15. Mai 2026

Kreisverband Nürnberg feiert 75-jähriges Bestehen: Ministerpräsident Söder gratuliert, Bundesvorsitzender Lehni hält Festrede

„Ich darf sagen, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde, sehr verehrte Ehrengäste, es ist mir eine Ehre und Freude zugleich, dass ich heute wieder hier bin, für mich ist es Heimat, die Siebenbürger Sachsen, für mich ist es Familie und deswegen hätte mich heute nichts abhalten können, egal was passiert wäre sonst. Ich wollte einfach wieder bei euch sein, um herzlich zum Jubiläum zu gratulieren. Herzlichen Glückwunsch, danke für die großartige Arbeit. Ich freue mich, da zu sein.“ Originalton Dr. Markus Söder, Bayerischer Ministerpräsident und Mitglied des Kreisverbandes Nürnberg. Am Samstag vor dem Sonntag Jubilate jubelten wir. Der Anlass dafür war historisch vorgezeichnet: Vor 75 Jahren wurde der Kreisverband der Siebenbürger Sachsen in Nürnberg gegründet. So wie damals beherzte Landsleute am Anfang unserer damaligen Landsmannschaft sich zu einer Kreisgruppe zusammengeschlossen haben, so waren beim großen Jubiläumsfest am 25. April im Eventcenter Nürnberg Gartenstadt hunderte begeisterte Landsleute und Gäste in rauschender Feierlaune. Die Grundlage dazu bot Annette Folkendt, unsere Kreisverbandsvorsitzende, die mit ihrem Team eine organisatorische Leistung der Meisterklasse geliefert hat.
Unter dem Motto „Tradition, Netzwerk, Gemeinschaft“ gab es am Nachmittag einige Stunden lang ein vielfältiges, feierliches Programm mit Musik, Tanz, inspirierenden Grußworten der Festtagsgäste bei bester griechisch-fränkischer Verpflegung und feinschmeckenden siebenbürgischen Leckereien der Bäckerei Ludwig. Ein besonderer Ballabend rundete unser Jubiläumsfest ab. Die Siebenbürger Blaskapelle Nürnberg, die kürzlich ihr 50-jähriges Jubiläum festlich begangen hatte, stimmte unter der akkuraten Leitung von Michael Bielz die zahlreichen Besucher im Vorfeld der offiziellen Eröffnung mit flotten Klängen auf das Festprogramm ein.

Als der Bayerische Defiliermarsch erklang und der bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder unter großem Jubel pünktlich um 14.00 Uhr eintraf, konnte Annette Folkendt die zahlreichen Gäste zum 75-jährigen Jubiläum des Kreisverbandes der Siebenbürger Sachsen Nürnberg begrüßen, an erster Stelle Ministerpräsident Dr. Markus Söder. Sie bekundete ihre Freude, den hohen Gast auch als langjähriges Mitglied des Kreisverbandes willkommen heißen zu dürfen. Ebenso herzlich hieß sie willkommen den Bundesvorsitzenden des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und Festredner Rainer Lehni, den Landesvorsitzenden von Bayern Manfred Binder, den Ehrenvorsitzenden des Kreisverbandes Nürnberg Horst Göbbel, den Bezirkstagspräsidenten von Mittelfranken Peter Daniel Forster, die Mitglieder des Bayerischen Landtags Petra Guttenberger (CSU) und Karl Freller (CSU), die Stadträtin und Vorsitzende der SPD-Fraktion Christine Kayser, die den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg Marcus König vertrat, aus dem Rathaus Fürth Bürgermeister Dietmar Helm, Werner Henning (CSU), Stadtrat und Vorsitzender des Hauses der Heimat, Helmine Buchsbaum (CSU), sowie Natalie Keller (Bündnis90/Grüne), ebenfalls Mitglieder des Nürnberger Stadtrates, die Konsulin des Rumänischen Generalkonsulats in München Casandra Marinescu, Christian Macedonschi, Vorsitzender von Smart City Kronstadt, Lucian Mot, den Vorsitzenden der Landsmannschaft der Banater Schwaben Nürnberg, Dorothea und Rudi Walter von der Führung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland Nürnberg. Alle weiteren Ehrengäste aus benachbarten Kreisgruppen, die Kulturreferentinnen aus Bund und Land, alle Bundes- und Kreisverbandsmitglieder, ehemalige Vorstandsmitglieder des Kreisverbandes, Freunde und Unterstützer unseres Verbandes, die anwesenden Kulturgruppen, die Pressevertreter schloss Annette Folkendt ebenfalls in ihre Begrüßung ein. Sie betonte dabei, dass 75 Jahre Kreisverband 75 Jahre gelebte Gemeinschaft, Zusammenhalt und Pflege der siebenbürgisch-sächsischen Traditionen darstellten. Dieses Jubiläum erfülle den Kreisverband Nürnberg mit Dankbarkeit gegenüber all jenen, die diesen Weg geprägt und gestaltet hätten.

