Tagesaktuell

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Hansi_42
schrieb am 24.08.2026, 22:44 Uhr
Da kann ich helfen.
Meine Gattin und meine Tochter sind auch als staatenlos in 1984 eingereist. Und das mit dem Zug über Budapest-Wien nach Nürnberg. Als Staatenloser gab es einen braunen Pass, ausgestellt von der rumänischen Behörde. Der liegt noch immer als Andenken in einer Schublade.

Könnte mir denken, dass Jini die gleiche Art von Pass hatte.

Gruß, Hansi_42
lauch
schrieb am 25.08.2026, 09:54 Uhr
Hallo Hansi_42

Siehst du wo wir landen.....Ich hätte viel darauf gewettet, dass es so etwas nicht gibt. Ich bin sehr überrascht. Du hast auch einen Vorteil, deine Abkömmlinge sofern du welche hast, werden nicht automatisch rumänische Staatsbürger. Ich habe in letzter Zeit viele skurrile Sachverhalte darüber gehört und gesehen.
Hansi_42
schrieb am 25.08.2026, 12:10 Uhr
Ja, da gibt es tatsächlich skurrile Geschichten. Das Thema wurde auch in diesem Forum in einem Thread, den Du selbst vor einem Jahr erstellt hast, heftig diskutiert.
Skurril war es für meine Tochter. Trotz Einreise mit Pass für staatenlose Personen und Bestätigung (Adeverinta) vom rumänischen Innenministerium über die Aberkennung der rumänischen Staatsbürgerschaft wurde ihr kürzlich beim Einwohnermeldeamt, während sie den abgelaufenen Personalausweis erneuern wollte, einfach so nebenbei mitgeteilt, sie wäre auch im Besitz der rumänischen Staatsbürgerschaft.
lauch
schrieb am 25.08.2026, 13:27 Uhr
Boah...

Das ist als ob du es absichtlich auf die Höhe treiben willst. Mir fehlen die Worte....Wenn wir anfangen darüber zu reden, wer Schuld hat, geht es wahrscheinlich " nationalistisch" zu.
Hansi_42
schrieb am 25.08.2026, 15:59 Uhr
Nö! Warum? Vorhandene Bescheinigung von 1984 vorgelegt. Rumänische Staatsbürgerschaft aus Einwohnerdatenbank gelöscht. Fall erledigt.
lauch
schrieb am 25.08.2026, 16:44 Uhr
Siehst du Hansi_42 die Vorurteile!!! Ich kenne irgendwo etwas über 5 Fälle , vielleicht sogar 10. FEHLER waren nur im Positiven festzustellen, nämlich die eigentlich vorhandene Staatsbürgerschaft ( rumänische) war verschwunden.
Hansi_42
schrieb am 25.08.2026, 19:23 Uhr
Hallo lauch,
ich kann nur mutmaßen, wie es zu solchen Fällen kommen kann.
Bis zur Revolution mussten deutsche Auswanderungswillige, denen der Antrag genehmigt wurde, d.h. legal ausgewandert sind, die rumänische Staatsbürgerschaft abtreten, bzw. wurde ihnen entzogen. Die Ausreise erfolgte mit Pass für staatenlose Personen. Bei der Ankunft in Nürnberg wurde ihnen sofort die deutsche Staatsangehörigkeit verliehen.
Auswanderer nach der Revolution haben deutschen Boden als rumänische Staatsbürger betreten. Wenn diese die deutsche Abstammung glaubhaft nachweisen konnten, erhilten auch sie die deutsche Staatsbürgerschaft und hatten somit eine doppelte Staatsbürgerschaft. Im deutschen Einwohnerregister müssten diese Personen mit beiden Staatsbürgerschaften eingetragen sein. Das Löschen der rumänischen Staatsbürgerschaft dürfte nur erfolgen, wenn der Antrag auf Entlassung vom rumänischen Ministerium für Inneres genehmigt wurde.
Warum es Fälle, wie von Dir geschildert, gibt, bei denen die zweite Staatsbürgerschaft nicht registriert ist, entzieht sich meines Kenntnisstandes.
lauch
schrieb am 25.08.2026, 21:33 Uhr
Hallo Hansi_42,

