Verrückte Welt

Um Beiträge zu verfassen, müssen Sie sich kostenlos registrieren bzw. einloggen.

Kurt Binder
schrieb am 11.01.2021, 08:55 Uhr
Inspiration

Ein armer, ausgelaugter Dichterling
wie’n nasser Lappen in dem Sessel hing,
und stiert’ seit Stunden auf die graue, matte,
nach außen leicht gewölbte Bildschirmplatte.

Sein müder Kopf war leer, die Seele hohl,
sein Genius verkümmerte, wiewohl
er krampfhaft sich in guter Hoffnung suhlte,
und gierig um den Kuss der Muse buhlte.

Doch hatte diese, satt vom ew’gen Küssen,
den feuchten Schlabber-Job längst hingeschmissen,
nebst dreißig Pfunde, die gar sehr im Wege,
und wankt erdürrt jetzt über Model-Stege.

Die Zeit verrann, es fiel ihm gar nichts ein;
die starren, arbeitslosen Fingerlein,
die trommelten, statt Verse in die Tasten,
den Walzer vom verliebten Gymnasiasten.

Rundum garniert mit Stoppeln wie ein Igel,
warf er rein zufällig den Blick zum Spiegel,
und als er sein virtuelles Abbild sah,
war plötzlich das ersehnte Thema da.

Zwar war sein Ausdruck nicht sehr fotogen,
doch ließ er ihn in Verse übergehn,
die ganze Kümmernis aus dem Gesicht,
und schrieb zutiefst erleichtert - dies Gedicht.

Selbst erlebt - 2003

Fazit: Ihr müsst nur öfters in den Spiegel gucken ;-)) !
Lybelle
schrieb am 11.01.2021, 11:35 Uhr
Uuuups, so was kenn ich auch🤔🙃😁, nur kann ichs leider nicht so toll im Vers verpacken. Aber hab mich köstlich amüsiert 😀😀😀, danke Kurt.
Maikind
schrieb am 16.01.2021, 06:33 Uhr
Lieber Kurt
welcher Dichterling kennt nicht solche museverlassenen Zeiten!
die Leichtigkeit mit dem humorvollen Schwung hat mir sehr gut gefallen in deinem Gedicht!
Danke!
Kurt Binder
schrieb am 16.01.2021, 10:59 Uhr
Danke, liebe Ute, lieber Sepp,

ich will nicht unbescheiden sein, aber seit einigen Tagen brennt mir das folgende Gedicht unter den Nägeln, dessen Daseinsberechtigung schon fast vorbei ist:


Der genötigte Winter

Die Nächte werden langsam kürzer,
die Morgenluft ist schon gewürzter;
die Tage werden folglich länger -
bloß hat der Winter einen Hänger!
Er zögert, das zu tun,was klar
sein Job ist: schneien – Jahr für Jahr!

Doch hier, in Herrenbergs Gefikde,
zeigt sich der Winter ziemlich milde.
Zwar flockte es ganz leicht von oben,
doch dafür kann man ihn nicht loben;
um "Schnee“ zu heißen fehlte schon
dazu – die dritte Dimension!

Doch siehe – kaum hab ichs geschrieben,
fühlt er sich in die Eng’ getrieben,
weil ich ihm, quasi ob der späten
Einsicht auf den Schlips getreten.
Denn als ichs dann ins Forum g’setzt,
da schneit' es plötzlich wie gehetzt,
als wolle er, was er bis jetzt
versäumt hat, nachholn,was zuletzt
die traditionsgewohnte Welt
in puncto Schnee zufriedenstellt:
Die großen und die kleinen Rodler,
und auch die flotten Pisten-Jodler!

Und was lernen wir daraus`

Der Winter, der kommt ganz gewiss,
und wenn es erst im Frühling is!

Kurt Binder
schrieb am 16.01.2021, 17:13 Uhr
Ein peinlicher Tippfehler, für den ich mich entschuldige!!

