Vom Frühling beseelt, jeden Tag aufs Neue

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Kurt Binder
schrieb am 22.01.2021, 11:41 Uhr (am 22.01.2021, 11:46 Uhr geändert).
Oh ja, liebe Ute, Deine Rolle als Muse war auch hier fruktuös; die "Wortwahl" ist auch im folgenden Beitrag das Thema!


Im Wust der Synonyme

Irrgarten der Dichter

Sie sind alle da, bewusst oder latent – bloß nicht immer auf Anhieb greifbar. Sie lauern, gieren förmlich darauf, eingesetzt zu werden - prompt wählt man eins, das sich zwar freut, das Auserwählte zu sein, wiewohl es – gelinde gesagt – bessere gäbe.
Wisse: Es gibt immer ein treffenderes Wort, als das Gewählte! Also – feile, schleife, siebe, korrigiere, ersetze, erwäge, runzel die Brauen, knurr vor Ungeduld – seht ihr, hier beginnt es schon!
Wie drückt man z. B. den Bewegungszustand eines fließenden Gewässers am bessten aus?

Das Wasser fließt, rinnt, plätschert, quirlt, rauscht, donnert, springt, hüpft glitzernd, schäumend über Steine usw. usf. Oder was tut/wie ist unsre Lebensspenderin?

Die Sonne scheint, brennt, leuchtet, strahlt, perschelt, wärmt, erhellt, glüht, lacht usw. usf. Oder wie ist das mit dem Wind?

Der Wind weht, braust, wütet, schnaubt, rast, stürmt, streicht leise, haucht, schmeichelt, atmet, fegt über, entwurzelt usw. usf. Oder was weiß man so über/von der ursächlichen Ursache unsrer Existenz?

Die Liebe - Hilfeee!!! Hier streikt meine Feder; seht doch einfach ein paar deutsche Filme! Und wie steht es mit der schönsten Jahreszeit?

Der Frühling erwacht, grünt, blüht, gebiert, erweckt neues Leben, schenkt Hoffnung, eine Sinfonie der Farben und Klänge usw. usf.
Ach ja – der Frühlig beseelt uns, jeden Tag aufs Neue ;-))) !
Also – was nun??

Fazit:
Hilf dir selbst, so hilft dir - Googel!


Michael5
schrieb am 27.01.2021, 09:36 Uhr
Spaziergang am Morgen

Herzhaft schreitend durch die Fluren
mit Gedanken spiel' ich gerne.
Hie und da noch ein paar Spuren
und bedrohlich naht die Ferne.

Seufzend bleib' ich endlich steh'n
und lass' meine Blicke schweifen.
Keine Seele ist zu seh'n.
Nach den Sternen könnt' ich greifen.

Doch am Himmel, rot wie Blut,
eine Kugel kann ich seh'n.
Ach, wie tut die Ruhe gut!
Jetzt kann ich mich selbst verste'n.

Es umarmt mich fest die Stille.
Träume sind ganz unbeschwert.
Wo ein Weg ist, ist ein Wille.
Oder ist es umgekehrt?

Ganz feierlich die Gegend schweigt
und lässt mich meinen Traum genießen.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer zeigt,
dass bald die Blumen werden sprießen.

Der Abschied naht auf leisen Sohlen.
Noch aber ist es nicht so weit.
Ich sprech' es aus, ganz unverhohlen:
sie ist doch schön, die Winterzeit!
Kurt Binder
schrieb am 28.01.2021, 17:29 Uhr
Ein Mensch in der Natur, wenn der Tag erwacht, allein, von der Ruhe ringsum fast erdrückt, voller Sehnsuch auf sprießendes, buntes Leben – läßt sich dennoch von der Schönheit des Winters umgarnen.

Lieber Michael, ich hatte beim Lesen, nicht zuletzt durch den schnellen Wechsel deiner Eindrücke das Empfinden, mich selbst auf einem ziellosen Weg einer unbekannten Ferne zu nähern, selbst in mich zu kehren, und die Stille in mich aufzusaugen – brillant zum Ausdruck gebracht, was die meist ohnmächtigen Worte nur selten vermögen. Gratuliere!

Du stellst, kausal gesehen, die Ursache-Wirkung-Folge zwischen Wille und Weg in Frage, ihre Gültigkeit im Umkehrschluss? Nun, dass der Wille für einen Weg diesen gleichzeitig zum Ziel küren kann, haben Erika und ich nie so deutlich gespürt wie auf unsrer Deutschlandwanderung – auf dem europäischen Fernwanderweg E1, von Dänemark zum Bodensee.
Kurt Binder
schrieb am 01.02.2021, 16:02 Uhr

Der weinende Winter


Es klingelt.
Draußen Düsterheit, Plätschern, Nebel ... Ich öffne - triefend nass schluchzt ein heiseres Organ:
"Mein Name ist Winter!", und seine Tränen strömen in den Bart. "Ich suche ein Nachtquartier!" Skeptisch betrachte ich das wutschnasse Outfit, doch er gibt mir keine Chance zum Kneifen.
"Haben Sie eine Gefriertruhe?" Natürlich, ja doch, aber ...
"Das genügt mir - und morgen bin ich wieder weg! Wecken Sie mich bitte um 5:47 Uhr!" Hundert Fragen lauern in meinem Blick – doch ich bekomme nur eine tränenerstickte Antwort:
"Ich gehe in den Norden, dort ist es kälter!“ Er geht zur Gefriertruhe, öffnet sie und kuschelt sich hinein.
"Wissen Sie", murmelt er, schon halb eingeschlafen, "dieser vorwitzige Frühling zwickt und zwackt in allen Gliedern!" Gleich darauf schnarcht er, dass der Deckel scheppert.

