Gut und Böse auf der Welt

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Kurt Binder
schrieb am 18.08.2025, 07:40 Uhr
Tierwohl

Kommt ein kleiner Barsch zu einem ausgewachsenen Altfisch herangecrawlt, der von Schwermut befangen unter einem Haufen Seetang gekauert lag und kläglich dreinsah.
“Hallo, Opa!“, grüßte der Kleine freundlich. „Warum bist du so traurig?“ Der Barsch blickte ihn aus seinen ausdruckslosen Fischaugen ungerührt an, und klagte:
“Seitdem ich zufällig zugesehen hab, wie einer von diesen gemeinen Anglern, unsren Todfeinden, einen Wurm ohne Betäubung auf den Angelhaken gespießt hat, krieg ich keinen Wurm mehr herunter!“
“Ja, aber was frisst du denn dann?“, fragte das arglose Bärschlein.
Dies war leider seine letzte Frage.
Kurt Binder
schrieb am 08.09.2025, 10:42 Uhr
Dialog

„Hast du schon gehört – Paula und Jonny haben sich getrennt!“
„Oh – aber hatten sie zu ihrer Partnerschaft denn nicht ein Abkommen getroffen?“
„Ja, schon - aber sie sind übereingekommen, davon abzukommen, weil diese längst überkommen sei, und weil sie miteinander nicht mehr auskommen!“
„Und ein erneutes aufeinander Zukommen wäre wohl – nicht möglich?“
“Nein – das wäre für beide unwillkommen!“


Kurt Binder
schrieb am 11.09.2025, 16:42 Uhr
Fliege-in-der-Suppe
Kleine Tetralogie in Limericks

„Herr Ober“, beschwert sich Kaluppe,
„eine Fliege schwimmt in der Suppe!“
Der Ober sodann:
„Ein Glück, dass sie‘s kann,
sonst bräuchte sie eine Schaluppe!“

„Herr Ober“, beschwert sich Paul Runken,
„eine Fliege schwimmt in der Tunken!“
Der Ober pariert:
„Dann sind garantiert
die andern bereits ertrunken!“

„Herr Ober“, beschwert sich Fritz Klein,
„eine Fliege schwimmt in dem Wein!“
Der Ober erklärt:
„Die kommt ins Dessert
zur Ausnüchterung hinein!“

„Herr Ober“, beschwert sich Max Keller,
„eine Fliege krabbelt im Teller!“
Der Ober, erschreckt:
„Das blöde Insekt -
mit Kraulen gehts doch viel schneller!“

Kurt Binder
schrieb am 30.10.2025, 08:47 Uhr
Poetischer Super-GAU

Kaffee am Morgen heilt Kummer und Sorgen,
hingegen am Abend, ist er weniger labend;
er versaut dir den Schlaf, dann kannst zählen die Schaf’ -
wenn du keine mehr hast, hast endlich Zeit für die Rast;
mach die Äuglein zu, und fröhne der Ruh’,
und der Kaffee am Morgen ............... (da capo al fine)
Kurt Binder
schrieb am 09.11.2025, 19:37 Uhr
Mit einuger Verspätung (wiederholt)


BeWandtnis
Gewissenskonflikt eines Symbols

Es stand einst eine starrsinnige Wand,
die seit Jahrzehnten stur und unverwandt
das frisch erblühte, stolze, junge Hüben
gar wehrhaft trennte von dem Feind des Drüben.

Doch sieh, das Hüben, es begann zu darben,
und als infolgedessen Menschen starben,
ermordet von den Hütern von den Übeln,
da kam die sture Wand sehr bald ins Grübeln.

Denn statt all den verheißenen Genüssen
erzitterte die Luft von Todesschüssen,
die Menschen, die an Glück in Freiheit glaubten,
stets hinterrücks ihr junges Leben raubten.

Und als sie sich als Trennsymbol erkannt,
in Selbstgefälligkeit total verrannt,
bemerkte sie, dass sie bis heut verstört
getrennt hat, was zusammen doch gehört.

Nun ward sie zwar des Trennens überdrüssig,
doch ohne Trennbestimmung überflüssig,
denn wollte sie als Wand so fortbestehn,
dann musste ja das Trennen weitergehn.

Lehnt sie jedoch das Trennen künftig ab,
bedeute das für sie das Trümmergrab.
Und schwer bedrängt’ das innere Zerwürfnis
ihr dennoch starkes Existenzbedürfnis.

Doch als das Hüben immer mächt’ger grollte,
weil es partout zum andern Drüben wollte,
und Mauerspechte flink die Wand erklommen -
ward die Entscheidung ihr jetzt abgenommen.

Denn hämmernd schlug die Logik der Geschichte
die merkwürdige Illusion zunichte,
man könne hinter Stacheldraht und Mauern
ein Leben lang - in Freiheit überdauern.

So definiert sich jene Konstruktion
per se als zynisches Paradoxon.

