23. Juli 2026

„Wir sind Heimat“: Nordamerikanischer Heimattag 2026 in Aylmer bezeugt grenzüberschreitenden Gemeinschaftsgeist

Siebenbürger Sachsen aus Kanada, den USA und sogar aus Deutschland trafen sich vom 10. bis zum 12. Juli in Aylmer, Ontario, zum Nordamerikanischen Heimattag 2026. Die Saxonia Hall und ihre Mitglieder freuten sich, Rainer Lehni, den Präsidenten der Föderation der Siebenbürger Sachsen und Bundesvorsitzenden des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, gemeinsam mit seiner Frau Heike sowie die Bundesgeschäftsführerin des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Ute Brenndörfer, mit ihrem Ehemann und weiteren Gästen begrüßen zu dürfen. Die dreitägige Veranstaltung wurde dieses Jahr vom Deutsch-Kanadischen Club (Saxonia Hall) in Aylmer ausgerichtet unter dem Motto „Wir sind Heimat“.
Der Heimattag findet jeden Sommer abwechselnd in Kanada und den USA statt. Im Mittelpunkt standen 2026 weder die Orte, die wir als unsere Heimat in Erinnerung behalten, noch die neuen Wohnorte in Kanada und den USA, sondern die vielen Generationen von Menschen in unseren sächsischen Gemeinden, die durch ihre Geschichten und Traditionen ein Gefühl von Heimat schaffen. Die Wochenendveranstaltungen begannen am Freitagabend mit einem Biergarten unter freiem Himmel. Die Teilnehmer trafen sich bei diesem Willkommensfest im Stil der FIFA-Weltmeisterschaft und knüpften Kontakte zu alten Freunden. Am Samstagnachmittag fand eine Bierverkostung statt. Sechs verschiedene deutsche Biere wurden zusammen mit kleinen Häppchen angeboten. Zusätzlich erläuterte der Bierexperte Daniel Schmidt Einzelheiten zu den Kostproben. Herr Schmidt begeisterte die Gäste mit seinem Wissen über bayerische Biere.

Die offizielle Eröffnung des Wochenendes fand am Samstagabend mit einem Festessen und Tanz statt. Für die musikalische Untermalung sorgte die Youngstown Saxon Brass Band unter der Leitung von Mike Bachinger. David Pfingstgraef, Präsident der Saxonia Hall, begrüßte die Gäste mit einer herzlichen Ansprache darüber, wie unsere Mitglieder Heimat schaffen und bewahren und wie wichtig es ist, dass wir in Kanada und den USA bewusst Entscheidungen treffen, die zum Fortbestand unserer Traditionen beitragen, indem wir Geschichten und Wissen an unsere Kinder und Nachbarn weitergeben. Er forderte alle Anwesenden auf, nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatgemeinden ein neues Mitglied einzuladen, um gemeinsam die Musik, den Tanz, den Gesang, das Essen, die Trachten und die Geschichten unserer Kultur zu erleben.

Rebecca Horeth, Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Kanada, würdigte „unsere Eltern, Großeltern und Vorfahren, die die Herausforderungen der Einwanderung nach Nordamerika meisterten und die wertvollsten Aspekte ihres Alltags aus ihrer Heimat bewahren wollten“. Sie erklärte, dass das Fortbestehen unserer sächsischen Traditionen in Kanada und den USA „allen Menschen zu verdanken ist, die sich engagieren, die unsere Wurzeln pflegen und die, wie unsere Vorfahren, unsere Traditionen mit Begeisterung an unsere Kinder und Nachbarn weitergeben“. Rebecca fuhr fort: „Da unsere Familien und Gemeinschaften wachsen und unsere direkten Verbindungen zu Siebenbürgen zunehmend verblassen, wird unsere Verbundenheit mit unseren sächsischen Wurzeln komplexer. Anstatt Siebenbürger Sachsen zu sein, nur weil wir dort leben oder weil unsere Eltern es waren, entscheiden wir uns bewusst dafür, als Siebenbürger Sachsen zu leben.“ Der Abend schloss mit Gesang des Transylvania Klub Chors unter der Leitung von Andrea Emrich und einer Aufführung der Transylvania Klub Tanzgruppe unter der Leitung von Laik Sweeney.

