P. Beiersdorf & Co. Aktiengesellschaft

P. Beiersdorf & Co. Aktiengesellschaft
BrancheIndustrie - Kosmetische Artikel
GesellschaftP. Beiersdorf & Co. Aktiengesellschaft
WertpapierartIndustrie - Kosmetische Artikel
AusgabeortAktie - 1.000 Reichsmark
Ausgabedatum12.1941
DruckereiW. Gente - Hamburg
Abmessungen297 X 210

Was hat diese Aktie des renommierten Hamburger Kosmetikunternehmens mit Siebenbürgen zu tun ?

Die Geschichte des heute in allen Erdteilen vertretenen und bekannten Konzerns ist eines der spannendsten und interessantesten Kapitel neuzeitlicher Wirtschaftsgeschichte. Als Gründungsvater gilt der märkische Apotheker Paul C. Beiersdorf, der sich nach unterschiedlichsten Tätigkeiten in Moskau, Berlin, Bärwalde und Grünberg in Schlesien im Jahre 1880 in Hamburg als Apotheker niederließ. Es war eine glückliche Fügung, daß Beiersdorf kurze Zeit später die Bekanntschaft des Paul Gerson Unna machte, der einer der berühmtesten Dermatologen Deutschlands werden sollte. Der Pioniergeist und die Hartnäckigkeit der beiden führte zur Entwicklung der medikamentösen Pflaster, die unter dem Markennamen Guttaplaste erstmals erfolgreich eine exakte Therapie von Hautkrankheiten ermöglichten. Das Kaiserliche Patentamt in Berlin erteilte Beiersdorf am 28. März 1882 das Patent für dieses neue Produkt. Dieses Datum gilt auch als Gründungsdatum der Firma, die zunächst ein bescheidenes Laboratorium dermato-therapeutischer Präparate war. Der durch Selbstmord eingetretene Tod von Beiersdorfs ältestem Sohn löste beim Gründer einen schweren Schock aus. Er verkaufte seine Firma 1890 dem jungen schlesischen Apotheker Dr. Oscar Troplowitz zum Preis von 60.000 Mark. Im Oktober desselben Jahres übernahm Troplowitz die Firma gegen Zahlung weiterer 10.000 Mark als Alleininhaber. Beiersdorf befasste sich in seinem Altonaer Privathaus weiterhin mit pharmakologischen Aufgaben, verlor sein gesamtes Vermögen durch Manipulationen eines Bauspekulanten und setzte seinem Leben im Jahre 1896 durch Einnahme von Gift ein jähes Ende.

Dr. Oscar Troplowitz schritt nun mit unternehmerischer Weitsicht daran, das erworbene Unternehmen auszubauen und erfolgreich in die Zukunft zu führen. Bereits 1892 erwarb er in Eimsbüttel ein 1.200 qm großes Grundstück und ließ darauf das neue Fabrikationsgebäude und ein Wohnhaus errichten. Gleichzeitig erweiterte er die Produktpalette und schuf die Zahnpasta. Als nächstes erwarb er von Thomas Douglas eine Seifenfabrik und erweiterte wiederum die Produktpalette mit Pomaden, Mundwasser, Rasierseife und dem Lippen-Pflegestift Labello. Mit dem Kauf der Eucerin-Fabrik in Aumund bei Bremen im Jahre 1911 wurde die Grundlage zur Herstellung der NIVEA-Creme geschaffen. Parallel zu den Aktivitäten in Deutschland wurden auch Schritte zur Eroberung des Weltmarktes unternommen. 1892 kam ein Exclusiv-Vertrag für die USA mit der New Yorker Firma Lehn & Fink zustande. Ab 1898 war das Unternehmen mit seinen Produkten in der Donaumonarchie vertreten, 1909 wurde über Lehn & Fink auch Kanada in den Vertragsbereich einbezogen. Ab 1906 erfolgten Lieferungen über ein Zwischenlager auch nach Großbritannien. 1914 wurde in Wien eine eigene Ges. m. b. H. gegründet, bei Beginn des ersten Weltkriegs bestanden Produktionsstätten für Beiersdorf-Produkte in Kopenhagen, Paris, Moskau, New York, Mexico, Buenos Aires und Sydney. In weiteren 29 Ländern, darunter auch Rumänien, waren Vertretungen etabliert. Der Gesamtumsatz der P. Beiersdorf & Co. hatte sich im Zeitraum 1900 - 1912 fast verzwölffacht.

