Gut und Böse auf der Welt

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Kurt Binder
schrieb am 03.04.2024, 17:19 Uhr
Kitchen impossible?

Beim Lucullus – wer soll sich da noch auskennen?
Diese TV-Kochshows haben mich total aus dem Lot geschmissen, und ich heftete mit empörten Fingern die Frage ‚Wozu brauchen wir in Zeiten des Wohlstands überhaupt Kochsendungen, wo anderorts Menschen verhungern?’ als F.I. – Ungelöst* in mein persönliches Kochbuch ein. Dennoch versuchte ich, mich in puncto Logik, Appetenz und Beutel in dem Dschungel der Gaumen-Verführumgs-Magier - auf dem Bildschirm als Spitzenköche getarnt, zurechtzufinden. Und das kostete mich mehrere schlaflose Tage.
Der Widerspruch beginnt ja bereits im Titel. Wenn hier die Küche von vornherein als ‚impossible’ vorgestellt wird – aber hallo, dann muss doch jeder klardenkende Mensch sofort abschalten, oder? Ich meine, dass eine ‚Küche’, die mit soviel Tamtam – sogar zur Hauptsendezeit, und mit Wiederholungen ausgestrahlt wird, wenn auch nicht gerade perfekt, dann doch wenigstern ‚possible’ sein sollte!
Und dann – der Gipfel der an Geschmacklosigkeit grenzenden Selbsbewertung:
Einige dieser Hensslers, Mälzers, Rosins oder wie die alle heißen, bemühen sich sogar, ihre ‚Unmögliche Küche’ weltweit publik zu machen! Also, da bleibt einem wirklich etwas weg! Da kutschieren sie doch tatsächlich auf sogenannten Roadtrips, erkennbar an ihren Sternen-Kronen auf vier Rädern tausende Meilen durch die Pampa, und versuchen den Eingeborenen zu erklären, dass sie bis dato nur – na ja, wie man sich eben gehoben ausdrückt – gespeist haben!
Da sind natürlich Stimmen des Protetes laut geworden, und bei einem besonders traditionsbewussten Stamm im innersten Urwald hat sich sogar spontan eine Demonstration formiert, die mit auf Haut gemalten Transparenten und mit in hungrigen Mündern zusammengelaufenen Gewässern begreiflicherweise skandierten:
“Grill ... den ... Henss ... ler ... grill ... den ... Henss ... ler!“ Gell – das versteht sogar Murphy mit ganz ohne Empatie? Und dann – der absolut ultimative höchste Höhepunkt:
Einige von diesen komischen Brüdern sind sogar - Starköche! Ja, wie weit wollen die noch gehen mit der gezielten Artenvernichtung - was, wie? Gibts denn nicht genug koch-, brat- und schmorbares Federvieh auf Erden? Müssen die jetzt auch noch diese herzigen, fliegenden Frühlings-Sänger vom Himmel angeln, um geschmacksverirrte Gaumen zu befriedigen? Da wäre es meines Verachtens doch rettbarer für die Menschheit, es mal mit einer – Rosin(en)suppe zu probieren!!

War wohl a pissel heftig, oder? Sorry, aber ich musste mir auch mal den Schmalz von der Niere schreiben – oder wie man das metaphorisch so sagt. ...

*) F.I. – Für immer (Ungelöst)
Kurt Binder
schrieb am 26.04.2024, 10:40 Uhr
Tückische Redensarten
Leicht übertriebene Anekdote aus dem Fundus meines Privatlebens