Kurt Binder
schrieb am 13.11.2025, 10:52 Uhr
Erwache

Es ist die tiefere, wahre Weisheit heut,
wie’s aussieht nicht gerade dicht gestreut;
nur Auserwählte sein - hat man venommen,
von dieser Blindheit manchmal ausgenommen,
und vieles, was der Alltagsmüll bedeckt -
so manches Liebe, Gute frech entzweckt,
wenn man nach Geld sich bloß die Lippen leckt -
wird so, von Fall zu Fall stets neu entdeckt ...

Auch gilts, mit Herz und mit geschickten Händen
all die Banalitäten abzuwenden,
die unser lauteres Leben heut verrohen,
mit Unwerten uns zu ersticken drohen ...
Kurt Binder
schrieb am 03.12.2025, 12:59 Uhr
Aus dem Internet:

ISTANBUL, Türkei (AP) — Papst Leo XIV. besuchte am Samstag die berühmte Blaue Moschee in Istanbul, hielt aber nicht zum Gebet an, da er sich mehr auf die Stärkung der Beziehungen zu den orthodoxen Patriarchen und die Förderung mutiger Schritte zur Vereinigung der östlichen und westlichen Kirchen konzentrierte.

An jenem Tag war Istanbul völlig überfüllt mit Besuchern, die bei dieser Gelegenheit hofften, dem Papst zu begegnen – oder ihn zumindest zu sehen. Die Reporter befragten die Besucher ob ihrer Eindrücke von diesem seltenen Ereignis. Die Antworten der Befragten waren vielfältig, zumal aus den Absichten des Papstes auch eindeutige Friedensbemühungen zwischen den Völkern ersichtlich waren.
Neben den üblichen, zu erwartenden Antworten hob jedoch eine ab, die an Deutlichkeit, Vertrauen und klaren Vorstellungen alle anderen in den Schatten stellte.

Die Kamera näherte sich einem etwa 14-jährigen dunkelhaarigen Mädchen, welches den Kopf in neugieriger Erwartung verlegen lächelnd zur Seite neigte. Und als sie dann die von Routine geprägte Frage des Reporters vernahm, was sie von den Friedensbemühungen des Papstes hielte, verklärten sich ihre kindlichen Gesichtszüge, und mit leuchtenden, jedoch tränenden Augen erwiderte sie flüsternd:
“Aber – es ist doch so einfach, den Frieden auf allen Ebenen zu erlangen: Man reicht sich einen Apfel, schenkt sich ein Lächeln, umarmt sich ...“

Freunde - wenn die Friedenstaube als Allegorie des Friedens sprechen könnte - sie hätte keine verständlicheren Symbole zum Frieden in einem derart bildhaft schönen Zusammenhang aufzählen können, als es die Unschuld eines Kindes vermocht hatte ...
Maikind
schrieb am 10.12.2025, 06:26 Uhr
... in dieser bedrohlichen Welt in die wir uns bewegen
und Sorgen wieder wachsen...


Kinderseelen


Sie sind wie Sterne
am irdischen Himmel
wie das Licht am Horizont
sind das Leuchten aus dem Innen
Kinderaugen - bitte nicht zerbrich!

Sie sind wie Lauscher
in das Universum
Tiefen, die sich zeigen wolln
Sie verschließen sich dem Un-Nun
Kinderohren - bitte nicht zerbrich!

Sie sind wie Forscher
an des Schöpfers Habe
und die Neugier treibt sie an
Sie umarmen mit Hingabe
Kinderhände - bitte nicht zerbrich!

Sie sind wie Wandrer
durch die Wunderwelten
und sie scheuen auch die Höhlen nicht
unermüdlich, tanzend, stelzend
Kinderfüße - bitte nicht zerbrich!

Sie sind wie kleine
bunte Sonnenscheine
Frühling, wenn der Winter geht
wie Kristalle, klare, reine
Kinderseelen - bitte - bitte nicht zerbrich!
Kurt Binder
schrieb am 10.12.2025, 17:38 Uhr
Liebe Ute,

Dein Gedicht „Kinderseelen“ klang mir wie ein Liebeslied an unsre „Kleinen“ in der Seele, mit aller Rundum-Wertschätzung, die ihnen gebührt. Sie sind ja die Generation, der wir unsre Welt übergeben müssen – und das in einem möglichst heilen Zustand!
Wie es heute aussieht, werden dazu täglich wohlgestalte Zugeständnisse gedrechselt, doch die Realität spricht eine andre Sprache! Und genau im Banne dieser prekären Problematik haben wir uns, liebe Ute, vor mehreren Jahen kennengelernt!
Ich hatte damals ein paar spontane Gedanken in ein Gedicht (ohne Titel) gefasst, und es ins Forum gesetzt - erinnere mich aber nicht mehr, in welches Thema. Und da kam von einem gewissen Maikind die Anfrage, ob es dies Gedicht in „Lachen uch Nodinken“ hineinkopieren dütfe. Dank meiner Großmut durfte es – und hier ist das Corpus delicti, das mir den glücklichen Sprung in das für mich interessanteste Thema unseres Forums ermöglicht hat, und in dem ich mich bis heute pudelwohl fühle - danke, Ute ...

Dem Rhetor hinterm Rednerpult
ist Unweltschutz sakraler Kult.
Er tönt von Feinstaub, CO2,
von Abgas - und noch mancherlei.