Der Sonntag begann mit einem evangelischen Gottesdienst in der St. John’s Church, einer örtlichen Gemeinde, die in den 1950er-Jahren von deutschsprachigen Einwanderern aus Osteuropa nach ihrer Ankunft in der Gegend um Aylmer gegründet wurde. Pastor Barry Boeckner leitete den Gottesdienst und führte die Teilnehmer anhand des Gleichnisses vom Sämann in die Besinnung auf unsere Wurzeln ein. Sowohl Gemeindemitglieder als auch Gäste des Heimattags freuten sich, die Kirche voller Trachtenträger zu sehen. Besonders bewegend war der gemeinsame Auszug aus der Kirche im Rahmen des Trachtenzuges – eine lebendige Erinnerung an einen geschätzten Brauch aus Siebenbürgen.
Kirchgang und Trachtenumzug zur Saxonia Hall der ...
Kirchgang und Trachtenumzug zur Saxonia Hall der Fahnenträger: Ryan Hesch (Siebenbürgen), Henry Botsch (USA), Daniel Pfingstgraef (Kanada), Derek Gotzmeister (Schweiz), Reilly Ragot (Rumänien), Kate Pfingstgraef (Österreich), Julie Firtl (Deutschland). Foto: AJ Coletti
Nach ihrer Rückkehr in die Saxonia Hall überbrachte Denise Crawford, Präsidentin der Alliance of Transylvanian Saxons (ATS) in den USA, während der Kundgebung Grüße. Denise teilte ihre Erfahrungen darüber, wie unsere Kultur uns über Grenzen hinweg verbindet: „Unsere siebenbürgisch-sächsischen Wurzeln sind etwas ganz Besonderes, und diese Traditionen werden an diesem Wochenende hier mit Stolz präsentiert. Wir fühlen uns für einen Moment zurück in die Heimat versetzt. Es entsteht sofort eine Verbindung, oft sogar eine Freundschaft mit Menschen, die man gerade erst kennengelernt hat. Alle hier Anwesenden sind fortan für immer miteinander verbunden. Wenn man sich beim nächsten Heimattag wiedertrifft, ist man dem anderen nicht mehr fremd. Man fühlt sich wie zu Hause bei seiner Familie.“

