14. Juli 2018

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Kreisgruppe Tuttlingen: Nachruf auf Hilda Brenndörfer

Hilda Brenndörfer ist am 16. Juni im Alter von 63 Jahren gestorben. Ihre Beisetzung fand am 22. Juni auf dem Friedhof in Immendingen statt unter großer Anteilnahme der Landsleute aus der Kreisgruppe Tuttlingen. Die von Pfarrerin Silke Bauer-Gerold gehaltene Trauerrede wird im Folgenden gekürzt wiedergegeben.
Kronstadt – Honigberg – Petersberg – Immendingen: An allen vier Orten läuten die Glocken. Sie läuten für Hilda Brenndörfer. Unerwartet und viel zu früh nehmen wir Abschied von unserem Gemeindemitglied Hilda Brenndörfer.

Hilda oder Hildachen Brenndörfer, geb. Thieser, erblickte am 11. Februar 1955 in Honigberg in Siebenbürgen das Licht der Welt. Sie wuchs in einer Familie mit einem Bruder heran. Martin Brenndörfer, genannt Tinny, lernte seine Ehefrau als Jugendlicher bei einer Party in Honigberg kennen. Er hat die Begegnung als Liebe auf den ersten Blick beschrieben. Beide waren kulturell aktiv. Sie war in einer Theatergruppe. Er war in einer Blaskapelle. Fünf Jahre nach der ersten Begegnung folgte 1977 die Hochzeit mit 350 Personen in Tracht. Die gebürtige Honigbergerin und der gebürtige Kronstädter gründeten die gemeinsame Familie in Petersberg. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: Martin und Rainer. Sie haben mir die Familienjahre als Zeit beschrieben, die für Hilda Brenndörfer nicht immer einfach war, da sie neben den Kindern auch arbeiten musste. Sie haben mir Ihre Frau als Familienmenschen beschrieben, der sehr gesorgt hat und Freundschaften gepflegt hat. Die Gemeinschaft in Siebenbürgen hat zusammengehalten. Daher hat ihre Landsmannschaft dort überlebt. Für die Gemeinschaft war auch der sonntägliche Kirchgang in der alten Heimat Teil der Tradition. Hilda Brenndörfer zu Ostern 2018 in Kronstadt. ...Hilda Brenndörfer zu Ostern 2018 in Kronstadt. Foto: Martin Brenndörfer 1990 verließ das Ehepaar mit zwei Kindern und zwei Koffern die Heimat in Siebenbürgen. Nach verschiedensten Aufenthalten in etlichen Übergangswohnheimen ergab sich für die Familie so etwas wie ein 6er im Lotto: Der Ehegatte Martin Brenndörfer bekam Arbeit auf dem Bauhof in Immendingen mit der Auflage, auf dem Bauhofgelände in der Dienstwohnung zu wohnen. Arbeit und Wohnung auf einen Streich. Für Ihre Familie war das perfekt. Hilda Brenndörfer war schon in Siebenbürgen computerbegeistert. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie als EDV-Sachbearbeiterin in Tuttlingen tätig war.

Ihre Familie lebt schon seit 28 Jahren in Deutschland. Dennoch ist Ihnen, Herr Brenndörfer, und Ihrer Frau die Verbindung zur alten Heimat wichtig. Deswegen sind Sie auch jedes Jahr hingereist. Und weil Ihnen die alte Heimat viel bedeutet, sind Sie beide sehr aktiv in der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, in der Kreisgruppe Tuttlingen. Sie als Vorsitzender, ihre Frau als Schriftführerin, von der es in der Siebenbürgischen Zeitung viele Artikel gab. Hilda Brenndörfer wurde 2017 mit der goldenen Ehrennadel der Landsmannschaft ausgezeichnet. Die Arbeit für die Landsmannschaft hat das Ehepaar miteinander verbunden. Sie haben mir erzählt, wie sie Bälle organisiert haben, wie Sie die Siebenbürger Tanzgruppe in Tuttlingen gegründet haben, dass Sie beim Folklore-Festival in Sao Paulo in Brasilien 2006 die deutsche Fahne getragen haben. Auch vom großen Sachsentreffen 2011 in Kronstadt in der Schwarzen Kirche haben Sie mir erzählt. Sie haben noch Verbindung zu Freunden aus Kindergartentagen und in Ihrem Garten, Ihrem Blumenparadies, das Ihre Frau geschaffen hat, bis zu 50 Leute bewirtet, auch mit Krautwickeln beim Freizeitwochenende mit den Vertretern der HOG Regionalgruppe Burzenland im Juli 2004. Und noch etwas, hat die beiden Eheleute ausgemacht und miteinander verbunden. Sie haben die ganze Welt bereist. Jeden Kontinent haben sie besucht. Die Reisefreiheit haben sie an Deutschland zu schätzen gewusst.

Die Rubinhochzeit – 40 Jahre 1977-2017 Hilda und Tinny – wurde groß gefeiert mit vier anderen Ehepaaren im Böhmerwald. Nicht jedem ist es vergönnt, ein so hohes Ehejubiläum so besonders zu begehen.

Der Ehegatte ist seit einem guten halben Jahr im Ruhestand. Die Ehegattin seit drei Monaten. Es hätte ein neuer Lebensabschnitt anfangen können, zumal ein Enkel im Anflug ist. Doch es kam anders. Vor sechs Jahren hatte Hilda Brenndörfer einen Unfall. Sie ist gestürzt und hat sich eine schwere Verletzung zugezogen. Vor vier Jahren verlor sie Sohn Rainer unerwartet 30-jährig, was für sie als Mutter sehr schwer war und bis zum Schluss schwer blieb. Im Mai dieses Jahres fiel sie wieder und zog sich wieder eine schwere Verletzung zu. Zuversichtlich ging sie nach Bethel/Trossingen in die Reha. Die Familie war guter Dinge, dass es nun Millimeter für Millimeter aufwärts gehe. Auch wenn sie es nicht leicht hatte in ihren letzten Tagen, kam ihr Tod am 16. Juni doch unerwartet und plötzlich. So trat die 63-jährige ihre letzte Reise an, die sie auch vollendete. Ihre vorletzte Reise ging in den Osterferien in die alte Heimat – eine Reise, die ihr guttat. In der alten Heimat wurde Hilda Brenndörfer anlässlich ihrer Konfirmation ein Wort aus dem 1. Johannesbrief (1. Johannes 4,16b) mit auf den Weg gegeben: „Gott ist die Liebe. Und wer an Gott glaubt, glaubt auch an die Liebe.“ Gib den Hinterbliebenen Mut und Kraft, den neuen Lebensabschnitt gut zu gestalten und aus ihm das Beste zu machen.

Silke Bauer-Gerold

Schlagwörter: Verbandsleben, Nachruf, Tuttlingen, Honigberg, Burzenland

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