Lyrik - wenn Emotionen sich zum Wort melden

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Kurt Binder
schrieb am 23.05.2024, 10:28 Uhr
Ephemer

Ein Jubeln des Entzückens
hallt durch die blassenden Nebel
in das blendende Licht
des jungen Erwachens;
es kündet grenzenlose Freude -
kindliche Neigier, geleitet
von der Weisheit des Möglichen
bestimmen das Kommende.

Doch Glück verheißende Sterne
wecken höchste Erwartungen -
und Illusionen trüben den Verstand.

Vergeblich prallen die letzten Wellen
einer verkümmernden Vernunft
gegen die ehernen Mauern
eiskalter Interessen -
versanden, ergeben seufzend
im schwindenden Boden -
am Ende ist mur Stille.

Kurt Binder
schrieb am 02.06.2024, 09:55 Uhr
Stimmungsbild

Trüb ist der Morgen –
dein Blick durchs Fenster
erfasst das Heute,
das wie das Gestern ist,
und wie das Morgen sein wird.

Ein hoffnungsloses Tief –
es malt düstere Visionen
bedrückender Melancholie,
voller Angst und Entsetzen -
ein Trauermarsch in Moll,
vom prasselnden Regen
in die Scheiben gehämmert,
verhöhnt deine bange Seele
mit schmerzenden Rhythmen -
ein sarkastisches Musical
in beharrlichem Grau ...
Kurt Binder
schrieb am 16.06.2024, 09:49 Uhr
Lukullus in Nöten
Wenn der Hunger sich zum Wort meldet

Anspruchsvoll, mein Gaumen,
erlesen seine Wahl,
sehr zum Wohle
meines körperlichen Ichs;
und ich ehre ihn, pflege ihn -
gönne ihm nur Gutes!

Im Sessel lungernd
überlege ich auch heute:
Was – beim Teutates,
soll ich wieder kochen?
Die Qual der Wahl -
leider mein täglicher Gast;
die Wahl der Qual
bleibt mir nicht erspart.
Und so jage ich die Ideen
durch mein abstraktes Kochbuch:

G’sölchtes, Knödel und Kraut
schmeckt höllisch gut und erbaut,
doch ist das schwierige Machen
zeitraubend mit all den Sachen.

Auch Nudeln, mit Schinken und Eier
sind lecker, und nicht zu teuer -
doch auch hier ist zu lang die Reise
vom Rohmaterial zur Speise.

Eine Suppe wär nicht zu verscherzen –
doch stelle ich fest mit Schmerzen:
“Das ist ja von Anfang an aus,
denn ich hab keinen - Bertram im Haus!“

Trotz dieser gedachten Strophen,
bleibt auch heute kalt der Ofen,
und um nicht zu verhungern,
mach Schluss ich mit dem Lungern.

Denn die ganze, gedachte Chose
ging somit erneut in die Hose.
Doch hab ich für solche Fälle
eine Lösung – gut für die Schnelle:

Und ich hol aus der Kammer Reserve
eine köstliche - Suppenkonserve.
Kurt Binder
schrieb am 29.06.2024, 10:36 Uhr
Gemälde

Lang ist der Weg,
den ich beschreite,
dem ich mich anvertraute -
wohin er mich geleitet,
will ich nicht wissen ...

Er ist von Blumen gesäumt -
im schüchternen Blau der Veilchen,
umgeben vom Gold des Löwenzahns,
überstrahlt vom leuchtenden Rot eiler Rosen,
und gehüllt in die duftenden Klänge ihrer Farben,
atme ich gierig das Leben ...

Man nennt es Glück,
dies Quentchen Sein,
das dich in jedem Augenblick
die Wonnen seligen Erlebens
von Neuem spüren läßt,
wo jeder Augenblick für dich
deine Wiedergeburt bedeutet ...

Und dies wird mir bewusst:
Noch nie war für mich ein Weg
so sehr das Ziel,
wie dieser im Hier und Jetzt -
und die Klarheit dieser Erkenntnis
verdrängt den kalten Hauch
düsterer Ahnungen ...
Nimrod
schrieb am 01.07.2024, 11:50 Uhr
Schicksalsfrage
„Ein Mensch“ – der gute Dichter Eugen Roth (1895-1976)
Im Leben hatte er so manche Not
Er ließ sich dennoch nicht verdrießen
Und dichtete auch mal vom Gießen.
Gerade in der Sommerszeit, so mancher Mensch in sich entzweit
Von den Alpen bis zur Eifel, plagt immer ihn ein Zweifel:
Ein gutes Kräutchen wird begossen, dazu ist er dann doch entschlossen
Und Unkraut, daß wird ausgerottet, weil es sonst seiner Gärtnerehre spottet.
Im Leben ist, wie anders kann man’s nicht erwarten
Der Mensch ist auch geteilt in beide Arten
Gerade heut, bei Jungen und bei Alten
Ist die Gesellschaft sehr gespalten
Auch hier gibt’s große Zweifel-man muß sich entschließen:
Soll man hier rotten – dort aber gießen ?

In Anlehnung an Eugen Roths Reim “Zweifel“
Kurt Binder
schrieb am 07.07.2024, 16:55 Uhr
Eckpfeiler

Solange ich atme, lebe ich -
solange ich lebe, nehme ich wahr -
solange ich wahrnehme, denke ich -
solange ich denke, verstehe ich -
solange ich verstehe, analysiere ich -
solange ich analysiere, unterscheide ich -
solange ich unterscheiden kann, lebe ich -
solange ich lebe, atme ich ...

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