15. März 2017

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Geschichte des Apothekenwesens im Kreis Hermannstadt

In dem Buch "Contribuţii la farmaco-istoria Transilvaniei – Oficinele judeţului Sibiu [Beiträge zur Pharmaziegeschichte Siebenbürgens – Die Apotheken des Kreises Hermannstadt]" veröffentlicht Ovidiu N. Maior seine umfassenden Untersuchungen zur Geschichte des Apothekenwesens im Kreis Hermannstadt vom 13. Jahrhundert bis zur Verstaatlichung aller siebenbürgischen Apotheken in den Jahren 1949/1953. Die bedeutendsten Apotheker waren gleichzeitig als Naturwissenschaftler tätig.
Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil umfasst auf 163 Seiten vier Kapitel. Im ersten Kapitel geht Maior auf die Anfänge des Hermannstädter Apothekenwesens von 1292-1750 ein. Im zweiten Kapitel nennt er die Apotheken der Jahre 1750-1876, im dritten Kapitel jene von 1876-1918 und im vierten Kapitel die der Jahre 1918-1949/53. Die Apotheken werden dabei in der Reihenfolge ihrer Gründung erwähnt. Der zweite Teil des Buches beinhaltet die Monographien der 52 Apotheken des Kreises Hermannstadt, ebenfalls angeordnet nach ihrer Gründung bis Juli 1971. In einer Übersichtskarte des Kreises Hermannstadt werden alle Ortschaften angeführt, in denen es Apotheken gegeben hat.

Die Aufzählung und Beschreibung der Apotheken des Hermannstädter Kreises beginnt mit der Stadtapotheke von Hermannstadt, die 1494 erstmals in den Stadtakten erwähnt wurde. Sie ist die älteste Hermannstädter Apotheke und ihr erster Apotheker ist unter dem Namen Johannes bekannt. Bereits ein Jahr danach wurde aus Deutschland der Apotheker Martinus Flaschner berufen, der 1509 als solcher erwähnt wird. 1525 wird als neuer Apotheker Georg Wesselin angestellt. Im Oktober 1531 übernimmt Andreas Barthel die Apotheke, wobei im Beisein des Stadtrichters Johannes Roth und des Stadtarztes Sebastian Paussner ein Apothekeninventar erstellt wurde, das auch das älteste erhalten gebliebene Apothekeninventar Siebenbürgens und Rumäniens ist. Barthel war Leiter der Stadtapotheke bis zu seinem Tod 1548. 1549 übernahm die Stadt von dessen Witwe die Stadtapotheke für 180 Gulden (fl.). Von 1550-1551 war der Michael Stadtapotheker in Hermannstadt und von Juli 1553 -1573 war vor allem der Apotheker Gallus Fischser deren Leiter. Am 2. Februar 1580 übernahm der aus Duisburg berufene Apotheker Wilhelm Balck die Leitung der Stadtapotheke. Bei seiner Einstellung wurde auch ein detailliertes Inventar erstellt, das als zweites Hermannstädter Apothekeninventar erhalten geblieben ist. In der 1494 vom Hermannstädter Stadtrat gegründeten Apotheke waren anschließend zehn Apothekenleiter und acht vom Stadtrat angestellte Apotheker tätig. Das Lutschhaus in Hermannstadt (heute Sitz des ...Das Lutschhaus in Hermannstadt (heute Sitz des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt), in dem Georg Vette seit 1727 seine Apotheke hatte. Rechts das Bischofspalais. Foto: Konrad Klein (2009) 1672 berief der Hermannstädter Stadtrat den Botaniker und Apotheker Georg Vette aus der königlichen Apotheke in Danzig als Apothekenleiter in die Stadtapotheke Hermannstadt. Als guter Naturbeobachter entdeckte er 1675 unweit von Hermannstadt Missbildungen an den Stängeln der Türkenbund-Lilie und der Wiesen-Schlüsselblume, die er 1675 beschrieb und 1676 in der naturwissenschaftlichen Zeitschrift „Ephemeridum“ in Schweinfurt veröffentlichte. Ebenfalls hier erwähnt er eine bei Hermannstadt entdeckte „brennende Quelle“, aus der Gasblasen aufsteigen, die sich anzünden lassen und dann „als drei Fuß hohe Flamme brennen“. Nachdem es sich bei diesen Gasblasen um Methangas handelte, was man damals nicht wusste, kann Georg Vette auch als der Entdecker der Methangasvorkommen in Siebenbürgen betrachtet werden. Zu seiner Zeit galt er als bester Apotheker Siebenbürgens. Als Vette am 11. Juni 1704 starb, übernahm sein 20-jähriger Sohn Johann Georg Vette, mit der Zustimmung des Stadtrates, die Leitung der Stadtapotheke. Sein dafür notwendiges Apothekerwissen hatte ihm sein Vater in den Jahren davor vermittelt. Bald danach kaufte er die Stadtapotheke, die somit in Privatbesitz gelangte und benannte sie Apotheke „Zum Schwarzen Adler“. Da er anschließend wichtige politische Vorhaben erledigen wollte, übertrug er die Leitung in seiner Apotheke an von ihm angestellte Apotheker. Selbst war er in seiner Apotheke nie tätig. 1706 begann Johann Georg Vette sein Medizinstudium in Deutschland und in Holland, das er 1711 mit seiner Promotion zum Dr. med. abschloss. In der nachfolgenden Zeit war er nur noch in der Stadt- und Bezirksverwaltung des Hermannstädter Stuhles als Notar und Richter in verschiedenen Ämtern tätig. Zunächst wurde er 1713 in die Hundertmannschaft der Stadt gewählt. 1717 wurde er zum Vizenotar der Stadt, 1724 zum Notar, 1728 zum Senator, 1738 zum Stadtrichter und schließlich 1745 zum Richter des Hermannstädter Stuhles gewählt. Als solcher starb er 1746. Sein einziger Sohn Dr. Johann Andreas Vette erbte sowohl die Apotheke als auch die beiden Häuser der Familie. Die Leitung der Familienapotheke erfolgte schon seit längerer Zeit durch einen Provisor. Aus gesundheitlichen Gründen verkaufte Dr. Vette 1752 die Apotheke an den Hermannstädter Apotheker Dr. Micheal Gottlieb Theiss.

