Helmuth Zink



Helmuth Zink

Helmuth Zink

Geboren 1963 in Großschenk, LKW-Fahrer, Aussiedlung 1990, wohnt in Perkam bei Straubing. Veröffentlichungen auf www.siebenbuerger.de, Ortschaft Großschenk.





De Schoinker Spriuch

De Schoinker Sochsen, siut em het,
dä sen oalle sëihr geschett.
Bä den Schoinkern, wonn em esu checkt,
hoadden de Fraan uch de Meänner en oijanen Dialekt.
Zem Bewaindern woren dä Schoinker Let,
dot kenn ich ech erzäihlen het.
Wonn em Schoinkeresch wäol lëihren,
mosst em dot vill praktizëiren,
denn norr esu, kenn ich ech siun,
kaind em dä Spriuch demm uch verstiuhn.
Noch beviur em än der Schuil feng un ze lëihren,
kaind em of zwiu Spriuchen hëiren.
Driun lëihrt em noch Bleesch, Russesch, Englesch, Fremzuisesch uch Detsch.
Demm kaind em aollent verstiuhn, wonn äm Dorf esu liëff en Match.
Norr Schimpfen, dot gow et än iënner Spriuch:
Dot hu mer gelëihrt norr vun de Bliuch.
Zem Ainderschoiden git et nea,
eäs et vum Menn, odder eäs et vun der Fraa.
De Meänner griëssen: „Zeaus, eh, ma’ Fraind!“
De Fraen: “Servus, ta, wot dan de Kaind?“
De Meänner den Pali eowenkippen,
de gang Fraen gengen läwer pippen.
De Fraa rëid woich, doch wot sä siut,
dot stëiht äm schoinkreshen Statut.
De Meänner kraischen hoart eram,
doch wonn de Fraa kitt, stiuh se stramm.
Ointen kenn ich ech het siun:
Bä är Villen hoadden de Fraen de Huisen un.
De Fraa, der Kommandant äm Haus,
kemmt sich diu mät oallem aus.
Der Menn geng oarbeden deram,
damät e derhoim de Famäili fittert … uch de Schwann.
De Kaind derhoim vill healfe kiënnen.
damät sä demm spille giuhn uch riënnen.
„Gonk, bronn schnel Holz uchWasser, Kaind!“ –
„Hëirscht tea, wot dan Mutter siut? Verschwaind!“ –
„Jchea, ja, ech hu gehuirt, Tata,
wot sä hot gesiut, de Mama.“ –
„Äm Schwainsstoall mässt tea puitzen het
uch zweäschen den Runkeln ausraißen det Krett.
Wuonn tea diu fertich beäst, demm goihst te wetter,
goihst of de Hill und huilst de Giëtter!“ -
„Host tea de Reppen, den Zalot uch Bruit
an de Kaller gedrun zer Nuit?” –
„Dot hun ich längst hainder mer, geweäss;
säch, dir wickelt dan Gebeäss!“ –
„He, Raper, säch und so niët frech,
sonst verbrähn ich dich nea glech!“ -
„Luß en zefridden, ech verschoffe mer schun Reschpäkt.
Uch wonn de Haindsmäck en gäckt,
mäsch ta dich net än, wonn ech äst sun,
demm verstoiht hoi dot demm schun!“ –
 „Et eäs schun geat, hoi sol norr lëihren,
Hoiftsoch eäs, e sol of es hëiren.
Ech beän na hangerich; tea, wot git et het?
Heost te noch Paleckes odder Krett?“ -
„Det Floisch, dot kennt ir het vergeßen,
det Iwrichbliwaint mess’n mer eßen;
demm oint, zwee ginn ich ech en Rat:
Säht, datt er verschwaind änt Bat,
denn morre frah, mess ich ech sun,
messe mer alle schnel ofstuhn.“
Parëiren hä e jeder miëss,
sonst git et muorren neche Griëss.
Esu geng et zea äm Schoinker Duorf,
bäs der onn uch der emder hoisch hiëmlich stuorw.
En no Generation, dot siun ech nur,
Iwernumm demm de Schoinker Spriuchenkultur.
Muntsch ald enner doinkt noch zeräck,
wuonn e geng iwer de Haindswainkelbräck,
wiu em dä Verstorwannen begloit
än Trauer uch äm gruißen Loid.
Woi of dëin Hijjel kum demm oist,
wor vun oallem dem erloist.
Der Reäst der Schoinker Sochsen, dä
sen zesummekunn und seätzen hä
und hëiren zea, wot ech en siun,
wä em derhoim hoatt sich ze bedriun.
Woi bä den Olden ainden parëirt,
wor fuir san Läiwen demm dressëirt.
Ech wall na hëire, wot ir sut:
Hot sich emmest villecht hä beklut?
Ech hoffen norr, vun oall den Spruuchen
huet ir bestämmt gelëihrt net norr Fluchen.
Denn Schoinkeresch äs en oijan Spruuch,
wot mir geredt hun zwäschen den Bluch.
Esu verliëff det Lëiwen än Schoink
bäm Purz, bäm Melzer, bäm Herbert uch bäm Zoink.

Wot kenn ich ech zem Schloass noch siun?
Long blaiwt dess Spriuch niëmmoih bestiuhn,
Än haindert Giuhren wid niëmmend moih äest wäessen,
demm äs as Spriuch bestämmt vergëißen.
Norr äm Archiv wid em demm äest noch fainden
durch as Kaind uch Kaindeskainden.
Demm äs as gämz Kultur verschwainden.
Än Detsch uch Englesch wid em kommunizëiren,
und Schoinkeresch wid em niëmmoih hëiren.
Uch mir hä kiënnen ze asem Härrgott norr bëiden,
datt mer Schoinkeresch torften rëiden.
Ech siun ich norr noch: „Blaiwt gesaind,
ir läw Gruißschoinker Kaind!“

Dank des Lautsystems ist die m – n – Entsprechung in der Schoinker Spriuch leicht erschließbar (demm = dann). Reppen meint die Kartoffeln, während die Rüben Runkeln heißen. Aus dem Runkelfeld muss das Krett (Unkraut) entfernt werden; hingegen isst man gekochtes Krett (Kraut/ Kohl) gern. Raper – Lausbub /Schmutzfink wollte man als Kind wohl lieber nicht genannt werden. Und statt wie die Männer verkürzt „Zeaus!“ zu grüßen, sagen Frauen sowieso unverkürzt „Servus!“ Unterschiedliche Lautformen je nach dem Geschlecht der SprecherInnen gibt es u. A. auch bei Spriuch - Spruuch (Sprache).



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