Söder: „Ich bleibe und bin ein großer Freund der Siebenbürger Sachsen“

Auftritte der Kulturgruppen und Grußworte waren anschließend im Wechsel zu erleben. Annekatrin Streifert, Gruppenleiterin der Tanzgruppe der Siebenbürger Sachsen Nürnberg, und Roland Ziegler, Mitglied der Tanzgruppe Nürnberg führten sehr souverän durch das Festprogramm. Als ersten Redner baten sie den Bayerischen Ministerpräsidenten auf die Bühne.
Ministerpräsident Markus Söder und die zwei ...
Ministerpräsident Markus Söder und die zwei Jubilare, die beiden Kulturgruppen, die heuer ihr 50-jähriges Bestehen feiern: die Siebenbürger Blaskapelle und die Tanzgruppe der Siebenbürger Sachsen Nürnberg. Foto: Alfred Schüller
In seinem vielbeachteten Grußwort betonte Dr. Markus Söder seine enge Verbundenheit mit den Siebenbürger Sachsen, deren Veranstaltungen, etwa die Sommerfeste ihn im gelebten Miteinander mitgeprägt hätten. Er erwähnte, dass die Blaskapelle und die Tanzgruppe Nürnberg ebenfalls Jubiläum feiern – beide wurden vor 50 Jahren gegründet, was ein starkes Zeichen lebendiger Tradition sei. „Ein herzliches Dankeschön an all die, die seit Jahrzehnten so wunderschön tanzen und uns dieses Gefühl von Heimat vermitteln, danke schön. Ich bin seit über 30 Jahren Mitglied und ich habe es noch nie bereut. […] All die Jahre habt auch ihr mir Heimat und Herz und Bindung gegeben, ich wurde immer gestärkt und deswegen fühle ich mich dieser Gemeinschaft immer verbunden und deswegen bin ich auch heute gern gekommen, weil man immer wieder hier erlebt, das sind Familienfeste, das sind Heimatfeste.“ Söder betonte, dass er den Siebenbürger Sachsen eng verbunden bleiben werde – nicht nur als Ministerpräsident, sondern ganz persönlich. „Was ihr immer wieder gebt, das ist auch die Erinnerung, was gemeinsame Werte sind. Und zwar nicht gegen jemanden, sondern für. Ihr lebt die alte und die neue Heimat, ihr wisst, wie es früher war und wie es ist und deswegen seid ihr überragende Brückenbauer. Und ich bleibe dabei: Heimatvertriebene und Aussiedler, meine sehr verehrten Damen und Herren, hätten schon längst den Friedensnobelpreis verdient, denn sie verbinden, sie trennen nicht, sie helfen zusammen und deswegen danke für diese große Aufgabe, die bis heute in Europa und in unserer Heimat Deutschland bleibt, danke schön.“ Und zu unserer Identität sagte er: „Und darum ist das Bekenntnis zur eigenen Kultur, zur Sprache, zur Tradition, ja, auch zum Glauben, meine Damen und Herren, eine Verbindung, die uns stark macht - nicht gegen jemanden, aber für uns. Nur wer weiß, woher er kommt, weiß, wo er steht, und weiß, wo er hingeht. […] Man weiß ja manchmal gar nicht, wenn man den Fernseher anmacht, wenn man auf sein Handy schaut, was Irres in dieser Welt wieder passiert! Wir können nicht alles ändern, aber wir können durch Zusammenhalt, durch gemeinsames Bekenntnis in diesen schweren Zeiten Halt finden. Und es tut gut.“ Söder gratulierte dem „Dauerabonnenten im Nürnberger Stadtrat Werner Henning“ und erläuterte seine eigene Rolle bei der Nominierung von „unserem Freund Bernd Fabritius“ als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten in Berlin.

