Sind die siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburgen einzigartig in der Welt?

Referat von Michael Kroner

Vor meiner Aussiedlung aus Rumänien (1979) war ich der Meinung, dass siebenbürgisch-sächsische Kirchenburgen einzigartig in der Welt seien. Diesen Standpunkt habe ich auch in meinen Arbeiten geäußert. So schrieb ich in einem in der Zeitschrift "Volk und Kultur" (Bukarest, 1972) erschienenen Aufsatz unter anderem, dass es zwar auch sonst Kirchenburgen gebe, sie seien aber nirgends in der Welt so zahlreich und mit solcher Konsequenz zu einem geschlossenen System ausgebaut worden wie in Siebenbürgen. Darin bestünde ihre Einzigartigkeit. Dabei verwies ich auch auf das "Wörterbuch der Kunst" (Alfred Kröner Verlag Stuttgart, 1966), in dem Siebenbürgen als das eigentliche Verbreitungsgebiet der Kirchenburgen bezeichnet wird. die Bundesrepublik veröffentlichte ich in den "Südostdeutschen Vierteljahresblättern" (München, 1981) eine Stellungnahme mit dem provokativen Titel "Müssen wir unser Urteil über die siebenbürgischen Kirchenburgen revidieren?" Welches die Gründe waren, die mich zu dieser Fragestellung bewogen und ob sie berechtigt war, soll weiter unten dargelegt werden.
Worauf sich meine Einschätzungen über die Einzigartigkeit der siebenbürgischen Kirchenburgen gründeten, weiß ich nicht. Dazu beigetragen hatte sicherlich das Buch des rumänischen Kunsthistorikers George Oprescu " Bisericile cetati ale sasilor din Ardeal" (Die Kirchenburgen der Siebenbürger Sachsen, Bukarest, 1956), in dem er sich lobend über die Kirchenburgen und die Sachsen äußerte. Er schrieb, dass es zwar auch in anderen Teilen Europas Wehrkirchen gebe, sie hätten aber ausser in Siebenbürgen "nirgends aus zwingender Notwendigkeit...solche Ausmaße angenommen", nirgends fände man so "geistvolle Kombinationen". "Die Kirchenburg" so Oprescu weiter, " ist nämlich nicht eine kleine unbedeutende Variante der katholischen oder lutherischen Kirche ihrer Zeit, sie ist eine neue architektonische Schöpfung, monumental, originell und vielgestaltig, die in dem weiten Bereich mittelalterlicher Kunst ein Eigenleben aufweist". Und an anderer Stelle fügt er hinzu: "Die Kirchenburg, diese kühne und eigenartige Schöpfung der Siebenbürger Sachsen, wiederspiegelt deren Haupteigenschaften. Sie ist Ausdruck ihrer Energie, ihres Standhaften Charakters, ihrer Tüchtigkeit, des Gemeinschaftssinnes, der diesen Stamm des deutschen Volkes kennzeichnet". Diese Worte aus dem Munde eines prominenten, rumänischen Fachmannes - Oprescu war Mitglied der Akademie der Wissenschaften Rumäniens - haben damals unser Selbstvertrauen nach den kommunistischen-nationalistischen Demütigungen der Nachkriegsjahre gestärkt. Das Buch erschien zu einem Zeitpunkt, als auch sonst eine Belebung des deutschen Kulturlebens in Rumänien im Gange war. Unter Berufung auf die genannte rumänische Autorität erschien in den Folgejahren, vor allem in der neugegründeten Kronstädter "Volkszeitung", eine Reihe heimatkundlicher Beiträge über Kirchenburgen, wobei allgemein die Meinung herrschte, dass die siebenbürgische Kirchenburgenlandschaft einzigartig sei. Dieser Meinung habe ich mich gerne angeschlossen. Nach meiner Aussiedlung nach Deutschland hatte ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter des "Germanischen Nationalmuseums" in Nürnberg Gelegenheit, eine umfangreiche kunstgeschichtliche Fachliteratur einzusehen, die meine Ansichten über die siebenbürgischen Kirchenburgen ins Wanken brachten. Bald stellte fest, dass in meiner neuen mittelfränkischen Heimat in der Umgebung von Nürnberg in fast jeder Gemeinde eine Kirchenburg steht oder stand. Außerdem hatte ich als Bundesbürger durch Bildungsreisen die Möglichkeit, meinen allgemeinen kunsthistorischen Horizont zu erweitern, was dazu beigetragen hat, dass ich meinen transsylvano- und saxonozentrischen Blickpunkt aufgegeben habe. Was die Kirchenburgen betrifft, ergaben meine Recherchen, dass der Glaube, sie seine einzigartig in der Welt, so nicht aufrechtzuerhalten ist. Wie ist es aber zur Bildung dieser Meinung überhaupt gekommen? Ich glaube die Erklärung dafür geben zu können.
