Franz Keul

Mitteilungen der HOG

1. November 2010

Meinem Bruder Franz, zum 70. Geburtstag 11.Dez.1994
Meinem Bruder Franz, zum 70. Geburtstag 11.Dez.1994
Heute feiern wir, lieber Bruder, Deine siebzig Jahr', kaum zu glauben und doch ist es wahr.
Es war doch nur unlängst, in unserm Pretai, wo wir spielten, als Kinder, froh und frei. Wir wuchsen heran, ganz ohne Sorgen, bei Mutter und Vater so gut geborgen. Hier tobten wir, barfuß, ohne Schuh' und hörten den Laut der ländlichen Kuh. Das Gackern der Hennen mit ihrem Gockel, wir plantschten vergnügt,in unserer Kockel. Ganz sachte tastet ihr ab, den Uferrand und fingt die Fische mit der Hand. Meist waren auch unsere Vetter dabei, dann rief die Großmutter alle herbei. "Ach Kinder, ihr habt doch Hunger und Durst, kommt doch, ihr kriegt geräucherte Wurst!" Immer zufrieden, mit lächelndem Mund, so war sie, schön mollig und rund. Die Weinlese sollte ich nicht vergessen, hier taten wir "Zurpen", wie besessen, vom Most und von der Zigarre, es rumorte im Bauch, wie 'ne Gitarre. Bald wurde die Welt aus den Fugen gerissen, keiner von uns, wird das jemals vergessen. Der Krieg begann, es war ein Wahn, das Leben kam in eine andere Bahn. Wir zogen nach Mediasch; aus unserem Pretai, die Kindheit vom Lande,war nun vorbei. Auch hier lebten wir glücklich, wie gewohnt, der Fleiß unserer Eltern, wurde belohnt. Unsere Mutter war die Seele im Haus, 'viele Freunde gingen da gerne ein und aus. Ihre Liebe zum Garten, ist allen bekannt, es gedeite und blühte alles mit ihrer Hand. Unser Vater, lehrte in der Schule die Kinder, draußen, in der Natur, meinte er Gott zu finden. Der Glaube, war unserer Eltern höchstes Gebot, Gott bewahrte sie, vor Kummer und Not. Nachkommen von Johann Keul und Katharina Keul aus ...Nachkommen von Johann Keul und Katharina Keul aus Pruden Haus Nr. 6 Vordere Reihe v.li: Lukas, Mutter, Vater, Katharina (Keileguet) und Hans. Hintere Reihe v.li: Elisabeth, ihr Mann Andreas, Karl, Georg, Franz und Hans (der Melner).
Als Du, lieber Bruder, warst weit, an der Front, wussten wir nicht, ob du noch jemals kommst? Viele lernten das Beten in der Zeit, doch viele haben es vergessen heut‘. Der Mensch findet meist nur dann zum Gebet, wenn das Schicksal ihn rüttelt und bewegt. Der Krieg war verloren, die Russen in Berlin, Du auf der Flucht, was nun, wohin?. In die Heimat, nach Hause, da möcht ich zurück, ohne Kompass, zu Fuß, mit der Hoffnung Auf' Glück. Bei Nacht und bei Nebel,begabst du dich in Gefahr, verfolgt von den Siegern,du warst einundzwanzig Jahr' Die Ungewissheit und Hunger,waren deine Begleiter, doch die Sehnsucht nach Hause, half dir immer weiter. Auch als dich die Russen gefangen genommen, du konntest mit Mut, geschickt wieder entkommen. Unrasiert, bis zur Schulter dein Haar, ging's weiter fort endlich geschafft,vor dir liegt Pruden, Vater's Heimatort. Auf der Treppe saß Großmutter und fragte dich dann: "Wer bist du, wen suchst du, fremder Mann?" Ich bin's, “Großmutter, dein Enkel, der Franz, komm aus dem Krieg, bin wieder zu! Hause“. Doch weiter musste das Versteckspiel gehen, die Kommunisten durften dich nicht sehen. Heimlich, bei Nacht, gingst du im Hof auf und ab, hast oft dabei an unsern Fritz gedacht. Mit siebzehn, wurde er nach Russland verschleppt, so war unsere Familie noch immer nicht komplett. Fünf Jahre danach, kam er als Mann, wir waren vereint, wir glaubten es kaum. Sportler suchte man zu jener Zeit, man fand sie, meist unter unseren Leut'. Du warst als Kuli, allen bekannt, keiner ist dem Ball so rasch nachgerannt. Nun musstest du für den Krieg nicht mehr büßen, auch die Mädchen lagen dir zu Füßen.
Eine junge, hübsche, hattest du im Visier, das ist sie, die Gerhild, die wähle ich mir. Sie sagte nicht nein und gab dir ihre Hand, bald spielte klein-U1li und Franzi im Sand. Rotraut und Fritzi gesellten sich dazu, oft war es aus, mit der Goldenen Ruh'". Besonders wenn kamen die Buresch-Vataven, dann erzählte der Opa, vom Fuchs und vom Hasen. Mäusestill, saßen sie, auch über eine Stunde, mit großen Augen und offenem Munde. Oft ging er mit ihnen hinaus, in die Natur, ich weiß, heute danken sie ihm dafür. Zu rasch hat sich das Rad der Zeit gedreht und manches scheint, wie vom Winde verweht. Heut' leben wir hier, im Lande der Bayern, wir tun auch hier, gemeinsam feiern. Im Sommer ist es die Biergartenzeit, dann trommeln wir zusammen unsere Leut'. Wenn dann der Winter naht heran, sind wieder unsere Geburtstage dran. Man wird zwar älter um ein Jahr,es färbt sich grauer auch das Haar, die Augen blicken durch die Brille, man steigt auch schwerer hoch, zur Zinne, oft stellt man zweimal die gleiche Frag' und dankt dem Herrgott für jeden Tag. Die Vergangenheit, jedoch, bleibt uns erhalten, wir tragen sie mit uns, aus der Heimat, der alten. Ich habe sie, vor kurzem, wieder gesehen und konnte auf den alten Wegen gehen. Es steht noch da, das Haus wo wir geboren, auch manche Spur ging nicht verloren. Der alte Backofen, steht kalt und leer, kein Brot,keine Hanklich gibt er her. Auch die Krone unserer Tanne ist verschwunden, noch steht ihr Stamm, vernarbt sind seine Wunden. Tröstend, schlingt die alte Rebe ihre Ranken, empor, zum Stamm und schmückt den guten, alten. Tief verankert, blieben seine Wurzeln in dem Boden, gepflanzt von unsern Eltern, gedeihte er nach oben. Heut' danken wir Gott, dass er sie uns gegeben, sie schenkten uns ein wunderschönes Leben. "Liebet einander", war stets ihre Bitte. "Pflegt und bewahrt unsere Sippe!" Wir hatten das Glück, geliebt zu werden, es ist das höchste Glück auf Erden. Nun Hab' ich ja wieder zu lange geplappert und wenn's mit dem Reimen auch hat gehappert, ich blickte ja nur ein paar Jahre zurück und wollte bloß wünschen, meinem Bruder,viel Glück. Dir, liebe Schwägerin, von Herzen, nur das Best', wir danken Dir alle,für dieses schöne Fest.-
Helga Buresch geb. Keul

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