Verrückte Welt

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Tarimona
schrieb am 31.07.2021, 11:03 Uhr

Und wieder mal fühle ich mich wunderbarst unterhalten Kurt! Köstlich!

Aus meinen Jugendtagen hier ein Weltschmerz-Wut-Erguss :-)

Wut braucht Luft

Warum tu ich es immer wieder
Und steck den Frosch ins Prinzgewand
Höre schmalzige Liebeslieder
Wandele im Wunderland.

Ist wohl ein Gesetz im Leben,
das irgendwo Idioten weben
anders kann es gar nicht sein
Ich fall immer wieder rein.

Doch eins versprech ich hier ganz klar
Kommt nochmal so ein Frosch daher gerannt
Dann wird das Märchen endlich wahr
Ich klatsch ihn einfach an die Wand.

Wünsche allen ein schönes Wochenende :-)
Maikind
schrieb am 01.08.2021, 20:28 Uhr
Danke Liebe Tarimona!

Ja- so manches könnte man an die Wand klatschen!

Ohne Titel

Wie geht es dir?
- hm
Gut?
- hm
Blinzele bitte!

Ich möchte so gerne
- die Maske
von der Seele reißen!

- hm
Komm, lass uns
Sandburgen bauen!
Kurt Binder
schrieb am 04.08.2021, 07:03 Uhr
Frauenpower in Qualität und Quote ;-)!

Zerpletschte Frösche an der Wand, und Sandburgen, die Eintagsfliegen auf Sand gebaut erwecken Jugendträume hier, Sehnsucht und Illusionen da – eine leichte, bekömmliche Kost für Feinschmecker!
Danke euch, Tarimona und Ute!
Kurt Binder
schrieb am 06.08.2021, 09:14 Uhr

Codename „Zwetschkenknödel“


Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von Augustus Kaiser, dem Bankdirektor unsrer kleinen Filiale ausging, auf dass alle Kunden ob ihrer Bonität geschätzt würden. Und diese Schätzung war die allererste im Dorf und geschah zu der Zeit, da Herr Cornelius Steuer- und Buchprüfer war. Und jedermann ging, auf dass er sich schätzen ließe – außer mir; ich war mir Schatz genug!
Mein sonst immergrünes Konto war jedoch im Augenblick infolge einer spekulativ ermittelten, bombensicheren Investition von 10.000 Euro mit gähnender Leere gefüllt – adios Bonität! Dies konnte ich meinem Konto, das mich so viele Jahre lang treu besoldet und berentet hatte, natürlich nicht zumuten. Und so wandte ich mich an einen Bekannten, den ich zwar nicht kannte, an den ich mich aber aus dem Kindergarten erinnerte. Er hieß Max und noch irgendwie. Nachdem ich seinen Namen, seinen Kontostand, seine Schuhgröße und seine Telefonnummer ermittel hatte, rief ich ihn an. Er wusste sofort, wer ich war, und schnappte vor Wiederhörensfreude beinahe über.
„Du meine Güte – Kurt, ist das die Möglichkeit? Wie geht es dir - was kann ich für dich tun?" Ich schilderte ihm das akute Leiden meines Kontos, worauf er bitterlich schluchzte.
"Oh Kurt, wenn du wüsstest, wie sehr ich all diese Jahre gehofft hatte, dass du eines Tages 10.000 Euro von mir leihen wolltest! Heute noch überweise ich sie dir!“ Dann entschuldigte er sich, denn es warteten noch andere Versager auf sein Geld. Tja, und dann begann die schrecklichste Zeit für einen Menschen, der kein Geld hat, es dringend braucht - und auf das Geld wartet.
Nach drei Tagen rief ich meine Bank an, und fragte das Fräulein Kummertrost. ob sie mir netterweise sagen würde, ob mein Geld angekommen sei.
“Ach, lieber Herr Binder“, jammerte sie, „Sie wissen doch, dass ich am Telefon keine solchen Auskünfte geben darf!“
“Ja, weiß ich“, gab ich zu, "Sie müssen mir ja nicht die Höhe des Betrags nennen – den kenne ich, bloß: ja oder nein!" Frau Kummertrost war dem Weinen nahe.
"Tut mir ehrlich Leid, allerliebster, süßer Herr Binder, aber - auch das darf ich nicht!" Ich dachte nach – und da kam mir eine brillante Idee.
“Wissen Sie was?“, sagte ich. "Gucken Sie einfach mal nach, und wenn das Geld da ist, sagen Sie einfach nur ‚Zwetschkenknödel' - das dürfen Sie doch, oder?" Ihr Schweigen war mir Antwort genug. Ich hörte sie davonklappern, dann tippte es, sie kam zum Telefon zurück, strich sich die Haare aus der Stirn, hob den Hörer auf und hauchte errötend in die Muschel, während ihr das Wasser im Mund zusammenlief:
“Zwetschkenknödel!“ Noch bevor ich ein zweistimmiges Jubelgeschrei anstimmen konnte, hörte ich die unwirsche Stimme Herren Kaisers:
“Was quatschen Sie da für einen Blödsinn, Kummertrost? Für Rezepte haben wir hier keine Zeit!“ Ihre schlaue Antwort haute mich um:
“Ein Kunde hat sich bloß erkundigt, welche Aktien zur Zeit am günstigsten stünden!“
“Ach so – das ist natürlich etwas anders!“, meinte er versöhnlich, ging hin und kaufte tausend Zwetschkenknödelaktien. Ich aber behob am selben Tag noch meine 10.000 Euronen - von Max, meinem unbekannten Bekannten.