Die Siebenbürger Sachsen haben frühzeitig durch Veröffentlichungen auf ihre Kirchenburgen aufmerksam gemacht. Bereits 1857 erschien von Friedrich Müller in den "Mitteilungen der kaiserlich-königlichen Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Denkmale" (Wien) eine ausführliche Abhandlung über die, wie er sie damals nannte "Verteidigungskirchen" der Siebenbürger Sachsen. Ins Bewusstsein der Fachwelt gelangten aber die Kirchenburgen erst nach 1900, zunächst durch die reichbebilderte Mappe von Emil Sigerus "Siebenbürgisch-sächsische Burgen und Kirchenkastelle", von der in den Jahren 1900 bis 1923 fünf Auflagen herausgebracht wurden. Durch weitere Veröffentlichungen, wie die "Geschichte der deutschen Baukunst in Siebenbürgen" (Straßburg, 1905) und "Die deutsche Kunst in Siebenbürgen" (Berlin, 1934), beide von Victor Roth, die Arbeiten von Hermann Phleps, Gustav Treiber und andere Beiträge der Zwischenkriegszeit, gingen die Kirchenburgen in die deutsche Kunstgeschichte und durch publizistische Aufsätze in das Bewusstsein breiter Kreise des deutschen Sprachraumes ein. Dazu hatte auch beigetragen, dass während des Ersten Weltkrieges zahlreiche Angehörige des deutschen Heeres Gelegenheit gehabt hatten, die siebenbürgisch-deutschen Baudenkmäler kennen zulernen. In den dreißiger Jahren lieferte Walter Horwath baugeschichtliche Untersuchungen über die mittelalterlichen Kirchen Siebenbürgens, die zuerst in Fortsetzungen in den "Kirchlichen Blättern" und dann zusammengefasst 1940 in einem Buch erschienen. In keiner dieser Darstellungen ist davon die Rede, dass die siebenbürgischen Kirchenburgen durch ihre Bauart und Dichte einzigartig in Europa seien. Zieht man gar Georg Daniel Teutsch zu Rate, stellt man fest, dass er in dem ersten Band der "Geschichte der Siebenbürger Sachsen" (von 1852 bis 1925, 4 Auflagen), der fast 600 Seiten zählt, den Kirchenburgen weniger als eine Seite widmet. Friedrich Müller meinte in dem vorher genannten Beitrag, "es wäre nicht uninteressant zu erfahren, ob in irgend einem anderen Grenzlande mit deutscher Bevölkerung diese Erscheinung (gemeint sind die Kirchenburgen) sich finde". Der "Kirchenstyl" dieser Bauwerke, so Müller, sei insoweit original, d er " ein organisches Produkt der speziellen Zeitverhältnisse und der Natur des Volkes sei, in dessen Mitte sich seine Repräsentanten noch so zahlreich fänden". Einen architektonischen Kunstwert hätten sie nicht. Die genannten Nachfolger Friedrich Müllers jedoch haben die Kirchenburgen als kunsthistorische Bauwerke behandelt und in die Reihe der wertvollen siebenbürgischen Kunstwerke eingeordnet. Da zu gleicher Zeit in Deutschland die Dorfkirchen von den Kunsthistorikern ignoriert wurden und den Heimatkundlern überlassen blieben, erwarben sich die siebenbürgischen Kirchenburgen einen hohen Bekanntheitsgrad beim deutschen Publikum. Der fränkische Kunsthistoriker Wilhelm Funk schrieb im Jahre 1932 einleitend in einem Artikel über fränkische Wehrkirchen: " Die Kirchenburgen in Siebenbürgen sind berühmt durch ihre prächtig erhaltenen Befestigungsanlagen. Dass es aber auch in unserer engeren Heimat Franken sehr schöne Beispiele gibt, ist weniger bekannt."
