Zum Schluss dieser Reihe
Epitaph 9
Im Leben erzählte er Bände
von der Jagd im Waidmannsgelände -
vom grünen Rock,
vom kapitalen Bock -
nun ist sein Latein zu Ende.
Epitaph 10
Hier ruht der Vampir Dragau,
der biss eine adlige Frau -
und wandelte gleich
sich vom Beißer zur Leich -
denn blaues Blut machte ihn mau.
Altes Haus - Brücken in die Vergangenheit
Um Beiträge zu verfassen, müssen Sie sich kostenlos registrieren bzw. einloggen.
Wenn es um die Wurst geht (1975)
Die ersten Monate in der Bundesrepublik bescherten uns vielfältige Überraschungen, die oft unangenehm, meistens aber sehr informativ waren.
Schon der erste Gang zum Metzger gestaltete sich zu einer sketchverdächtigen Lehrstunde. Auch in einem kleineren Laden war das unter der gläsernen Theke hervorduftende Angebot an verwurstetem Fleisch so groß, dass ich mich jedes Mal erst gründlich umsehen musste, bevor ich mich zum Kaufen entschloss. Diese Momente meditativer Verinnerlichung wurden leider viel zu schnell von der diensteifrigen Wurstverkäuferin mit der stereotypen Frage unterbrochen:
„Was darfs denn sein heute?“ Da ich mich gedrängelt fühlte, deutete ich auf irgendeine Wurst und sagte:
„Geben Sie mir bitte von der da 200 Gramm!“ Sie hob eine Wurst auf, die links von der von mir anvisierten lag, und fragte:
„Meinen Sie diese?“ Ich verneinte und erklärte ihr, dass ich die andere rechts davon meinte.
„Ach so, Sie meinen die schonend gekochte Röstzwiebellebermettwurst?“ Natürlich, sagte ich doch. Sie schnitt ein Stück von der verwechselten Wurst ab und warf es auf die Waage.
„Darf es ein bisschen mehr sein?“ Es durfte.
„Darf es sonst noch was sein?“ Diesmal deutete ich auf eine wunderschöne, pralle, dicke rote Wurst mit großen Fleischstücken drin.
„Von der da etwa 300 Gramm - bitte!“ In der Annahme, dass ich nicht höflich genug verlangt hatte, betonte ich das „bitte“ diesmal mehr.
„Das ist eine ganz frische, in Naturdarm eingenähte Hausmacher-Fleischblutwurst nach Thüringer Art!“, belehrte sie lächelnd den armen Mann, dem in seiner Naivität und Unwissenheit alle Würste wurscht zu sein schienen, und ergänzte weise lächelnd: „So was weiß man!“ Aha!
Ich blickte verlegen um mich, doch die teilnahmslos kulant lächelnden Gesichter der Kundinnen drückten weder Empörung für den Ignoranten der gehobenen Wurst-Bildung, noch Bedauern ob meiner mitleiderregenden Hilflosigkeit aus. Einen dritten Anlauf wagte ich nicht, um den Rest meines angeknabberten Images nicht restlos zu vernichten. Ich begnügte mich also mit meiner recht umständlich, aber tapfer erkämpften Wahl, zahlte, dankte und wandte mich zum Gehen Doch dann hörte ich hinter mir etwas, das mein nach Knigges Vorstellungen makelloses Vorhalten total über den Haufen warf:
„Ich krieg 200 Gramm Stockacher Zungenwarzenwurst-Brühsalami, 100 Gramm geräucherten Odenwälder-Wacholder-Edelschinken und 150 Gramm gekochten Käse-Ukrainer mit grünen Kapern und Paprika!“, orderte die nächste Kundin in einem Ton, der eher wie ein Befehl als eine Bitte klang.
„Gerne, Frau Meier, haben wir sofort alles beisammen!“, zwitscherte die Maid hinter der Theke fröhlich. Ich aber staunte Speckwürfel, und die Augen gingen mir auf wie Scheunentore. Hier bat man also nicht um die gewünschte Wurst, sondern - man „kriegte“ diese! Ich muss hierzu verschämt gestehen, dass ich mich in den kommenden Jahren nie an diese heischende Formel gewöhnen konnte, und renitenterweise heute noch um eine Ware - höflich bitte!
