Quergereimt - Quatsch mit Würze

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Lybelle
schrieb am 19.10.2020, 17:52 Uhr
Der Mann mit (über) vierzig

Der Spiegel morgens zu dir spricht:
so ganz wie früher bist du nicht!
Wo sonst das Haar – schon leicht ergraut-
man heute auf die Kopfhaut schaut.
Doch aus Ohr und Nasenlöcher
spriessen Haare noch und nöcher.
Die Augen, die einst kühn geschaut,
durch Tränensäcke sind versaut.
Und rings herum so die Figur,
vergleichbar einem Tönnchen nur,
die Taille fort – jedoch dafür
wölbt sich nach vorn ein Biergeschwür.“
Was soll ´s denkt man sich so im Stillen,
wofür gibt es denn Schlankheitspillen?
Die wirft man ein. In kurzer Zeit
ist man nicht mehr so lang wie breit.
Hier aber irrt man ganz gewaltig:
das Fett bleibt da, man wird nur faltig!
Und die Erkenntnis kommt so dann:
du bist fürwahr kein Don Juan!
Die Träne rinnt dir von der Wange;
jedoch Kopf hoch und keine Bange:
in hundert Jahren, Gott sei Dank,
wirst du dann wieder gertenschlank.
Kaum, dass dir der Gedanke kommt,
bist du schon wieder froh, ganz prompt,
und als ein alter Optimist,
bist du zufrieden, wie du bist!
Und plötzlich ist ´s dir einerlei,
du haust den Spiegel nur entzwei.

von Hans Witteborg
Lybelle
schrieb am 21.10.2020, 09:44 Uhr
Spieglein Spieglein an der Wand

Spieglein Spieglein an der Wand
Wer ist der Fremde in meinem Gewand
Die Haare sehen verwildert aus
Dass Ganze ist ein einzig Graus
Und auch der Bart schreit nach der Rasur
Wo find ich den Pinsel nur.
Und auch die Augen sind ganz klein
Als wären sie nicht mein,
Darunter große Ringe
Als hinge der Kopf in einer Schlinge.
Was hilft jetzt bloß dem Affe,
Ihr wißt’s, ein starker Kaffe.
Dann sieht die Welt gleich anders aus.
Es heben sich die Augenlider
Und auch die Farben kehren wieder
Zurück ins Leben und die Natur
Der Blick schweift langsam nun zur Uhr
Sogar der Spiegel spricht mich an
Wer ist denn dieser fesche Mann.
Spieglein Spieglein an der Wand
Ich bin’s in meinem neuen Gewand.
Jetzt kann ich wieder unter die Leute gehn
Als sei heute Nacht garnix geschehn.
Maikind
schrieb am 21.10.2020, 23:19 Uhr
Oh wie trefflich umschrieben Lybelle!!
diese morgendliche Umwandlung
ist ein Segen wenn man sie so locker und humorvoll sehen kann!
Maikind
schrieb am 21.10.2020, 23:21 Uhr
ein Waagegedicht zum nahen Ende der Themenreihe

Waaage
nicht dich abzuwägen
mit Karren oder heißen Wägen
sie sind wie du ganz unterschiedlich
mit Esel eingespannt und niedlich
oder auf Turbogang geschaltet stur
fahren sie schnurstraks in der Flur
geradezu den Hang hinab.
Wie gut, wenn sich die Waage hält
und Müßiggänger - Luxusheld
im Tag genüsslich kommt und geht
dein Sein in deiner Mitte steht.
Kurt Binder
schrieb am 22.10.2020, 12:23 Uhr
Ein würdiger Abschluss, liebe Ute, zu unsrer leider viel zu kurz geratenen Sternzeichen-Reihe, mit dem wahrscheinlich dankbarsten Thema von allen!. Was hätte man da alles herausschälen können, beim Teutates! Na, hoffen wir auf übermorgen :-)) ! Noch wird nix verraten (ist aber sehr spitzfindig)!
Dein gewaagtes Gedicht spricht Klartext. Es wirkt auf mich wie ein Manifest zum Besinnen:
Leute, lasst euer ICH und euer Alter Ego im konstruktiven Konsens zusammen euer Handeln bestimmen!
Vielleicht irre ich mich ...
Kurt Binder
schrieb am 22.10.2020, 12:38 Uhr
Starker Tobak, lieber Sepp! Wo kriegt Mann solchen Kaffee, der einen auf derart unkomplizierte, aber höllisch gut duftende Weise zur Selbstakzeptanz führt?
Lybelle
schrieb am 22.10.2020, 18:48 Uhr
Beim Kaufland im Angebot lieber Kurt🤣🤣🤣😏😋
Kurt Binder
schrieb am 22.10.2020, 22:26 Uhr
Vom Alter der Frauen
Ein wohlgemeinter Rat an die Männer

Die jungen Frau’n, schon etwas reif an Jahren,
woll’n ihre Jugend weiterhin bewahren.
Doch Vorsicht, Männer, wie ihr kultiviert
den Status einer Frau nun formuliert,
weil diese jetzt, bis sie sich wiederfindet,
in einem Alters-Interregnum windet.

