30. Oktober 2026

Ein Leben für die Musik und Gemeinschaft: Dem Urweger Michael Scherer zum 90. Geburtstag

Am 30. Oktober 2026 vollendet Michael Scherer sein 90. Lebensjahr in München. Musik begleitet ihn seit frühester Kindheit und ist für ihn weit mehr als ein Hobby. Sie ist eine Möglichkeit, Menschen zusammenzuführen, den Glauben lebendig werden zu lassen und ein Stück Urweger Heimat über Zeiten und Grenzen hinweg zu bewahren. Besonders als Laienmusiker und Chorleiter hat er über Jahrzehnte das musikalische Leben der Urweger Gemeinschaft mitgestaltet.
Michael Scherer ...
Michael Scherer
Schon als dreijähriger Junge, so erzählt er in seinen Erinnerungen, konnte Michael Scherer auf dem Harmonium Melodien spielen. Zu Hause wurde mit Mutter und Schwester viel gesungen, später trat er in der Schule solistisch und im Duett auf. Nach seiner Lehrzeit in Hermannstadt und der Rückkehr nach Urwegen sparte sich der junge Tischler ein gebrauchtes Akkordeon zusammen. Beim damaligen Schulrektor Konnerth lernte er das Notenlesen. Bald folgte ein größeres Hohner-Akkordeon, und gemeinsam mit Freunden spielte und sang er bei Hochzeiten und Tanzveranstaltungen im Unterwald.

Seine eigentliche musikalische Leidenschaft galt jedoch zunehmend der Orgel und vor allem der Chormusik. 1963 und 1964 schickte ihn das Pfarramt jeweils für zwei Monate zur Kantorei der evangelischen Kirche in Baaßen. Dort erhielt er eine fundierte Ausbildung in Chormusik und Chorleitung, Orgelspiel und Harmonielehre. Zurück in Urwegen vertrat er mehrfach den Organisten und Chorleiter Michael Rätscher, sowohl am Dirigentenpult als auch an der Orgel.

Nach der Aussiedlung wurde München zur neuen Heimat und zugleich zum Ort eines neuen musikalischen Anfangs. Bereits 1983 versammelte unser Jubilar sangesfreudige Urwegerinnen und Urweger um sich. Beim Heimattreffen der HOG 1984 trat die Singgruppe erstmals öffentlich auf. Aus ihr entwickelte sich der gemischte Urweger Chor, dessen Repertoire unter seiner Leitung stetig wuchs. 34 Jahre lang leitete Michael Scherer den Chor, dokumentierte dessen musikalisches Wirken in einem von ihm herausgegebenen „Urweger Chorbuch“ und übergab schließlich die Leitung an Michael Rastel. Der Musik blieb er treu und wechselte vom Dirigentenpult in die Bassreihe.
Urweger Chor im Juni 2009 in der Truderinger ...
Urweger Chor im Juni 2009 in der Truderinger Friedenskirche. Foto: Andrea Depner
Was ihm dieser Chor bedeutet, hat Michael Scherer selbst mit wenigen Worten ausgedrückt: Er sei „sozusagen mein Leben“. Dabei ging es ihm nie allein um das gemeinsame Singen. Der Chor sollte Gemeinschaft stiften und das überlieferte Liedgut lebendig halten. So sang er bei Gottesdiensten, Hochzeiten und Beerdigungen, bei Veranstaltungen der Kreisgruppe München im Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und bei den Urweger Heimattreffen.

Von besonderer Bedeutung ist für Michael Scherer die Pflege des Urweger Weihnachtsbrauchtums. Über Jahrzehnte hielt er in der Friedenskirche in München-Trudering die Tradition des Urweger „Lichtertsingens“ lebendig und vermittelte sie an die in Deutschland aufgewachsenen Generationen. Der traditionelle Wechselgesang „Froh stimmt in der Engel Chöre“ erklingt dank seines unermüdlichen Engagements seit Jahrzehnten nur noch in München unter dem Urweger „Lichtert“. Wie eindrucksvoll dies noch heute gelingt, wurde wiederholt in dieser Zeitung dokumentiert.

Gerade darin liegt eine besondere Qualität seines Wirkens: Tradition versteht Michael Scherer nicht als etwas, das lediglich bewahrt und erinnert wird, sondern als etwas, das praktiziert und weitergegeben werden muss. Urweger Liedgut, Chorgesang und Kirchenmusik bleiben lebendig, indem Menschen sie gemeinsam singen und erleben.

Dazu passt auch sein Einsatz für die Orgel der Urweger Kirche. Michael Scherer setzte sich persönlich für ihre Instandhaltung ein und trug so dazu bei, dass das Instrument bis heute in Urwegen spielbar ist. Die Orgel, die ihn bereits als jungen Mann faszinierte, verbindet auf besondere Weise seine Freude an der Musik mit seiner Verbundenheit zu Urwegen. Im höheren Alter ist ihm besonders die geistliche Musik, die „Musica Sacra“, wichtig geworden.

So gibt es an seinem 90. Geburtstag vieles zu würdigen: seine Freude am Musizieren, seine jahrzehntelange Arbeit mit dem Urweger Chor, seinen Einsatz für kirchliche Musik und Brauchtum und nicht zuletzt seine Fähigkeit, durch Musik Gemeinschaft entstehen zu lassen. Dass in München weiterhin siebenbürgische Lieder gesungen werden, dass das „Lichtertsingen“ hier gepflegt wird und dass die Orgel in Urwegen weiter erklingt, zeigt, wie nachhaltig sein Engagement wirkt.

Wir gratulieren Michael Scherer herzlich zu seinem 90. Geburtstag und wünschen ihm Gesundheit, Gottes Segen und vor allem noch viele schöne Stunden mit Musik!

Martina Schorsten, Kreisgruppe München
Michael Minth und Günther Zeck, HOG Urwegen

Schlagwörter: Verbandsleben, Musik, Urwegen, München

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