P.S. Zum Glück hatte ich damals keine - „Pariser“ verlangt, und bin so an der totalen Gesellschaftsunfähigkeit gerade nochmal vorbeigeschrammt – was ich mit dem Kauf einer „Wichsleinwand“ für den Küchentisch nicht behaupten kann!
Die ersten Monate in der Bundesrepublik bescherten uns vielfältige Überraschungen, die oft unangenehm, meistens aber sehr informativ waren.
Schon der erste Gang zum Metzger gestaltete sich zu einer sketchverdächtigen Lehrstunde. Auch in einem kleineren Laden war das unter der gläsernen Theke hervorduftende Angebot an verwurstetem Fleisch so groß, dass ich mich jedes Mal erst gründlich umsehen musste, bevor ich mich zum Kaufen entschloss. Diese Momente meditativer Verinnerlichung wurden leider viel zu schnell von der diensteifrigen Wurstverkäuferin mit der stereotypen Frage unterbrochen:
„Was darfs denn sein heute?“ Da ich mich gedrängelt fühlte, deutete ich auf irgendeine Wurst und sagte:
„Geben Sie mir bitte von der da 200 Gramm!“ Sie hob eine Wurst auf, die links von der von mir anvisierten lag, und fragte:
„Meinen Sie diese?“ Ich verneinte und erklärte ihr, dass ich die andere rechts davon meinte.
„Ach so, Sie meinen die schonend gekochte Röstzwiebellebermettwurst?“ Natürlich, sagte ich doch. Sie schnitt ein Stück von der verwechselten Wurst ab und warf es auf die Waage.
„Darf es ein bisschen mehr sein?“ Es durfte.
„Darf es sonst noch was sein?“ Diesmal deutete ich auf eine wunderschöne, pralle, dicke rote Wurst mit großen Fleischstücken drin.
„Von der da etwa 300 Gramm - bitte!“ In der Annahme, dass ich nicht höflich genug verlangt hatte, betonte ich das „bitte“ diesmal mehr.
„Das ist eine ganz frische, in Naturdarm eingenähte Hausmacher-Fleischblutwurst nach Thüringer Art!“, belehrte sie lächelnd den armen Mann, dem in seiner Naivität und Unwissenheit alle Würste wurscht zu sein schienen, und ergänzte weise lächelnd: „So was weiß man!“ Aha!
Ich blickte verlegen um mich, doch die teilnahmslos kulant lächelnden Gesichter der Kundinnen drückten weder Empörung für den Ignoranten der gehobenen Wurst-Bildung, noch Bedauern ob meiner mitleiderregenden Hilflosigkeit aus. Einen dritten Anlauf wagte ich nicht, um den Rest meines angeknabberten Images nicht restlos zu vernichten. Ich begnügte mich also mit meiner recht umständlich, aber tapfer erkämpften Wahl, zahlte, dankte und wandte mich zum Gehen Doch dann hörte ich hinter mir etwas, das mein nach Knigges Vorstellungen makelloses Vorhalten total über den Haufen warf:
„Ich krieg 200 Gramm Stockacher Zungenwarzenwurst-Brühsalami, 100 Gramm geräucherten Odenwälder-Wacholder-Edelschinken und 150 Gramm gekochten Käse-Ukrainer mit grünen Kapern und Paprika!“, orderte die nächste Kundin in einem Ton, der eher wie ein Befehl als eine Bitte klang.
„Gerne, Frau Meier, haben wir sofort alles beisammen!“, zwitscherte die Maid hinter der Theke fröhlich. Ich aber staunte Speckwürfel, und die Augen gingen mir auf wie Scheunentore. Hier bat man also nicht um die gewünschte Wurst, sondern - man „kriegte“ diese! Ich muss hierzu verschämt gestehen, dass ich mich in den kommenden Jahren nie an diese heischende Formel gewöhnen konnte, und renitenterweise heute noch um eine Ware - höflich bitte!
P.S. Zum Glück hatte ich damals keine - „Pariser“ verlangt, und bin so an der totalen Gesellschaftsunfähigkeit gerade nochmal vorbeigeschrammt – was ich mit dem Kauf einer „Wichsleinwand“ für den Küchentisch nicht behaupten kann!
Siebenbürgen – Deutschland, doch eine andere Welt ??
