der Engel schon gleich am Morgen an den Sonnenstrahl und stellte sich vor, wie schön es wäre, wenn er wieder kommen würde. Dabei wurde ihm warm ums Herz und er spürte, wie sich alles anders anfühlte bei dem Gedanken an den Sonnenstrahl. Als der Sonnenstrahl dann wirklich kam, war der Engel so aufgeregt, dass er gar nicht wusste, ob er sich erst seine Füße oder seine Hände oder seinen Kopf wärmen lassen sollte.
Von da an war jeder Tag nur noch auf den Sonnenstrahl ausgerichtet. Der Engel dachte schon am Morgen daran, wie der Sonnenstrahl ihn bald wieder wärmen würde. Er ließ sich immer tiefer in die Vorstellung der Wärme fallen und merkte, wie sich seine Lustlosigkeit in Erwartung verwandelte und wie seine Traurigkeit und seine Angst an ihm vorüberzogen, ihn aber nicht mehr so tief erreichten wie früher.
Er fing an, wieder auf seiner Wolke hin und her zu gehen und dachte, wie schön es doch war, sich an etwas so freuen zu können. Der Sonnenstrahl durchströmte mehr und mehr seinen ganzen Körper. Die Energie des Lichts verteilte sich in ihm und der Engel bekam wieder neue Kraft. Er schwang seine Flügel und flog zu den anderen Engeln, um ihnen von dem Sonnenstrahl zu erzählen. Auf dem Weg dorthin trafen ihn unzählige Sonnenstrahlen und er wunderte sich, dass er sie früher nie so wahrgenommen hatte.
Der blaue Himmel war nicht mehr leer wie früher, sondern ein Meer des Lichts. Auf einmal fühlte sich der Engel wie im Himmel und nichts konnte ihm mehr die Hoffnung nehmen, wusste er doch nun um die Kraft der inneren Wärme, die es vermochte alles wundersam zu verwandeln.

Liebe Zieder, liebe Vereinsmitglieder, liebe Freunde,


die Geschichte die oben erzählt wird ist sehr ähnlich mit meinem Empfinden. Als ich vor 30 Jahren auswanderte, kam ich in eine neue Welt und versuchte mir unterschiedliche Wünsche, die man so sehr gewünscht hatte, zu erfüllen, wie der Engel im Text oben meint: „Kauf Dir etwas Schönes, dann fühlst Du Dich besser.“ Dies tat ich auch, allerdings merkte ich, dass sich eine innere Zufriedenheit nicht einstellte. Ich fühlte mich nicht besser. Selbst als ich nach der Ausbildung ein neues „zu Hause“ kaufte, war ich Daheim noch nicht angekommen. Erst bei ein paar Besuchen in Zied, Ende der 90-er Jahre, merkte ich, dass das gewisse Etwas nur hier zu finden ist. Beim Besuch eines Gottesdienstes in der Zieder Kirche hatte ich dasselbe Empfinden wie der Engel: „Der Sonnenstrahl durchströmte mehr und mehr seinen ganzen Körper. Die Energie des Lichts verteilte sich in ihm und der Engel bekam wieder neue Kraft“. Dieses Licht begleitet mich seither und gibt mir weiterhin die Kraft, meinen Beitrag für den Erhalt des Vatererbes vor Ort zu leisten. Ein chinesisches Sprichwort besagt:

Die Vergangenheit mit ihren Erinnerungen,
die Zukunft mit ihrer Hoffnung und
der Augenblick mit seinem Zauber
sollen die größten Geschenke im Leben sein.

Es ist sehr erfreulich, dass dieses Licht, die Hoffnung und der Augenblick als großes Geschenk empfunden werden und die Gemeinschaft weiter anwachsen lässt. Die Anzahl der Vereins-Mitglieder hat zugenommen und alle Neu-Zieder möchten vorbehaltlos unserer Gemeinschaft/Verein beitreten und sich an unserem Vorhaben beteiligen und einbringen. „Der blaue Himmel war nicht mehr leer wie früher, sondern ein Meer des Lichts. Auf einmal fühlte sich der Engel wie im Himmel und nichts konnte ihm mehr die Hoffnung nehmen, wusste er doch nun um die Kraft der inneren Wärme, die es vermochte alles wundersam zu verwandeln.“ Der Zieder Himmel verwandelt sich mehr und mehr in ein Meer des Lichtes, sei es auch nur im Sommer, wenn die meisten vor Ort sind. Die Kraft ist jedes Jahr neu zu spüren und zu erleben. In dieser Zeit, wo das Licht am Weihnachtsbaum eine wesentliche Rolle spielt (ohne ist es nicht vorstellbar), wünsche ich allen das Glück, sich an diesem Licht zu begeistern. Dieses Licht brennt immer weiter und wird alle mit seiner inneren Wärme erfreuen. Die, die dieses Licht noch suchen, erwarten wir in den kommenden Sommern in Zied zu Besuch, wie die Großfamilie Schuster und viele andere. Alle sind herzlich Willkommen.
In diesem Sinne wünsche ich Allen eine gesegnete Weihnacht und ein gesundes Neues Jahr.



Für das entgegengebrachte Vertrauen und Ihre Beiträge bedankt sich der Vorstand samt allen aktiven Mitgliedern des Fördervereins Kirchenburg Zied e.V.


Friedrich Rottmann im Dezember 2015

Friedrich Rottmann

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