Was lernen wir daraus?

Wenn dir eines Tages am Telefon völlig unerwartet eine errötende Stimme „Zwetschkenknödel“ ins Öhrchen flüstert, so muss das nicht heißen, dass dir bloß ein unbekannter Bekannter läppische 10.000 Euronen auf dein Konto überwiesen hat, sondern es könnte sogar die Einladung zu einem intimen Dinner for two sein!
Kurt Binder
schrieb am 12.08.2021, 09:11 Uhr

„Sie sind unter uns!“


Ja, das kennen wir zur Genüge aus diversen Horror-Filmen. Nun gut, dann wollen wir mal sehen, ob wir einen von den Monstern „unter uns“ entdecken! Doch erstmal eine aufschlussreiche Lehrstunde über diese mysteriösen Wesen aus dem All.
Es gibt drei Arten von Aliens:
Die ganz bösen, die immer schreckliche, geifernde, menschenfressende Monster mit mehreren Gliedmaßen sind, wo man nicht erkennen kann, was nun Beine, Arme oder Schwänze sind. Diese Horror-Wesen verbannen alle Ungeheuer, die jemals auf unsrer Erde gelebt haben, gnadenlos in die Bedeutungslosigkeit. Das Merkwürdigste ist bloß, dass uns solche Ungeheuer technisch immer um Jahrtausende voraus sind! Wie die mit den klobigen, krallenbewehrten Pranken solch komplizierte Raumschiffe bauen können - darüber zerbrech ich mir Tag und Nacht den Kopf.
Die zweite Kategorie sind uns freundlich gesinnte Wesen, die gerne unter uns leben, und sich der ständigen Aufenthaltserlaubnis auf der Erde erfreuen. Sie sind sehr menschenähnlich, und unterscheiden sich bloß durch große oder spitze Ohren, konische Kopfformen oder andern Merkmalen. die sich, um den Maskenbildnern keine größeren Schwierigkeiten zu bereiten, nur am Kopf oder im Gesicht in Form von Narben, Hörnern oder sonstigen Komischkeiten ausprägen.
Am gefährlichsten aber sind die Aliens der dritten Kategorie, und zwar diejenigen, die Menschengestalt annehmen können! Immerhin eine perfekte Tarnung, mittels derer sie aus jeder für sie brenzlichen Gefahrenlage entschlüpfen, oder sich undercover unerkannt einschleimen können.
„Nun, wenn dem so ist, dann wollen wir doch mal sehen“, dachte ich, nachdem ich mich nach 199 SF-Filmen auf alle fiesen Tricks der Aliens spezialisiert hatte. Ich ging also auf die Straße – richtig, es wimmelte hier nur so von Außerirdischen in Menschengestalt, zumindest solche, die es sein könnten. Ich ging also auf einen Verdächtigen zu, der mir am menschenähnlichsten aussah, und fragte höflich in möglichst umschreibenden Worten:
“Verzeihung, sind Sie ein Alien?“ Der Typ verzog keine Miene, als er antwortete:
“Natürlich, was sonst? Sie sehen doch, dass ich unter euch bin!“ Ja, das war allerdings Beweis genug, nämlich dass der Mann auch SF-Filme sah. Ich entschuldigte mich für die Anmache und ging, sah mich aber weiter aufmerksam nach allen Seiten um. Im Gedränge auf dem Marktplatz rempelte mich ein Junge von hinten, und ich fragte ihn, diesmal direkt:
"Heh du, bist du ein Alien?" Er glotzte mich an, als sei ich ein Alien, drehte sich um und rannte davon. Nee, das war sicher kein Außerirdischer, denn keiner von denen hätte mir – mein Portemonnaie geklaut.
Doch da – ich erstarrte. Mein Gott - so ein Wesen konnte nicht von dieser Welt sein; die steckte ja unsre gesamte holde Weiblichkeit in jeder Hinsicht zum Recyceln in die Wertstofftonne. Doch die Erkenntnis folgte ernüchternd: Diese ätherisch schimmernde Frau wirkte zu überirdisch, als dass sie nur - außerirdisch sein könnte.
Aber jetzt – jetzt hatte ich garantiert einen am Wickel: Aus einem Kanal krabbelte, sich vorsichtig umschauend ein Mann in einem gelben Regenmantel mit Kapuze – eindeutig ein Außerirdischer, der sich nach einem schmutzigen Coup aus dem Staub, bzw. aus der Gosse machen wollte. Aber nicht mit mir, mein Herr Alien! Ich ging hin, und half ihm herauszusteigen. Eine betäubende Schnapsfahne wallte mir entgegen, als Es brummte:
“Vielen Dank, aber ich hätte es auch allein geschafft!“ Wieder nix! Es war weder ein Außerirdischer, noch ein Überirdischer – nein, bloß ein harmloser Unterirdischer, welcher den Kanal aufgestopft hatte.
Mir reichte es, und ich gab frustriert auf und ging nach Haus. Ab sofort war es mir schnurzepiepegal, ob „Sie“ nun unter, über, neben oder in uns waren.
Als ich ins Haus trat, sah mir meine Frau sehr merkwürdig entgegen, und in ihren Augen funkelte etwas Seltsames. Ich wollte entsetzt zurückweichen, doch da kam sie schon langsam, sehr langsam mit starrem Blick auf mich zu und umarmte mich - auf die gewohnte, diesmal aber ganz besonders irdische Weise!
Kurt Binder
schrieb am 19.08.2021, 09:42 Uhr
Die Legende von dem Hammer an der Ammer

