Gnadenhochzeit der Eheleute Johanna und Johann Rampelt aus Schaal

12.03.2020, 02:27 Uhr

H.Z. [hanni.ziegler[ät]gmx.de]

Gnadenhochzeit der Eheleute Johanna und Johann Rampelt aus Schaal

Wenn das kein Grund zum Feiern ist!
Das Ehepaar Johanna und Johann Rampelt feierten am 12.02.2020 ihre Gnadenhochzeit (auch Platinhochzeit genannt). Und zusammen zählen sie 194 Lenze.
Gnadenhochzeit! Der Name trägt es schon in sich. Paaren, die 70 Jahre miteinander verbringen dürfen, wird Gottes Güte oder die Gnade Gottes geschenkt, denn sie blicken auch auf ein langes Leben zurück. Es ist eine spezielle Begünstigung, da nicht sehr viele Menschen so alt werden, dass sie diesen Tag erleben dürfen.
Beide wurden in Schaal geboren. Sie, Sara Johanna erblickte kurz vor Weihnachten am 20.12.1923 als erste Tochter der Landwirte Sara und Michael Gunesch das Licht der Welt.
Johann Josef wurde am 30.10.1921 als zweiter Sohn des Dorf-Hanns Friedrich Martin Rampelt und der Landwirtin Maria geboren.
Beide gingen in Schaal in den Kindergarten und in die Volksschule. Johanna besuchte als 16 Jährige im Raiffeisenhaus in Hermannstadt einen Web- und Haushaltungslehrgang für sächsische Töchter vom Lande. Johann kam auf die Ackerbauschule, die er wegen der Einberufung zum Militärdienst nicht mehr beenden konnte. Beide gehörten der Schwestern- und Bruderschaft im Dorf an.
Leider fanden die unbeschwerten Jugendjahre in ihrem beschaulichen kleinen Dorf ein jähes Ende. Hans musste zusammen mit vielen anderen Burschen aus dem Dorf in den Krieg ziehen, weit weg von der Heimat. Es folgten viele Jahre der Trennung und Ungewissheit, die für die jung Verliebten eine schwere Prüfung bedeuteten.
1945 im Januar, der Krieg war verloren und Hanni wurde zusammen mit vielen jungen sächsischen Mädchen und Frauen nach Russland deportiert. Zwei lange Wochen in Viehwagons zusammengefercht, mitten im Winter, dauerte die Fahrt ins Ungewisse. Sie fanden sich im Donbas wieder. Es folgten fünf lange Jahre, die von plagendem Hunger, von Kälte und schwerer Arbeit im Kohlenbergwerk in Petrowka in der Ukraine geprägt waren. Sie erkrankte schwer an Typhus, doch ihr Überlebenswille und die Sehnsucht nach der Heimat, den Eltern und ihrem Hans halfen, die Krankheit zu überwinden.
Nach Kriegsende gelangte Hans in russische Gefangenschaft und landete auch in der Ukraine in Dnepropetrowsk. Er arbeitete in einer Ziegelfabrik und in einer Eisengießerei. Und auch ihm war der Hunger und das Heimweh ein ständiger Begleiter.
Im Winter 1949 kehrten beide müde und abgearbeitet wieder in die Heimat zurück, mit Gottes Gnade. Dort aber war nichts mehr wie vorher. Viele Kameraden kehrten nicht wieder heim. Sie beide hatten Glück gehabt. Sie hatten sich wieder gefunden und beschlossen, zu heiraten und eine eigene Familie zu gründen.
Am 12 Februar 1950 wurde geheiratet in der Kirche zu Schaal, da wo sie beide getauft und konfirmiert wurden. Es soll eine bescheidene Hochzeitsfeier gewesen sein. Die Zeit so kurz nach dem Krieg war eine voller Entbehrungen. Die Sachsen hatten Hab und Gut verloren, aber die beiden waren voller Zuversicht. Noch im selben Jahr wurde ihr erstes der vier Kinder geboren. Der junge Vater fand eine Anstellung auf der Staatsfarm und die junge Mutter hatte die nächsten zehn Jahre genug zu tun, denn der liebe Gott schenkte ihnen vier gesunde Kinder. Drei Töchter und einen Sohn. Als diese aus dem Gröbsten raus waren arbeitete Hanni als Tagelöhnerin in den Weinbergen der Staatsfarm. Im Dezember 1984 verließen die frisch gebackenen Rentner die alte Heimat und kamen in die Bundesrepublik, wo ihre beiden ältesten Töchter mittlerweile mit ihren Familien lebten.
Heute lebt das Jubelpaar in Herkenrath in unmittelbarer Nähe ihrer vier Kinder. Sie sind Großeltern von 7 Enkelkindern und Urgroßeltern von 11 Urenkeln. Sie haben hier ein neues Zuhause gefunden, aber ihr Herz schlägt immer noch für ihr Heimatdorf Schaal und in diesem hohen Alter sind sie sehr oft in Gedanken bei ihren Ahnen, deren Gräber am Bangert neben der Kirchenburg liegen. Die Mutter liebt es immer noch sehr, wenn sie mit ihren Töchtern die alten sächsischen Lieder singen kann.

Liebe Jubilare, 70 gemeinsame Ehejahre durch Dick und Dünn; ihr seid das Vorbild für eine glückliche und harmonische Ehe. Ihr seid ein ganz spezielles Paar!
Wir Kinder samt Familien gratulieren zu diesem besonderen Jubiläum und wünschen euch weiterhin Gesundheit, Zufriedenheit und Gottes Segen. Wir sagen Dank für alle Liebe, Geborgenheit und überhaupt für alles, was ihr uns für´s Leben mit auf den Weg gegeben habt.
H.Z.

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