Troplowitz hatte, um das Arbeitspensum zu bewältigen, bereits 1903 seinen Schwager, Dr. jur. Otto Hanns Mankiewicz in die Unternehmensleitung berufen und nahm ihn 1906 als Teilhaber in die Offene Handelsgesellschaft auf. Die beiden so erfolgreichen Männer starben beide kinderlos und viel zu früh im letzten Kriegsjahr 1918, wodurch Frau Troplowitz die alleinige Inhaberin der Gesellschaft wurde. Die eigentliche Führung des Unternehmens übernahmen einige bewährte Prokuristen. Es wurde ein Beirat ins Leben gerufen. Zu seinen Mitgliedern gehörten u. a. Max M. Warburg und Dr. Carl Joseph Melchior, die Gesellschafter des Bankhauses M. M. Warburg waren. Das Unternehmen wurde in eine G. m. b. H. umgewandelt. Am 17. Februar 1920 wurde ein neuer Gesellschaftervertrag abgeschlossen. Der Anteil Frau Troplowitz´s, bestehend aus Grundstücken und Maschinen, wurde mit 2 Mio. Mark bewertet, das Bankhaus M. M. Warburg beteiligte sich mit 300.000 Mark und die übrigen Gesellschafter mit Beträgen zwischen 10 und 20 Tausend Mark. Die Geschäftsführung der GmbH wurde auf 5 Schultern verteilt, bei Dr. Willy Jacobsohn liefen fortan alle Fäden zusammen.

Die stark inflationären Jahre 1921 - 1922 ließen dem Unternehmen nur einen begrenzten finanziellen Spielraum. Eine Erhöhung der Einlagen der Gesellschafter war nur in geringem Umfang möglich. Vor diesem Hintergrund erschien die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft der einzig gangbare Weg, allerdings mußten noch komplizierte juristische Probleme aus dem Wege geräumt werden, wobei die G. m. b. H. zunächst erhalten werden mußte.

Die P. Beiersdorf & Co. AG wurde am 01.06.1922 gegründet, an die Spitze des Vorstands wurde Dr. Willy Jacobsohn berufen. Es gelang ihm, das Geschäft im Inland zu stabilisieren und 70 neue oder wesentlich verbesserte Produkte auf den Markt zu bringen. Trotz schwierigster Umstände politischer, juristischer und wirtschaftlicher Art gelang es ihm bis 1931 neun Tochtergesellschaften im europäischen Ausland zu gründen und zu etablieren.

Unter diesen Tochtergesellschaften befand sich auch die im Jahre 1926 im siebenbürgischen Kronstadt gegründete Beiersdorf & Comp. S. A. R., als deren Gründungsväter die Herren Karl Graf, Emil Ziegler und Otto Schwarz gelten. Das Aktienkapital betrug 4.000.000 Lei, der Gewinn des Jahres 1938 erreichte eine Höhe von 229.240 Lei, wobei die Gesellschaft in diesem Jahr 92 Mitarbeiter beschäftigte.

Diese Tochtergesellschaft entwickelte sich überaus positiv, existierte aber als Teil der deutschen Muttergesellschaft nur bis zum Jahre 1944. Der Einzug sowjetischer Truppen in Kronstadt führte auch in diesem Fall zur Beschlagnahmung feindlichen Vermögens. Nachdem die früheren leitenden Herren in den Westen geflohen waren ( Karl Graf nahm eine Stelle bei einem Wettbewerber in Deutschland an, während Otto Schwarz den Wiederaufbau der Salzburger Phanex Ges. m. b. H. im Sinne der Hamburger Beiersdorf-Zentrale leitete ), wurde in Kronstadt sowjetisches Führungspersonal eingesetzt, welches aber mangels Rohstoffen und Fachkenntnissen vor dieser Aufgabe scheitern mußte. Schon nach kurzer Zeit wurde die total abgewirtschaftete Produktionsstätte durch die Sowjets den rumänischen Behörden übergeben.

Die Leitung übernahm nun ein linientreuer rumänischer Kommunist und der äußerst fähige junge Diplom-Chemiker Albert Vogelfänger. Vogelfänger stammte aus Czernowitz und war Überlebender des Holocaust. Er knüpfte Kontakte in alle Welt, besorgte Rohstoffe, organisierte den Absatz auch im Ausland und führte das Unternehmen unter der Firmierung " Intreprinderea de produse cosmetice NIVEA - Brasov " mit großem Erfolg bis 1978. Er erlag einem plötzlich aufgetretenen Krebsleiden.

Das Unternehmen existierte weiter und wurde nach der politischen Wende von 1989 von dem Welt-Kosmetik-Konzern Colgate-Palmolive erworben. Unter diesem Markennamen werden heute am gleichen Standort in Kronstadt kosmetische Artikel für den rumänischen Markt hergestellt.

Das hier ausgestellte Werbeplakat der Kronstädter Firma wurde der Festausgabe zum hundertjährigen Bestehen der Kronstädter Zeitung vom 24.05.1936 entnommen.

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