Von „alte Frau" hört keine allzu gerne –
dann gibt’s ’ne Watschen und es blitzen Sterne!
Willst du dich aber höflich hier verhalten,
so sprich in Zukunft nicht mehr von den "alten",
vielmehr von "etwas älteren" jungen Damen,
denn das kommt bestens an und bleibt im Rahmen!

Doch plötzlich schoss mir durch den Kopf: „Potzblitz,
grammatikalisch ist das wohl ein Witz!“
Und weil man Adjektive steigern kann,
meld ich berechtigte Bedenken an,
denn's hätt', was oben scheinbar gut durchdacht,
wahrscheinlich weitere Watschen eingebracht!

Denn wenn man dies Kuriosum klar betrachtet,
wird „älter" - älter doch als "alt" erachtet,
wenn wir der Steigerung hier Rechnung tragen,
und nicht nur labern, was die andern sagen.
So tun wir weder, man siehts aus dem Gefüge,
dem Duden noch dem Frauentraum Genüge!
Lybelle
schrieb am 23.10.2020, 07:45 Uhr
(älteres) Fräulein

Liebe Männer lasst euch sagen
Es gibt da wirklich nix zu klagen
Mit älterer Mademoiselle
Du sicher hast verspielt ganz schnell.
Die schönen alten Zeiten, gell………
Die Du so nebenbei ansprichst
Und was daraus geworden ist
Auch wenn’s die reinste Wahrheit ist.
Denn wenn ein wirklicher Charmeur
Gefallen findet glaube mir,
Denn wenn du tust als seist von Adel
Sie ansprichst mit „Mein liebes Madel“
Oder verehrte junge Frau,
Die Lage ändern tut sich, schau
Wie sie ein Lächeln dir schenken tut
Da kriegst du ganz schnell neuen Mut
Und auch ein Treffen ist ganz nett
Still und heimlich, ganz adrett
Ob auf n'en Kaffe oder Tee
Meist sagt sie unverhofft ADE
Man trifft sich oft und immer wieder
Man tanzt und singt auch frohe Lieder
Wie schön war doch die alte Zeit
Wo wir gegangen sind zuzweit
Zum Tänze und in der Natur
Es war sehr wunderschön mit Dir.
Drum schmeichle bei den ältren Damen,
Sie hörn das gerne, nicht die Namen
Denn diese kennen sie schon immer
Glaub mir es wird nur schlimmer
Wenn du aus lauter Unvorsicht
Sie auf das Alter gar ansprichst
Und keiner sieht nach einer Watschn gerne
Zu Hauf ganz unzählige Sterne
Ein Lächeln zauberst du sofort
Mit einem lieben süßen Wort.


Doris Hutter (Moderator)
schrieb am 23.10.2020, 20:22 Uhr
Männer beschäft'gen sich mit Frauen
und wolln in ihre Psyche schauen...
Das wird so nicht sehr gut gelingen,
wenn sie von alt zu älter springen,
auch nicht, gehn sie schmeichelnd daher:
Die Frau stört Unaufricht'ges sehr.
Tipp: Nennt die Frau'n ohne Umschweif
doch einfach und pragmatisch "reif"...
Kurt Binder
schrieb am 23.10.2020, 22:37 Uhr (am 23.10.2020, 22:38 Uhr geändert).
Hier ist das allmonatliche Sternbild, das zehnte in unsrer Reihe, und ich freue mich wie immer, eure Meinungen dazu zu lesen! Ist doch sicher nicht schwierig, denn wer hat nicht schon mal einen Skorpion an der Leine Gassi geführt?

Der Skorpion ist im Besitz
von einem Stachel, der gar spitz,
und nur ein Narr wird nicht erschröcken
und gegen diesen Stachel löcken!

Also - macht euch einen Schlitz ins Ohr und - druff!

