Lustige Gedichte

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kokel
Erstellt am 11.03.2018, 06:12 Uhr
Gedanken einer Seniorin
Senioren / Rentner


Es fiel mir auf, daß alles weiter entfernt ist als vor einigen Jahren.
Es ist sogar zweimal so weit zur Straßenecke, und ein Hügel war früher auch nicht da.
Das Rennen zum Bus habe ich ganz aufgegeben, er fährt jetzt immer zu früh ab.
Die Treppen sind auch höher als in den goldenen Jahren.
Auch Bücher und Zeitschriften werden mit kleineren Buchstaben gedruckt.
Aber es hat auch keinen Sinn, jemanden ums Vorlesen zu bitten, da jeder so leise spricht, daß man ihn kaum hören kann.
Zu den Kleidern wird zu wenig Stoff verwendet, besonders um die Hüfte.
Auch die angegebenen Größen fallen kleiner aus als früher.
Sogar die Menschen verändern sich, sie sind viel jünger als wir in ihrem Alter waren
Andererseits sind die Leute unseres Alters so viel älter als wir.
Ich traf neulich eine Klassenkameradin, die war so alt, daß sie mich nicht mehr erkannte.
Ich dachte an das arme Wesen, während Ich meine Haare kämmte.
Und als ich in den Spiegel sah.... wirklich auch Spiegel sind nicht mehr das, was sie einmal waren.

Verfasser unbekannt,
Quelle Geranto Technik 1999 gelesen in Herbstzeitlose 3/99

kokel
Erstellt am 12.03.2018, 04:24 Uhr

Die Affen

Wilhelm Busch

Der Bauer sprach zu seinem Jungen:
Heut in der Stadt da wirst du gaffen.
Wir fahren hin und seh'n die Affen.
Es ist gelungen
Und um sich schief zu lachen,
Was die für Streiche machen
Und für Gesichter
Wie rechte Bösewichter.
Sie krauen sich,
Sie zausen sich,
Sie hauen sich,
Sie lausen sich,
Beschnuppern dies, beknuppern das,
Und keiner gönnt dem andern was,
Und essen tun sie mit der Hand,
Und alles tun sie mit Verstand,
Und jeder stiehlt als wie ein Rabe.
Pass auf, das siehst du heute.
O Vater, rief der Knabe,
Sind Affen denn auch Leute?
Der Vater sprach: Nun ja,
Nicht ganz, doch so beinah.

kokel
Erstellt am 12.03.2018, 06:08 Uhr und am 12.03.2018, 06:14 Uhr geändert.
Warnung vor der Ehe

Sie hat nichts und Du desgleichen,
dennoch wollt Ihr, wie ich sehe,
zu dem Band der heil'gen Ehe
Euch bereits die Hände reichen.

Kinder, seid Ihr denn bei Sinnen?
Überlegt Euch das Kapitel!
Ohne die gehör'gen Mittel
soll man keinen Krieg beginnen.

kokel
Erstellt am 13.03.2018, 05:19 Uhr

Schnauz und Miez

Christian Morgenstern

Ri-ra-rumpelstiez,
wo ist der Schnauz, Wo ist die Miez?
Der Schnauz, der liegt am Ofen
und leckt sich seine Pfoten.
Die Miez, die sitzt am Fenster
und wäscht sich ihren Spenzer.
Rumpeldipumpel, schnaufeschnauf,
da kommt die Frau die Treppe rauf.
Was bringt die Frau dem Kätzchen?
Einen Knäul, einen Knäul, mein Schätzchen,
einen Knäul aus grauem Wollenflaus,
der aussieht wie eine kleine Maus.
Was bringt die Frau dem Hündchen?
Ein Halsband, mein Kindchen,
ein Halsband von besondrer Art,
auf welchem steht: Schnauz Schnauzebart.
Ri-ra-rumpeldidaus,
und damit ist die Geschichte aus.

kokel
Erstellt am 14.03.2018, 06:18 Uhr und am 14.03.2018, 06:19 Uhr geändert.
Geographiestunde - "Was ist die Liebe?"
(Autor unbekannt)

Spieler: Professor, Erzähler, 5 Schüler


Erz.: Herr Professor Doktor Schlicht,

hält Geographieunterricht.