Da lag also eines Morgens an der Ammer, ein Bächlein im Gäu, ein Hammer im feuchten Gras, und der war verrostet. Und schon begann die Ironie jeglichen Geschehens, dies völlig unbedeutende Ereignis zu einem wirren Sketch zu gestalten.
Da kam zunächst, nichts Böses ahnend ein Philosoph des Weges, der seinen Morgenspaziergang heute an der friedlich dahintschurrelnden Ammer zelebrierte. Er hatte gerade überlegt, ob er in seiner Doktorarbeit dem frauenfeindlichen Kollegen Schopenhauer eine ideele Liebesaffäre mit Sokrates andichten solle – als er über etwas sturkelte. Er beugte sich über das Etwas, und stellte erstaunt fest: „Schau, schau, da liegt also ein Hammer an der Ammer! Wie kommt der wohl hierher?“ Nachdem sich seine darauf spezialisierten Gehirnzellen aktiviert hatten, stellte er traurig fest:
“Sein oder Nichtsein ist hier keine Frage; er ist - und er ist sehr verrostet!“ Diese weisen Worte hörend, kam zufällig eine 65-jährige junge Frau herzu, die zufällig Dichterin war, erblickte zufällig das Corpus Delicti, nickte, kratzte sich unter der Perücke, machte eine Schnute – hier folgen noch mehrere ihrer Meinung vorangehende Gesten, die ich euch erspare -, und deklamierte dann pathetisch diesen Limerick:
“Es lag einmal, oh Jammer,
ein Hammer an der Ammer.
Verrostet und alt
gehört er bald
in eine Werkzeugkammer!"
„Wie wahr!“, sekundierte eine rauhe Stimme von rechts, die unbemerkt die Bühne betreten hatte. „Das ist die klassische Umweltverschmutzung – einfach wegwerfen, was man nicht mehr braucht; das hat die Natur gern!"
"Moment mal", meldete sich ein weitere Stimme, von links, "vielleicht wurde er gar nicht weggeworfen, sondern liegt hier seit sehr langer Zeit!“ Er kniete nieder, untersuchte den Hammer unter dem Mikroskop, machte eine chemische Analyse, wog ihn, kostete - und erbleichte.
"Dieses Werlzeug ist uralt; es könnte sogar aus der Steinzeit stammen!", meinte er ehrfürchtig. Inzwischen waren noch andre Passanten herzugekommen, darunter auch ein Denker. Der lächelte und meinte:
“Alt ja, aber – Steinzeit? Da war das Eisen ja noch unbekannt!“
"Woher wissen Sie das?", erkundigte sich der kniende Hammerkoster verlegen. „Sind Sie auch Archäologe?“
“Nein, aber - ich kann denken!", erwiderte der Denker ironisch. Auch ein Streifenpolizist kam zufällig einhergestreift, und sah sich die Bescherung an.
“Bei meinem Schlagstock“, sagte er erregt, „dieser Hammer liegt ja gardezu verkehrsbehindernd im Weg!“ Er rief sofort an und erstattete Anzeige gegen Unbekannt wegen voraussichtlicher Körperverletzung duch Beinbrüche infolge fahrlässigen Sturkelns.
Jetzt fehlt noch ein Theologe – richtig, da kommt er gerade, den Kopf gesenkt, die Augen himmelwärts. Prompt sturkelte er über den Hammer an der Ammer, setzte sich drauf – und rief entzückt:
“Ein Wunder, ein Wunder – Herr, ich danke dir!“
“Wieso ein Wunder??????“, riefen alle sechs verblüfft im Chor (man erkennt die sechs Fragezeichen). Der Theologe lächelte nachsichtig:
“Nun, dass es nur ein so kleiner Hammer, und keine Kuhscheiße ist!“
“Oder dass er Ihnen nicht auf den Kopf gefallen ist!“ Die Stimme kam wie aus dem Kosmos, und gehörte einem Astrologen, der in Erwartung eines Kometen die Ammer entlangschlenderte. „Dies ist nämlich eindeutig ein Meteorit vom Mars!“ Und wieder lächelte der Denker nachsichtig.
“Ein Meteorit hätte, anstatt hier im Grünen seine Siesta zu halten, die Erde glatt durchschlagen, und wäre irgendwo im südpazifischen Ozean ersoffen!"
“Woher wissen Sie das?“, erkundigte sich der Mann verlegen. „Sind Sie Astrologe?“
Der Denker schüttelte den Kopf, und nickte ironisch. Dies war die CO2 sparende, pantomimische Kurzform für „Nein, aber ich kann denken!“
Völlig ratlos stand also die ratlose Runde um das rostige Objekt rätselhaften Ursprungs herum, als sich ein Experte für verlorene Hämmer an allen Ämmern des Landes den Weg bahnte. Er starrte ungläubig auf den Hammer hinab – und glaubte zu halluzinieren. Dass jemals solch ein Phänomen mit derart geinger Wahrscheinlichkeit stattfinden könnte, hielt sogar ein Experte für unwahrscheinlich - und er ging frustrieret von dannen und wurde 4-Sterne-Pizza-Bäcker.
Noch während die klugen Meinungen hin, besonders aber herwogten, kam ein Handwerker des Wegs, welcher der spontan nichteinberufenen ad Hoc-Versammlung die mit Abstand glaubwürdigste Erklärung bot. Er erblickte den Hammer und sagte tadelnd:
“Da bist du ja; bist wieder mal in die Zweitmaschine gesprungen, was, wie? Das tust du nicht nochmal, verstanden?“ Dann hob er den Hammer auf, beamte sich zurück ins Mittelalter in seine Burg Hammerschmidt irgendwo am Rhein, und klopfte weiter krumme Nägel grade.