Der Ministerpräsident hob ebenso die Wichtigkeit der guten Beziehungen zu Rumänien hervor. „Bayern steht für diese Partnerschaft, denn nur ein starkes Rumänien tut uns allen in Europa gut. Und deswegen arbeiten wir sehr eng Bayern mit Rumänien zusammen, aber immer auch mit den Heimatvertriebenen und den Aussiedlern. Abschließend fasste er zusammen: „Das Weitergeben von Generation zu Generation funktioniert doch noch. Und bei euch funktioniert es ganz besonders, von einer Tanzgruppenleitung zur nächsten, von einer Veranstaltung zur nächsten wird der Staffelstab weitergereicht und ich kann euch sagen, ich bleibe den Siebenbürgern und natürlich den Banater Schwaben, den Aussiedlern, wenn ich das sagen darf, eng verbunden, bleibe und bin ein großer Freund der Siebenbürger Sachsen. Danke euch allen und Gottes Segen!“ Das Publikum dankte mit kräftigen Ovationen.

Lehni lobt „Demonstration des Zusammenhalts unserer Gemeinschaft“

Rainer Lehni, der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, gratulierte dem Kreisverband zum Jubiläum und nannte die Festveranstaltung in seiner Festrede eine „Demonstration des Zusammenhalts unserer siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft.“ Nürnberg gestalte „seit einem dreiviertel Jahrhundert in konstruktivem Miteinander mit viel Bravour und Erfolg“ siebenbürgisch-sächsisches Leben, habe „Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl beispielhaft gemeistert.“ Er selber habe zahlreiche persönliche Berührungspunkte zu Nürnberg, die Stadt, die er im Frühjahr 1989 als erste Stadt bei seinem Neustart in Deutschland betreten durfte. Er verwies auf das Sommerfest am Wolfgangshof, die Weihnachtsgottesdienste in St. Sebald, die Urzeln, (er als Urzel heuer am Fastnachtsumzug), darauf, dass „Pflege und Erhalt unserer siebenbürgisch-sächsischen Traditionen Anliegen und Herzenssache“ des Kreisverbandes seien. Mit seinen zahlreichen Kulturgruppen als wichtiges Aushängeschild „haben Sie unserer alten Heimat Siebenbürgen eine besondere Stellung auch in der neuen Heimat hier in Mittelfranken geschaffen.“ Der Festredner führte weiter aus: „Und welche Kreisgruppe unseres Verbandes kann sich noch glücklich schätzen, einen Ministerpräsidenten als Mitglied in seinen Reihen zu haben. Sehr geehrter Herr Söder, auch von mir nochmals meinen herzlichen Dank für die jahrzehntelange Mitgliedschaft in unserem Verband wie auch für die große Unterstützung, die wir Siebenbürger Sachsen hier in Bayern durch die bayerische Staatsregierung genießen. Diese Unterstützung wissen wir sehr zu schätzen. Herzlichen Dank und vergelt‘s Ihnen Gott.“ Rainer Lehni schloss mit seinem Dank: „Für eure angesehene ehrenamtliche Arbeit spreche ich euch meinen herzlichen Dank und Hochachtung vor eurer Arbeit aus.“

Nach starkem Applaus kamen die Kinder auf die Bühne. Die von Brigitte Krempels 2000 gegründete und seither geleitete Siebenbürgische Kindertanzgruppe Herzogenaurach (die Herzi-Kids mit ihren 26 aktiven Tänzerinnen und Tänzern zwischen vier und 15 Jahren) boten uns erfrischend den „Hanaks Konter“ und die „Sternpolka“.

