Zukunft und Perspektiven der Deutschen Minderheit in Rumänien

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Johann
Erstellt am 17.11.2009, 15:21 Uhr und am 17.11.2009, 15:31 Uhr geändert.
@ Wienfried Ziegler

1. Das DFDR will sich auch gegenüber den "in Rumänien lebenden EU-Bürger deutscher Muttersprache, die aber keine rumänische Staatsbürgerschaft besitzen" öffnen.

Wie sieht es aus mit den in Deutschland ausgewanderten Siebenbürger Sachsen, die weder die rumänische Staatsbürgerschaft haben, noch diese Anstreben, ja nicht einmal einen zweiten Wohnsitz in Rumänien haben.
Können Sie auch im DFDR Mitglied werden, damit sie auch einen Beitrag zur Erhaltung unseres "sichtbaren Gepäck" in Rumänien leisten".

Die EKR hat diesem Personenkreis 2006 zumindest einen Sonderstatus eingeräumt.
So in einem Brief der EKR an die HOGs.

2. Wieso ist "eine Existenz als Siebenbürger Sachse oder Banater Schwabe" nur in Rumänien undd nicht auch in Deutshland, USA, Japan oder sonstwo möglich?

3. Wie stellt sich das DFDR eine "partnerschafltiche" Zusammenarbeit mit den OA ("Organisationen unserer Ausgewanderten") konkret vor?

hanshedrich
Erstellt am 17.11.2009, 15:33 Uhr und am 17.11.2009, 15:46 Uhr geändert.
Hallo Leute!
Klinke mich kurz ein in die Diskussion, um auch hier meine Bombenlast mit einem Haufen Links und sonstigen Infos abzuwerfen... ;-)
Ich bin derjenige, der die EAS-Tagung am Wochenende gefilmt und live gestreamt hat.

Habe das Material nun etwas geordnet, protokolliert und dadurch verdaulicher gemacht.
Eine Bedienungsanleitung zum Geniessen des Stremas findet ihr weiter unten! Nehmt euch kurz die Zeit dazu, denn es zahlt sich aus, mit gestreamten Videos umgehen zu lernen - fuer jetzt und fuer spaetere Anlaesse!

Servus allerseits und Gratulation an die Organisatoren der Tagung!

.......................

Hatte das Vergnuegen, am 13.-15.11. 2009 die Tagung in der EAS Neppendorf zu filmen zum Thema Zukunftsperspektiven der deutschen Minderheit in Rumaenien. Genauer gesagt war es ein LIVE-VIDEOSTREAM der gesamten Tagung (Beitraege + Diskussionen), der auch weiterhin im Internet verfuegbar ist und bleibt.

Die Aufnahmen ueber die 2-3 taegige Tagung koennt ihr euch hier komplett anschauen:
http://ustream.tv/channel/transylvania

Da USTREAM.tv eine intelligente Sache ist, enthaelt die Webseite Instrumente, mit denen man laengere Aufnahmen unterteilen kann in sog. HIGHLIGHTS (oder FOLGEN), denen man ausserdem noch schriftliche Kommentare hinzufuegen kann. Jedes Highlight bekommt ausserdem noch eine eigene URL, kann also direkt angeklickt werden! Das Ergebnis ist ein sehr benutzerfreundlich aufbereitetes "Medienprodukt", in dem man die fuer einen interessanten Information leicht und schnell auffinden kann. Aus einer langen Tagung wird somit eine Serie leichtverdaulicher Folgen / Haeppchen.

Einziges Manko bei USTREAM ist bisher die schwache Bild- und teilweise auch Tonqualitaet. Trotzdem ist das Endresultat der Aufnahmen verwendbar und somt fuer alle Freunde des Sachsentums potentiell von Interesse. In Zukunft wird das hoffentlich auch besser! Weswegen ich euch nun weiter unten die Links einfuege mit der Bitte, die Info moeglichst breit zu streuen (z.B. diese Email weiterleiten, auf Chats und Foren verbreiten, und AM BESTEN: die Videoscreens in diverse Blogs oder Webseiten einbetten. Der Code ist auf der USTREM-Seite zu finden!