Sapperlot – wie ich gerade sehe, ist die Frauenquote hier mit 1: 8 viel zu kurz gekommen. Ladys, ich verspreche euch, dass die nächste Story der reinste "Planet der Frauen" sein wird!
Kurt Binder
schrieb am 25.08.2021, 11:19 Uhr
Die Sonnrnblume

’ne Sonnenblume, jung an Tagen,
die hörte kürzlich andre sagen,
es sei der letzte Modeschrei:
Auswandern von – wo man auch sei!

Sofort macht’ sie sich auf den Weg,
und stengelt' über manchen Steg,
und kam dann einmal, irgendwann
ganz oben auf dem Nordpol an.
Hier schien die Sonne Tag und Nacht,
was Sonnenblumen Freude macht!

Auch unsre Blumc, ei der Daus,
die hatte bald den "Dreh" heraus,
und wandte sich, zwecks ständ’ger Wonne,
immer genau zur Mutter Sonne.
Die aber, langsam, jedoch stet,
hat ihr den Kopf im Kreis verdreht,
den Stengelhals verdrillt total
wie’n Strick – das war katastrophal,
denn sie geriet in Atemnot,
und war bald darauf ziemlich tot.

Wir kommentieren una voce:

Hätt' sie sich bloß nicht übernommen,
und - mit Mallorca vorlieb g’nommen!
Kurt Binder
schrieb am 29.08.2021, 09:12 Uhr
Upps, Ladys - da hab ich mich aber mit meinem Versprechen, zum Quotenausgleich mit einer „Planet der Frauen"-Story aufzuwarten, vergaloppiert, weil ich dies in intuitiver Voraussicht am 5.08 in "Grins Märchen" zu euren Gunsten in dem ehrenhaften Verhältnis von 7:1 bereits getan habe! Ihr könnt nachzählen ;-)) !

Werde mich aber bemühen (kein Versprechen!), künftig ein erhöhtes Augenmerk sowohl auf die Mäderlquote, als auch auf die Bubenquote zu richten.

Tarimona
schrieb am 29.08.2021, 09:29 Uhr (am 29.08.2021, 09:43 Uhr geändert).
Tarimona
schrieb am 29.08.2021, 09:29 Uhr (am 29.08.2021, 09:43 Uhr geändert).
Welch tiefsinnige und erheiternde Geschichte, deine Legende vom Hammer mit der Ammer. Grandios wie du die einzelnen Gestalten darstellst :-)
Und diese arme Sonnenblume...:-)

Vor einiger Zeit habe ich mir mal von Freunden am Samstag einfach wahllos Titel geben lassen und ihnen dann dazu eine Geschichte geschrieben. Verrückte Titel bekam ich und sie von mir verrückte Geschichten. Hier eine davon :-)

Das geheime Leben der Tütensuppen, unter Berücksichtigung ambivalenter Autobahnen an einem Dienstag im August


Der Dienstag fühlte sich meist unwohl inmitten seiner Geschwistertage. Weder konnte er behaupten Wochenanfang zu sein, oder wie der Mittwoch, Wochenmitte, noch, dass das Wochenende direkt bevor stand, oder auch nur ansatzweise in der Nähe war. Nein, er war eben einfach nur ein Dienstag. Stiefschwiegermüttergeschwisterlich fühlte er sich. Jahrein, jahraus. Bis zu diesem Dienstag im August. Da sollte er den Tag noch vor dem Morgen loben..

Alles fing mit dem Bürgermeister an, der die unumstößliche Meinung vertrat, die Stadt bräuchte eine Autobahn über der Autobahn und eine Autobahn unter der Autobahn.
So beauftragte er also sämtliche Stadtplaner, sich mit der Planung dieses Vorhabens zu beschäftigen.

Es dampften die klugen Köpfe der Stadt, tagein, tagaus. Doch so viel man auch plante und malte und konstruierte, es konnte kein gemeinsamer Nenner gefunden werden. Kaum hatte man die Autobahn über der Autobahn in machbarer Weise geplant, da scheiterte man kurz danach mit der Autobahn unter der Autobahn. Das kreuz und quer, hin und her, drüber und drunter, wollte einfach nicht, wie es sollte.

Irgendwo am Rande der Stadt, da stand sie, die Kantine, die niemand bemerkte. Sie war auch nicht öffentlich zugänglich. Doch in ihr pochte das Leben. Hin und wieder öffneten sich die großen Tore und ein LKW fuhr raus. Er verteilte Mahlzeiten an die verschiedenen Firmen und Schulen der Stadt. Auch kleinere Bistros kochten nicht mehr selber, sondern ließen sich das Essen von dieser Großkantine liefern. Über sie wurde nie gesprochen und wenn man jemanden fragte, was da hinter den Türen vor sich ging, schüttelten alle nur desinteressiert den Kopf.
Bis zu diesem Dienstag im August!

August musste viel Spott einstecken. Er war Sekretär in der Stadtplanung und sprühte nur so vor kreativen Ideen. Leider eckte er damit nur an. Die anderen hörten ihm gar nicht zu. So auch nicht, als er ihnen die Widersinnigkeit mit den drunter/drüber Autobahnen erklärte. Wie üblich lachten sie ihn aus. Wütend ging er aus dem Büro, die Treppe runter und verließ das Gebäude.

Davor stand gerade der LKW mit der Lieferung der Mahlzeiten. Die Ladetüren waren geöffnet und ohne zu überlegen stieg er ein und versteckte sich hinter einer der großen Kisten.
Die Wut hatte ihn müde gemacht und so schlief er ein. Als der LKW mit einem Ruck hielt, wachte er wieder auf. Vorsichtig öffnete er eine Ladetüre und sah hinaus. Er war offensichtlich in einem Gebäude und niemand war zu sehen. Er sah auf die Uhr. Himmel es war ja schon lange nach Feierabend. Vorsichtig stieg er aus. War er etwa in der Kantine?