Lieber Kurt, die „Pariser Fleischwurst“ gibt es aber doch noch. Dein bevorzugter, Feinkost versendender Landsmann aus Rheda-Wiedenbrück liefert sie doch frei Haus. Aber du hast Recht, im „Reich“ ist sie unter diesem Namen nicht bekannt, wie auch vieles andere.
Im Nachkriegsdeutschland wollte eine Nordsiebenbürgerin für ihren großen, emaillierten Doppelhenkeltopf einen Ersatz beschaffen und ging in einen Geschirrladen. Im Nordsiebenbürger-Dialekt heißt dieser große Topf für große Goulasch-und Krautgerichte „en Huaben“. Nun wollte sich die gute Flüchtlingsfrau nicht blamieren und übersetzte in bestes Hochdeutsch um ihrem Wunsch zu äußern und verlangte: „ Ich möchte gerne einen Haben“. Nun, weil die Frau auch noch in heiratsfähigem Alter war, antwortete die Verkäuferin irritiert, aber schlagfertig: Na, dann suchen sie sich doch Einen, da sind sie hier aber falsch!“
Lieber Kurt, die „Pariser Fleischwurst“ gibt es aber doch noch. Dein bevorzugter, Feinkost versendender Landsmann aus Rheda-Wiedenbrück liefert sie doch frei Haus. Aber du hast Recht, im „Reich“ ist sie unter diesem Namen nicht bekannt, wie auch vieles andere.
Im Nachkriegsdeutschland wollte eine Nordsiebenbürgerin für ihren großen, emaillierten Doppelhenkeltopf einen Ersatz beschaffen und ging in einen Geschirrladen. Im Nordsiebenbürger-Dialekt heißt dieser große Topf für große Goulasch-und Krautgerichte „en Huaben“. Nun wollte sich die gute Flüchtlingsfrau nicht blamieren und übersetzte in bestes Hochdeutsch um ihrem Wunsch zu äußern und verlangte: „ Ich möchte gerne einen Haben“. Nun, weil die Frau auch noch in heiratsfähigem Alter war, antwortete die Verkäuferin irritiert, aber schlagfertig: Na, dann suchen sie sich doch Einen, da sind sie hier aber falsch!“
Hallo Allerseits,
Nun ich komme mir manchmal wie ein " Hans Dapf in allen Gassen" vor, deswegen versuche ich mich zurückzuhalten. Aber zum " kriegen" muss ich Dampf ablassen, schon auch deswegen, weil die Schweizer, das bei den Deutschen die in der Schweiz leben, montieren.Nach fast 40 Jahren D bleibe ich beim " bitte". Mittlerweile ist aber der gesellschaftliche Druck so gross ( Gewissen), dass ich die Metzgerei ( die wir ja auch Fleischbank nannten, die es im Sozialismus fast nicht mehr gab) eher seltener besuche.
Vielleicht nennt ihr noch ein paar " Abweichungen" gegenüber den Gepflogenheiten in Sb. ZB. fällt mir so spontan ein: in der Gaststätte , Bier geht vor dem Essen, aber Schnaps nur nach dem Essen.
Nun ich komme mir manchmal wie ein " Hans Dapf in allen Gassen" vor, deswegen versuche ich mich zurückzuhalten. Aber zum " kriegen" muss ich Dampf ablassen, schon auch deswegen, weil die Schweizer, das bei den Deutschen die in der Schweiz leben, montieren.Nach fast 40 Jahren D bleibe ich beim " bitte". Mittlerweile ist aber der gesellschaftliche Druck so gross ( Gewissen), dass ich die Metzgerei ( die wir ja auch Fleischbank nannten, die es im Sozialismus fast nicht mehr gab) eher seltener besuche.
Vielleicht nennt ihr noch ein paar " Abweichungen" gegenüber den Gepflogenheiten in Sb. ZB. fällt mir so spontan ein: in der Gaststätte , Bier geht vor dem Essen, aber Schnaps nur nach dem Essen.
Ha, ha, ha, ha, ha, ha, ha,...
Ich kann gar nicht aufhören zu lachen über die "Wichsleinwand" (12.12.2025, Wenn es um die Wurst geht, 1975).
Jetzt lache ich noch eine Weile weiter...
Ich kann gar nicht aufhören zu lachen über die "Wichsleinwand" (12.12.2025, Wenn es um die Wurst geht, 1975).