Wuerde mich freuen, wenn die Verbreitung dieser Links ebenso intensiv und kooperativ geschehen wuerde wie das Erstellen der Aufnahmen und die aktive Teilnahme am Livestream der ca. 20 Internetzuschauer. (Es war eine sehr angenehme Erfahrung auch fuer mich, der das ganze ('ehrenamtlich') gefilmt hat, zu sehen, wie spontan und aktiv die Zusammenarbeit und Vernetzung und Verlinkung schon vor und waehrend der Filmerei funktioniert hat (Danke an Roger, Benny, Dirk, Winnie, Juergen Schiel sowie an die Tagunsgteilnehmer und Internetzuschauer bzw. Chatteilnehmer u.a.!!) Eine solch proaktive Vernetzung aller moegliche sibi-Webplattformen und Medien ist genial und auch extrem wichtig fuer den Zusammenhalt des juengeren Sachsentums...

...Und weil es so gut funktioneirt hat mit dem Uebertragen der Tagung, gibt es schon Plaene, auch weitere Tagungen und aehnliche Veranstaltungen in 7bg regelmaessig zu filmen und zu streamen, so dass man in Zukunft praktisch in Echtzeit daran teilnehmen kann.

Nun zu den Links

KANAL
1. [url=www.ustream.tv/channel/transylvania]www.ustream.tv/channel/transylvania[/url] - Das ist der Kanal auf dem die folgenden 6 Episoden der Tagung alle zu finden sind (unterm Screen die Thumbnail-Bilder anklicken)

2. EROEFFNUNG der Tagung am Freitag Abend (enthaelt 7 markierte und protokollierte HIGHLIGHTS. Geht mit dem Kursor aufs runde Symbol in der Timeline des Videoscreens und es erscheint das Kurzprotokoll zur betreffenden Episode/Highlight. Wenn euch die Episode interessant erscheint, klickt auf den Kreis in der Timeline und die Aufnahme startet genau ab dem Punkt. Wollt ihr was anderes sehen, klickt auf ein anderes Highlight usw.!)
http://www.ustream.tv/recorded/2547942

3. TAGUNG Samstag 14.11. vormittag (5 Highlights)
http://www.ustream.tv/recorded/2553874

4. TAGUNG Samstag 14.11. vormittag 2 (2 Highlights)
http://www.ustream.tv/recorded/2554277

5. TAGUNG Samstag 14.11. nachmittag - Vorstellung Thesenpapier (1 Highlight)
http://www.ustream.tv/recorded/2554803

6. TAGUNG am Samstag 14.11. nachmittag 2 - Diskussion THESENPAPIER (3 Highlights)
http://www.ustream.tv/recorded/2555055

7. TAGUNG SONNTAG 15.11. vormittag (2 Highlights)
http://www.ustream.tv/recorded/2562132

Das waer's. Die Links muessten funktionieren. Falls was nicht funktioniert, oder ihr Fragen habt, schreibt mir.

Servus an alle!
Uch nar de Geseangd!

Hans Hedrich
www.ecoreporter.ro

Winfried Ziegler
Erstellt am 17.11.2009, 18:00 Uhr
@ Johann

Herzlichen Dank für die Nachfragen, damit steigen wir nun auf Seite 4 des Themas in die inhaltliche Diskussion ein.

In dem Thesenpapier handelt es sich um Vorschläge, welche von seinen Autoren zur Diskussion gestellt werden. Es ist nicht eine offizielle Stellungsnahme des DFDR, sondern ist dem DFDR und den Regionalforen nach der Tagung vom vergangenen Wochenende zugestellt worden, um darüber zu diskutieren und zu befinden.