Zu den verdienstvollen Hermannstädter Apothekern des 18./19. Jahrhunderts gehören auch die beiden Apotheker Samuel Kräutner (1750-1797) und Petrus Sigerus (1759-1831). Kräutner erwarb sich in seiner Apotheke „Zum Schwarzen Bären“ große Verdienste um die Ausbildung angehender Apotheker und war ein guter Kenner der siebenbürgischen Heilpflanzen. 1793 veröffentlichte er Berichtigungen und Ergänzungen zum Verzeichnis der in Siebenbürgen heimischen offizinellen Pflanzen von Sigerus (1791).

Sigerus gründete 1795 die Apotheke „Zum Löwen“ und widmete sich neben seinem Beruf auch der Wetterkunde und besonders der Botanik. Er veröffentlichte ein Verzeichnis der in Siebenbürgen wildwachsenden Heilpflanzen (1791) und eine Arbeit über meteorologische Beobachtungen in Hermannstadt (1807). Er ist somit der Begründer der pharmazeutischen Botanik in Siebenbürgen. Sein Herbarium umfasste über 1600 Pflanzenbelege. Auch ein fünfbändiges Herbarium vivum mit 250 Pflanzenarten ist von ihm erhalten geblieben. Seine Flora von Hermannstadt blieb unveröffentlicht.

Im zweiten Teil des Buches wird zudem die Geschichte von 51 weiteren Apotheken des Kreises Hermannstadt auf 371 Seiten beschrieben und durch zahlreiche Abbildungen ergänzt. Ein Literaturverzeichnis von 860 Zitaten beschließt das Buch.

Dr. Heinz Heltmann

Ovidiu N. Maior: Contribuţii la farmaco-istoria Transilvaniei – Oficinele judeţului Sibiu [Beiträge zur Pharmaziegeschichte Siebenbürgens – Die Apotheken des Kreises Hermannstadt], Editura Echinox, Klausenburg (Cluj-Napoca), 2014, 600 Seiten, 148 schwarzweiße und 1 farbige Abbildungen, 88 Tabellen.

Schlagwörter: Apotheker, Hermannstadt, Naturwissenschaften

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