Vom Frühling beseelt, jeden Tag aufs Neue

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Kurt Binder
schrieb am 26.06.2022, 11:15 Uhr
Das Leben genießen

In meinen jüngeren Jahren hatte ich mal einen Arbeitskollegen gefragt, wie er sich sein künftiges Leben vorstelle. Seine Antwort kam prompt, kurz - und frappierend deutlich:
“Gut essen, saufen, und Weiber!“
An diese präzis orientierte Lebensplanung musste ich denken, als ich heute Morgen über das taufeuchte, kurz geschnittene Gras der Wege meines kleinen Gartens schritt. Es amüsierte mich, dass ich bei diesen allmorgendlichen Spaziergängen meine Arme auf dem Rücken verschränkt hielt. So etwa stellte ich mir die alten griechischen Peripatetiker des Aristoteles vor, die ihre philosophischen Gedanken untereinander debattierten, gemäß des Prinzips: Beim Gehen denken - beim Denken gehen!
Diese Einstellung wird auch heute praktiziert, allerdings - man entschuldige meinen Zynismus - mit kleinen, unwesentlichen Abwandlungen!
In der Mitte meines bescheidenen Paradieses steht eine üppig blühende Wiese, über die hunderte Insekten und Schmetterlinge schwirrten, und deren surrender und summender Ausdruck ihrer Lebensfreude an der für sie lebensspendenen Pracht mir wie ein vielstimmiger, die Schöpfung preisender Gesang in den Ohren klang.
In der alles beruhigenden Stille dieses jungen Morgens genoss ich mein Alleinsein, betrachtete zum hundersten Mal mit Bewunderung die inzwischen zwölf Meter hohe, sich im leichten Wind wiegende Trauerbirke, den üppig blühenden Quittenstrauch, die Sonnenblumen, und alles, was sich selbstbewusst bemühte, auch in diesem Frühling seinen Platz in der Natur zu erobern und zu verteidigen.
Ich schloss meine Augen, und ließ mich von dem umgebenden Grün widerstandslos aufsaugen, und ich spürte, dass ich schon immer ein unabdingbarer Teil davon war.

In solchen Augenblicken der Reflexin meines Ichs inmitten der Idylle eines wundervollen Morgens wird mir klar, dass ich soeben mein Leben genieße.
Kurt Binder
schrieb am 02.07.2022, 12:23 Uhr
Stunden der Erinnerung
Eine Homage an Hermannstädter Maler