Zu 1. Im Forum gibt es seit 1990 eine vergleichbare Regelung mit jener welche in der EKR 2006 eingeführt wurde: die ausgewanderten Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben, etc. welche keine rumänische Staatsbürgerschaft mehr besitzen und den festen Wohnsitz in Deutschland haben, können eine Sondermitgliedschaft erhalten. Diese Mitgliedschaft beinhaltet die gleichen Rechte wie jene voller Mitglieder, abgesehen vom aktiven und passiven Wahlrecht.

In Rumänien hat das DFDR laut Gesetz den Status der organisierten Vertretung der Rumäniendeutschen Minderheit, sowohl in kultureller als auch in politischer Hinsicht. Die Genehmigung einer Vollmitgliedschaft ausländischer Staatsbürger ohne rumänische Staatsbürgerschaft (unabhängig ob aus Rumänien stammend oder nicht), welche keinen festen Wohnsitz in Rumänien haben, ist damit juristisch nicht zu vereinbaren und würde die Beibehaltung unseres Status sowohl in politischer Hinsicht (Vertretung in der Abgeordnetenkammer) als auch in kultureller (Kulturförderung aus dem rumänischen Staatshaushalt) unmöglich machen.

2. In dem Thesenpapier wird hinterfragt, ob eine „Existenz als Siebenbürger Sachse oder Banater Schwabe in Deutschland ebenso authentisch möglich“ ist wie in Siebenbürgen oder im Banat, es wird nicht behauptet, dass sie in Deutschland oder anderswo unmöglich sei.
Selbstverständlich ist diese Diskussion nur schwer objektiv zu führen, weil jeder von uns dazu eine sehr persönliche eigene Überzeugung hat. Trotzdem ist es so, dass in Deutschland zwei wesentliche Elemente fehlen, welche die Siebenbürger Sachsen bzw. die Banater Schwaben geprägt haben und prägen: erstens die Landschaft (dabei schließe ich auch die Dörfer und Kirchenburgen mit ein) und zweitens die Nachbarn (die Rumänen, Ungarn, Zigeuner etc.). Ohne diese Faktoren erfolgt die Weiterentwicklung der Identität zwangsläufig unterschiedlich. Darüber lässt sich natürlich weiter diskutieren.

3. Dazu, wie die zukünftige partnerschaftliche Zusammenarbeit konkret aussehen soll, haben wir kein Modell ausgearbeitet, dass muss logischer Weise gemeinsam geschehen. Wir befinden uns jedoch gewiss auf dem richtigen Weg, wenn wir bedenken, dass das Siebenbürgenforum (DFDS) schon lange Mitglied der Föderation der Siebenbürger Sachsen ist, und die Föderation gerade in diesem Jahr Mitte September in Hermannstadt im Forumsgebäude ein Büro eröffnet hat. Es war uns ein Anliegen zu unterstreichen, dass „der partnerschaftliche Dialog und Informationsfluss weiter intensiviert werden“ sollte.

Schreiber
Erstellt am 17.11.2009, 19:43 Uhr und am 17.11.2009, 19:46 Uhr geändert.
in dem Thesenpapier steht dazu wörtlich:

"Andererseits hat sich aber auch ein Klima herausgebildet, in dem beide Seiten das Ausgewandertsein als selbstverständlich gelten lassen, so als sei eine Existenz als Siebenbürger Sachse oder Banater Schwabe in Deutschland ebenso authentisch möglich wie in Siebenbürgen oder im Banat, ja, vielleicht sogar noch authentischer (bezeichnend ist der zunehmend zu beobachtende Wechsel in der Redeweise von „alter Heimat“ zu „Herkunftsgebiet“). Diese Fehleinschätzung von Heimatverbundenheit gilt es, freundlich aber deutlich zu entmythologisieren. Mit den OA sollten wir DR uns über die unterschiedliche Wertigkeit siebenbürgisch-sächsicher bzw. schwäbischer Existenz hier bzw. dort verständigen und im Dialog eigenständige Wertkategorien artikulieren".

Die Auffassung, es gäbe eine "unterschiedliche Wertigkeit siebenbürgisch-sächsicher bzw. schwäbischer Existenz" halte ich doch für ausgesprochen bedenklich!