Jetzt lache ich noch eine Weile weiter...
Liebe Regine, is ja toll, daß du an der "Wichsleinwand" so viel Freude hast. Die gibt es aber tatsächlich immer noch und deshalb ist sie auch kein speziell "siebenbürgischer" Artikel. Die "Wichsleinwand" hat Siebenbürgen noch aus der k.& k. - Monarchie übernommen. Jede/r Österreicher/in weiß deshalb auch heute noch was damit gemeint ist. Wir sagen hier in Deutschland halt einfach "Wachstuch" dazu. Aber das sind halt in jeder Region die verschiedenen Bezeichnungen, die bei den einen der Ernst des Lebens sind, den anderen hören sie sich lustig an. Was dem enen sen Uhl is dem anderen sen Nachtigall
„Läutet, ihr Glocken ...“
Eine Weihnachtsgeschichte
Hermannstadt 1948 (aus „Unter Roten Wolken“)
Auch in diesem Jahr sollte der Weihnachtsabend ein bescheidenes Fest der Freude werden, da es von einem Ereignis überschattet wurde, das unsre Familie brutal zerrissen hatte.
Auch nach vier Jahren hatten wir Kinder den Verlust unsres Vaters seelisch nicht verkraftet, der 1944 zurück an die Front beordert wurde - und nicht mehr zurückgekommen war. Unsre Mutter litt unter dem ständigen Alleinsein, und selbst wenn sie mal in unserer Gegenwart lachte und witzelte, spürte ich hinter ihren krampfhaft verstellten Gesichtszügen die große Leere ihres unausgefüllten jungen Lebens.
Mein jüngerer Bruder und ich hatten in den Schulferien eine Arbeit in einem privaten Atelier der Familie Kosturik zur Fertigung von kleinen Puppen aus Papiermaché gefunden. So konnten wir auch einen kleinen Beitrag für die Hauswirtschaft leisten, und unsre Mutter ein bißchen entlasten.
Mama hatte uns auch diesmal jedem eine Kleinigleit geschenkt. Meine kleine Schwester hatte ihr ein Bild gezeichnet, und wir haben Geld zusammengelegt, und Mama eine Bonboniere gekauft. Verständlich, dass diese noch am selben Abend geleert wurde - und nicht von ihr allein.
An diesem Weihnachtsabend hatte Mama gekochtes Selchfleisch mit gedünstetem Sauerkraut und Brotknödeln zubereitet, oder wie wir es kurz nannten, „G’sölchtes, Kraut und Knödel“. Nun, davon konnten wir nicht genug kriegen, aber wie so oft war das Geselchte nur zum Geschmack auf dem Teller, das heißt, wir mussten uns mit je einem kleinen Stückchen begnügen. Doch bald hatten wir den Dreh heraus. Wir kauten erst ein Häppchen Selchfleisch gut durch, damit der Geschmack gründlich in alle Poren des Gaumens dringen konnte. Dann erst füllten wir unsere Münder mit Sauerkraut und Knödel. Es schmeckte einfach köstlich, und heute noch ist dies Menü mein Leibgericht. Mamas witziger Spruch beim Essen war manchmal:
„Schau, schau - sie machen wieder Spesen!“ Und wenn sie ihn einmal vergaß, zitierte ich oder mein Bruder den Vers, dann jedoch selbstkritisch in eigener Sache: „Mama, schau - wir machen Spesen!“
Bevor wir schlafen gehen sollten, überraschte sie uns mit etwas Neuem. Wir hatten diesmal weder Weihnachtslieder gesungen, noch ein Gedicht aufgesagt, weil unsere Stimmung trotz des guten Essens und Mamas humorvollen Hinweis auf die verursachten Unkosten nicht die beste war. Die Kerzen auf dem kleinen Fichtenbäumchen, das wir mit bunten Papierketten und mit in Seidenpapier eingewickelten Würfelzuckerstückchen geschmückt hatten, brannten noch, als sie aus dem Schrank ein Blatt Papier hervorholte und verlegen sagte:
„Ich habe hier ein Weihnachtsgedicht geschrieben - und das möchte ich euch gerne vorlesen.“ Wir staunten nicht schlecht, denn dies war das erste Mal, dass wir von der dichterischen Begabung unserer Mutter erfuhren. Meine kleine Schwester kuschelte sich an sie, und wir guckten sie erwartungsvoll an. Dann begann Mama zu lesen:
Christmesse
Zur Christmess’ läuten die Glocken
ihr altes, vertrautes Lied,
doch klingen sie heute so düster,
als wären sie gar so müd.