Obwohl ich gerne, gut und reichlich esse, trifft der Vorwurf, ein Gourmet zu sein, auf mich nicht zu – oh nein, denn bis zum lucullischen Feinschmecker bin ich noch Lichtjahre entfernt.
Auch heute habe ich mir also ein bescheidenes Menü genehmigt, bestehend aus Rindsuppe mit Grießknödeln, gefolgt von Wiener Schnitzeln mit Püree und Roter Grütze aus Preiselbeeren und Himbeeren. Zum Dessert genoss ich – nein, keine kalorienhaltigen Puddings oder Kuchen, sondern ein paar sehr kleine Löffelchen voll Kaviar. Natürlich nicht einen von den echten, sondern den auch für arme Rentner durchaus erschwinglichen Deutschen Kaviar, den geschwärzten Fischrogen vom Seehasen (Cyclopterus Lumpus).
Ich muss noch hinzufügen, dass sich trotz dieser bescheidenen Ernährungstrategie mein Bäuchlein langsam, aber stetig zum veritablen Bauch entwickelt hat. Diese meine räumliche Expansion war so augenscheinlich, dass sie eines von den allgegenwärtig lauernden Lästermäulern zu der ziemlich unziemlichen Frage bewogen hatte, in welchem Monat ich mich denn befände!
Just als ich also das dritte, und letzte Löffelein (für heute) mit geschlossenen Augen genießerisch unter den Gaumen legen wollte, erklang hinter mir eine mir allzu bekannte, meine Absicht tadelnde Stimme:
“Aber Paps, du schlemmst ja schon wieder maßlos! In deinem eigenen Interesse - reiß dich doch bitte endlich mal am Riemen!“
Meine Tochter hatte leider Recht - und so befolgte ich brav ihren Rat, und riss mich am Riemen. Genau gesagt, aß ich wie bisher im vollen Umfang weiter – schnürte aber den Hosenriemen um die Mitte meines Bauchs so eng zusammen, dass ich kaum noch atmen und schlucken konnte. Was solls – das Erschlanken erfordert eben Opfer!
Das deutlich sichtbare Ergebnis meiner Selbstkasteiung stellte sich schon nach wenigen Wochen ein, in denen ich den Riemen um kein einziges Loch gelockert habe – Ehrenwort!
Und das selbe Lästermaul erkundigte sich, als es meinen Doppelbauch sah, diesmal allerdings ziemlich mitfühlend – ob ich denn schon Namen für den Zwilling hätte?
Kurt Binder
schrieb am 05.05.2024, 06:55 Uhr
Der Kurvenschneider (1 – 3) Teil 1
Diese Sendung ist für Leser ohne Führerschein nicht geeignet!

Zeitungsberichten zufolge soll neulich auf der dicht befahrenen Autobahn einem gewissen Jonathan Hinz etwas recht Merkwürdiges widerfahren sein. Er überholte gerade eine endlose Reihe von Lastern, als hinter ihm ein silbernes Etwas mit unheimlicher Geschwindigkeit herangeschossen kam. In Panik wollte er unter Lebensgefahr zwischen zwei dicht hintereinander zuckelnden Lastern einscheren, als er im Rückspiegel bemerkte, dass das Objekt das Tempo drosselte, und ihm dann - im vorschriftsmäßigen Abstand bis zum Ende seines Überholmanövers folgte! Dann erst beschleunigte es wieder und fegte vorbei, so dass J. Hinz nicht einmal den Typ dieses Etwas erkennen konnte.
Als er später den zuständigen Experten dieses seltsame Phänomen schilderte, waren diese einstimmig der Ansicht, dass es sich hier natürlich nur um ein Auto gehandelt haben könnte. Diese Experten wurden wegen ihrer absurden Vermutung sofort entlassen, weil, seitdem es Autos gibt, zwischen denen noch nie ein vorschriftsmäßiger Abstand beobachtet wurde!
Die Nachfolgeexperten bestätigten allerdings den verhängnisvollen Irrtum ihrer Vorgänger: Es war tatsächlich kein Auto, sondern - eine Fliegende Untertasse.