Darüber sollten die Autoren dieser "Thesen" noch einmal nachdenken. Sie werden gerade nicht zur Diskussion gestellt, wie Winfried Ziegler unter Punkt 2 geradebiegt, sondern im Konjunktiv präsentiert und als "Fehleinschätzung" gewertet.

Da steckt viel überholtes Gedankengut des letzten Jahrhunderts drinnen.

Grüße

Schreiber
Erstellt am 17.11.2009, 19:53 Uhr und am 17.11.2009, 20:11 Uhr geändert.
@ Ziegler:

Zitat: "Trotzdem ist es so, dass in Deutschland zwei wesentliche Elemente fehlen, welche die Siebenbürger Sachsen bzw. die Banater Schwaben geprägt haben und prägen: erstens die Landschaft (dabei schließe ich auch die Dörfer und Kirchenburgen mit ein) und zweitens die Nachbarn (die Rumänen, Ungarn, Zigeuner etc.). Ohne diese Faktoren erfolgt die Weiterentwicklung der Identität zwangsläufig unterschiedlich." Zitat Ende

Diese Faktoren haben sicher geprägt, sie sind aber nicht Inhalt der Identität. Ich stimme allerdings dem zweiten Teil der Meinung zu (dass sich die Identität unter den genannten Einflüssen anders entwickeln wird) und befürchte Ungutes. Schon jetzt wird in der Brukenthalschule in den Pausen rumänisch gesprochen. Wenn ich mir das vor Augen führe, dann dürfte es wirklich eine andere Authentizität sächsischen Daseins geben, aber genau anders als die Autoren des Thesenpapieres es meinen...

Frage: wieso war eigentlich niemand von den "OA" eingeladen oder anwesend. Entspricht das dem gewünschten "gemeinsamen" Dialog der "DR" oder hat es eher mit der angenommenen unterschiedlichen "Wertigkeit" zu tun?

Grüße

BennyJozsa
Erstellt am 17.11.2009, 19:53 Uhr
@ Schreiber
Könnten Sie ein wenig näher präzisieren was Sie für ausgesprochen bedenklich halten?

Schreiber
Erstellt am 17.11.2009, 20:01 Uhr
@ BennyJosza
ich war sehr deutlich.

Grüße

BennyJozsa
Erstellt am 17.11.2009, 20:03 Uhr
Hätte gerne Argumente gehört...

Schreiber
Erstellt am 17.11.2009, 20:40 Uhr und am 17.11.2009, 20:49 Uhr geändert.
Die Gründe meiner Kritik sind den Beiträgen zu entnehmen.

Grüße

Winfried Ziegler
Erstellt am 17.11.2009, 22:41 Uhr
@Schreiber – Beitrag 1

Sie sagen:
„Die Auffassung, es gäbe eine "unterschiedliche Wertigkeit siebenbürgisch-sächsicher bzw. schwäbischer Existenz" halte ich doch für ausgesprochen bedenklich!
Darüber sollten die Autoren dieser "Thesen" noch einmal nachdenken. Sie werden gerade nicht zur Diskussion gestellt, wie Winfried Ziegler unter Punkt 2 geradebiegt, sondern im Konjunktiv präsentiert und als "Fehleinschätzung" gewertet.
Da steckt viel überholtes Gedankengut des letzten Jahrhunderts drinnen.„

Wenn Sie begründen weswegen Sie eine Aussage für bedenklich halten bzw. welches Gedankengut warum überholt ist, können wir gerne darüber diskutieren.

Wie ich schon erklärt habe wurden die Thesen auf der Tagung zur Diskussion gestellt, eine Diskussion die noch weiter geführt werden soll. Deswegen habe ich auch den Link hier in diesen Thread gestellt, und ausdrücklich zur Diskussion aufgefordert (Beitrag vom 17.11.2009, 09:19 Uhr). Aus dem gleichen Grund werden die Thesen in der ADZ abgedruckt, und sind allen Regionalorganisationen des DFDR übermittelt worden. Sie werden auch das Thema der „Hermannstädter Gespräche“ im November sein.