Rainer Lehni übermittelte Grüße aus Deutschland. Er berichtete von den Erfolgen unserer siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft in Europa in diesem Jahr und sagte: „‚Wir sind Heimat‘ passt wunderbar zu unserer weltweit verstreuten Gemeinschaft. Es ist eine Gemeinschaft, die alle Generationen anspricht und vereint – etwas, das typisch für uns Siebenbürger Sachsen ist. Ich glaube, die Siebenbürger Sachsen in Deutschland und Nordamerika hätten in diesem Jahr keine treffenderen Schlüsselwörter finden können. Ihr hier, meine lieben Landsleute in Kanada und den USA, lebt in der zweiten, dritten oder vierten Generation fernab von Siebenbürgen. Es ist bemerkenswert, wie junge Siebenbürger Sachsen aus Nordamerika, von denen einige weder Deutsch noch Sächsisch sprechen, über sich selbst sagen: ‚Ich bin stolz, Siebenbürger Sachse zu sein.‘ Junge Menschen sind neugierig und wissbegierig. Und zweifellos ist dies die Generation, die ihre Wurzeln wiederentdeckt. Für den Erhalt unserer Gemeinschaft ist die Weitergabe unserer Traditionen an diese junge Generation von entscheidender Bedeutung.“
Verleihung des Ehrensterns der Föderation an John ...
Verleihung des Ehrensterns der Föderation an John Werner (Zweiter von links), von links: Rainer Lehni, Denise Crawford, Rebecca Horeth. Foto: Heidi Löwrick
Im Rahmen der Kundgebung am Sonntag überreichten Rainer Lehni, Rebecca Horeth und Denise Crawford den Ehrenstern der Föderation der Siebenbürger Sachsen, die höchste Auszeichnung der weltweiten sächsischen Gemeinschaft, an John Werner in Anerkennung seines 28-jährigen Engagements in der sächsischen Gemeinschaft Kanadas als Vorsitzender der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen. John Werners Beiträge sowohl als Vorsitzender als auch in anderen Funktionen, zudem sein über fünfzigjähriger Einsatz für Jugendlager- und Kulturaustauschprogramme haben viele Generationen von Siebenbürger Sachsen in Kanada und im Ausland geprägt. Rainer Lehni erklärte: „Mit der Verleihung des Ehrensterns möchten wir Dein jahrzehntelanges Engagement für die Siebenbürger Sachsen würdigen. Du hast dich nicht nur mit großer Sorgfalt um unsere in Kanada lebenden Sachsen gekümmert, sondern warst immer bestrebt, die Verbindungen über Kontinente hinweg stetig auszubauen. Föderationsjugendlager und Kulturaustausch waren dir seit Jahrzehnten ein Herzensanliegen. Gerade mit diesem Einsatz hast du es verstanden, die Siebenbürger Sachsen in Europa und Nordamerika näher zu bringen. Jeder, der dich kennt, weiß, dass du dich dein ganzes Leben für die Belange der Siebenbürger Sachsen und deren grenzüberschreitenden Zusammenhalt eingesetzt hast. Angefangen mit der Jugendarbeit und deiner Teilnahme am ersten Föderationsjugendlager in Deutschland 1971, bis hin zu den 28 Jahren, in denen du als Bundesvorsitzender der Landsmannschaft in Kanada gewirkt hast.“

John Werner bedankte sich für die Auszeichnung und erinnerte zunächst an seine sächsischen Wurzeln – seine Mutter stammte aus Meschendorf, sein Vater aus Weilau. Er blickte auf seine über 56-jährige aktive kulturelle Arbeit und sein Engagement für das kulturelle Erbe der sächsischen Gemeinschaft in Kanada zurück und sagte: „Ich hatte das Privileg, viele Menschen kennenzulernen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, um diese Programme zu entwickeln und umzusetzen.“ Er sprach auch über seine Erfahrungen als Teilnehmer des ersten Jugendlagers 1971 in Siegen und über den Heimattag: „Der Heimattag, den wir jedes Jahr abwechselnd in den USA und Kanada feiern – wie an diesem Wochenende hier in der Saxonia Hall –, ist unser jährliches sächsisches Fest. Er bringt uns zusammen, um unser Erbe zu feiern, alte Freunde wiederzusehen, neue kennenzulernen und unseren Kindern und Jugendlichen die siebenbürgisch-sächsische Kultur und ihre Traditionen näherzubringen. Wir hoffen, mit dem Heimattag und unseren Vereinsveranstaltungen bei unseren jungen Leuten ein dauerhaftes Interesse zu wecken, das uns hilft, unser Erbe zu bewahren und weiterzugeben.“

Zum Schluss dankte John Werner all jenen, die ihn über die Jahre unterstützt hatten: „Meinen Erfolg in all meinen Tätigkeiten verdanke ich meiner Frau Helgard und unserer Familie, dem Vorstand der Landsmannschaft, meinen Weggefährten im Transylvania Klub und in der Saxonia Hall, den Verantwortlichen der Föderation der Siebenbürger Sachsen sowie all unseren sächsischen Mitgliedern und Freunden.“

Den Abschluss des Wochenendes bildeten Auftritte der Cleveland Saxon Dance Group und der Saxonia Dancers sowie die Einladung von Denise Crawford im Namen der ATS zum Nordamerikanischen Heimattag 2027 in Cleveland, Ohio, der vom 9. bis 11. Juli 2027 stattfinden wird.

Rebecca Horeth, Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Kanada

Schlagwörter: Heimattag, Kanada, Aylmer, John Werner, Rainer Lehni

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