Das Herz klopfte ihm bis zum Halse. Sollte er derjenige sein, der das Geheimnis der Suppen und Eintöpfe lüftete? Aus frischen Zutaten gekocht... Noch während er das dachte stolperte er beim Aussteigen über eine dieser Kisten. Und so landeten beide gleichzeitig in der großen Halle. Er unversehrt, die Kiste zerbrochen. Vor ihm breitete sich ein Teppich aus Tütensuppen aus. Eine war sogar aufgeplatzt. Eine Buchstabensuppe..

Sein Blick fiel auf eine seltsame Anordnung der Buchstaben. Doch er traute seinen Augen nicht und ging weiter. Später hätte er schwören können, dass da "Ätsch" stand. Doch er wollte keine überflüssigen Diskussionen darüber ob in Buchstabensuppen Umlaute sind, oder nicht.

Also behielt er das für sich. Aus einem Nebenraum hörte er ein Produktionsgeräusch. Vorsichtig öffnete er die Türe und sah eine riesige Fabrikhalle vor sich. Überall standen Maschinenroboter neben Produktionsstraßen. Ein undefinierbares Etwas wurde in Tüten und Gläser gefüllt. Neben dem Laufgeräusch der Straßen hörte man noch ein geheimnisvolles Rascheln und Knittern. August war klar, dass er soeben das Geheimnis der Tütensuppen entdeckt hatte. Aber mehr noch.

Als er genauer hinsah, erkannte er eine Tütenbahn über der Tütenbahn und eine Tütenbahn unter der Tütenbahn. Schnell zückte er einen Notizblock (Sekretäre führen immer einen mit sich), und skizzierte was er da sah. Seine Kollegen würden vor Neid erblassen. Plötzlich krachte und zischte es und in seinem Mund machte sich ein penetranter Geschmack nach Tütensuppe breit. Dann verlor er buchstäblich den Faden.

Er erwachte, als jemand an seinen Füßen zog.
"Schafft ihn hier raus. Am besten noch ein wenig weiter weg. Und seht zu, dass ihr den Notizblock vernichtet.", hörte er jemanden flüstern.
Dann stieß sein Kopf an etwas und er versank erneut in einer Wolke gnädiger Dunkelheit.

Als er wieder zu sich kam nahm er als erstes einen unangenehmen Geruch wahr. Die hatten ihn doch tatsächlich in einen Müllcontainer geworfen. Na die konnten sich auf etwas gefasst machen. Er stieg aus dem Container, klopfte sich den Dreck, so gut es ging, von der Kleidung und grinste.
Dann griff er in seine linke Jackentasche und zog ein paar dünne, bläulich schimmernde Blätter raus. Er war eben ein Sekretär der alten Schule. Ohne Blaupause ging gar nichts. Als er mit seiner Skizze fertig war, hatte er die Blaupausen sicherheitshalber in seiner Jackeninnentasche deponiert. Ein weiser Entschluss, wie sich zeigte.
Er ging zur nächsten Telefonzelle, rief ein Taxi und lies sich direkt ins Stadtbüro fahren.

"Pfui Teufel, du stinkst ja wie Katzenpisse", seine Kollegen nahmen, wie immer, kein Blatt vor den Mund.

August zuckte nur mit den Schultern. Es war Dienstag und es war August. Sein Glückstag und sein Glücksmonat. Ohne mit der Wimper zu zucken ging er direkt ins Büro des Bürgermeisters. Seine Kollegen folgten ihm, doch er schlug ihnen die Türe vor der Nase zu.

Dann sah er den Bürgermeister lange und eindringlich an. Schweigend zog er eine Packung Tütensuppe (der Zufall wollte, dass es Buchstabensuppe war) aus seiner Jacke und legte sie zusammen mit den Blaupausen vor den Bürgermeister.
Es war Dienstag und es war August und es war er, August!
Kurt Binder
schrieb am 05.09.2021, 14:28 Uhr
Blendend abgewandelt und verwoben, Tarimona, die verrückten Titel Deiner Freunde! Phantasiereich und durchaus glaubwürdig ausgearbeitet zu einer Story, die amüsiert und durchgehend auf der Ebene brilliert, der sie zugedacht ist ;-))) !