Petra Guttenberger und Karl Freller, beide Mitglieder des Bayerischen Landtages (CSU), lobten in ihrem gemeinsamen Grußwort die ehrenamtliche Arbeit, das Engagement, die gelebte Tradition und Gemeinschaft betonten die Brückenbauerfunktion zwischen Generationen, sowie die Tatsache, dass die Siebenbürger Sachsen ein großer Gewinn für die Region seien. Peter Daniel Forster, CSU, Bezirkstagspräsident von Mittelfranken, zeigte auf, wie sehr Siebenbürger Sachsen in der Region in unterschiedlichsten Lebenslagen präsent seien. Der Siebenbürger Chor Fürth, eine Singgemeinschaft mit über drei Jahrzehnten Tradition, die seit 2012 von Rosel Potoradi gekonnt geleitet wird, präsentierte der Jahreszeit entsprechend die Lieder „Grüß Gott du schöner Maien“ und „De Schniglekelcher blähn“, womit auch die Liederschöpferin Grete Lienert-Zultner zu ihrem 120. Geburtstag geehrt wurde.

Die enge Verbindung zur Stadt Nürnberg zeigte sich bei der Festveranstaltung auch im Grußwort von Stadträtin Christine Kayser (SPD) in Vertretung von Oberbürgermeister Marcus König. Sie hob die Bedeutung der 75-jährigen Geschichte des Verbands hervor „Eine Geschichte von Aufbruch nach Verlust, von Neubeginn und Zusammenhalt.“ Sie dankte dem Kreisverband im Namen der Stadt Nürnberg für die gelebte Tradition, für die Arbeit als „Brückenbauer zwischen Generationen, zwischen Herkunft und Zukunft, zwischen Erinnerung und Gegenwart.“
Kulturgruppen des Kreisverbandes Nürnberg: alle ...
Kulturgruppen des Kreisverbandes Nürnberg: alle Tanzgruppen und die Chöre des Kreisverbandes. Foto: Hans-Alfred Schüller
Für die Stadt Fürth sprach Bürgermeister Dietmar Helm (CSU). Er hob die gute Verbindung der Stadt Fürth zu den Siebenbürger Sachsen hervor. Das Haus der Heimat als ein gewichtiger Ort der Begegnung und des Austausches wurde vertreten durch den Vorsitzenden, CSU-Stadtrat Werner Henning, der in seiner eindrücklichen Rede sein Bekenntnis zu den Traditionen und zur Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen betonte und die Aktivitäten des Kulturreferats, die Jugendarbeit und besonders die wesentliche Rolle des Hauses der Heimat als lebendiger Ort des Begegnens nicht nur zwischen Generationen, sondern auch zwischen allen anderen Deutschen aus dem Osten Europas hervorhob. Natalie Keller, Stadträtin (Bündnis90/Die Grünen), Sprecherin für Kulturpolitik und Geschäftsleiterin im Haus der Heimat betonte, dass die Siebenbürger Sachsen seit Jahrzehnten ein unverzichtbarer Teil der Nürnberger Stadtgesellschaft seien. Ihr Engagement, ihre Vereine, ihre Musik, ihre Trachten und ihre Herzlichkeit zeigten, wie kulturelle Vielfalt das Fundament einer demokratischen und solidarischen Gesellschaft stärken. Sie nannte „sieben Gründe“, die erklärten, warum die Siebenbürger Sachsen seit 75 Jahren so erfolgreich, so lebendig und so unverwechselbar seien: „1. Tradition – Hier wird Geschichte getanzt, gesungen und mit Stolz gezeigt. 2. Gemeinschaft – Die Gemeinschaft funktioniert so gut, dass selbst ein modernes Netzwerk davon träumen würde: zuverlässig, herzlich – und immer mit offenen Türen. 3. Tanzen – Wer einmal hineingezogen wird, ist Teil der Choreografie. Und das Lächeln dabei ist sowieso wichtiger als jeder Schritt. 4. Spaß – Wo Siebenbürger feiern, hat der Spaß quasi Hausrecht. Selbst Regen und Wind können die Stimmung nicht aufhalten. 5. Reichtum – Kulturell so wertvoll – Lieder, Rezepte, Geschichten, Trachten, Humor – ein Schatz, der mit jeder Generation wertvoller wird. 6. Netzwerk – Wenn man einen Siebenbürger kennt, kennt man schnell sieben weitere – und ihrerseits jeweils sieben. Ein Netzwerk so stabil, wie eine Kirchenburg. 7. Verein – Das Herzstück. Der Ort, wo Ideen wachsen, Traditionen gepflegt werden und Menschen miteinander Heimat gestalten.“