Also ich kenne niemanden der als Staatenloser eingereist ist, aber alle die ich kenne ( hauptsächlich in den 80gern) sind als rumänische Staatsbürger mit rumänischen Pass ( seine Gültigkeit, wie lang sie dauerte, daran kann ich mich nicht mehr erinnen) eingereist. Die Staatsbürgerschaft musste dann für rund 600DM abgekauft werden. ( wenn gewollt)
Hansi_42
schrieb am 25.08.2026, 22:57 Uhr
Dann sind die Pässe für Staatenlose, die bei mir in der Schublade liegen und mit denen meine Familie ausgewandert ist, wohl eine Fälschung ;-) oder meine Familie war die einzige Ausnahme, die auf diese Art eingereist ist.
Deine Beschreibung für die 80er trifft nur für diejenigen zu, die mit normalen Pass auf Besuch oder als Tourist nach D kamen und den Weg nach Ro nicht mehr gefunden haben. Offensichtlich sind Dir nur solche über den Weg gelaufen.
Diese waren von der Situation gezwungen die 600 DM aufzubringen, sonst hätte man sie beim ersten Besuch in Ro wegen „tradare de patrie“ verhaftet.
lauch
schrieb am 26.08.2026, 07:43 Uhr
Hallo Hansi_42

Entweder reden wir aneinander vorbei, oder scheinst du eine absolute Ausnahme zu sein.
Horst Klein
schrieb am 26.08.2026, 11:32 Uhr
@Hansi_42
Du bist keine "absolute Ausnahme" deine Schilderungen sind genau richtig.
Regine ( Jini )
schrieb am 26.08.2026, 16:48 Uhr
Hallo lauch, hallo Hansi_42, und alle, die Interesse haben,-)
Eure Diskussionen haben etliche Erinnerungen in mir geweckt. Ich werde versuchen aufzuführen, wie das damals bei uns war.
Erstmal: Den 08. Januar 1970 werde ich niemals vergessen; Hansi_42, auch ich feiere meinen Tag jedes Jahr auf´s Neue!!!
lauch, was ist am 08. Januar unpassend??? Und: Welcher Tag wäre Deiner Meinung nach passend für die Aussiedlung gewesen? ;-)))

Nun zu meiner Geschichte; aber ich warne Euch: Eine Kurzversion gibt es nicht;-).

Wir gehörten zur 1. Phase der "Familienzusammenführung" von 1969-1974, da "experimentierten" beide Seiten offensichtlich noch (von Hr. Dr. Hüsch gibt es dazu Anmerkungen).
Im Herbst 1969 erhielten wir die "großen Papiere". Wir alle fuhren daraufhin nach Bukarest zur Securitate(?).
An dem Tag wurde Folgendes in meine Geburtsurkunde eingetragen:
"RENUNȚAT LA CETĂȚENIA REPUBLICI SOCIALISTE ROMĂNIA CONFORM DECRETULUI CONSILIULUI DE STAT NR: 67/DIN 1.10.1969 COMUNICAT DE INSPECTORATUL GENERAL AL MILIȚIEI BUCUREȘTI CU ADRESA NR. 198919 DIN 8.12.1969".

Mitte Dez. 1969 verließen wir Seiburg, und wohnten die nä. Wochen in Meeburg bei den Eltern meines Vaters.

Am 07. Januar 1970 waren wir wiederum in Bukarest bei einer Behörde (Securitate?). Wir mußten unsere Dokumente abgeben, z.B. auch unsere Geburtsurkunden!!!
Dann erhielten wir unsere Unterlagen für die Ausreise: Flugtickets und -wahrscheinlich- rumänische Reisepässe.
Am 08. Januar flogen wir Bukarest - Wien - Frankfurt/M.; im Wiener Flughafen sahen und befuhren wir zum ersten Mal eine Rolltreppe; sehr aufregend;-).

Nun eine kleine Exkursion zu den damaligen "goldenen Zeiten": Am Frankfurter Flughafen wurden wir von zwei Ordensschwestern in einem VW-Bus abgeholt und nach N-Zirndorf in´s Durchgangslager gefahren.
Am selben Tag wurde unser Registrierschein ausgestellt. Am 12. Januar 1970 fuhren wir per Zug nach Bebra, wurden am Bahnhof abgeholt und nach Friedland gefahren. Am Tag darauf fuhren wir weiter nach Hannover (die Eltern meiner Mutter lebten seit 1962 in der Nähe), und so blieben wir in Niedersachsen.