So wettert er von früh bis spät,
dass unsre Welt versinken tät
durch unsre dumme Ignoranz
im Dreck, erst bis zum Hals, dann ganz,
bedächten wir uns nicht recht bald,
zu schonen unsren Regenwald.

In einer kurzen Quasselpause
schiebt er sich, quasi so als Jause
’nen Schokoriegel mit dem Daumen
zielsicher unter seinen Gaumen.
Das Packpapier schnippst er kokett
auf das gebohnerte Parkett.

Da drängt ein Kind sich durchs Gewühl;
es geht nach vorne und hebt still
vom Boden das Papierchen an -
und spricht zu dem perplexen Mann:

„Die Umwelt, Onkel, ist auch hier;
die deinige - gleich neben dir!“
Maikind
schrieb am 10.12.2025, 19:04 Uhr
Lieber Kurt
ganz sicher nicht mein Verdienst

ein Glücksfall, ja vielleicht
du hättest auch nein sagen können

ich bin immer dafür
ein geteiltes Glück ist soviel mehr wert
und es hat sich bisher
zigtausendmal vervielfältigt
wenn man nur die Besuche im Forum zählt

und wenn deine Texte auch nur einen Menschen, wirklich berührt haben,
so ist diese Welt um einen weiteren Menschen lebenswerter geworden

wie das Kind in deinem Text -
das hat verstanden.

Vielen lieben Dank an dich zurück ♡
Kurt Binder
schrieb am 28.12.2025, 16:19 Uhr
Ich sah die Schönheit

das Urbild der Schöpfung -
jungfräulich, makellos rein
zog sie mich in ihren Bann -
und ich öffnete mich,
nahm sie wahr,
denn ihr zu dienen
ward mein Lebenszweck ...

Doch sie verblasste,
verdunkelt von den Schatten
des vielerorts keimenden Bösen -
erstickt im höllischen Gifthauch
mordender Dämonen ...

Sternstunden der Macht,
wo Scheinheiligket
das Verbrechen adelt,
Massenmorde, statistisch erfasst,
als Erfolge verbucht werden,
vandalische Zerstörungen
donnernde Orgien feiern,
und zwischendurch pausenlos
von - FRIEDEN geheuchelt wird -
machen der Krone der Schöpfung
ihren Thron und königlichen Rang
endgültig streitig ...

Als Mensch zutiefst verletzt
glückte mir die Flucht ins ICH -
und aus der Tiefe der Katakomben
meiner wunden Seele
schimmerte ein Licht ...
Kurt Binder
schrieb am 08.01.2026, 13:48 Uhr
Der Mumpitz

Ein Mumpitz meldete ganz abgebrannt
sich arbeitslos bei einem Arbeitsamt,
weil ja auch Mumpitze sehr gerne hätten,
wie andre Leute auch, ein paar Moneten.

Der Schaltermann beäugte ihn erst bloß,
denn irgendetwas schien ihm sehr dubios;
bis heute nämlich war in der Kartei
noch niemals nie ein Mumpitz mit dabei.

Drum knurrte der Beamte ziemlich bos:
„Ein Mumpitz ist bei uns nie arbeitslos!
Ob Nonsens, Schnickschnack oder Firlefanz -
in unserm Staat hat jeder seine Schanz’!“

Und weil der Kerl sich nicht genierte,
zu sein, was nicht sein darf, und doch passierte,
hat er denselben äußerst dienstbeflissen
und kurzerhand sofort hinausgeschmissen.

Sogleich erschnupperte die Jurisprudenz
in diesem Fall ein lästig Präzedenz,
und somit ward der Ignorant aus diesem
vollkommenen Staate gänzlich ausgewiesen.

Ach ja, beinah vergaß ich es zu sagen:
Das, was beim Arbeitsamt sich zugetragen,
das war nicht etwa in Europa oder Asien -
nein, es begab sich jüngst erst in – Phantasien ...

Nimrod
schrieb am 08.01.2026, 17:03 Uhr
Reimen und dichten, um Streit zu schlichten !

Auch wenn wir hier dichten zu allen Zeiten,
lässt manchmal es sich nicht vermeiden,
ja lässt sich deshalb schon gar nicht nehmen
zu dichten auch bei den anderen Themen.

Da gibt es im Forum schon manchen Strauß
Entschärfend zu fechten dichtend aus.
Und deshalb soll sich niemand schaudern
Wenn es passiert beim „erlauchten Plaudern“

Und darum hoff ich, wie selten zuvor,
daß man ihn dort respektiert, den feinen Humor

Kurt Binder
schrieb am 11.01.2026, 18:50 Uhr
Prima, Nimrod – besonders den „feinen Humor“ sollte jeder in sich zum zweiten ICH reifen lassen ;-)) !
Der folgende Spruch in seltenen Hexameter ist allerdings nicht zum Lachen -

nor zem Nodinken

Wie soll man denn der reinen Schönheit Wurzeln kennen,
wenn täglich Unwerte ins Ohr und Auge rennen,
die, um den blassen Schein der 'Ordnung' zu erwecken,
dies strahlende Krystall des Ursprungs - überdecken?

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