Ob das eine Idee für unser Forum wäre:
Zu einem gegebenen Titel ein Geschichte schreiben?
Kurt Binder
schrieb am 11.09.2021, 12:48 Uhr
Im Strudel der Zufälle

Sind euch schon mal rein zufällig diese merkwürdigen Zufälle in einigen TV-Filmen aufgefallen, in welchen euch dann mit weiteren kunstvoll verstrickten Handlungssträngen und neuerdings auch mit verwirrenden, digitalen Hilfsmitteln ein echt (ver)spannendes, zweistündiges Unterhaltungsmenü vorgesetzt wurde?
Ein Beispiel: Jonathan Wabbelpuding, frisch von seiner Bettnachbarin Rosamunde Kuschelmaus getrennt, fliegt mit einer weißen Charteremaschine nach Hawaii, um dieses ehemals lukullische Menü, bestehend aus Vorspiel, pardon - Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch zu vergessen. Und prompt drängt sich der böse, böse Zufall ins Geschehen.
Rein zufallig ist nämlich auch seine Ex mit ihrem neuen Lover hergeflogen, um den Trennungsschmerz aktiv und möglichst schnell zu verschmerzen. Leute, staunt bitte nicht, wenn sich auf dieser genau 28.311 qkm großen, legendären Pazifikinsel der Liebe mit etwa 1,5 Millionen Einwohnern nun rein zufällig zwei Menschen begegnen, die nach einem langen, von Tränen gefluteten Weg getrennt hierher geflogen sind, um sich in Vergessenheit zu ersäufen. Sie mit einem bereits definierten Lustersatz, und er mit einer schokobraunen und ebenso süßen Hulatänzerin. Dass hierbei die Wahrscheinlichkeit bedenklich in Frage gestellt wird, ist klar. Und ebenso klar scheint es, dass Jonathan und Rosamündchen nach längerem, unsre Geduld sadistisch strapazierendem HickHakck sich kurz vor Ende des Films endlich in den Armen liegen, und nach einem endlosen Kuuuß (in Großformat!) „den Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ for ever weissagen werden.
Falsch! Das wäre doch nichts anders als der gängige Fraß aus der Gulaschkanone ideenarmer Drehbuchautoren. Der neue Lover ist nämlich nicht von Pappe, und läßt sich somit sein jüngst erworbenes Festmahl nicht einfach wegnehmen. Also verklopft er den Ex der Ex nach Strich und Faden, bis der um Gnade heult.
Na ja, wenn Mann Jonathan Wabbelpudding heißt, hat Er gegen einen zertifizierten Prügel-Heros wie Jean-Claude van Damme ohnehin keine Chance.

Zu dieser Story wurde ich von einer, ebenfalls um Wahrscheinlichkeit buhlenden Geschichte verführt:
Er und Sie metamorphosieren sich zu Ex. Dann begegnen sie sich zufällig auf dem Mars, wo Sie zwecks Vergessens einen längeren Urlaub verbringen, und Er im Zuge des Auswandererfimmels einen Neuanfang wagen will. Alles Weitere ist bekannt.
Ohjee – wenn das so weitergeht, fürchte ich, dass die Wahrscheinlichkeit Selbstmord begeht – was ich aber für sehr unwahrscheinlich halte.