Es liegt hinter diesem Klingen
ein langer Weg zurück;
sie läuteten schon zu Vielem,
zu Freuden, zu Leid und zu Glück.
Ihr Glocken aus hartem Eisen,
gegossen in heißer Glut,
gestärkt für die schwersten Tage,
verliert ihr nun auch den Mut?
Was sollen dann wir dazu sagen,
wir schwachen Menschen von heut?
Ihr Glocken, ihr dürft nicht versagen -
stimmt an mit frohem Geläut!
Und läutet in vollen Tönen
in jedes Herz hinein;
es ist heut doch Christus geboren,
er wird unser Retter sein!
So ist für uns Christen auf Erden
das Höchste die Heilige Nacht;
das kann uns auch niemand rauben,
dazu gibt es keine Macht!
Und in diesem festen Glauben,
so blicken wir zu euch hinauf -
läutet, ihr Glocken, läutet,
und höret nimmer auf!
Nach diesem letzten Vers versagte Mamas Stimme, und Tränen kullerten über ihre bleichen Wangen. Sie streichelte zärtlich die Haare meiner Schwester, und sah zu uns herüber - und wieder bemerkte ich tiefe Verzweifelung in ihrem schönen Gesicht.
Wir wussten nicht, was wir sagen sollten. Mama hatte ihr Gedicht mit ruhiger, leicht vibrierender Stimme ohne Pathos vorgelesen, und dennoch waren wir zutiefst beeindruckt von der schlichten Schönheit ihrer Verse.
Als wir bald darauf zu Bett gingen, lag ich noch lange wach ...
Ich wünsche euch allen vergnügliche, erhölsame Feiertage, und ein besseres Neues Jahr .2026..
Eine Weihnachtsgeschichte
Hermannstadt 1948 (aus „Unter Roten Wolken“)
Auch in diesem Jahr sollte der Weihnachtsabend ein bescheidenes Fest der Freude werden, da es von einem Ereignis überschattet wurde, das unsre Familie brutal zerrissen hatte.
Auch nach vier Jahren hatten wir Kinder den Verlust unsres Vaters seelisch nicht verkraftet, der 1944 zurück an die Front beordert wurde - und nicht mehr zurückgekommen war. Unsre Mutter litt unter dem ständigen Alleinsein, und selbst wenn sie mal in unserer Gegenwart lachte und witzelte, spürte ich hinter ihren krampfhaft verstellten Gesichtszügen die große Leere ihres unausgefüllten jungen Lebens.
Mein jüngerer Bruder und ich hatten in den Schulferien eine Arbeit in einem privaten Atelier der Familie Kosturik zur Fertigung von kleinen Puppen aus Papiermaché gefunden. So konnten wir auch einen kleinen Beitrag für die Hauswirtschaft leisten, und unsre Mutter ein bißchen entlasten.
Mama hatte uns auch diesmal jedem eine Kleinigleit geschenkt. Meine kleine Schwester hatte ihr ein Bild gezeichnet, und wir haben Geld zusammengelegt, und Mama eine Bonboniere gekauft. Verständlich, dass diese noch am selben Abend geleert wurde - und nicht von ihr allein.