Dieses Franken ist jetzt meine Heimat und mein Betätigungsfeld, so dass ich aus unmittelbarer Anschauung und aufgrund von beruflichen Forschungsaufträgen Funks Ansichten teilen kann. Zum Unterschied von Siebenbürgen, wo in vielen Fällen auch das Gotteshaus wehrhaft ausgebaut wurde, beschränkt sich in Franken die Wehrhaftigkeit meistens nur auf Ringmauern mit Türmen und auf den Glockenturm der Kirche. Auch sind die fränkischen Wehrkirchen nicht so gut erhalten; man bezeichnet sie oft als umwehrte Friedhöfe.
In Unterfranken gibt es eine Vielzahl von sogenannten "Gadenburgen", d.h. Wehrkirchen mit an der Innenwand der Ringmauern angebauten Vorratskammern, wie sie auch vielerorts in Siebenbürgen bekannt sind.
Im Jahre 1937 veröffentlichte Wolfram Frh. Von Erffa ein Buch über die "Dorfkirche als Wehrbau" in Württemberg. Im Vorwort heißt es: " Sprach man in den fünf Jahren, in denen diese Arbeit heranreifte, über befestigte Kirchen, so waren es gar nicht nur Laien, die eine Befestigung von Kirchen in Württemberg bezweifelten und nur die Wehrkirchen in Siebenbürgen gelten ließen, nachdem diese durch die Tagespresse zum allgemeinen Bildungsgut geworden waren." Erffa konnte in seinem Buch nachweisen, dass es in Württemberg nahezu 400 Wehrkirchen gegeben hat, von denen sich damals, also 1937, noch 158 erhalten hatten.
Die Meinung über die einseitige Zurkenntnisnahme der siebenbürgischen Kirchenburgen teilte auch Karl Kolb in seinem Buch über die "Wehrkirchen in Franken" (2. Auflage, 1977). Durch die Publizistik, so Kolb, sei der falsche Eindruck vermittelt worden, als ob es sich bei den siebenbürgischen Kirchenburgen um ein auf eine Landschaft beschränktes Phänomen handle. Dieses Bild sei auch von Kunstlexika übernommen worden. Man habe jedoch nicht in Betracht gezogen, dass vielerorts Kirchen zerstört oder umgebaut wurden und heute in ihrer ursprünglichen, wehrhaften Form nicht mehr zu erkennen sind. Die Dorfkirchen seien zudem außerhalb Siebenbürgens von der Forschung lange Zeit stiefmütterlich behandelt worden, das Interesse der Kunstgeschichte habe allzu lange bloß den großartigen Schöpfungen der Romanik und der Gotik mit ihren Prachtexemplaren an Basiliken und Kathedralen gegolten. Das habe den Eindruck entstehen lassen, als ob es in Europa gewisse Schwerpunkte des Wehrkirchenbaus gebe. Diese Schwerpunkte seien aber ein künstliches Produkt der Forschung. Oder ganz kühn formuliert: überall dort seien Kirchenbefestigungen entdeckt worden, wo sich jemand dafür interessiert habe. Man könnte folglich, betont Kolb, aus den erhaltenen befestigten Kirchen keine gültigen Schlüsse über deren Verbreitung, am allerwenigsten über regionale Häufigkeit sprechen.
Es scheint tatsächlich so zu sein. Im Jahre 1990 erschien ein Büchlein von Edmund Zöller und Hermann Dallhammer, das im Kreis Ansbach nicht weniger als 63 Wehrkirchen identifiziert. Es folgten 1992 und 1993 zwei weitere Büchlein von E. Zöller, in denen er Reiserouten für eine "Fränkische Wehrkirchenstraße" unterbreitet, ähnlich der Bocksbeutel- und der Weinstrasse.
