25. Juni 2001

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Helmut Sadler: Musik in jugendlich frischem Habitus

Der siebenbürgische Komponist und emeritierte Professor für Tonsatz Helmut Sadler hat am 23. Juni in Mauer bei Heidelberg, seiner langjährigen musikerzieherischen Wirkungsstätte, das 80. Lebensjahr erfüllt.
Der in Streitfort bei Reps geborene Lehrersohn wurde vom Vater, der ein begabter Geiger war, schon im frühen Kindesalter an die Tonkunst herangeführt, war aber zunächst ebenfalls für den Lehrerberuf bestimmt, der in der Familie Tradition hatte: Der Junge wurde "aufs Seminar" nach Hermannstadt geschickt und unterrichtete nach dessen Abschluss kurz in Hamruden, bis ihn Krieg und Gefangenschaft nach Erlangen verschlugen. Hier begann er, seinem lang gehegten Wunsche folgend, Musik zu studieren, und zwar Kirchenmusik, wechselte aber bald darauf an die Heidelberger Musikhochschule, deren Komponistenklasse er 1952 erfolgreich absolvierte.
Zunächst verdiente er sich sein Brot als freier musikalischer Mitarbeiter im Heidelberger Studio des Süddeutschen Rundfunks, trat dann in den Schuldienst ein und wurde Musiklehrer am Mannheimer Bachgymnasium, unterrichtete danach an der Städtischen Musikschule in Heidelberg mit Lehrauftrag auch am Mannheimer Fröbel-Seminar, wurde als Lehrkraft für Tonsatz an die Heidelberger Pädagogische Hochschule und danach als Dozent an die inzwischen "Staatliche Hochschule für Musik Heidelberg-Mannheim" berufen, wo er 1980 schließlich zum Professor für Tonsatz ernannt wurde.
Seine familiären Wurzeln und die jahrelange musikerzieherische Tätigkeit haben das reiche kompositorische Schaffen Sadlers zweifellos geprägt. Als ihm 1999 der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturpreis verliehen wurde, sagte Prof. Heinz Acker, sein Nachfolger am Lehrstuhl der Heidelberg-Mannheimer Musikochschule und Laudator beim Festakt der Presiverleihung während des Heimattags zu Pfingsten jenes Jahres in Dinkelsbühl: "Ein Großteil der Sadlerschen Musik richtet sich in ihrem jugendlich frischen Habitus, in ihrer verständlichen, eingängigen Melodik, ihrer rhythmischen Griffigkeit, in ihrer Thematik und wohl auch in ihrem Anspruch direkt an die Jugend. Die Begeisterung, mit der gerade junge Leute Sadlers Musik aufnehmen, ist ein Zeichen dafür, dass er in seinem Herzen stets jung geblieben ist."
Das Werkverzeichnis des Komponisten umfasst über hundert Tonschöpfungen nahezu aller Musiksparten, von reiner Klavier- und Instrumentalmusik für Holz- und Blechbläser über diverse Kammermusikbesetzungen, Lieder und Chöre sowie Schulmusik bis hin zu größeren Orchester- und Bühnenwerken. Fast überall finden sich darin Spuren des "südöstlichen Kolorits", so Acker, die auf das ethnisch buntscheckige und blutvoll musizierfreudige Herkunftsland des Komponisten verweisen, der nie seine "Bodenständigkeit aufgegeben hat, um sich in spekulativen avantgardistischen Gebieten zu verlieren".
Über das Werk Sadlers urteilte die Kritik, durch ihn sei "manches in der Musik unserer Zeit fröhlicher und menschlicher geworden", und zwar darum, "weil dieser Komponist dem tierischen Ernst der theoretischen Auseinandersetzung stets den feinen und freundlichen Humor des vitalen Musikanten entgegengestellt" habe. Sadlersche Musik, das sei: "tönende Ursprünglichkeit, das sind intakte Wurzeln in der Folklore, das ist der Glaube an die Elemente von Melodie, Klang, Rhythmus, das meint die faszinierende Symbiose von Naturerlebnis, Handwerk und Phantasie, das beinhaltet spontanes Fabulierenkönnen in Tönen und Farben und ein oft ungemein schlagfertiges Pointierungsvermögen, (...) und das umschließt die Fülle einer produktiven Lebendigkeit, die ihren Grundlagen treu geblieben ist".
Möge Helmut Sadler und den Freunden seiner Musik diese "produktive Lebendigkeit" noch lange erhalten bleiben.

Hannes Schuster

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