Winfried Ziegler
Erstellt am 17.11.2009, 23:03 Uhr
@ Schreiber – Beitrag 2

„Diese Faktoren haben sicher geprägt, sie sind aber nicht Inhalt der Identität. Ich stimme allerdings dem zweiten Teil der Meinung zu (dass sich die Identität unter den genannten Einflüssen anders entwickeln wird) und befürchte Ungutes. Schon jetzt wird in der Brukenthalschule in den Pausen rumänisch gesprochen. Wenn ich mir das vor Augen führe, dann dürfte es wirklich eine andere Authentizität sächsischen Daseins geben, aber genau anders als die Autoren des Thesenpapieres es meinen...“

Bitte sagen Sie uns, was Sie Ungutes befürchten, vielleicht können wir gemeinsam Lösungen finden.
In der Brukenthalschule wird seit Mitte der neunziger Jahre in den Pausen rumänisch gesprochen. Sie wissen sicher genauso wie wir, dass es damit zu tun hat, dass die Mehrheit der Sachsen 1990-91 ausgewandert ist. Was aber das Besondere ist und eine in Südosteuropa einmalige Chance darstellt, ist die Tatsache, dass eine große Anzahl rumänischer Familien ihre Kinder in deutsche Schulen schickt, was den Fortbestand dieser Schulen sichert. Die Schüler aus rumänischem Elternhaus machen schätzungsweise 95% der Gesamtschülerzahl aus. Diese Schüler sprechen logischer Weise untereinander in der Pause ihre Muttersprache rumänisch.
Auch über die „genau andere“ Authentizität sächsischen Daseins die Sie annehmen können wir gerne sprechen. Aber bitte erläutern Sie diese, damit wir verstehen, was genau Sie damit meinen.

Selbstverständlich werden wir auch mit den Organisationen der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben in Deutschland und anderen Ländern über die Thesen sprechen. Denn wie bereits erwähnt, war es uns ein Anliegen zu unterstreichen, dass „der partnerschaftliche Dialog und Informationsfluss weiter intensiviert werden“ sollte.

BennyJozsa
Erstellt am 18.11.2009, 07:05 Uhr
Noch etwas Grundsätzliches: Man kann mit der Zukunft auf verschiedene Weisen umgehen. Beklagen, das alles ganz anders ist als früher und in der Schmollecke schmollen, oder aktiv mitgestalten. (Das gilt übrigens in Siebenbürgen, woher ich schreibe, genauso wie in Deutschland oder woanders.)
Wir haben uns entschieden, aktiv zu werden. Dazu gehören Gedanken über die Zukunft genauso wie eine Diskussion dazu. Diese kann aber nur über logische Argumente führen. Deswegen stehen Winfried Ziegler und meine Wenigkeit gerne zu einer Diskussion bereit, bitten aber um Verständnis, dass wir über ungute Gefühle anderer leider wenig sagen können.

Schreiber
Erstellt am 19.11.2009, 00:43 Uhr
@ Ziegler:

Die Bemühungen um einen gemeinsamen Dialog finde ich sehr gut. Die Situation in den wenigen deutschen Schulen in Rumänien verstehe ich durchaus, es sollte kein Vorwurf sondern nur eine Feststellung sein.

Für bedenklich halte ich es, von unterschiedlichen "Wertigkeiten" zu sprechen. Diese Überlegung geht von einer besseren und einer schlechteren Existenz aus. Ich würde Überlegungen eher auf Gleichwertigkeit aufbauen.

Mit dem Begriff der Authentizität habe ich weniger Probleme als mit der unterschiedlichen Wertigkeit. Ungutes befürchte ich zum ersteren:

wie authentisch sächsisch ist der Satz: "măi, ich geh repede la magasin, mich wartet die vecina, că are o treabă cu mine." - aufgeschnappt im Hof der Brukenthalschule im Frühjahr 2009. Ich habe leider auch kein Patentrezept, wie man solcher Authentizität entgegenwirkt. Die Gründe dafür sind mir klar, es ist auch kein Vorwurf. Ich versteh dann nur die Thesen von Wertigkeit und Authentizität nicht, die mehr auf den Ort als auf den Inhalt abstellen.