Sozusagen wie gerufen, folgte einer der Höhepunkte der Jubiläumsfeier – der gemeinsame Auftritt der Tanzgruppen (42 Trachtenpaare) der Siebenbürgischen Jugendtanzgruppe Herzogenaurach (2003 gegründet, 25 Aktive, Leitung: Julia Gunnesch, Brigitte Krempels und Marc Pall), der Tanzgruppe der Siebenbürger Sachsen Nürnberg (1976 gegründet, aktuell 33 aktive Mitglieder, Leitung Annekatrin Streifert und Roswitha Bartel), der Siebenbürgischen Jugendtanzgruppe Nürnberg (2008 gegründet, 20 Mitglieder, Gruppenleitung Anna Heerdegen und Lea Zikeli, Tanzleitung Angelina Wagner und Anna Zikeli), der Trachtentanzgruppe Nadesch (gegründet 1996, Leitung Werner Henning und Erna Roth, tänzerische Leitung Jessica Roth und Alexandra Wolff) und der Volkstanzgruppe Herzogenaurach (1996 gegründet, Leitung Renate Kellner und Gerhard Berner). Mit ihrem „Neppendorfer Ländler“ und der „Solsäter Polka“ ist es ihnen gelungen, die Anwesenden richtig mitzunehmen und besonders zu begeistern. Danach richtete die Konsulin von Rumänien am Generalkonsulat München, Casandra Marinescu, ihren besonderen Gruß aus an uns auch im Auftrag von Generalkonsulin Miheia-Mălina Diculescu-Blebea, lobte die Siebenbürger Sachsen als Brückenbauer, streifte die historischen Verbindungen von Bayern und Rumänien und die guten Beziehungen Rumäniens zu Bayern und Deutschland und hob in ihrem Lob die Leistungen der Minderheiten in Rumänien hervor.

