18. September 2018

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„Zwischen Bistritz und Kronstadt“: Festlichkeiten zur 100-Jahrfeier des modernen Rumänien in Düsseldorf

In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf fanden vom 11. bis 13. September mehrere Veranstaltungen anlässlich des hundertjährigen Bestehens des modernen rumänischen Staates statt. Die beiden Veranstalter – der Deutsch-Rumänische Kulturverein Atheneum sowie die Landesgruppe Nordrhein-Westfalen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland – wurden dabei organisatorisch vom Goethe-Museum und der Stadt Düsseldorf unterstützt. Erinnert wurde mit diesem dreitägigen Programm an die Vereinigung Siebenbürgens und weiterer Gebiete mit Rumänien im Jahr 1918.
Düsseldorf hat eine ganz besondere Beziehung zu Rumänien. Hier lebte in den Schlössern Jägerhof und Benrath der spätere erste rumänische König Karl I., bevor er 1866 in den noch jungen Staat Rumänien reiste, der ihn zum Fürsten auserkoren hatte. Auch sein Neffe und Nachfolger Ferdinand verbrachte seine Kindheit und Jugend in diesen beiden Schlössern.

Der dritte Tag der Feierlichkeiten stand ganz im Zeichen der Siebenbürger Sachsen. Die Landesgruppe Nordrhein-Westfalen hatte in den Festsaal des Schlosses Jägerhof, in dem auch das Goethe-Museum untergebracht ist, zum festlichen Abend geladen, der unter dem Motto „Zwischen Bistritz und Kronstadt“ stand. Ein hervorragendes Konzert bot Hildegard Bergel-Boettcher, begleitet an der Gitarre von Andrea Gatzke, die es verstand, das Publikum mit siebenbürgisch-sächsischen Liedern in ihren Bann zu ziehen. Bekannte und weniger bekannte Weisen in der sächsischen Mundart von „Et såß e kli wäld Vijeltchen“ über „Der Bäsch wid giël“, „Det Strëißken“ bis zum Hochzeitslied „Hochzet hu mer!“ überraschten das gemischte Düsseldorfer-siebenbürgisch-sächsische-rumänische Publikum. Die Gitarrensätze zu den Liedern verfasste Andrea Gatzke.Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel ...Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (Bildmitte) mit Prinzessin Maria von Rumänien (5. von links), Botschafter Emil Hurezeanu (4. von links) und Landesvorsitzendem Rainer Lehni (1. von links) im Rathaus Düsseldorf. Foto: Heike Mai-Lehni Den langen Weg von München nach Düsseldorf hatte auch der renommierte Schriftsteller Hans Bergel auf sich genommen. Mit seiner Erzählung „Das Menuett der Königin“, die an seine Begegnung als Kind mit Königin Maria von Rumänien Mitte der 1930er Jahre im Schloss Törzburg erinnerte, verstand es der mittlerweile 93-jährige Senior der siebenbürgisch-sächsischen Literatur ausgezeichnet, die Zuhörer in die Zeit der rumänischen Könige zu entführen.

Nicht alltäglich für eine Tanzgruppe des Verbandes ist auch ein Auftritt in einem Schloss bzw. Museum. Mit einem erfrischenden Auftritt zeigten die Siebenbürgisch-Sächsischen Tanzgruppen Wiehl-Bielstein und Wuppertal ihr Können. Mit Bravour und Charme führten sie in ihrem gemeinsamen Auftritt das Publikum im vollen Festsaal auf eine Reise durch den siebenbürgisch-sächsischen und deutschen Volkstanz.Die Tanzgruppen Wiehl-Bielstein und Wuppertal bei ...Die Tanzgruppen Wiehl-Bielstein und Wuppertal bei ihrem Auftritt in Schloss Jägerhof. Foto: Heike Mai-Lehni Als Überraschung seitens des Mitveranstalters Atheneum gedacht, stellte die Journalistin Ruxandra Hurezean ihre beiden Bücher über die Siebenbürger Sachsen bzw. das Dorf Deutsch-Kreuz vor, die mit Unterstützung der Michael Schmidt Stiftung herausgegeben wurden. Den Abschluss bildete ein ebenfalls hervorragender Auftritt des Streichquartetts „Incanto“, das für dieses dreitägige Programm aus Temeswar angereist war.

Ein herzlicher Dank für die finanzielle Unterstützung dieses Abends der Siebenbürger Sachsen geht an die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien sowie an die Kulturreferentin für Siebenbürgen am Siebenbürgischen Museum Gundelsheim.

Der dreitägige Festreigen hatte mit einem Festkonzert der Extraklasse am 11. September in St. Antonius in Düsseldorf-Oberkassel begonnen. Der „Junge Konzertchor Düsseldorf e.V.“ brachte neben Werken von Leonard Bernstein mehrere Stücke rumänischer Komponisten, auch in rumänischer Sprache, zur Aufführung.Hildegard Bergel-Boettcher, Hans Bergel und ...Hildegard Bergel-Boettcher, Hans Bergel und Andrea Gatzke nach ihren Darbietungen in Schloss Jägerhof. Foto: Rainer Lehni Ehrengast am 12. September war Prinzessin Maria von Rumänien, die jüngste Tochter des verstorbenen rumänischen Königs Michael I., die die zeitweilige Heimat ihrer Vorfahren besuchte. Nach einem kleinen Empfang und einer Führung durch Schloss Benrath wurde im Düsseldorfer Rathaus Oberbürgermeister Thomas Geisel mit dem Nationalen Verdienstordnen im Rang eines Offiziers durch den rumänischen Botschafter Emil Hurezeanu ausgezeichnet. Geisel erhielt diese Auszeichnung durch den rumänischen Staatspräsidenten für seine Verdienste in der Förderung der rumänischen Sprache und Kultur. Düsseldorf prüft derzeit auch die Möglichkeit einer Städtepartnerschaft mit der rumänischen Stadt Jassy/Iaşi in der Moldau. Der Tag wurde mit einem Festakt im Schloss Jägerhof abgeschlossen. Auch hier wurden in den verschiedenen Ansprachen die Verbindungen Düsseldorfs zu Rumänien und insbesondere zu seinem Königshaus gewürdigt. Den niveauvollen musikalischen Rahmen bot das Temeswarer Streichquartett „Incanto“. Zudem konnte im Schloss Jägerhof eine Auswahl von Trachten des Nationalen Dorfmuseums „Dimitrie Gusti“ aus Bukarest bewundert werden. Generaldirektorin Paula Popoiu hatte für diese Festtage Exponate aus dem reichen Trachtenfundus des Museums mitgebracht, darunter auch mehrere siebenbürgisch-sächsische Trachten aus dem Nösnerland.

Die Programmreihe zum hundertjährigen Bestehen des modernen Rumänien hat, losgelöst vom derzeitigen Bukarester Politzirkus, rumänische und siebenbürgisch-sächsische Kultur der breiten Düsseldorfer Öffentlichkeit von ihrer besten Seite gezeigt.

Rainer Lehni

Schlagwörter: Rumänien, Düsseldorf, Programmreihe, deutsch-rumänische Beziehungen

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