Was jene Kirchenburgen betrifft, die uns hier speziell interessieren, behauptet Kolb sogar: " Wenn es ein Land gibt, das durch die Zahl und Größe seiner Burgen und befestigten Kirchen besonders herausgestellt zu werden verdient, dann ist es nicht Siebenbürgen, sondern Frankreich." Er weißt darauf hin, dass sich allein im Süden Frankreichs 360 solcher Wehranlagen befinden, während in der Thierache, einem kleinen Landstreifen von 70 km Länge und nur 30 km Breite im Norden Frankreichs, 65 befestigte Kirchen stehen." Derselbe Verfasser hat 1983 eine reichbebilderte Dokumentation unter dem Titel "Wehrkirchen in Europa" veröffentlicht. Er stützte sich dabei auf eine umfangreiche Literatur, die mittlerweile den Wehrkirchenbau Europas ans Licht gehoben hat. Diese Arbeiten machen deutlich, dass die Wehrkirchen oder Kirchenburgen ein gesamteuropäisches Phänomen waren. Kolb führt Beispiele an aus Skandinavien, den britischen Inseln, Spanien, Portugal, Italien, Frankreich, Deutschland, der Schweiz, Österreich, dem ehemaligen Jugoslawien, der ehemaligen Tschechoslowakei, Ungarn, Siebenbürgen und der Moldau. Auch wenn Kolbs Kenntnisse über die landschaftlichen Verhältnisse, Größe und Dichte der Kirchenburgen Siebenbürgens empfindliche Lücken aufweisen, wird man mit einigen Abstrichen seinen allgemeinen Schlussfolgerungen doch zustimmen können.
Welches ist in dieser Frage der siebenbürgisch-sächsische Forschungsstand? Christoph Machat hat sich in einem Referat mit den "Wehrkirchen Siebenbürgens im europäischen Vergleich" (erschienen in "Forschungen zur Volks- und Landeskunde", 1978) befasst. Seien wichtigste Schlussfolgerung lautet: "Die siebenbürgischen Wehrkirchen und Kirchenburgen sind seit ihrer Entstehung Bestandteil des europäischen Wehrkirchenbaus, dessen Entwicklung sie bis in alle Einzelheiten nachvollziehen. Durch bessere, für uns glückliche Umstände vor Zerstörung gerettet, bewahren sie bis heute all das, was anderswo längst untergegangen ist. Zu ihrer baugeschichtlichen Bedeutung gesellt sich ihr dokumentarischer Wert, der bei solchem Formenreichtum auf engbegrenztem Raum durchaus den Anspruch auf Einzigartigkeit erheben kann."
Von den anderen kunsthistorischen Veröffentlichungen berücksichtigt Juliana Dancu-Fabritius am meisten den neuen Forschungsstand in dem Begleittext ihrer Mappe "Sächsische Kirchenburgen in Siebenbürgen" (1980). Der uns hier interessierende Kernsatz besagt: "heute ist man aufgrund zahlreicher, meist privater Initiative zu verdankender Einzelforschung, die - mosaikartig zusammengestellt- ein noch nicht lückenloses, aber bereits aufschlussreiches Bild ergeben, zur Erkenntnis gelangt, dass Wehrkirchen und befestigte Kirchhöfe eine gesamteuropäische Erscheinung sind und auch ebenso auch in den christlichen Gebieten des Nahen Ostens nachgewiesen werden können."
Hermann und Alida Fabini (in "Kirchenburgen in Siebenbürgen. Abbild und Selbstdarstellung siebenbürgisch-sächsischer Dorfgemeinschaften". Berlin, Leipzig, 1. Auflage 1991) und Walter Myss (in "Kunst in Siebenbürgen", Innsbruck, 1991) nehmen in ihren Veröffentlichungen die vorhin genannten Forschungsergebnisse zwar zur Kenntnis, versuchen aber gleichzeitig den siebenbürgischen Kirchenburgen im künstlerisch-ästhetischen und gemeinschaftsstiftenden Bereich eine Sondernote abzuringen. Fabini schlussfolgerte u.a. : "Die Kirchenburgen haben ausser mittelalterlichen Verteidigungsfunktionen noch 2 Dimensionen, die über das rein Zweckmäßige hinausgehen: Sie wurden von ihren Erbauern auch als Kunstwerk und als Darstellung selbstbewussten Gemeinschaftslebens geschaffen." Die Ergriffenheit, die jenen erfasst, der die Kirchenburgen kennenlernt, so Fabini weiter, beruht sicherlich zum großen Teil auf ihren ästhetischen Qualitäten. Bei Myss, der ein Zitat von Fabini seinem Kapitel über die bäuerliche Wehrbaukunst vorausschickt, heißt es: "Aus architektonisch-künstlerischer Sicht wurden die Kirchenburgen dadurch zu Kunstwerken, dass es ihren Erbauern gelang, die verschiedenen von der Ringmauer umschlossenen Bauwerke zu einem ästhetisch überzeugenden Ganzen zu vereinen. Die Kubisten in der Frühzeit unseres Jahrhunderts hätten ihre helle Freude an diesen kubenreichen Ensembles von verschiedenen Baukörpern gehabt. Tatsächlich git es wenige bauliche Gesamtkunstwerke des Mittelalters, in denen Kirchenbau und weltliche Wehrarchitektur zu einer so überzeugenden Einheit verschmolzen sind. Dazukommt das in einzelnen Beispielen wunderbar geglückte, durch kontrapunktische Komposition - hier blockhafte Würfelförmigkeit, dort ausschweifende Rundung, hier wandelhafte Geschlossenheit, dort sich öffnende Nischen zwischen den Wandpfeilern und unter den Stützbogen - gesteigerte Zusammenspiel verschiedenartiger Baukörper auf engstem Raum."