An die Pässe kann ich mich nicht mehr erinnern, ich weiß nicht wo sie "verschütt" gegangen sind, aber offensichtlich haben wir uns damit in Zirndorf ausgewiesen.
Ich habe Euch hier den Schriftwechsel mit einem Nürnberger Beamten reingestellt.
Hintergrund: 2020/2021 versuchte ich verzweifelt an meine Geburtsurkunde zu kommen, denn sie war zwingend notwendig für die Beantragung meiner "Russenrente". Der Seiburger Bürgermeister wollte mir keine Kopie der Urkunde ausstellen, wegen der Anmerkung aus 1969: Abtretung der rumän. Staatsangehörigkeit, s. oben.
Darauf versuchte ich es über die hiesige deutsche Behörde, aber die wollten meinen rumänischen Reisepaß für die Beantragung einer Geburtsurkunde haben.
Ein Teufelskreis, der mich 11 Monate Nerverei kostete; dann rückte der Seiburger Bürgermeister meine Geburtsurkunde raus (ich hatte einen Anwalt eingeschaltet).

Lest nun, was der Nürnberger Beamte schreibt:
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Gesendet: Donnerstag, 27. Mai 2021 um 09:29 Uhr
Von: "Dieter.Munique@reg-mfr.bayern.de" <Dieter.Munique@reg-mfr.bayern.de>
An: "Regine Binder" <regine.binder@gmx.de>
Betreff: AW: Registrierschein Nr. 124/70 Nü - AZ: 66069-072
Sehr geehrte Frau Binder,
Sie sind am 08.01.1970 in der damaligen Durchgangsstelle für Aussiedler mit Ihren Eltern und Ihrer Schwester eingetroffen.
Dort haben Sie einen Registrierschein erhalten und wurden am 12.07.1970 nach Niedersachen (Friedland) weitergeleitet.
Im Registrierverfahren legten Sie rumänische Reisepässe vor.
In der Akte sind keine Unterlagen von Ihnen enthalten. Diese wurden wieder ausgehändigt.

Mit freundlichen Grüßen
Dieter Munique
Regierung von Mittelfranken
Geschäftsstelle Marienstraße
Marienstr. 21
90402 Nürnberg
Telefon: 0911 2352-155 (intern: 2155)
Telefax: 0981-5398-2155

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Von: Regine Binder <regine.binder@gmx.de>
Gesendet: Mittwoch, 26. Mai 2021 19:31
An: Munique, Dieter (RMFR) <Dieter.Munique@reg-mfr.bayern.de>
Betreff: Aw: Registrierschein Nr. 124/70 Nü - AZ: 66069-072
Sehr geehrter Herr Munique,
vielen Dank für Ihre E-Mail.
Um den Registrierschein zu erhalten, haben wir (meine Eltern) wahrscheinlich das Dokument vorgelegt, das uns am Vortag unserer Ausreise aus Rumänien von den rumänischen Behörden ausgestellt wurde:
Am Vortag unserer Ausreise mußten wir sämtliche Dokumente in Bukarest abgeben, auch unsere Geburtsurkunden, und erhielten daraufhin unsere Flugtickets für den nächsten Tag ausgehändigt.
Am 08.01.1970 haben wir -vermutlich- das rumänische Dokument in Nbg./Zirndorf vorgelegt, bzw. abgegeben.
Und davon suche ich eine Kopie zwecks Beantragung meiner Geburtsurkunde, bzw. Auszug aus dem Geburtenregister.
Das würde mir den Behördenweg erleichtern.
Vielleicht können Sie mir helfen!?
Herzlichen Dank.
Mit freundlichen Grüßen
Regine Binder

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Gesendet: Mittwoch, 26. Mai 2021 um 09:52 Uhr
Von: "Dieter.Munique@reg-mfr.bayern.de" <Dieter.Munique@reg-mfr.bayern.de>
An: "regine.binder@gmx.de" <regine.binder@gmx.de>
Betreff: Registrierschein Nr. 124/70 Nü - AZ: 66069-072
Sehr geehrte Frau Binder,
das Altarchiv der früheren Durchgangsstelle für Aussiedler ist mittlerweile
bei der Regierung von Mittelfranken, Zentrales Ausgleichsamt Nürnberg angesiedelt.
In Ihrer E-Mail vom 21.05.2021 an die Stadt Zirndorf suchen Sie nach Unterlagen.
Um welche Unterlagen handelt es sich?
Mit freundlichen Grüßen
Dieter Munique
Regierung von Mittelfranken
Geschäftsstelle Marienstraße
Marienstr. 21
90402 Nürnberg
Telefon: 0911 2352-155 (intern: 2155)
Telefax: 0981-5398-2155