In der zweiten Strophe oben müsste es natürlich heißen:

... in Herrenbergs Gefilde
Michael5
schrieb am 16.01.2021, 21:23 Uhr
Kurt, solche Fehler sind nicht zu entschuldigen. Was sollen die Herrenberger von dir denken ? Ich habe gehört, dass morgen trotz Demonstrationsverbot etwa 200 Herrenberger/-innen (und Frauenberger/-innen) sich zu einem Protestmarsch sammeln werden, um lautstark gegen diese Sprachverhunzung zu protestieren.
Ich werde dem aber zuvorkommen und mich zu deinem Richter emporschwingen. Denn Strafe muss sein: 3 Minuten Schreibverbot ! Im Namen des Volkes !
Und das alles, weil man sich nicht selbst entschuldigen kann.
Deshalb tue ich es. Und andere Leser stimmen mir sicherlich zu.
Amen !
Kurt Binder
schrieb am 16.01.2021, 22:08 Uhr
Schluchz, ächz, stöhn, jammer, heul usw. Ein hartes Strafmaß, oh Du mein Judge, Erbarmen! Können wir es nicht auf die Hälfte herunterhandeln? Ich glaube nämlich, dass die Frauenbergerinnen nichts gegen diesen Schreibfehler haben werden ;-)) !
Okay, ich gehe reuig in mich - heute Nacht zwischen 2:00 und 2:03 Uhr werde ich nicht schreiben, versprochen!
Kurt Binder
schrieb am 21.01.2021, 17:52 Uhr
Hallo, lieber Michael, die 3 Minuten Schreibverbot hab ich doch jetzt zähneknirschend brav abgesessen - odder?


Da ist der Wurm drin

Ein Regenwurm, zwar dünn, doch lang,
bemühte sich unter dem Zwang
der Fortbewegung ganz besessen,
sich durch die Schollen durchzufressen.

Der Umstand, dass er nie ein Licht
beim Wühlen hatte, störte nicht,
denn optisch nahm er eh nichts wahr,
weils unten zappenduster war.

Nun frage man mich nicht, warum
der ekle Wurm, mal lang, mal krumm,
sich täglich durch die Erd malocht,
bis er sie kreuz und quer gelocht.

Man gebe schlicht, scheints auch skurril,
sein Amen zu dem Lebensstil,
und lasse ihn unter der Erden
seiner Fasson nach selig werden.

Denn was der Wurm da unverwandt
von hinten rausdrückt, ist bekannt
als edler Humus, schwarz und fein,
in dem Radieschen gut gedeihn.

Hieraus ersieht man wieder mal,
dass Kreaturen, dünn und kahl
wie Regenwürmer, wenn auch blind,
nicht unbedingt - Blindgänger sind!
Kurt Binder
schrieb am 28.01.2021, 08:22 Uhr (am 28.01.2021, 08:24 Uhr geändert).
Darf ich mit noch etwas Verrücktem stören?

Der (ver)gestörte Stör

Ein Stör, ansonsten sehr eFischzipiert,
als Raubfisch auch erfahren und versiert,
schwamm trübe und mit lautlosem Gebrumm
im klaren Wasser immer ringsherum.

Ein Fisch-Psychiater, welcher dieses sah,
der ahnte gleich, was mit dem Stör geschah
und rief: „Mein Gott, das ist ja unerhört,
der arme Stör ist ja total gestört!“

Ein andrer Fischologe, der’s vernahm
und auf der Stell' zum Psychologen kam,
der korrigierte: „Wenn es Sie nicht stört,
so meine ich, der Stör ist nur - verstört!“

Doch diesem ging es offensichtlich dreckig,
denn plötzlich schwamm der arme Bursche eckig,
im Dreieck erst, sodann auch im Quadrat -
die Zwei entsetzt: „Jetzt hab’n wir den Salat!“

Und beide haben dann, wie’s sich gehört,
den armen Stör ganz fachgerecht entstört:
Geköpft, gebraten und sich selbst zum Lohne
ihn dann verspeist mit Knoblauch und Zitrone.

Um Beiträge zu verfassen, müssen Sie sich kostenlos registrieren bzw. einloggen.