„Der Nächste, bitte!“ Ein mähnenbestückter Jüngling trat in die Nische Nr.13 des wie jeden Tag bumsvollen Arbeitsamtes.
„Ihr Name?“, fragte der Beamte.
„Kevin Kunz.“
„Und was ist Ihre derzeitige Beschäftigung?“
„Kurvenschneider.“
„Bei Karl Lagerfeld?“
„Nein - auf der Bundesstraße.“ Der Beamte lehnte sich zurück und betrachtete forschend sein Gegenüber.
„Könnten Sie mir das etwas genauer erklären?“ Der Jüngling schleuderte die ihn bestückende Mähne in einem weiten Linksbogen nach rechts.
„Das ist so.“, begann er. „Jedes Mal, wenn ich mich einer Linkskurve nähere, spüre ich den unwiderstehlichen Zwang, den Fahrweg zu verkürzen. Also fahre ich durch die gesamte Kurve auf der Gegenfahrbahn!“
„Immer?“
„Immer!“ Der Beamte aus Nische Nr. 13 runzelte die Stirn.
„Und wenn Ihnen nun ein anderes Auto entgegenkommt?“
„Dann muss es eben über den Straßenrand hinaus ausweichen!“
„Und wenn da aber ein Graben oder eine Mauer ist?“ Die Mähne flog scharf nach links und grinste.
„Dann hat es Pech gehabt.“
„Soso“, sagte der Beamte, „soso. Und wann haben Sie sich für diese Tätigkeit qualifiziert?“
„Gleich nachdem ich meinen Führerschein zum ersten Mal bekommen hatte.“, bemerkte Mähne trocken. „Wann den sonst?“
„Was bitte bedeutet ‘zum ersten Mal’?“
„Nun“, erklärte der Jüngling, „wenn ich Pech habe, steht in den Ortschaften manchmal so ein Banause von Polizist, der kein Verständnis für Open-air-Feeling hat!“
„Verstehe! Und dann gibts einen temporären Führerscheinentzug, stimmts?“ Die Mähne nickte symmetrisch. „Ja, leider!“
„Hatten Sie in Ihrer Laufbahn während eines solchen - Feelings schon Unfälle?“, forschte der Beamte weiter. Mähne grinste.
„Ich nicht!“
„Gut, sehr gut. Das bedeutet also, dass Sie Ihren - hm - Job beherrschen!“, stellte der Beamte fest.
„Und ob!“ Nische Nr.13 kaute nachdenklich an ihrem Bleistift.
„Sie erwähnten vorhin einen - was war das gleich - unwiderstehlichen Zwang. Waren Sie denn schon mal bei einem Psychiater?“ Kunz zog aus der Brusttasche einen Wisch hervor.

Teil 2 folgt morgen
Kurt Binder
schrieb am 06.05.2024, 06:15 Uhr
Der Kurvenschneider (1 – 3) Teil 2
Diese Sendung ist für Leser ohne Führerschein nicht geeignet!