Am nächsten Tag bestätigt der Wetterdienst seine Ankunft im Norden - und er ward sehr grimmig, mein trauriger Winter!
Kurt Binder
schrieb am 10.02.2021, 16:01 Uhr
Spät kam er, doch er kam ...

Wer pocht so stürmisch an die Tür?
Ich gucke neugierig hierfür
durchs Guckloch, das en miniature
gebohrt ward durch die dicke Tür,
weil ich als ziemlich alter Mann
ja nie nicht sicher wissen kann,
ob nicht vielleicht ein böser Bube
herein will in die gute Stube!

Ein Mann in Weiß, so weiß wie Schnee,
hebt beide Arme in die Höh’
und rufts hinaus: „Fidirallala,
ich möcht bloß melden; Ich bin da!“
‚So so’, dacht ich, ‚er ist jetzt da,
der weiße Fidirallala!’

Und überall schallt durch den Ort,
sein „Ich bin da!“, und jagd sie fort,
die kosende, lauwarme Luft,
den frühlinghaften süßen Duft,
den uns der liebe Lenz allhie
bescheret hat, doch – viel zu früh!

So senkt sich, quasi über Nacht,
lautlos herab die weiße Pracht,
bedeckt bald in bekannter Weise
das Land mit Schnee, heimlich und leise.
Den einen bringt's zwar eitel Freuden,
doch müssen andre frieren, leiden -
und was den einen pure Lust,
bringt tausenden nur Schmerz und Frust.

So hoffen wir, es wird kein wilder
Fidirallala, sondern ein milder!
Und so bin ich hier nicht verfehlt,
am falschen Platz, sondern beseelt
vom Lenz, auf’s neue jeden Tag,
wann immer er auch kommen mag!

Kurt Binder
schrieb am 20.02.2021, 09:54 Uhr
Früh kommt er, doch er kommt

Traumprinz Frühling
streift leichten Fußes durch die Lande,
fröhliche Flötentöne
aus beschwingten Kehlen
begleiten seinen Siegeszug.

Er verströmt nicht die Miasmen
künstlicher Ester, triefend vor Chemie -
nein, Veilchenduft begleitet ihn,
zart, betörend weich,
verführerisch ...

Schmetterlinge im Bauch?
Geschichte!
Vierflüglige Sperlinge rumoren, toben,
die Säfte steigen allüberall -
Natur in bester Hoffnung!

Der chancenlose Winter
zieht sich ohnmächtig zurück -
kein Oscar für seine heurige Show;
sein Sommerschlaf.wird diesmal
länger dauern!

Ja, wer zu spät kommt,
den bestraft das Leben!

Maikind
schrieb am 21.02.2021, 07:24 Uhr
Hallo ihr Lieben
man merkts der Frühling dringt durch Winterlandshaft und Gefühle immer mehr durch.

ich habe eure Texte sehr genossen! Danke

Der folgende Text beruht auf der Tatsache dass ich vom geliebten Hund Abschied nehmen musste.

Ein letztes Mal
lädst du mich ein
dir zu folgen
den schneebedeckten Weg hinunter
zu der Wiese
die noch existiert
zwischen Bach und Bäumen.

Mit einem Mal
ists wunderleicht
um meinen geschnürten Bauch
ists wieder Sommer
in der Lebendigkeit deiner Augen
ist alles wieder da:
das Grün der Gräser
die Wärme der Sonnenstrahlen
die Melodie des fließenden Wassers
zum Tanz der Libellen im Schatten der Sträucher
die Farbtupfer der Uferblüten
die ihren summenden Freunden entgegenblühen
das ausgelassene Lachen der Kinder
die mit dir um die Wette rennen.

Ins Flüstern der Bäume
mischt sich dein helles Bellen mit ein
ich höre es und das Echo in mir
jedes Mal.
Tarimona
schrieb am 23.02.2021, 06:55 Uhr
Liebe Ute, deine Worte schreiben sich mir direkt ins Gemüt. Weiß ich doch zu gut wie es sich anfühlt, ein geliebtes Haustier zu verlieren. Doch sie bleiben immer in unserem Herzen. Alles Liebe an dich! b
Kurt Binder
schrieb am 26.02.2021, 17:35 Uhr
Jeden Tag aufs Neu' beseelt,
(im Forum ist nie nix verfehlt)

Willst du andere ergötzen,
musst du an die Stirn dir dötzen,
bis es da so richtig pritschelt
und dir durch die Birne fitschelt.

Um es nun nicht zu verhonzen,
musst du gleich zum Schreibtisch schlonzen,
alles auf Papier brachholdern,
denn gar schnell kann es verwoldern!

oder in Klartext:

Auch wenn du glaubst, du kannst es nicht,
verkruschpel nicht gleich dein Gesicht,
wenn Skepsis dich zum Passen treibt -
Humor ist, wenn man trotzdem schreibt!

Wenn ich bloß wüsste, was das alles bedeutet; aber es klang so gut und - reimte sich prächtig ;-))) !
Kurt Binder
schrieb am 27.02.2021, 11:26 Uhr
„Jeder Abschied ist ein Stückchen Sterben“

Eine bittere Wahrheit, welche Du, liebe Ute, meinem Empfinden nach in Deinem ergreifenden Rückblick zur Vollkommenheit erweitert hast!
Berauschend die warmherzige Leichtigkeit, mit der Du dem schmerzhaften Endgültigen aus Deiner Erinnerung, weiter zurückgehend in einer malerischen, in Bild und Laut sprühenden Natur neues Leben verleihst - gleich einem wohltuenden Echo aus glücklichen Tagen.

Es sind lebendige Worte zum Verlust eines Wesens, dem offensichtlich nicht weniger Zuwendung und Liebe entgegengebracht wurde als einem Kind - und die ich gerne gelesen habe.

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