Kurt Binder
schrieb am 19.09.2021, 11:19 Uhr
Il Salvatore

Am Anfang war das Nichts. Das Nichts hieß Absurdistan, bestand aus aufgeblasenen Lederkugeln, 1000 PS und Atombomben, und der faule Hauch der Vergänglichkeit wehte in Form von Banknoten durch die verödeten Seelen gar merkwürdiger Zweibeiner. Sie hasteten wild gestikulierend umher und brachten sich gegenseitig aus unverständlichen Gründen um, demolierten nach und nach die Welt in der sie lebten, und lallten noch im Sterben von Macht und Öl. Also besessen verstrickten sich die zahllosen ziellosen Zweibeiner mehr und mehr in den unsichtbaren, klebrigen Maschen der Sinnwidrigkeit ihrer Existenz.
Doch dann erschien der Salvator. Und wie er so leichtfüßig und unbedarft einherschritt, hörte er plötzlich eine Stimme aus dem Äther, die also zu ihm sprach:
„He, du“, so sprach die Stimme zu ihm, „pack deine Klamotten und wandel schleunigst hin zum Nichts!“
„Okay, Stimme“, antwortete der Salvator in Demut, „aber - wo ist das Nichts?“
„Ja, siehst du es denn nicht? Das Nichts liegt doch genau vor deiner Nase!“ Und der Salvator lugte seiner Nase entlang, und wurde tatsächlich des Nichts gewahr.
„Und - was soll ich dort tun, oh Stimme?“
„Du wirst dort die Bestimmung deines Lebens finden“, ätherte die Stimme weiter, „also stell bitte keine dummen Fragen, sondern mach die Fliege!“ Und der Salvator machte die Fliege und flog - pardon, ging so schnur und so stracks er konnte hin zu dem Nichts. Doch kaum hatte er einen Blick drauf geworfen, da schossen ihm heiße Tränen der Verzweifelung aus den Augen, und er rief erschüttert:
„Oh Stimme, was soll ich bloß mit diesem maroden Haufen anthropoider Mutanten anfangen?“
„Gib ihrem Dasein einen Sinn!“, antwortete die Stimme pathetisch.
„Aber - wie soll ich das bloß machen? Die Gehirntransplantation ist ja noch nicht erfunden, und selbst wenn - woher bloß ...?“
„Dann lass dir etwas einfallen, verdammt nochmal! Muss ich denn alles selbst machen? Von mir aus schreib sinnvolle, lehrreiche Geschichten oder Gedichte - das sollte fürs Erste reichen!“
Da hellte sich die Miene des Salvators auf, die Ratlosigkeit fiel von seinem Gesicht wie Schuppen aus den Haaren, und er ging erleuchtet dahin und tat, wie ihm geheißen ward. Und er begann, die Fehler, Unzulänglichkeiten, Anomalien und Skurillitäten des Nichts in lustige oder besinnliche Texte zu packen, die er den Zweibeinern vor dem Frühstücksei zu lesen gab.