„Logo - hier ist sein Attest.“ Der Beamte las:
„Akute somatogene Linkslastigkeit mit neurotisch generiertem Wiederholungszwang, gesteuert von chiastisch bedingter Psychopathie. Aha!“ Nr.13 nickte sehr verstehend.
„Hab ich mir gleich gedacht. Aber was geschieht, wenn Sie einmal eine Kurve - nicht schneiden können?“ Der Jüngling wurde weiß im Gesicht wie ein Camembert, und stotterte:
„Bi ... bitte, sa ... sagen Sie so ... so etwas nie wie ... wieder! Das macht mich fertig, verstehen Sie ...“ Der Beamte reichte ihm ein Glas Wasser, das der Camembert gierig hinunterstürzte.
„Ist es wirklich so schlimm?“
„Schlimmer als Sie nur ahnen können. Vor sechs Monaten - es war in Italien, wollte ich gerade eine klitzekleine Haarnadelkurve stilgerecht durchfahren, als mir ein Bus entgegen kam, der - stellen Sie sich diese Impertinenz vor - bis hart an die Mittellinie ranfuhr!“
„Unverschämtheit!“, wetterte der Beamte empört.
„Sie sagen es! Mein Außenspiegel wurde abgebrochen, und mir wuchsen auf der Stelle zwei Nierensteine. Man musste mich sofort ins Krankenhaus bringen.“
„Und - musste man die Niere entfernen?“ Die Mähne wehte abwechselnd von links nach rechts und umgekehrt.
„Nein, zum Glück nicht. Sie haben sich im letzten Moment auf die Ektomie der Galle beschränken können.“
„Wieso denn das?“, staunte der Beamte.
„Ein Kollege hatte nämlich genau gesehen, dass ich am Ende der Kurve die Mittellinie doch noch wenigstens berührt hatte, und hat mir das - ich lag schon auf dem Operationstisch - zugeflüstert. Das war natürlich Balsam für die Nierensteine.“ Der Beamte stand auf und schüttelte Kevin Kunz die Hand.
„Gratuliere. Das ist ja noch mal glimpflich abgelaufen. Aber - was führt Sie nun zu uns?“
„Ich möchte umschulen!“
„Waaas?? Bei dem Superjob? Aber - warum denn?“ Kunz blickte traurig drein.
„Na ja, mittlerweile tut das jeder. Es ist kaum noch Platz dazu, und die Kollegen stehen bereits vor jeder noch so kümmerlichen Wegbiegung Schlange.“ Der Beamte wischte sich eine Träne aus seinem rechten Augenwinkel.
„Sie Ärmster, was müssen Sie jetzt leiden. Gibt es bereits Entzugserscheinungen, oder so?“
„Im Ansatz, ja. Auf gerader Strecke komme ich oft auf die Gegenfahrbahn.“
„Mein Gott, wie gut ich Sie verstehe! Ich bin ja selbst Autofahrer. Und da wollen Sie sicher auf Geisterfahrer umschulen?“
„Meine Kumpels haben mir einstimmig zu - Drängler geraten!“ Nr.13 blätterte in einem Katalog.
„Drängler, sagten Sie? Dräng ... ler ... aha, hier haben wir es. Das käme aber nur ab 160 PS in Frage!“ Kunz lächelte verächtlich.
„Ich fahre einen Porsche!“
„Es geht mich zwar nichts an“, bemerkte der Beamte, „aber halten Sie es nicht für ein bisschen unästhetisch, einen anderen Verkehrsteilnehmer zu bedrängen?“
„Und wenn schon“, lachte Mähne, „Ästhetik gegen Gesetz: Er darf mich nicht behindern!“
„Aber haben Sie schon einmal bedacht, dass die Schnelleren die Langsameren ebenfalls behindern und diese eventuell zu verhängnisvollen Fehlreaktionen verleiten könnten?“
„Wieso? Das ist doch nicht etwa Ihr Ernst?“ Es war dem Beamten deutlich anzusehen, dass er an einer überzeugenden Antwort bastelte.

Letzter Teil folgt morgen
Kurt Binder
schrieb am 07.05.2024, 06:25 Uhr
Der Kurvenschneider (1 – 3) Teil 3
Diese Sendung ist für Leser ohne Führerschein nicht geeignet!