Grad von Preußen reden sie

von den Seen, Städten, Flüssen

die die Primaner wissen müssen.

Plötzlich wendet sich Herr Schlicht

an den Primus, und er spricht.



Prof.: Sagen Sie mein lieber Wiebe,

sagen Sie, was ist die Liebe?



Erz.: Wiebe wurde dunkelrot

und schämt der Frage sich halbtot.



1. S.: Die Liebe, Herr Professor ist,

wenn man ein kleines Mädchen küsst.



Prof.: Wollen Sie mich uzen, wie?

Abitur besteh'n Sie nie!

Nächster bitte, sagen Sie's

eine leichte Frage dies!



Erz.: Dieser Nächste war sehr klug

und kannte die Liebe grad genug.

Drum disponierte er sehr fein:



2. S.: Die Liebe teilt man dreifach ein:

Die Liebe zum Freund, die Liebe zum Wein,

die Liebe zum feinen Mägdelein.



Prof.: Ach Sie faseln.......



Erz.: ... ihn der Lehrer unterbricht



Prof.: Nächster bitte, wissen Sie es nicht?



Erz.: Dieser Nächster war ein Schwärmer

und sein Herz schlug immer wärmer,

denn er machte ein Gedicht

auf seines Mädchens Angesicht.

Drum voller Schwärmerei er spricht:



3. S.: Die Liebe ist des Jünglings Sehnen.

Es zieht ihn nach der Jungfrau hin

und dieses Sehnen voll und rein,

das ist die Liebe ganz allein!



Prof.: Ist denn die Frage gar zu schwer,

Stolz, sagen Sie's, ich bitte sehr!



Erz.: Befangen ist der Kleine nicht,

und spricht mit strahlendem Gesicht:



4. S.: Liebe kann man nicht beschreiben,

Liebe muss man selbst betreiben!



Erz.: Doch da wendet sich Herr Schlicht

an den Zeichsel, und er spricht:



Prof.: Lieber Zeichsel, konnt ich Sie nicht eher fragen

damit Sie mir dies endlich sagen?



Erz.: Dieser Zeichsel, ein gescheiter Geograph,

doch in der Liebe ein großes Schaf.

Das Muttersöhnchen spricht verschüttert:



5. S.: Die Liebe, Herr Professor ist,

wenn mich meine Mutti küsst.



Prof.: Was auch Zeichsel weiß es nicht

dieses ist doch gar zu toll,

das macht das Maß jetzt übervoll.



Erz.: Herr Schlicht, er tobt, er schäumt, er zischt.



Prof.: Meine Herren, wissen Sie es nicht.

Nicht einmal weiß es der Zeichsel,

die Liebe ist ein Nebenfluss der

W e i c h s e l !!!!

kokel
Erstellt am 15.03.2018, 07:32 Uhr
Bim, Bam, Bum
(Christian Morgenstern, 1871-1914)

Ein Glockenton fliegt durch die Nacht,
als hätt' er Vogelflügel;
er fliegt in römischer Kirchentracht
wohl über Tal und Hügel. Er sucht die Glockentönin BIM,
die ihm vorausgeflogen;
d.h. die Sache ist sehr schlimm,
sie hat ihn nämlich betrogen. "O komm" so ruft er, "komm, dein BAM
erwartet dich voll Schmerzen.
Komm wieder, BIM, geliebtes Lamm,
dein BAM liebt dich von Herzen!" Doch BIM, dass ihr's nur alle wisst,
hat sich dem BUM ergeben;
der ist zwar auch ein guter Christ,
allein das ist es eben. Der BAM fliegt weiter durch die Nacht
wohl über Wald und Lichtung.
Doch, ach, er fliegt umsonst! Das macht,
er fliegt in falscher Richtung.

kokel
Erstellt am 16.03.2018, 06:14 Uhr
Der weiße Hirsch

Ludwig Uhland

Es gingen drei Jäger wohl auf die Birsch,
Sie wollten erjagen den weißen Hirsch.

Sie legten sich unter den Tannenbaum,
Da hatten die drei einen seltsamen Traum.

