TV-Tipp: LIDO - Herta Müller

(10.03.2016) 22:30 - 23:15 Uhr

Deutschland

BR Fernsehen, Donnerstag, 10. März, 22:30 bis 23:15
LIDO
Herta Müller
Ein berührendes Porträt der Nobelpreisträgerin Herta Müller, ihrer Poesie, ihrer Ängste, ihrer Lebensthemen, ihrer Wurzeln in Rumänien. Wörter, Wortschnipsel, wohin man blickt. Es ist ein intimer, kostbarer Einblick in ihr Wohnzimmer, den die medienscheue Schriftstellerin Herta Müller dem Filmteam exklusiv gewährt. Seit vielen Jahren macht die Nobelpreisträgerin absurde, witzige und beklemmende Wortcollagen auf Pappkartons. Es sei die sinnlichste Form des Schreibens - und die, bei der man wirklich sieht, was alles nicht klappt, sagt sie lachend. Seit dem Nobelpreis ist sie ein Star, auch wenn sie selbst mit Inbrunst sagt: "Innerlich ist das bei mir nie angekommen."
Die Filmautorin begleitet Herta Müller nach Stockholm, auf die Frankfurter Buchmesse, auf Lesereise in Krakau, in Berlin - wo sie heute wohnt, stöbert die Securitate-Akte der Schriftstellerin in Bukarester Archiven auf - drei Ordner voll Abhöraktionen, Verleumdungskampagnen, Psychoterror. 1987 verlässt Herta Müller Rumänien. Ihr Schreiben aber ist bestimmt von der Diktatur, und wie diese Menschen quält und terrorisiert auch in den persönlichsten und intimsten Bereichen des Lebens. "Sie hat Angst vor dem Schreibprozess," sagt ihr geschiedener Ehemann, der Schriftsteller Richard Wagner, im Interview. Und ihr Jugendfreund Ernest Wichner meint: "Sie schreibt nur, wenn sie sich nicht mehr zu helfen weiß." Die Bücher, die dabei entstehen, sind immer unendlich traurig und unendlich poetisch. Schreiben als Zumutung und Bewältigung, auch der einsamen Kindheitserfahrungen in Nitzkydorf, dem gottverlassenen Dorf im schwäbischen Banat, das ist Herta Müllers Überlebensstrategie.
Herta Müller ist eine der bekanntesten deutschen Schriftstellerinnen. Für ihr Werk hat sie 2009 den Nobelpreis für Literatur erhalten. Grundthema ihrer Romane ist immer wieder die Auseinandersetzung mit einem diktatorischen Regime, das den Menschen ihre Würde raubt. Eine Erfahrung, die sie als Rumäniendeutsche zur Zeit des Ceauşescu-Regimes selbst fast zerbrechen ließ. 1953 wurde sie im Banat in dem kleinen Ort Nitzkydorf geboren, wo die banatschwäbischen Einwohner die eigene NS-Vergangenheit nie aufgearbeitet haben, und wo die deutschsprachige Bevölkerung die Vorurteile gegenüber Ungarn, Rumänen und Zigeunern ebenso pflegte wie ihre schwäbische Tracht. "Versteint" nennt Herta Müller Nitzkydorf. Ihr erstes Buch "Niederungen" erzählt von diesem verwunschenen Ort und ihren schmerzhaften Kindheitserlebnissen. "Ich habe Vergänglichkeit früh wahrgenommen, ohne Worte dafür zu haben."
Pressetext: BR Fernsehen

Veranstalter: BR Fernsehen

Mitwirkende Kulturgruppen: TV, Medien, Herta Müller

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