2. Mai 2004

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Künstler Radu Anton Maier wurde 70

Der Maler, Grafiker und Buchillustrator RADU Anton Maier ist auf dem Gebiet der Malerei ein Einzelgänger. Bekannt wurde sein Oeuvre unter dem Namen RADU, mit dem er seine Arbeiten signiert. Am 2. April 1934 in Kölns heutiger Patenstadt Klausenburg in Siebenbürgen (rumänisch Cluj, ungarisch Kolozsvár) geboren, studierte er an der dortigen Kunstakademie, wurde Assistent seines Professors Aurel Ciupe und hatte bereits mit 26 Jahren seine erste Einzelausstellung.
Es überrascht, dass nach der Klausenbuger Ausstellung weitere in Bukarest, Jassy, Miercurea Ciuc, Temeswar und Arad folgten, obwohl er dem sozialistischen Stil im kommunistischen Rumänien nicht folgte, sondern seinen eigenen künstlerischen Weg ging. 1956 durfte er sogar in Kiew, 1958 in Leningrad ausstellen. Dennoch verließ er 1967 seine Heimat, nachdem er kurz davor mit einer Einzelausstellung in seiner Vaterstadt gewürdigt worden war. Nach wiederholtem Ortswechsel lebt er nun in Fürstenfeldbruck.

Die Qualität seiner Malerei und seine künstlerische Sonderstellung haben ihm auch in der Bundesrepublik Deutschland zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen eingebracht. In seinen Gemälden begegnet man seiner Phantasie, Traum und Wirklichkeit sowie handwerklichem Können. Nicht zu übersehen, dass seine Tätigkeit als Grafiker, die technische Perfektion erfordert, auch seiner Malerei geholfen hat. Voraussetzung war die gediegene Ausbildung an der Klausenburger Akademie und in den 60er Jahren seine Arbeit im Atelier des Professors Corneliu Baba zu Bukarest. In gegenstandsfreie Gefilde hat er sich nie begeben, machte sich aber die Erkenntnisse seiner „abstrakten“ Kollegen zunutze. Seine Ausstellungserfolge legen davon Zeugnis ab.

Vergessen hat der Klausenburger Künstler seine alte Heimat nicht. Zu ihr nahm er nach den positiven politischen Wandlungen in Rumänien wieder engen Kontakt auf. 1991 fand in Klausenburg eine Einzelausstellung statt, 2001 im Brukenthal-Museum zu Hermannstadt. In Klausenburg bereitet das dortige Nationalmuseum eine Monographie vor, und ebenfalls in diesem Jahr findet anlässlich des 70. Geburtstags des Künstlers in Bukarest eine repräsentative Retrospektive statt. Ausstellungen in München und Regensburg sind ebenfalls in Vorbereitung. Die so wichtige kulturelle Ost-West-Brücke wird also auch vom Siebenbürger in Bayern geschlagen. Amüsant, wie man RADU Anton Maier in Hermannstadt anlässlich seiner Ausstellung im Brukenthal-Museum „eingeordnet“ hat: Musemsdirektor Alexandru Lungu nannte ihn einen „rumänischen Maler deutscher Herkunft“, der deutsche Kulturattaché Harald Gerlich einen „deutschen Künstler rumänischer Herkunft“.

Es fällt nicht leicht, RADUs Kunst mit herkömmlichen Stilbegriffen zu etikettieren. Er ist „schwer, wenn überhaupt, in die europäische Kunstszene von heute einzuordnen, ein Umstand, welcher der Notwendigkeit obendrein entbehrt“, meint Erich Pfeiffer-Belli.

RADU geht von der Wirklichkeit aus, die er stets phantasievoll umgestaltet mittels seiner perfekten Technik. Seine Motive und Themen sind das Porträt, die Landschaft, das Stillleben. Und im Rückblick auf seine porträtreiche Zeit daheim äußert sich der Maler: „Beim Porträtieren ging es mir weniger um die Herstellung einer Ähnlichkeit im naturalistischen Sinne als um das Herausarbeiten psychologischer oder charakteristischer Züge.“ Seine Landschaften wurzeln in seiner naturverbundenen siebenbürgischen Heimat, sind aber keinesweg fotografische Wiedergaben. Da wird man mit Pflanzen aller Art konfrontiert: Blumen, Früchten, Zweigen, abgestorbenem Geäst, phantastischen Gestalten, bisweilen menschlichen Gliedern vergleichbar. In seine Landschaften stellt er bisweilen Ruinen, Säulen, Steine wie aus der Antike – Symbole der Vergänglichkeit.

Seine nicht selten surrealistisch anmutenden Gemälde laden den Betrachter zum Mittun ein. Da gibt es auch Landschaften, die die Blicke in weite Horizonte lenken und dabei romantische Gefühle hervorrufen. Eine Sonne als intensiv roter Kreis steht am Himmel, oder sie leuchtet auf einem anderen Acryl-Gemälde in einem hellen Gelb. Die Kompositionen bieten Form- und Farbelemente an, wie sie von den so genannten abstrakten Malern erfunden wurden. Die Errungenschaften der modernen gegenstandsfreien Künstler gingen an RADU nicht spurlos vorüber. Aber er blieb der Wirklichkeit treu.

Kein Wunder, dass er den Romantiker Caspar David Friedrich und den Surrealisten Salvadore Dali schätzt. Diese Künstler aus Pommern und Spanien und RADU Anton Maier aus Siebenbürgen gehen ja von der Realität und dem Traum aus, verbinden sie jedoch phantasievoll in ganz persönlicher Weise. Ein Jahnhundert der „abstrakten“ Kunst geht zu Ende. Die Suche nach neuen Wegen hat längst begonnen, mit nicht allzu großem Erfolg. Das Werk des Siebenbürgers RADU aber ist optimistisch und stimmt ebenso.

Günther Ott (KK)

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