„Überlegen Sie nur.“, sagte er dann. „Wenn ein Autofahrer, der durch die Leistung seines Gefährts weniger privilegiert ist oder seinem Gutdünken gemäß vorsichtiger fährt, auch einmal einen Laster überholen will, so kann er das nicht tun, wenn auf der Überholspur immer nur schnelle Autos vorüberbrausen.“
„Dann soll er eben warten!“, entgegnete Kunz ungehalten.
„Sehen Sie, genau das ist ja der Punkt - nun haben Sie ihn behindert!“
„Aber das ist doch der totale Schwachsinn, Mann. Gesetz ist Gesetz: Er darf mich nicht behindern und damit basta!“
„Wie gesagt - es geht mich nichts an, aber da Sie das Gesetz zum zweiten Mal erwähnen: Ich kenne keinen Paragraphen, der nur die von vielen leider sehr einseitig verstandene Behinderung der Raser durch die Bedächtigeren definiert.“
„Sagen Sie, bin ich hier auf dem Arbeitsamt oder bei der Heilsarmee?“, rief der Jüngling verärgert.
„War ja nur eine ehrenamtliche Stellungsnahme, entschuldigen Sie!“
„Und - was darf meines Vaters Sohn unter ‘Fehlreaktion’ verstehen?“ fragte Kunz zynisch.
„Na, zum Beispiel ein vor dem überholten Wagen zu knappes Einscheren, weil ihm so ein gehirnamputiertes, verantwortungsloses Autbahnwildschwein am Hintern klebt ... Verzeihung!“, korrigierte er sich schnell, als er den unverständlichen und entrüsteten Blick Mähnes sah. „Weil ein anderer ehrenwerter Verkehrsteilnehmer ihm eventuell, vielleicht, möglicherweise etwas näher gekommen ist, als ihm in seiner kleinkarierten, spießigen Vorstellung vorschwebte.“ Kunz nickte beifällig.
„Tjaa, also Drängler! Leider sehe ich gerade, dass die A-Klasse schon besetzt ist: Bei 180 Stundenkilometern auf 1,2 Meter an den Vordermann heranfahren.“
„Und die B-Klasse?“
„Bei 140 auf 2,5 Meter ran. Ist aber leider auch voll.“ Sein Finger glitt über die Sparte und blieb weiter unten hängen.
„Aaha, hier wäre noch etwas.“ Kunz beugte sich hoffnungsvoll vor.
„Die L-Klasse hat noch zwei Ausbildungsplätze frei: Bei 100 Stundenkilometern ein Abstand von 30 Metern. Wäre das etwas für Sie?“ Kunz stand entrüstet auf.
„Für wie dämlich halten Sie mich eigentlich, Mann? Ich bin doch nicht blöd und setze mein Fahrerethos aufs Spiel. Da kann ich ja gleich den legalen Abstand einhalten und müsste nicht umschulen. Haben Sie denn nichts Besseres zu bieten als nur Empfehlungen für Bummler?“
„Nun ja“, gestand der Beamte, „ich könnte Ihnen einen Platz in einem Schnellsiedekurs von zwei Stunden für Nötiger reservieren, in der A-Klasse. Ist allerdings nur für Autobahnen gültig.“
„Und wie funktioniert das?“, fragte Kunz interessiert.
„Wenn Sie auf der Überholspur mit über 180-Stundenkilometern heranfahren, dann ...“
„Kein Problem!“
„ ... dann dürfen Sie dem 140-Stundenkilometer-Bummler vor Ihnen bereits aus 1,7 km Entfernung mit der Lichthupe zu verstehen geben, dass er umgehend von der linken Spur zu verschwinden hat.“
„Klingt nicht schlecht“, sagte der Jüngling nachdenklich. „Wann beginnt der Kurs?“
„Heute Abend.“
„Und Sie meinen nicht, dass dieser Job eventuell eine Verminderung meiner Fahrermoral oder gar einen Prestigeverlust unter meinen Freunden bedeuten könnte?“
„Überhaupt nicht!“, beteuerte der Beamte, „Dafür bürge ich!“ Mähne nickte zufrieden, stand auf und reichte ihm die Hand.
„Gekurvt!“
Kurt Binder
schrieb am 20.05.2024, 10:59 Uhr
Deunglisch ade!

Online gehen - ist das schön!
Aber - wie solls weitergehn,
wenn wir alles Englisch sagen,
weil wir’s Deutsch ja kaum noch wagen?

Doch verliert jetzt nicht den Mut -
bald wird wieder alles gut,
denn es sind, von Fall zu Fall,
die Puristen schwer am Ball.

Und sie kriegten – ei der Daus,
eine Lösung schnell heraus:
Man muss nur, statt Haare raufen,
Online – Google-Hupf* umtaufen!