Der Erste:
Mir hat geträumt, ich klopf' auf den Busch,
Da rauschte der Hirsch heraus, husch husch!

Der Zweite:
Und als er sprang mit der Hunde Geklaff,
Da brannt ich ihn auf das Fell, piff paff!

Der Dritte:
Und als ich den Hirsch an der Erde sah,
Da stieß ich lustig ins Horn, trara!

So lagen sie da und sprachen, die drei,
Da rannte der weiße Hirsch vorbei.

Und eh die drei Jäger ihn recht gesehn,
So war er davon über Tiefen und Höhn.

kokel
Erstellt am 17.03.2018, 06:56 Uhr und am 17.03.2018, 06:57 Uhr geändert.
Brautnacht

Joachim Ringelnatz (1883-1934)

Im Schlafgemach, entfernt vom Feste,
Sitzt Amor, dir getreu, und bebt,
Daß nicht die List mutwill'ger Gäste
Des Brautbetts Frieden untergräbt.
Es blinkt mit mystisch heil'gem Schimmer
Vor ihm der Flammen blasses Gold;
Ein Weihrauchswirbel füllt das Zimmer,
Damit ihr recht genießen sollt.

Wie schlägt dein Herz beim Schlag der Stunde,
Der deiner Gäste Lärm verjagt!
Wie glühst du nach dem schönen Munde,
Der bald verstummt und nichts versagt!
Du eilst, um alles zu vollenden,
Mit ihr in's Heiligtum hinein;
Das Feuer in des Wächters Händen
Wird wie ein Nachtlicht still und klein.

Wie bebt vor deiner Küsse Menge
Ihr Busen und ihr voll Gesicht!
Zum Zittern wird nun ihre Strenge;
Denn deine Kühnheit wird zur Pflicht.
Schnell hilft dir Amor sie entkleiden,
Und ist nicht halb so schnell als du;
Dann hält er schalkhaft und bescheiden
Sich fest die beiden Augen zu.

kokel
Erstellt am 18.03.2018, 07:38 Uhr und am 18.03.2018, 07:39 Uhr geändert.
Der Esel

Joachim Ringelnatz

Es stand vor eines Hauses Tor
Ein Esel mit gespitztem Ohr,
Der käute sich sein Bündel Heu
Gedankenvoll und still entzwei.

Nun kommen da und bleiben stehn
Der naseweisen Buben zween,
Die auch sogleich, indem sie lachen,
Verhasste Redensarten machen,
Womit man denn bezwecken wollte,
Dass sich der Esel ärgern sollte.

Doch dieser hocherfahrne Greis
Beschrieb nur einen halben Kreis,
Verhielt sich stumm und zeigte itzt
Die Seite, wo der Wedel sitzt.

kokel
Erstellt am 19.03.2018, 07:09 Uhr
Joachim Ringelnatz (lustige Gedichte)

Die Krähe

Die Krähe lacht. Die Krähe weiß,
Was hinter Vogelscheuchen steckt,
Und dass sie nicht wie Huhn mit Reis
Und Curry schmeckt.

Die Krähe schnupft. Die Krähe bleibt
Nicht gern in einer Nähe.
Dank ihrer Magensäure schreibt
Sie Runen. Jede Krähe.

Sie torkelt scheue Ironie,
Flieht souverän beschaulich.
Und wenn sie mich sieht, zwinkert sie
Mir zu, doch nie vertraulich.

kokel
Erstellt am 20.03.2018, 10:41 Uhr und am 20.03.2018, 10:41 Uhr geändert.
Lustiges Gedicht

Joachim Ringelnatz

Überall ist Wunderland.
Überall ist Leben.
Bei meiner Tante im Strumpfenband,
Wie irgendwo daneben.

Überall ist Dunkelheit.
Kinder werden Väter.
Fünf Minuten später
Stirbt etwas für einige Zeit,
Überall ist Ewigkeit.

Wenn Du einen Schneck behauchst,
Schrumpft er ins Gehäuse.
Wenn Du ihn in Kognak tauchst,
Sieht er weiße Mäuse.

Bernd1946
Erstellt am 20.03.2018, 19:04 Uhr und am 20.03.2018, 19:05 Uhr geändert.
Betrifft: Brautnacht.