Vom Verband in Deutschland habe ich da visionärere Vorstellungen von einem "wir" gehört und wundere mich etwas, dass diese nach Ihren Thesen "entmythologisiert" werden sollen.

@ Jozsa

Schmollecken sollte man schnell verlassen. Da geb ich Ihnen völlig Recht. Ich habe sowieso nie verstanden, was und warum die "DR" den "OA" derart übel genommen haben, dass es überhaupt zu solchen Kathegorisierungen kommen musste ("schmollen" ist in diesem Kontext euphemistisch)?

Reden wir doch einmal Klartext: die Ausgewanderten sehen sich zu 100% als Sachsen, sie haben das "Land Rumänien" verlassen, nicht ihr eigenes Völkchen. Und die nicht Ausgewanderten verurteilen, grenzen aus und sprechen von unterschiedlichen Wertigkeiten. Und zur Begründung wird der "richtige Ort" als DAS Kriterium hochstilisiert, dem sich jeder Inhalt unterzuordnen hat.

Der "richtige Ort" für eine Authentizität ist der Kopf, nicht der "Hattert".

Grüße

getkiss
Erstellt am 19.11.2009, 04:56 Uhr
@Schreiber:"Der "richtige Ort" für eine Authentizität ist der Kopf, nicht der "Hattert"."

Schon lange nicht so eine gute Definition gefunden.
Passt für einige, auch hier...

BennyJozsa
Erstellt am 19.11.2009, 08:24 Uhr
@ Schreiber
Lassen Sie mich versuchen, einige Gedanken (die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben) zu den angesprochenen Sachverhalten äußern:
Wertigkeit würde ich hier nicht als Ausgrenzung und gar nicht als Verurteilung verstehen sondern als Stellenwert. Das siebenbürgisch-sächsische hat in Siebenbürgen insoweit einen anderen (nicht höheren!) Stellenwert, weil man hier in einem nichtdeutschen Umfeld ein Sachse sein muss. An jeder Ecke stößt man darauf, dass man anders als die Mehrheit ist. Nicht besser, nicht schlechter sondern mit einem anderen kulturellen Background.
In Deutschland werden es sich unsere Kinder (denn davon ist die Rede) aussuchen können, ob sie mehr Sachen sind oder mehr Deutsche. Sie sind implizite Sachsen, wenn die Eltern das für sie wollen und selber das noch mittragen. Wenn nicht sind sie Franken, Rheinländer oder Berliner.
Dieses ist wieder nicht wertend sondern so läuft nun mal Sozialisation.
"Der richtige Ort für Authentizität ist im Kopf nicht im Hattert" ist ein wunderschöner Satz, so schön wie falsch. Der Ort an dem wir uns beide treffen und uns unbekannterweise schreiben heißt "siebenbuerger.de" nicht "Kleinhirn". Warum gibt es HOG´s? Weil die Leute ihrer Heimat einen großen Stellenwert einräumen. Beispiele könnten massenweise folgen.
Was wir hier in Siebenbürgen wollen ist mitnichten ausgrenzen sondern nur den Blick auf einen Umstand schärfen, bei der wir den Eindruck haben, dass er manchmal in Hintergrund tritt. Nämlich die Wichtigkeit Siebenbürgens für die Siebenbürger Sachsen. Um Kästner zu paraphrasieren: man kann die Heimat nicht ablegen wie einen alten Hut. Sie bleibt wichtig für den Einzelnen und soll (so wollen das die Verfasser des Thesenpapier) wichtig sein für die Sachsen im Allgemeinen, egal wo auf der Welt sie gerade sind. Und deswegen freuen wir uns auf eine Zusammenarbeit und sei es nur im Chat.

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