Michael Wolffs schwebendes Labyrinth in Mainz

(07.03.2018-25.11.2018)

Rheinland-Pfalz/Saarland

Wenn man in Mainz im Zeitraum zwischen dem 7. März und 25. November 2018 abends unterwegs ist und wenn man beim Abendspaziergang an der Evangelischen Christuskirche vorüber geht, kann man erleben, stellt man fest, dass die Fenster der Kuppel blau erstrahlen. Bei genauerem Hinsehen wird man ein Plakat an der Kirchentür entdecken, das den aufmerksamen Besucher auf eine Kunstinstallation hinweist mit dem Titel „Labyrinth“. Ein Labyrinth in der Kirche? Gibt es so etwas? Alles ist möglich, denke ich und erinnere mich an Wittgenstein: „Die Welt ist alles, was der Fall ist.“ Die Neugierde wächst, ich betrete die Kirche.
Wie das so ist mit kirchlichen Räumen: Es ergreift einen die Ehrfurcht beim Betreten eines sakralen Baues, insbesondere eines Raumes, der zum ersten Mal durchschritten wird. Man erreicht den Mittelpunkt unter der Kuppel, sieht nach oben und beobachtet tatsächlich ein schwebendes Gebilde, ein Labyrinth, das weiß-blau leuchtet und sich vom blauen Dunkel der Kuppel seltsam abhebt: nahe und doch so fern! Im Begleitheft, kann ich zu dieser Lichtinstallation die Beschreibung des Künstlers lesen. Hier ein paar Auszüge:
„Zur KONSTRUKTION: Das Labyrinth hat einen Durchmesser von 6Meter und schwebt zentriert unter der Kuppel auf der Höhe des Kuppelkranzes in 18-19 Meter vom Kirchenboden. Es besteht aus 11 konzentrischen, gleichbreiten Bahnen, von denen 6 positiv und 5 negativ sind, und eine Breite von 23 cm haben. Die kreisförmige Mitte hat einen 94 cm Durchmesser. Es ist gebaut aus Polystyrol-Leichtschaumplatten von 19 mm Dicke. Es hängt an 60 dünnen Schnüren (…).
Zur BELEUCHTUNG: Die sichtbare untere Seite des Labyrinths ist mit einer fluoreszierenden Spezialfarbe angelegt, die mit UV-Licht angestrahlt wird, und somit weiß-blau leuchtet. Auf den Labyrinthbahnen ist ein blauer LED-Lichtschlauch angebracht. Der Raum oberhalb des Labyrinths, der Kuppelraum, leuchtet in intensiven Dunkelblau, was einen maximalen Kontrast generiert.“
Der Künstler Michael Wolff, geboren 1949 in Kelling, wohnt seit 1983 in Mainz, der Stadt des Johannes Gutenberg. Bekannt geworden ist er durch seine Plastiken, Buchkunst und Grafik, sowie seine Licht- und Rauminstallationen. Er hatte bereits Ausstellungen in München, Frankfurt, Mainz, Hamburg, Nürnberg, Paris, Eltville etc. Werke findet man im Klingspor-Museum Offenbach, Gutenberg-Museum Mainz, Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, Rijksmuseum Den Haag, Bibliotèque Cantonale Universitaire Lausanne.
Mich nimmt diese Kunstinstallation in der Mainzer Christuskirche mit, auf einen Gedankenweg: Ja, das Leben ist ein Labyrinth, das kann ich nachempfinden. Diese Erkenntnis hat auch mit Glauben etwas zu tun und mit der heutigen Welt. Mir kommt Friedrich Schleiermacher in den Sinn, der, nach dem Wesen der Religion gefragt, sehr kurz antwortete: „das Wesen der Religion besteht im Sinn und Geschmack fürs Unendliche“. Ist dies „ein Fall“ für Schleiermacher? Oder für Wittgenstein? Ich glaube, es ist ein Fall für jeden von uns.

Ort: Christuskirche, Mainz

Schlagwörter: Ausstellung, Installation

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