*) ;-)))
Kurt Binder
schrieb am 02.06.2024, 06:58 Uhr
Gartenfreuden

Ich liebe meinen Garten, mehr als den Garten Eden, denn es ist mein Garten, den ich so gestalte, wie es mir gefällt. Als Naturfreund erlaube ich ihm demzufolge auch, sich gebietsweise so zu schmücken, wie es ihm gefällt – zum blanken Entsetzen meiner vier Nachbarn.
In erster Instanz habe ich nämlich von Anfang an dem Üblichen abgeschworen, und mich von dem taciten Teppichboden-Rasen-Gesetz demonstrativ verabschiedet. So pflanzte ich also statt Rosen, Hyazinten, Tulpen, Gladiolen, Geranien, Petunien, Clematis, Veilchen und Vergissmeinnicht - na, ihr wisst schon – comme il faut eben Kräuter, Gemüse, Obst und andre biologische Genussmittel. Leider zog diese essbare Variante auch Schnecken an, die sich besonders an den jungen Pflänzchen gütlich taten.
„Sapperlot!“, dachte ich. „Was nun?“ Da ja diese herzigen, braunen Schleimchen zu den gefährdeten Tierarten gehören, weil sie durch die massiven Ausrottungsmaßnahmen fast ausgerottet sind, dachte ich erstmal tiefschürfend nach. Natürlich musste ich etwas tun, bevor mich die Schnecken zur Schnecke machten – aber was?
Als zertifizierter Tierfreund, dessen Freundschaft sich sogar auch über ein saftiges Rinder-Steak, oder gebratene Hähnchernschenkel erstreckte, durfte ich die Schnecken also nicht entgegen meines Ethos, so wie alle andern bösen Menschen einfach nur zerschneiden, ersäufen, oder sie mittels eines schmackhaften Korns vergiften – oh nein, so nicht! Ja, hätte man sie wenigstens in Salzwasser gekocht, und dann in Kräutersahnesoße mit Weißwein verspeist, dann hätten sie zumindest gewusst, dass sie nicht umsonst gelebt haben!
Mich dauerten diese schüchternen Tierchen, die sich ihrer Nacktheit derart schämten, dass sie sich nur im Dunkeln herauswagten - obgleich ja die Freikörperkultur (FKK) eine beliebte und gängige Möglichkeit ist, zu zeigen, welch guten Geschmack die Schöpfung auf allen Ebenen bewiesen hatte!
Und dann blitzte mir eine Idee – jawohl, und zwar DIE Idee, die Tierschutz und nicht angeknabberten Salat garantierte!
Ich besorgte mir die besten Schnecken-Handschuhe, steril und porentief rein, von der Stiftung Handschuhtest mit der Höchstnote bewertet, sammelte die ängstlichen Nackedeis vorsichtig auf, legte sie in eine mit frischem Salat gefüllten Karton, ihre Henkersmahlzeit sozusagen, und – setzte sie zu gleichen Teilen in die Nachbargärten aus!
Freunde, solche Freudenausbrüche habe ich noch nie erlebt! Bervor sie sich trennten, umarmten sich die Hermaphroditen, indem sie sich bäuchlings aneinanderklebten (!), sich dann trennten, und in guter Hoffnung ihre neue Heimat betraten.
Bevor sie in den sorgfältig gepflanzten, jungen Blumen untertauchten, winkten sie mir noch einmal dankbar zu – und verschwanden dann mit einem Affenzahn, welcher dem legendären ‚Schneckentempo’ Hohn brüllte!

Und hätte es eine Würdigung für Tierfreunde, außer zu Pudeln, Schmusekätzchen, Angorahäschen, Papageien und andern prestigeträchtigen Vorzeige-Tierchen gegeben, so hätte ich mit meinem heutigen Schonverhalten sicher den Titel „Tierfreund des Tages“ erhalten!

Kurt Binder
schrieb am 07.06.2024, 11:07 Uhr
Hilfe !!

Die Einsamkeit der letzten Jahre
schuf mir viele graue Haare;
und sie ließ partout nicht locker -
einsam sitz ich auf dem Hocker
vor dem Ding – PeZeh genannt,
hoffnungslos und ausgebrannt.

Jede Nacht träum ich das Gleiche –
oh, du böser Alptraum, weiche! -
dass auch heut ich ganz alleine
bangend schreib – und bitter weine.