An diesem Weihnachtsabend hatte Mama gekochtes Selchfleisch mit gedünstetem Sauerkraut und Brotknödeln zubereitet, oder wie wir es kurz nannten, „G’sölchtes, Kraut und Knödel“. Nun, davon konnten wir nicht genug kriegen, aber wie so oft war das Geselchte nur zum Geschmack auf dem Teller, das heißt, wir mussten uns mit je einem kleinen Stückchen begnügen. Doch bald hatten wir den Dreh heraus. Wir kauten erst ein Häppchen Selchfleisch gut durch, damit der Geschmack gründlich in alle Poren des Gaumens dringen konnte. Dann erst füllten wir unsere Münder mit Sauerkraut und Knödel. Es schmeckte einfach köstlich, und heute noch ist dies Menü mein Leibgericht. Mamas witziger Spruch beim Essen war manchmal:
„Schau, schau - sie machen wieder Spesen!“ Und wenn sie ihn einmal vergaß, zitierte ich oder mein Bruder den Vers, dann jedoch selbstkritisch in eigener Sache: „Mama, schau - wir machen Spesen!“
Bevor wir schlafen gehen sollten, überraschte sie uns mit etwas Neuem. Wir hatten diesmal weder Weihnachtslieder gesungen, noch ein Gedicht aufgesagt, weil unsere Stimmung trotz des guten Essens und Mamas humorvollen Hinweis auf die verursachten Unkosten nicht die beste war. Die Kerzen auf dem kleinen Fichtenbäumchen, das wir mit bunten Papierketten und mit in Seidenpapier eingewickelten Würfelzuckerstückchen geschmückt hatten, brannten noch, als sie aus dem Schrank ein Blatt Papier hervorholte und verlegen sagte:
„Ich habe hier ein Weihnachtsgedicht geschrieben - und das möchte ich euch gerne vorlesen.“ Wir staunten nicht schlecht, denn dies war das erste Mal, dass wir von der dichterischen Begabung unserer Mutter erfuhren. Meine kleine Schwester kuschelte sich an sie, und wir guckten sie erwartungsvoll an. Dann begann Mama zu lesen:
Christmesse
Zur Christmess’ läuten die Glocken
ihr altes, vertrautes Lied,
doch klingen sie heute so düster,
als wären sie gar so müd.
Es liegt hinter diesem Klingen
ein langer Weg zurück;
sie läuteten schon zu Vielem,
zu Freuden, zu Leid und zu Glück.
Ihr Glocken aus hartem Eisen,
gegossen in heißer Glut,
gestärkt für die schwersten Tage,
verliert ihr nun auch den Mut?
Was sollen dann wir dazu sagen,
wir schwachen Menschen von heut?
Ihr Glocken, ihr dürft nicht versagen -
stimmt an mit frohem Geläut!
Und läutet in vollen Tönen
in jedes Herz hinein;
es ist heut doch Christus geboren,
er wird unser Retter sein!
So ist für uns Christen auf Erden
das Höchste die Heilige Nacht;
das kann uns auch niemand rauben,
dazu gibt es keine Macht!
Und in diesem festen Glauben,
so blicken wir zu euch hinauf -
läutet, ihr Glocken, läutet,
und höret nimmer auf!
Nach diesem letzten Vers versagte Mamas Stimme, und Tränen kullerten über ihre bleichen Wangen. Sie streichelte zärtlich die Haare meiner Schwester, und sah zu uns herüber - und wieder bemerkte ich tiefe Verzweifelung in ihrem schönen Gesicht.
Wir wussten nicht, was wir sagen sollten. Mama hatte ihr Gedicht mit ruhiger, leicht vibrierender Stimme ohne Pathos vorgelesen, und dennoch waren wir zutiefst beeindruckt von der schlichten Schönheit ihrer Verse.
Als wir bald darauf zu Bett gingen, lag ich noch lange wach ...
Ich wünsche euch allen vergnügliche, erhölsame Feiertage, und ein besseres Neues Jahr .2026..
Lieber Kurt, auch wenn deine Geschichte von Weihnachten 1948 schon vor 77 Jahren so abgelaufen ist, rührt sie immer noch sehr an und lässt immer noch große Wehmut über die vorangegangenen Ereignisse aufkommen. Wehmut bei Menschen, die ein ähnliches Schicksal in ihren Familien erlebten, oder wie bei mir, liebe Menschen hatte, die ähnlich so betroffen waren. Unsere schnelllebige Zeit versetzt uns, leider oder Gott sei Dank, in die Lage, vieles aus unserem Leben zu vergessen oder zu verdrängen. Und die nachkommenden Generationen haben ihre eigenen Probleme. Dennoch ist es immer wieder wichtig und notwendig, gerade für die Zukunft, solche Zeiten in Erinnerung zu rufen. Vielleicht können dadurch Wiederholungen vermieden oder verhindert werden. Obwohl leider meist jeder Mensch seine eigenen Fehler macht.
