20. Oktober 2026
Trauer um Uta Martini: Segensreiches Wirken für die Gemeinschaft
Uta Martini ist am 18. September 2026 im Alter von 85 Jahren in Darmstadt gestorben. Sie hat ihr gestalterisches Talent verdienstvoll für die „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“ (HOG Brenndorf) und den Kreisverband Rüsselsheim eingesetzt, umfassende Bildarchive aufgebaut und zahlreiche Ausstellungen organisiert.

Nach Kindergarten und Volksschule in Brenndorf besuchte sie das deutsche Gymnasium in Schäßburg (Abiturabschluss 1960), arbeitete drei Jahre lang in der Kugellagerfabrik zu Kronstadt, machte eine Weiterbildung in der Technischen Schule für Metallurgie, arbeitete als Technikerin und Projektantin im Konstruktionsbüro in der Handwerkzeugfabrik und schloss 1972 ein vierjähriges Abendstudium an der Hochschule für Maschinenbau ebenfalls in Kronstadt ab. Nach ihrer Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland 1978 arbeitete sie als Entwicklungsingenieurin in der Adam Opel AG im Internationalen Technischen Entwicklungszentrum in Rüsselsheim. Karl-Heinz Pohl, ehemaliger Schriftführer des Kreisverbandes Rüsselsheim des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, der auch bei Opel arbeitete, erinnert sich: „Für eine erfolgreiche Mitarbeit wurden gute Englischkenntnisse vorausgesetzt, was sie dazu motivierte, sich dahingehend weiterzubilden. Als einzige Ingenieurin musste sie sich ständig in ihrer von Männern dominierten Arbeitswelt behaupten. Sie arbeitete vorausschauend und lösungsorientiert in der Umsetzung ihrer Projekte. Dabei wurde ihre Arbeit mit Patenteinreichungen zu Gunsten der Adam Opel AG gewürdigt.“
Neben ihrem erfolgreichen Berufsleben war Uta Martini 25 Jahre bei der Sport- und Kulturgemeinde (SKG) Bauschheim beim Wandern und im Chor aktiv.
1982 trat sie in den Verband der Siebenbürger Sachsen ein. „Wenn ich an Uta Martini denke, sehe ich eine energische, fleißige, diszipliniert und zielstrebig handelnde Frau vor mir“, schreibt Ortrun Maurer, ehemalige Vorsitzende und aktuelle Kulturreferentin des Kreisverbandes Rüsselsheim. Dort habe sie durch ihr Wirken Spuren hinterlassen. „Ihr ist es zu verdanken, dass der Kreisverband Rüsselsheim über ein chronologisch geordnetes Fotoarchiv verfügt, dass neben den Fotos der verschiedenen besonderen Veranstaltungen auch die Artikel aus der Lokalpresse vorhanden sind, die Namen der Gründungsmitglieder und der weiteren Vorstände sowie die Leiter der Kulturgruppen des Kreisverbandes nicht in Vergessenheit geraten. Sie hat damit ein visuelles Archiv geschaffen, das den Betrachtern anlässlich von Ausstellungen Freude bereitet und Erinnerungen weckt. Für diese Arbeit erhielt sie 1994 das Silberne Ehrenwappen des Verbandes.“ Uta Martini war über mehrere Jahre Vorstandsmitglied und Kassenprüferin des Kreisverbandes Rüsselsheim. In der Landesgruppe Hessen wirkte sie als Kassenprüferin und unterstützte die Arbeit des Frauenreferates.
Große Verdienste hat sich Uta Martini als Vorstandsmitglied und Fotoarchivarin der „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“ (HOG Brenndorf) von 1982 bis 2009 erworben. Nach dem Motto „Sammeln, Ordnen, Dokumentieren, Präsentieren und Archivieren“ hat sie ihr Organisationstalent und ihre Liebe zum Detail bewiesen und die Fotos nach Themen wie Brenndorf und Umgebung, Kirche, Schule und Kindergarten, Vereine, Dokumentation der HOG in Deutschland usw. geordnet und in Ausstellungen bei den Nachbarschaftstagen der Dorfgemeinschaft, der Burzenländer Arbeitstagung in Neuhaus, den Rosenauer Treffen und in der Kreisgruppe Rüsselsheim gezeigt. Neben Fotos hat sie auch viele Handarbeiten, Wappendecken und Trachten aus Brenndorf gesammelt und ausgestellt. Für das von Otto Gliebe verfasste Büchlein „Letzte Ruhestätte unserer Toten“ (2000) zeichnete sie den dazugehörenden Friedhofsplan mit allen nummerierten Gräbern. Für ihren außerordentlichen Einsatz wurde Uta Martini beim Brenndorfer Nachbarschaftstag am 26. September 2009 in Brackenheim mit der Silbernen Ehrennadel des HOG-Verbandes ausgezeichnet.
Das von Uta Martini aufgebaute Fotoarchiv stellt einen großen Schatz der Dorfgemeinschaft dar, sie hat es im Jahr 2009 an ihren Nachfolger Gert Mechel weitergegeben. Neun Jahre später, beim Treffen 2018 in Brackenheim, wurde die Ausstellung „Brenndorf im Wandel der Zeit“ gezeigt. Sie umfasste eine Auswahl aus Ausstellungen, die Uta Martini im Laufe der Jahre gestaltet hatte, mit Fotos und Texten von Kirche, Schule, Straßenzügen, kirchlichem und kulturellem Leben, das die Sachsen über Jahrhunderte in Brenndorf entfaltet haben.
Ein dramatisches Ereignis aus der Kindheit sollte ihr im Alter zu schaffen machen. Als sie dreieinhalb Jahre alt war, im Herbst 1944, waren russische Soldaten gewaltsam in das Elternhaus in Brenndorf eingedrungen. Durch das Trauma brach sofort eine Schuppenflechte und viel später Leukämie aus. Mit ausländischen Medikamenten und viel Disziplin konnte Uta Martini diese schwere Erkrankung jahrelang im Zaum halten, selbstbestimmt in ihrem Haus in Bauschheim leben und ihren Garten pflegen. Sie starb, nur drei Tage nach ihrem Einzug, am 18. September 2026 im Hospiz in Darmstadt.
Wir danken Uta Martini für ihr segensreiches Wirken für die siebenbürgische Gemeinschaft und schließen uns den Worten ihrer Nichten und Neffen an: „Wenn ein so lieber Mensch stirbt, ist er nicht wirklich tot, sondern lebt in unseren Herzen weiter.“
Siegbert Bruss
Bildergalerie auf brenndorf.de: Ausstellung "Brenndorf im Wandel der Zeit" von Uta Martini, Brackenheim, 2009Schlagwörter: Nachruf, Verbandsleben, Brenndorf, Rüsselsheim
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