Ich gestehe ein, dass auch mich unsere siebenbürgischen Kirchenburgen aufs neue immer wieder beeindrucken, was mich bewog, zu ihrem besseren Kennenlernen in den letzten Jahren vier Studienreisen zu veranstalten. Trotzdem sehe ich in den Äußerungen der sonst sehr wertvollen Bücher von Fabini und Myss übertriebene, ästhetische Betrachtungen. Wird nicht aus romantischer Verklärtheit zu viel intelektualistische Phantasie und künstlerische Gestaltung in klotzige, bäuerliche Bauten hineininterpretiert?
Ich sehe die Sache so: Die befestigten und ummauerten Kirchen Siebenbürgens wurden als Zweckbauten (Gotteshaus und Verteidigungsanlage)errichtet, die nach Maßgabe der Mittel auch dem bäuerlichen Sinn fürs Schöne bauliche Gestaltungsmöglichkeiten boten, wobei durch die Kombination von Wehrmauern, Wehrtürmen und Wehrhaftmachung der Kirche durchaus malerische Anlagen entstanden. Trifft das aber nicht auch auf andere Dorfkirchen Europas zu? Sollten wir uns nicht vielmehr bemühen, die Gemeinsamkeiten mit dem gesamteuropäischen Wehrkirchenbau herauszuarbeiten? Reicht es für unsere Selbstbestätigung nicht aus, wenn wir ohne Überschwang darauf hinweisen, dass die siebenbürgische Landschaft durch die von Sachsen gegründeten Ortschaften mit ihren Kirchen und Burgen wesentlich geprägt worden ist? Dabei sollten wir nicht übersehen, dass im Jahr 1975 von den 182 in die Denkmalschutzliste Rumäniens aufgenommenen siebenbürgischen Wehrkirchen sich 56 im Szeklerland befinden.
Die Kirchenburgen Siebenbürgens gehören - und das ist unstreitbar - zu den bekanntesten historischen Denkmälern der Siebenbürger Sachsen, und da sie zum guten Teil besser als in anderen Teilen Europas sich erhalten haben, sind sie zugleich wertvolle Denkmalzeugnisse des allgemeinen Wehrkirchenbaus. Sie haben zudem für die Siebenbürger Sachsen in unserem Jahrhundert symbolische Bedeutung für die sich gegen Assimilierung wehrende völkische und kirchliche Gemeinschaft der Sachsen erhalten, als Zeugnisse ihres jahrhundertelangen Behauptungswillens gegen Widrigkeiten des ihnen auferlegten Schicksals in einer fremdvölkischen Umwelt.
Durch die Aussiedlung der Siebenbürger Sachsen sind die meisten evangelisch-sächsischen Kirchen verwaist. Es laufen zwar mittlerweile vielseitige Bemühungen, sie zu erhalten. Wir müssen aber realistisch bleiben. Ohne eine effektive Nutzung durch die jetzigen Bewohner ist ihre Erhaltung mehr als fraglich. Darüber kann kein Kirchenburgenkult hinwegtäuschen.

Michael Kroner

Quelle: "Siebenbürgisch-Sächsischen Hauskalender", hrsg. vom Hilfskomitee der Siebenbürger Sachsen, Jahrbuch 1997, S. 92 - 100

(Herzlichen Dank an Hans Reinerth, für die elektronische Erfassung dieses Textes)

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