Plötzlich - ja, von allen Seiten
seh ich Freunde strömen, schreiten,
und sie nehmen mich am Arm,
zerren mich, dass Gott erbarm
stracks zu unsrem Forum hin,
edle Absichten im Sinn!
Leider stolper ich, und falle -
bauz pardauz – der Traum ward alle!

Also wanke ich wie immer
in mein Heil’ges Arbeitszimmer,
und bastel aus Ideenmatsch
resigniert - den nächsten Quatsch ;-((( !
Nimrod
schrieb am 08.06.2024, 19:27 Uhr
Lieber Kurt,
dein Hilferuf ist bei mir auf offene Ohren gestoßen. Schon längere Zeit habe ich mir gedacht, unser lieber Kurt müht sich hier ab und erfährt kein Echo. Mit ungereimten Sätzen möchte ich dir deshalb darauf antworten. Hier im Forenthema bist du für uns die Sonne. In ihrem gleißenden Licht verblassen die Sterne, selbst der Mond, wenn er bei Tag am Himmel ist, ist ohne das Licht der Sonne nur ganz vage zu sehen. Vielleicht trauen sich deshalb die anderen Protagonisten nicht, ihr „Glimmen“ hochzufahren. Trotzdem vermisse ich auch Maiglöckchen und Desdemona oder wie sie alle heißen. Nicht einmal die kampflustigen Teilnehmer der anderen Forenthemen geben hier ihre Meinung oder gar Kritik zum Besten. Ich selbst fühle mich hier ja auch nur als Gast. Wie du weißt komme ich ja eigentlich vom jagdlichen Thema. So gesprochen, bist du hier halt der „Platzhirsch“ oder der „Leitwolf“ (mit nur einem f, Wölfe mit zwei f haben zwei Zähne mehr !:-))). Und anscheinend verteidigst du dein Revier so gut, daß sich die „Beihirsche“ nicht bemerken lassen. Wie ein guter Jäger verfolge ich aber dennoch, wie du deine Bahnen hier ziehst, d.h. ich lese täglich deine Beiträge. Und immer staune ich, wie du mit nun fast 91 Jahren, bald ist es ja soweit, noch so zeitaktuell die Geschehnisse kommentierst. Deine Phantasie ist unerschöpflich und sprudelt wie eh und je.
Das Thema hier heißt ja : Lachen uch Nodinken ! Eigentlich sollte man ja aber zuerst Nachdenken, dann spürt man schon, ob man dazu Lachen kann. Wenn man in der heutigen Zeit aber über das aktuelle Geschehen nachdenkt, vergeht einem das Lachen. Nun denkt auch ein Mensch in „unserem Alter“ ja auch ganz anders über diese Vorgänge wie ein Mensch mit 16 Jahren, der jetzt schon an der Europawahl teilnehmen darf. Vermutlich weiß er gar nicht, wer alles dazu gehört und wie die beteiligten Staaten in der Vergangenheit zueinander standen. Du, lieber Kurt, kennst das alles sehr gut, noch viel besser als ich, der sich auch wie Kohl auf die „Gnade der späten Geburt“ berufen kann. In einigen deiner Beiträge kam da ja auch, manchmal nur zwischen den Zeilen, etwas davon durch. Ich wünsche dir deshalb weiterhin viele gute Gedanken, Ideen und Phantasie, die werte (?) Leserschaft zu unterhalten. Bleibe gesund und rüstig, lasse dir die geliebte Bertram-Suppe auch weiterhin gut schmecken (Vielleicht stellst du das Rezept mal hier herein) Und vergiß nicht, auch wenn du dir wie der Rufer in der Wüste vorkommst, du bist nicht allein ! Im Geiste sind wir bei dir ! – Viele Grüße – Nimrod
Kurt Binder
schrieb am 10.06.2024, 14:40 Uhr
Lieber Nimrod,

Besten Dank für Deinen ausführlichen Brief, den ich aufmerksam gelesen habe. Es freut mich, dass Dir meine Beiträge gefallen, und ich bemühe mich auch weiterhin, diese möglichst zum Amusement aller unsrer Leser zu gestalten.
Dass Du mich in Verlegenheit gebracht hast, kann ich nicht leugnen. Aber wenn schon, dann lieber eine (bescheidene) „Sonne“, als ein „Sterbender Schwan“, und lieber ein „Leitwolf“ (mit einem Ef), als ein Leidwolf!