Sorry, ich kannte dies Gedicht bevor ich von Ringelnatz gehört habe. Sein Autor ist:

Johann Wolfgang von Goethe: Gedichte - Kapitel 35

kokel
Erstellt am 22.03.2018, 05:16 Uhr
Wilhelm Busch (Gedichte über den Krieg)

Bewaffneter Friede

Ganz unverhofft an einem Hügel
sind sich begegnet Fuchs und Igel.
Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
und weißt du nicht, dass jeder sündigt,
der immer noch gerüstet geht?
Im Namen seiner Majestät,
geh her und übergib dein Fell,
Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.
Lass dir erst deine Zähne brechen,
dann wollen wir uns weiter sprechen!
Und allsogleich macht er sich rund,
schließt seinen dichten Stachelbund
und trotzt getrost der ganzen Welt,
bewaffnet, doch als Friedensheld.

kokel
Erstellt am 22.03.2018, 05:21 Uhr
Sorry, ich kannte dies Gedicht bevor ich von Ringelnatz gehört habe. Sein Autor ist:

Johann Wolfgang von Goethe: Gedichte - Kapitel 35


In diesem Fall liegt irgendwo ein Fehler vor. Ich habe es als von Ringelnatz vorgefunden und so auch gepostet. Vielleicht gibt es in diesem Fall Klärung seitens eines Germanisten. Meine Wenigkeit zählt nicht zu dieser Sorte.

kokel
Erstellt am 23.03.2018, 05:09 Uhr und am 23.03.2018, 05:09 Uhr geändert.
Brief an den lieben Gott

Autor unbekannt

In Neuss lebte einst eine alte Frau,
für sie war die Welt nicht rosig, eher grau.
Mit ihrem Einkommen war es schlecht bestellt,
mit einem Wort: "Sie hatte kein Geld."

Sie überlegte lang hin und her
woher denn Geld zu kriegen wär.
Ihr kam die Idee, so sapperlott,
sie schrieb einen Brief an den lieben Gott.

"Lieber Gott ich bin alt und arm
das Geld ist zu wenig, hab doch Erbarm
und schicke mir schnellstens einhundert Mark,
sonst müsste ich hungern und das ist arg.

Eine andere Hilfe weiß ich nicht mehr
und ohne Moneten ist's doch verdammt schwer.
Aber bitte beeile Dich mit dem Geld,
sonst ist's nicht mehr schön auf dieser Welt."

Der Brief wird frankiert in den Kasten gesteckt,
der Postbote hat ihn sogleich auch entdeckt.
Er sieht die Adresse, was soll er machen,
"An den lieben Gott", das ist ja zum Lachen.

Er denkt sich aber, ein Spaß muss sein,
der Brief kommt ins Fach vom Finanzamt hinein.
Am nächsten Tag dort angekommen,
vom Beamten in Empfang genommen.

Wenn Sie nun glauben, er schmeißt weg diesen Brief,
da irren Sie sich, da liegen Sie schief.
Er liest die Adresse und denkt gleich daran,
wie man der Frau wohl helfen kann.

Ja, glauben Sie mir, das ist kein Scherz,
es gibt beim Finanzamt auch Menschen mit Herz.
Ihm kommt ein Gedanke und das ist sehr fein,
das könnt für die Frau eine Hilfe sein.

Er fängt gleich an durchs Büro zu wandern
und sammelt recht fleißig von Einem zum Andern.
Doch leider war der Erlös etwas karg,
statt hundert, bekam er nur siebzig Mark.

Doch dies wurden dann unverwandt
gleich an die arme Frau gesandt.
Die Frau, sie freut sich, kann's kaum ermessen,
dass sie der Herrgott nicht hat vergessen.

So schrieb sie rasch einen Dankesbrief,
in Eile sie zum Postamt lief.

Sie schrieb: "Lieber Gott, ich bin wieder stark
und danke Die für die siebzig Mark.
Doch solltest Du mal wieder an mich denken
und mir gütigst ein paar Märkchen schenken,

dann möchte ich Dich um eines bitten,
das Geld nicht übers Finanzamt zu schicken,
denn die Lumpen haben mir ungelogen,
von den Hundert , Dreißig abgezogen."

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