Mit großem Respekt spreche ich deshalb meine Hochachtung und meinen Dank vor dir aus, wie du mit viel Hingabe und Einsatz hier im Thema „Lachen uch Nodinken“ die Leser erheiterst und aufmunterst. Wie ich schon mal erwähnt habe, ist dieser Bereich in unserem Diskussionsforum eine „Oase des Friedens und der Freude“ , was leider in den auch noch gängigen, anderen Themen nicht immer der Fall ist. Dein feiner und manchmal auch „schlitzohriger“ Humor ist der gute Geist, der hier großen Einfluß auf das hier herrschende „Klima“ hat. Ich denke, ich spreche im Sinne aller hier mitlesenden Teilnehmer, wenn ich den Wunsch ausspreche: Möge dir noch lange vergönnt sein, uns hier mit Humor und Witz zu unterhalten. Auch ich wünsche dir und allen Lesern und euren Lieben ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, uns allen ein friedliches, gesundes und zufriedenes Neues Jahr 2026
Mit großem Respekt spreche ich deshalb meine Hochachtung und meinen Dank vor dir aus, wie du mit viel Hingabe und Einsatz hier im Thema „Lachen uch Nodinken“ die Leser erheiterst und aufmunterst. Wie ich schon mal erwähnt habe, ist dieser Bereich in unserem Diskussionsforum eine „Oase des Friedens und der Freude“ , was leider in den auch noch gängigen, anderen Themen nicht immer der Fall ist. Dein feiner und manchmal auch „schlitzohriger“ Humor ist der gute Geist, der hier großen Einfluß auf das hier herrschende „Klima“ hat. Ich denke, ich spreche im Sinne aller hier mitlesenden Teilnehmer, wenn ich den Wunsch ausspreche: Möge dir noch lange vergönnt sein, uns hier mit Humor und Witz zu unterhalten. Auch ich wünsche dir und allen Lesern und euren Lieben ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, uns allen ein friedliches, gesundes und zufriedenes Neues Jahr 2026
Lieber Nimrod,
ich danke Dir ganz herzlich für diese Deine mir zugedachten inhaltsreichen, überaus wohlgestalten Worte! Es ist mir immer noch etwas peinlich, weil ich einfach nur tue, wonach mich gelüstet - freue mich aber umsomehr, wenn ich an den Abrufen erkenne, dass viele Leser meine Geschmäcker teilen ;-))...
Es ist nicht immer einfach, sich der zudringlichen Musen zu erwehren, besonders wenn sie einem die Nacht zum Tag machen – da vergeht oftmals der Koralle das Lachen ...
Dein abschließender fetter Wunsch an K.H.B., auch weiterhin am blau-roten Pila zu bleiben, wird auch künftig mein Leitspruch bleiben – versprochen ;-))) !!
ich danke Dir ganz herzlich für diese Deine mir zugedachten inhaltsreichen, überaus wohlgestalten Worte! Es ist mir immer noch etwas peinlich, weil ich einfach nur tue, wonach mich gelüstet - freue mich aber umsomehr, wenn ich an den Abrufen erkenne, dass viele Leser meine Geschmäcker teilen ;-))...
Es ist nicht immer einfach, sich der zudringlichen Musen zu erwehren, besonders wenn sie einem die Nacht zum Tag machen – da vergeht oftmals der Koralle das Lachen ...
Dein abschließender fetter Wunsch an K.H.B., auch weiterhin am blau-roten Pila zu bleiben, wird auch künftig mein Leitspruch bleiben – versprochen ;-))) !!
Lieber Kurt, hat mich sehr berührt deine Erzählung!
ich kenne ähnliche sehr gut.
Den Engeln der Weihnachtszeit sei dieses Gedicht gewidmet.
Engelleuchten
Engel leuchten
im Schatten der Lichter
im Flackern der Kerzen
in Plätzchen und Puntsch.
Im Strahlen der Kinderaugen
beim Anblick des Geschenks:
Engelleuchten!
ich kenne ähnliche sehr gut.
Den Engeln der Weihnachtszeit sei dieses Gedicht gewidmet.
Engelleuchten
Engel leuchten
im Schatten der Lichter
im Flackern der Kerzen
in Plätzchen und Puntsch.
Im Strahlen der Kinderaugen
beim Anblick des Geschenks:
Engelleuchten!
Um Beiträge zu verfassen, müssen Sie sich kostenlos registrieren bzw. einloggen.