Drei Viertel eines Jahrhunderts sei ein „beeindruckendes Zeugnis von Beständigkeit, Gemeinschaftssinn und gelebter Verantwortung für unser siebenbürgisch-sächsisches Erbe“, führte danach Manfred Binder, der Vorsitzende des Landesverbandes Bayern, in seinem prägnanten Grußwort aus und fügte hinzu: „Euer Kreisverband zeichnet sich in besonderer Weise durch seine Aktivität, die Vielfalt an Kulturgruppen und vor allem durch die vielen engagierten Menschen aus, die ihn mit Leben füllen. Dieses lebendige Miteinander ist das Fundament Eures Erfolges und ein Vorbild weit über die Kreisgrenzen hinaus.“ Er wies auf das historische Wachsen dieser lebendigen Gemeinschaft „aus der Not und dem Neubeginn der Nachkriegszeit“ und erinnerte daran, dass „hinter jeder Veranstaltung, jedem Auftritt und jeder Begegnung Menschen stehen, die Zeit, Kraft und Herzblut investieren. Ihnen allen gilt unser aufrichtiger Dank.“ Und er wünschte uns „weiterhin viel Tatkraft, Ideenreichtum und Zusammenhalt. Möge der Kreisverband auch in Zukunft ein Ort der Begegnung, der Inspiration und des Engagements bleiben.“
Ehrung von Werner Henning (Mitte) durch ...
Ehrung von Werner Henning (Mitte) durch Bundesvorsitzenden Rainer Lehni (rechts) und Johann Schuster. Foto: Hans-Alfred Schüller
Eine so gewichtige Veranstaltung ohne Ehrungen gibt es natürlich nicht. Johann Schuster, Stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Nürnberg, ehrte zunächst Maria Jung, gebürtig aus Lechnitz, Nordsiebenbürgen, seit 1958 Verbandsmitglied, Inge Alzner, gebürtige Bistritzerin, seit 40 Jahren im Kreisverband als aktives, sehr zuverlässiges Vorstandsmitglied dabei, 20 Jahre die Stellvertretende Vorsitzende, als Horst Göbbel die Leitung innehatte, danach Vorsitzende zwölf Jahre, nachher wieder vier Jahre Stellvertretende Vorsitzende zum Wohle unserer Gemeinschaft und Karline Folkendt. Sie ist seit ihrem fünften Lebensjahr in der Kinder- und Jugendtanzgruppe aktiv und übernahm später die Leitung dieser Gruppen. Seit zehn Jahren ist sie unsere Internetreferentin mit Schwerpunkt Homepage in unserem Kreisverband und seit fünf Jahren im engen Vorstand als Schriftführerin. Die vorliegende Festschrift für unser Jubiläum, beim Fest verteilt, entspringt ihrer dankenswerten redaktionellen Arbeit. Als Rainer Lehni anschließend Werner Henning die Goldene Ehrennadel unseres Verbandes anheftete, hob er dessen vielfältige besonderen Verdienste der letzten Jahrzehnte lobend hervor: Leiter der Trachtentanzgruppe und Vorsitz der HOG Nadesch, Kommissarischer Vorsitzender des HOG-Verbandes, Vorsitzender des Kreisverbandes des BdV, seit vier Jahren auch des Hauses der Heimat Nürnberg, ab 1. Mai in dritter Amtsperiode Stadtrat für die CSU in Nürnberg und sein enormes persönliches Engagement beim Zustandekommen der 2024 geschlossenen Städtepartnerschaft zwischen Kronstadt und Nürnberg. „Sein Einsatz für die Sichtbarkeit und Wertschätzung des siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbes ist dabei stets von großem persönlichem Einsatz geprägt. Sein langjähriges kontinuierliches und wirkungsvolles Engagement für die Pflege unserer kulturellen Identität, für die Verständigung zwischen den Gemeinschaften und für die Stärkung der partnerschaftlichen Beziehungen verdienen die Auszeichnung mit dem Goldenen Ehrenwappen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen voll und ganz.“

Das große festliche Finale des Kulturteils bestritt unser Siebenbürgischer Liederkranz Nürnberg. Hervorgegangen aus dem „Fürther Chörchen“ (ab 2021 bis Ende 2024 unter Leitung von Angelika Meltzer) setzen sich seither unter Martin Miess (Motto „Singen in Gemeinschaft macht Freude, hält jung und gesund“) ca. 30 Chormitglieder bewunderungsvoll in Szene. „De Kirsche blähn än asem Guerten“ von Anna Schuller-Schullerus sowie „Wir sind im Herzen jung“ von Jörgen Andersson erklangen und lösten großen Applaus aus. Den Redereigen schloss Annette Folkendt mit feinen Dankesworten, namentlich an alle Kulturgruppen, deren Leitungen, allen Vorstandsmitgliedern und Helfern, die im Hintergrund mitgearbeitet haben, dem Jugendreferat, namentlich Anny Wagner, Karl Schuster, Johann Schuster, Alice Cao-Gottschling, Brigitte Krempels, Annekatrin Streifert und Roland Ziegler, sowie alle Gäste für ihren Applaus und ihre Geduld. Zum Ausklang des ersten Teils sangen wir aus voller Brust, vom Liederkranz bestens geleitet, das Siebenbürgen- und das Deutschlandlied.