Wie an jedem Morgen sitze ich auch heute bequem in meinem Patriarchen-Polstersessel, schlürfe einen Sahne-Kaffee, laut Knigge genießerisch in kleinen Schlückchen, und lasse meinen Blick über die Wände des von der Sonne erfüllten Wohnzimmers schweifen. Die weiß getünchte Decke bietet nichts Interessantes, und ein Blick auf den Boden würde mich allenfalls auf schnerzhafte Weise an eine lästige Hausmann-Pflicht erinnern. Die Wände hingegen wirken wie Collagen, denn ich habe sie dicht an dicht mit Originalen und vielen Kopien von Bildern einiger unsrer bekannten Hermannstädter Maler geschmückt, zu denen ich in irgendeiner Form eine persönliche Beziehung hatte.
Eine farbenprächtige Herbstlandschaft in dem wohl idyllischsten Winkel bei Michelsberg neben Hermannstadt, mit der Wehrburg, rechts davon der Aufstieg auf den Mehlseifen, im Hintergrund die Fogarascher Berge – ein wunderschönes Gemälde, im Original von Trude Schullerus, unsrer ehemaligen Nachbarin in der Negoistraße. Das Bild ist ein Hochzeitsgeschenk von Seiten unsrer Gaschke (Clique), aus dem Jahr 1964. Dazu kommen noch Kopien von Landschaftsbildern, Personen in der Hermannstädter Patriarchentracht und einige Bilder von uns bekannten Straßen aus unsrer Vaterstadt.
Von den Bildern Hans Hermanns, der 1941/1942 am Knabengymnasium mein Zeichenlehrer war, beeindruckt mich ein in seinem beliebten „gedämpften Lila“ gemaltes impressionistisches Stimmungsbild. Es zeigt eine, uns Älteren sicher bekannte, ja sogar vertraute Gegend neben Hermannstadt, nämlich die Hügellandschaft hinter der Kadettenschule, wo die Poplaker Heide beginnt. Im Winter wimmelten diese Hügel von Skifahrern, und auch ich habe hier meine ersten Rutschpartien auf der glatt gebügelten Piste, dem 'Nudelhang' gewagt.
Ein beliebtes Motiv – Sonnenblumen in einem sächsischen Henkelkrug, von Karin Braun gemalt, hängt im Original an der Wand gegenüber. Daneben prangen noch einige Blumen- und Landschaftsbilder, sowie zwei ihrer bekannten, aus gefärbten Strohhalmen geklebten Darstellungen der evangelischen Kirche und des Rathausturms. Mit Karin Braun war ich früher nur einmal kurz auf einer Tanzunterhaltung zusammen, wobei ich mich an den Foxtrott erinnere, bei dem ich aus Verlegenheit ständig über meine eigenen Füße gestolpert bin.
Von Horst Zay, dessen Kollege ich kurze Zeit am Brukenthal-Gymnsium war, habe ich eine Graphik, ein Aquarell von den Fingerlingsstiegen, sowie einen Linolschnitt mit vier bäuerlich gekleideten Personen. Da ich damals gerne gezeichnet hatte, früher Karikaturen für die zentrale Wandzeitung der ‚Independenţa’, hatte ich mich gerne mit Horst Zay darüber unterhalten.
Beeindruckend markig gemalt, zeugt die Darstellung der wehrhaften Kirchenburg von Eibesdorf von unsrer blutigen Vergangenheit – ein Gemälde von Karl Nikolaus Voik, der auch auf der Neustift gewohnt hat, von uns diagonal gegenüber.
Von Marietta Lutsch, Tochter eines Schulfreundes aus der Volksschule (1941-1944) schmücken mehrere farbenfrohe Bilder die Wand, hauptsächlich Blumen und Landschaften. Wir hatten uns bei einem Hermannstädter Treffen in Landshut (Dinkelsbühl?) kennengelernt, wo mein Verkaufsstand neben dem ihren stand, der damals überwiegend mit Bildern von roten Mohnblumen bestückt war.
Der letzte Schluck des Kaffees ist schon kalt, als ich aus meinen Träumereien erwache. Diese Bilder, und einige andere wirken wie spirituelle Brücken in verstrichene Jahre, und lassen Momente und Situationen wieder aufleben - zu einer greifbaren gegenwärtigen Vergangenheit.

Kurt Binder
schrieb am 10.07.2022, 13:39 Uhr
Gedanken im Wind

Wie so oft:
Erste zögernde Boten
der aufsteigenden Sonne
erwärmen mein Gemüt,
kühler Hauch kost meine Wangen -
ich schließe die Augen,
atme gierig den herben Duft
dieses jungen Morgens ...

Schon oft gehört,
schon oft gelesen,
und dennoch stets aufs Neue
erschauernd gelebt und genossen.

Doch dann - Wolken huschen vorbei,
wechselnd in Form und Farbe,
in Licht und Dunkel.
„Unser vergängliches Dasein,
schonungslos im Zeitraffer zelebriert!“,
philosophiere ich lächelnd -
und wähne mich glücklich.

Plötzlich fielen mir alljene ein,
die es nicht sein dürfen –
Lieber Wind,
überbring ihnen meine Grüße,
und auch ein bißchen
von meinem Glück!
Kurt Binder
schrieb am 31.07.2022, 09:15 Uhr
Ein Tag im Leben des Kai Fröhlich

An einem schönen Frühlingsmorgen stand Kai Fröhlich fröhlich auf. Nach dem Aufstand ging er im Hafen auf dem Kai spazieren. Hernach ließ er sich in einem Salon die Haare schneiden. Nach der Beschneidung bemerkte er, dass sie zu kurz geschnitten waren, worüber er vor Wut kochte. Als er gar war, beruhigte er sich wieder, und ließ sich die Ohren für Ohrringe stechen. Nach dieser Bestechung ging Kai in den Wald, um Frieden zu finden. Nach der Befriedung ging er nachhause, sah in den Spiegel, und wunderte sich, wie gut er aussah. Während dieses Wunders kam sein Hund herein, und verHundste ihm die gute Laune ...