Tritt heute Nacht um 00:00 Uhr in Kraft

Euer Kurt
Lybelle
schrieb am 24.10.2020, 06:37 Uhr
Reife Frau

Es mag wohl stimmen „reife Frau“,
Doch find ich dieses nicht so schlau.
Vielmehr sei es doch angebracht
Zu sagen was sie lächeln macht.
Die meisten Frauen findens lustig
Wenn Mann ein wenig abenteuerlustig
Sich mit dem Alter der „Reifen Frau“
Nicht so auskennen tut genau
Und höflich anspricht, mit „Junge Frau“.

Lybelle
schrieb am 24.10.2020, 06:40 Uhr
Der Skorpion

Der Skorpion, ihr Leut das Wissen wir,
Der ist ein ganz gefährlich Tier
Wenngleich sein Panzer
Wie beim Schalentier,
Er trotzdem ist ein Spinnentier.
Und wie ein altes Sprichwort sagt
Und sei es noch sooo betagt
Skorpion - voller Probleme
Vereint alle Extreme
Und Leidenschaften ohne gleichen
Branden auf diesem Zeichen.
Doch auch ein weiches Herz er hat
Im Panzer tief versteckt,
Er sich einmal verliebt hat
Dann hast es schnell gemerkt.
Er liebt mit solch n'er Leidenschaft
So solche Lieb auch Leiden schafft
Wenn sie ihm nicht erwiedert
Er tükisch und ganz unverhofft
Dich leiden lassen kann ganz oft.
Auch wenn sein Stachel dann und wann
So unverhofft dich stechen kann
Ist‘s doch sein gut Gemüte
Das kommt mit seiner Güte
Und manche Woge glätten kann
Dass Alles Gute überwiegen kann.
Drum sei stets wohl besonnen
Wo du dich gern tust sonnen
Ob nicht ein Skorpionlein klein
In deiner Nähe tut zum Schein
Sich ebenfalls gern sonnen.

Maikind
schrieb am 27.10.2020, 06:19 Uhr (am 27.10.2020, 06:19 Uhr geändert).
Das sind ja spitze Themen hier im Forum! Toll!

Der Skorpion schleicht sich heran
wetzt die Scheren mit Elan
freut sich um die bunte Menge
Männlein, Weiblein im Gedränge
juckts ihn kaum ob alt ob reif
ob vornehm, respektierlich, steif
ihn lockt der Duft der Festmahlzeit
und schmeckt sofort die Süßigkeit.
Kurt Binder
schrieb am 28.10.2020, 09:51 Uhr
Aber hallo, Leute, wenn da die Post nicht abgeht! Sind wohl dankbare Themen, die Herzen und Ohren geöffnet haben: Frauen und Skorpione ;-)))!
Sepps Ansichten könnten die meinen sein. Wer verspielt schon gerne seine Chance wegen eines unbedachten Adjektivs wie "älter"? Da bieten dezente, vor allem glaubwürdige Schmeichelein, Tanz und Unterhaltung sicher die besseren Erfolgschancen! Und mit einem "junge Frau" ringt Mann ihr sogar ein Lächeln ab - weil sie es natürlich besser weiß, diese Heuchelei aber höflich akzeptiert!
Doris' Hinweis auf den Goldenen Mittelweg finde ich amüsant, da ja jede Altersstufe ihre "Reife" hat. Allerdings vermute ich, dass Frauen viel lieber etwas hören, was ihnen zum Vorteil gereicht, und nicht bloß sachliche, nüchterne Feststellungen ihre biometrische Seinshaftigkeit bestätigen, die allenfalls für den Ausweis und einen Steckbrief ausreichen würden :-)) !
Übrigens finde ich unsre Stellungsnahmen zu Evas Seelen-Autopsie gar nicht so quatschig!! Weiter im Text!
Der Skorpion ist schon schwieriger einzuordnen. Als selbst gejagter Lebenskünstler erfährt er in Sepps Zeilen Akzeptanz und Verständnis zu seinem nur Abwehrverhalten, was ihm trotz des Giftstachels seine Daseinsberechtigung zugesteht.
Auch finde ich toll, wie locker Ute die Anspruchslosigkeit diese gefürchteten Spinnentiers beschreibt, die ihm ja schließlich das Überleben sichert. Da ist, nicht nur beim Skorpion jeder Zapfhahn rechtfertigt!
Lassen wir doch diese Kreativwelle weiter anwachsen! Als Metapher z. B. wäre der Skorpion sicher vielfältig verwendbar - meint ihr nicht auch?

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