Ab 20.00 Uhr folgte die Tanzveranstaltung mit der Harmony-Band, deren Klänge und Gesang sofort den Tanzpuls und das Tanzvergnügen dauernd bis nach Mitternacht wach hielt. Mittendrin gab es eine fulminante Showeinlage, einen tänzerischen Leckerbissen besonderer Art: Standard-Tanzpaar Kathrin und Richard Lebedev vom Rot-Gold-Casino Nürnberg, umfassend vorgestellt von Karline Folkendt (Kathrin ist die talentierte Tochter unserer Landsleute Hermann und Heidrun Depner aus Tekes, sie und ihr Mann erreichten den dritten Platz bei der Bayerischen Meisterschaft, Hauptgruppe S Standard, sie sind Vize-Europameister mit der Standardformation 2022 und mehrfache Finalisten der Deutschen Meisterschaft Formation), wirbelten raumgreifend auf der Tanzfläche: sie in leuchtendem Blau, er in Schwarz und Weiß. Zuerst tanzten sie einen Langsamen Walzer und Quickstep, zum Abschluss, nach einem feinen Dialog mit Karline, einen Tango, einen Slowfox und einen Wiener Walzer als Zugabe. Stürmischer Applaus folgte.

Das Jubiläum bot auch eine ansehnliche Festschrift mit 128 Seiten, 135 repräsentativen Abbildungen, Grußworten von Rainer Lehni, Ministerpräsident Dr. Markus Söder, Manfred Binder, den Oberbürgermeistern Marcus König und Dr. Thomas Jung und Annette Folkendt, mit einem umfassenden historischen Rückblick, 39 von den einzelnen Kulturgruppen und Initiativen verfassten Berichten, sowie auch einen kleinen Ausblick, wo es heißt: „Im Rückblick staunen wir über die Kraft der Gemeinschaft, den Halt, welchen sie in schweren Zeiten verlieh, und die Freude, welche sie uns heute schenkt. Gemeinschaft meint dabei auch Geselligkeit. Zusammen feiern, singen, tanzen und Gespräche führen, bereichert auch in unserem Kreisverband das Leben! Ganz besonders die letzten Jahrzehnte zeigen unsere eindeutig gelungene Integration, unseren wirtschaftlichen, kulturellen, gesellschaftlichen Erfolg. Die uns von den Behörden und weiteren Kultureinrichtungen bzw. von der Öffentlichkeit entgegengebrachte Wertschätzung und Achtung bestärkt uns, den eingeschlagenen Weg zuversichtlich weiterzugehen. Dies wird so lange möglich sein, sofern es uns gebürtige Siebenbürger Sachsen bzw. von gebürtigen Siebenbürger Sachsen Abstammende gibt, die das durch ihre siebenbürgisch-sächsische Identität geprägte Bedürfnis und Bewusstsein ­haben, ihr Gefühl der Zusammengehörigkeit zu äußern und sich engagiert dafür einsetzen, diese Gemeinschaft organisatorisch zu betreuen, Menschen zu verschiedenen Anlässen und Veranstaltungen zusammenzuführen. Dann wird es diesen Kreisverband weiterhin als Kristallisationspunkt zahlreicher Landsleute und Freunde der Siebenbürger Sachsen in vielerlei Bereichen auch in Zukunft geben.“ Der Zauber der Worte, der Musik, des Tanzes, der Trachten, der Begegnung, des Austauschs, hat uns auch bei diesem rauschenden Jubiläumsfest gut getan und unsere siebenbürgisch-sächsische Identität und unseren Zusammenhalt auch in diesen bewegten Zeiten gestärkt. Danke.

Hildegard Steger/Horst Göbbel

Die Bildergalerie finden Sie auf der Homepage des Kreisverbandes unter siebenbuerger-sachsen-nuernberg.de. Die Festschrift kann man hier herunterladen: siebenbuerger.de/go/1004U

Playlist: Dokumentation der Jubiläumsfeier 75 Jahre Kreisverband Nürnberg auf YouTube, 19 Videos von Hermann Depner

Schlagwörter: Nürnberg, Kreisverband, Jubiläum, Markus Söder, Rainer Lehni

Bewerten:

17 Bewertungen: +

Noch keine Kommmentare zum Artikel.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich. Die Kommentarfunktion ist nur für registrierte Premiumbenutzer (Verbandsmitglieder) freigeschaltet.