... freigegeben zur Fortsetzung ;-)))
Tarimona
schrieb am 01.08.2022, 19:17 Uhr
Na da hattest du ja mal wieder eine tolle Idee Kurt :-)) Mal gucken. Also dann..

Zur Launenhebung schenkte er sich einen Whisky ein. Da ihm dieses Geschenk zu klein und nichtig erschien, füllte er sein Glas gleich mehrfach auf.
Nach dieser Abfüllung ließ Kai sich müde in die Kissen fallen. Als dem Morgen bei seinem Anblick graute, sprang der Kater Hundi auf sein Bett. Verkatert stieß er ihn beiseite und schlich ins Badezimmer.
Seine Katze Persila folgte ihm und nun stand der Katzenwäsche nichts mehr im Wege.
..... Freigegeben zur Fortsetzung :-)
Kurt Binder
schrieb am 05.08.2022, 10:52 Uhr
Nachdem Kai also der Katze Persila in der Waschmaschine mit Persil sorgfältig alle Sorgenfalten aus dem Gesicht gewaschen hatte, hängte er sie zum Trocknen mit Wäscheklammern an die Leine. Dann zog er Leine und sang dabei ein fröhliches Liedchen. Leider wurde er wegen seiner Liederlichkeit sofort ohne Haftung verhaftet, in eine Zelle eingeschlossen und die Tür mit einem dicken Schloss zugeschlossen.
Kai aber erbrach das Schloss sofort, und wollte so fort. Um nicht erkannt zu werden, behauptete er sich erst mit einer Haube, dann mit einem Häubchen, und setzte über alles noch eine Haubitze auf den Kopf. Zuletzt war derart nicht zu erkennen, dass er sich selbst nicht mehr erkannte.
Dann schlich er durch die so entschlossene Tür entschlossen weg. Er kam auf einen Waldweg, der sich ohne Umwege geradewegs durch das dichte Dickicht schlängelte..
Doch bald waren ihm die Verfolger dicht auf den Fersen, und er gab schleunigst Fersengeld.

Freigegeben für Gleichwillige, die sich gleich willig an der Fortsetzung dieser unendlichen Geschichte endlich beteiligen wollen ;-))) !
Kurt Binder
schrieb am 09.08.2022, 07:09 Uhr
... und es wurde ein sehr langer Tag für Kai

Doch die Verfolger wollten kein Bares, sondern einen Check, und Kai hatte nicht gecheckt, dass das Fersengeld-Ministerium die Währung (ohne Gewähr) auf türkische Lira umgestellt hatte. Dies verwechselte er mit einer verstimmten summeriscxhen Lyra, was die Fersengeld-Eintreiber so verstimmte, dass sie ihm diese über den Kopf hauten, bis er summerte - und er von neuem Fersengeld geben musste. Um diesem Teufelskreis zu entkommen, rannte er wie der Teufel im Kreis, dann direkt zum Hafen, sprang ins Wasser und tauchte unter. Unter Wasser fischte er trübsinnig lange im Trüben, bis er endlich einen Wahlfisch fing. So hatte Kai kaine Wahl, tauchte auf, ging heim und bereitete aus dem Fisch seiner Wahl ein Gericht zu.
Dabei verfuhr er wie mit einem Streuselkuchen, was eine verfahrene Sache war. Nach diesem Gerichtsverfahren versuchte er das Gericht mit frischem Quark zu retten, was dies aber leider noch mehr verquarkte. Nach diesem Leiden entmutigt, ermutigte er sich mit einer Bihun-Suppe aus der Dose.

Weiterhin frei zur Fortsetzung in gleicher Manier – nur Mut, es flutscht garantiert - versprochen :-))) !

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