Und siehe da, es geschah ein Wunder. Das unwürdige Nichts begann sich zu bewegen, dehnte sich wie eine Amöbe und wandelte sich, zwar sehr langsam, aber deutlich wahrnehmbar in ein daseinswürdiges Etwas. Die verstörten Zweibeiner sahen sich erstaunt in ihrer neuen Umgebung um, fielen einander weinend in die Arme und riefen erschüttert:
„Oje! Ojemine!“
Und je mehr Satiren und Humoresken des Salvators und die aller seiner gleichgesinnten Zunftgenossen sie lasen, desto schneller lernten sie sehen, hören und urteilen. Durch diese neuen Einsichten geläutert, stießen sie ihre alten Idole wie die Rundlederakrobaten und die sinnlos rasenden Luftverpester vom Sockel, und die mißbrauchten Begriffe wie Helden und Vorbilder wurden nach den wahren Wertmaßstäben des Etwas neu definiert. Die Zweibeiner hatten schnell gelernt, dass es für das Überleben ihrer Art unwichtig ist, wenn ein vierrädriges Geschoss mit einer hunderdstel Sekunde schneller als ein anderes durch den Lichtstrahl einer Fotozelle jagt, oder wenn ein Lederball einmal weniger über einen weißen Kalkstreifen rollt.
Im Zuge der Neuorientierung zu den wahren Werten in ihrem Dasein erkannten sie nun all die Nichtigkeiten, denen sie bis dahin, von geschäftstüchtigen Organen und Strukturen manipuliert, in blinder, kritikloser Ergebenheit gehuldigt hatten. All diese Scheinwerte hatten sie als lebensnotwendig gepflegt und unbewusst auch ihren Kindern übermittelt.
So erfreute sich auch die Allgemeinbildung zwangsläufig einer unaufhaltsamen Renaissance. Die Motorsport-Rennstrecken sowie die grotesk aufgeblasenen Veranstaltungen der fußgetriebenen Bälle verloren an Bedeutung, während Persönlichkeiten wie Robert Koch, Albert Schweitzer, Mutter Theresa, oder heute die Umweltaktivisten wie Greta Thunberg u.a. wieder geachtet wurden. Auch alle Feuerwehrleute, die täglich ihr Leben riskieren, um anderes Leben zu retten, hatten ihren wohlverdienten Platz in der Aufmerksamkeit und Wertschätzung der Zweibeiner zurückerobert.
In einem Forschungs-Labor lehnte sich kurz nach dieser Bewusstseinswandlung ein bis dahin von der Anonymität bedrohter Mann mit Halbglatze und Brille zufrieden aufatmend zurück. Es war ihm nach längerem Einsatz gelungen, einen wirksamen Impfstoff gegen das tödliche Corona-Virus Covid-19 zu entwickeln, das bisher hunderttausenden von Menschen das Leben gekostet hatte. Ein Held? Wieso denn? Auch er war ja für diese Leistung einfach nur - am Ball geblieben!

Was halten wir von einer Mitgliedschaft in der kreativen Zunft des Salvators?

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