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Fazit: Wir sind offensichtlich nicht staatenlos ausgereist, bzw. in die BRD eingereist; waren aber ab 08. Januar 1970 vorläufige deutsche Staatsbürger.
Ich war damals 13 Jahre alt (meine Schwester 14), es war alles ein großes Abenteuer, und die Formalitäten der Aus- und Einreise interessierten mich nicht.
Allein mit dem Dokument Registrierschein ließ ich mir Jahrzehnte später mein Familienbuch ausstellen.
Und all´ meine Personalausweise und Reisepässe wurden mir absolut ohne Probleme ausgestellt.
Niemals wurde mir gesagt, daß ich noch die rumänische Staatsangehörigkeit hätte, wie in dem Fall deiner Tochter, Hansi_42.

So, liebe Landsleute, das reicht erstmal. Sollte ich etwas Wichtiges vergessen haben, werde ich es nachreichen;-))).
Ciao!


lauch
schrieb am 26.08.2026, 17:50 Uhr
Jini sehr interessant,bei mir ähnlich aber mit Zug. Auf jeden Fall als rumänischer Staatsbürger eingereist.

Das mit dem Tag ist so gemeint: Beitrag kam weder am 8. noch im Januar, sprich eine Art Jubiläum sollte rund sein.
Hansi_42
schrieb am 26.08.2026, 19:10 Uhr
Danke Horst für Deine Richtigstellung!

Danke Jini auch für Deine Richtigstellung und die ausführliche spannende Geschichte des Aussiedelns. So oder ähnlich ging es uns allen. Ein Hinweis zu Deinen verschollenen Dokumente: Als Minderjährige hattest Du keinen eigenen Pass. Du und Deine Schwester ward im Pass Deines Vaters oder Deiner Mutter eingetragen. Suche nach diesen Dokumenten. Die Pässe waren kaffeebraun und etwas kleiner im Format als reguläre Pässe. Viel Glück bei der Suche!

Hallo lauch,
wenn Du noch immer nicht von meiner Schilderung überzeugt bist, könnte ich ein Foto der Pässe für Staatenlose meiner Familie hochladen, sofern das in diesem Forum ginge, um Dich zu überzeugen. Aber wir waren nach Deiner Ansicht eh eine Ausnahme zwischen den Zehntausenden SbS & BaSchw, die in den 80er "legal" mit freundlicher Genehmigung der rumänisch/kommunistischen Regierung, ausgewandert sind. Du weißt es wohl besser.
Wenn Du mit rumänischen Pass nach D eingereist bist, dann dürfte es nach 1989 gewesen sein. Die Pässe für Staatenlose wurden nach der Revolution offensichtlich abgeschafft.

Gruß an alle,
Hansi_42
lauch
schrieb am 26.08.2026, 20:00 Uhr
Hansi_42,

Nein, ganz und gar nicht. Ich werde mir die Mühe machen und sie suchen. Aber nach Schnellanfrage( Schilderung) waren sie blau. In den 80gern ist man zumindest aus den Kreisen, Mures, Sibiu, Brasov grundsätzlich als rumänischer Staatsbürger mit rumänischen Pass eingereist, mit dem Zug. Bei der Herausgabe des Passes wurde ich und meine Familie sagen wir mal so. emotional instruiert wie man sich zu benehmen hat.

Und soeben habe ich jemanden angefragt, 1978 eingereist Kreis Bistritz, STAATENLOS mit dem Flugzeug. Diejenigen die als rumänische Staatsbürger eingereist sind mussten rund 600DM bezahlen um aus der rumänischen Staatsbürgerschaft entlassen zu werden. Es gab ein kleines Zeitfenster, da konnte man in den 90gern auf Besuch hinfahren und per lei die Absage erreichen. Zusammengefasst: ich bleibe bei meinen Äußerungen, mit dem Hinweis, dass ich bei Gelegenheit die Pässe suchen werde. Meinen musste ich wahrscheinlich abgeben, ich weiss es nicht mehr. , meine Leute müssten ihn irgendwo in einer Schublade haben. Und soweit ich weiss war nicht der Innenminister zuständig sondern der Justizminister, und meine Name bzw. die Entlassung musste im Gesetzesblatt ( rum. Bulletin oficial???) veröffentlicht werden. Das war's.

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