In Anerkennung dessen erhöre auch ich Deinen Hilferuf nach dem folgenden Rezept:


Bertramsuppe
Denk-Mahl für einen siebenbürgischen Klassiker

Die Bertramsuppe ist im Sachsenland
auch mal als „Ciorbă de tarhon“ bekannt,
und zweifelsfrei gehört die Rezeptur
in die gehobene Literatur!
Man nehme - so beginnt üblicherweise
jedes Rezept für eine gute Speise,
und um die alte Regel einzuhalten,
will ich den Usus hier nicht umgestalten!

Zunächst geh man zum Metzger hin und heisch
vom Schwein ein Pfündchen fettes Nackenfleisch,
und schneide es mit einem Küchenmesser -
je schärfer dieses ist, wär umso besser -
in kleine Würfel - dieses sei betont,
wie man’s vom Gulasch allzeit ist gewohnt.
Nun nehm man einen Zwiefel, einen dicken,
verschnippsel ihn zu herzig kleinen Stücken -
der auch als ‚Allium cepa’ ist bekannt,
und röste ihn, bis er fast angebrannt.
Dann klitsche man die Nackenwürfel munter
auf die gebräunten Zwiefelchen hinunter,
und wenn sie ebenfalls leicht angebraten,
dann kann ich dir wie folgt nur dringend raten:
Gieß schleunigst siedend heißes Wasser drüber,
sonst ist die Supp’ im Ansatz schon hinüber,
und köchle sie mit Salz 'ne knappe Stunde -
dann schreit mit frischem Mut zur nächsten Runde.

Bevor die leck’re Brühe gänzlich trübe,
hol aus der Speis ’ne dicke Gelbe Rübe,
schneid sie in mitteldünne Scheibchen fein,
schmeiß sie mit Andacht in den Sud hinein
und lass sie friedlich brodelnd köcheln, bis
sie dann erreichen - stimmt! - den richt’gen Biss!
Der Höhepunkt – das zieht dir aus die Sockerl -
sind zweifellos die wohlgestalten Nockerl!
Nun, dafür schlägst du flott, ganz ungehemmt,
zwei frische Eier – jedes Stück 3 Cent,
in eine Schüssel, und rührst diese dann
mit Mehl und Salz zu einem Teigerl an.
Den formst du mit 'nem sauber’n Löffelein
zu Nockerln möglichst gleicher Größe ein,
und läßt sie in gesalz'nen, siedend' Fluten
in einem Kochtopf sprudeln etwa acht Minuten.
Dann seihst du diese durch ein feines Sieb,
mit Vorsicht und Geduld - das wäre lieb!

Wenn dann auch jedes Gargut gargesotten -
das Fleisch, die Nockerl und auch die Karotten,
wirds in die Suppenschüssel interniert,
und hier die Ciorba fertig komponiert.
Dann folgt – ich sags in ehrfurchtsvoller Kürze,
der Suppe Seel' - die namengebend' Würze,
die sie zu dem macht, was sie gerne ist -
die sie zu dem macht, was man gerne isst,
denn ohne Essig-Bertram* ist die Suppe
wohl jedem Sox egal - sprich: ziemlich schnuppe!

Zuletzt, da kann man sie noch mehr beglücken,
und sie mit Eingeklopftem leicht verdicken.
So bleibt sie klar aus aller Speisen Gruppen
der kulinar’sche Hymnus unsrer Suppen!


*) Bertram: französischer Estragon,
lat: Artemisia dracunculus var. sativa

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