9. Januar 2023

40 Siebenbürger Sachsen bringen die "Wusch" nach Bietigheim-Bissingen

Am 19. November 2022 fand in der Aurainhalle in Bietigheim der traditionelle kulturelle Nachmittag der Kreisgruppe Bietigheim-Bissingen statt. Es war die erste große Veranstaltung in einem Saal nach der Corona-Pandemie. Dem Aufruf, „Die Wusch“ nach Bietigheim zu bringen, folgten Paare und Familien aus München, Augsburg, Herzogenaurach, Reutlingen, Heilbronn, Asperg und Waidhofen. Aus der Theatergruppe Bietigheim-Bissingen wurden die anderen Rollen besetzt.
Die Theatergruppe in Bietigheim, von links nach ...
Die Theatergruppe in Bietigheim, von links nach rechts: Gerlinde Retter, Erika Ciopei, Ricarda Sill, Erna Gösch, Richard Löw, Christa Jasch, Kirstin Schneider, Hermann Ongert, Hannelore Jasch, Lara Schneider, Michael Retter, Hiltrud Theiss, Ottilie Wellmann, Johann Müller, Annemarie Kremer, Hans-Otto Stein, Susanna Becker, Gudrun Wagner, Emmi und Heinz Mieskes, Horst und Ingrid Ongert, Gustav Sauer, Hermine Schenker, Andrea Kulin, Dagmar Baatz, Sunhild Sauer; vorne: Thomas Schneider, Lennard Sill, Tim Schneider, Heinz Oczko-Theiss, Erhard Wellmann. Nicht im Bild: Dieter Schmidt und die Musikanten Horst Prudner, Hans Bachstädter, Hans Kaufmann. Foto Rudolf Girst
Dazu gesellte sich passend zur Handlung der „Singkreis Kampestweinkel“ mit Liedern aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts. Doris Hutter, die dieses Stück in Szene gesetzt hatte, konnte an diesem Tag nicht dabei sein, half uns jedoch, aus dem ursprünglichen 3. und 4. Akt eine neue Version für unsere Besetzung umzuschreiben. Wir brachten es zu einer stattlichen Theaterbesetzung von 40 Personen. In Bietigheim-Bissingen wird seit 1988 Theater gespielt, eine so große Besetzung gab es jedoch noch nie. Auch konnte nicht zusammen geprobt werden, was sonst üblich ist. Jeder musste seine Rolle zu Hause im stillen Kämmerlein lernen.

Am Morgen des 19. November traf man sich zum ersten und einzigen Mal zu einer Generalprobe in dieser Halle. Die angereisten Gäste wurden mit Kaffee, Brezeln und Hefezopf empfangen. Die Bühne wurde dekoriert, die Technik eingestellt und los ging es mit der Probe. Die Schauspieler lernten sich kennen, fanden in ihre Rollen, die Szenen wurden lebendig, alle gaben sich große Mühe beim Spielen; schließlich war in Bietigheim doch manches anders als in Dinkelsbühl an Pfingsten oder in Hundertbücheln, Holzmengen und Agnetheln in der alten Heimat, wo das Stück bereits aufgeführt worden war. Es funktionierte nur, weil alle Beteiligten gern dabei waren und Spaß an dieser Aufführung hatten.

In der Mittagspause gab es ein gemeinsames Essen, ein gutes Gulasch, das Richard Löw für alle gekocht hatte. So gestärkt, ging es in die zweite Probe.

Um 15.00 Uhr war Saalöffnung. Es gab selbst gebackene Kuchen und Kaffee. Der Saal wurde immer voller, es mussten zusätzliche Tische und Stühle aufgestellt werden. Andrea Kulin, Vorsitzende der Kreisgruppe Bietigheim-Bissingen, begrüßte die Anwesenden und bedankte sich bei den angereisten Gästen, den Organisatoren, den Kuchenspendern, den fleißigen Helfern in der Küche und an der Bar. Anschließend stellte Emmi Mieskes (Organisation und Regie) die Schauspieler vor und gab einen kurzen Einblick in das Geschehen des Theaterstückes.

Dann ging es los. Das aufmerksame Publikum folgte den wahren Begebenheiten und legendären Geschichten aus den Orten Agnetheln, Braller, Großau, Großscheuern, Holzmengen, Hundertbücheln, Jakobsdorf, Mergeln, Neithausen, Neppendorf und Schönberg. Jede und jeder sprach in seinem eigenen sächsischen Dialekt, so wie es im Ort üblich war. Das ist nicht immer einfach zu verstehen, macht jedoch sichtbar, wie vielfältig unsere Mundart war und ist. Theaterspieler und Publikum wuchsen zusammen und hatten viel Freude an den liebenswerten und lustigen Geschichten aus der siebenbürgisch-sächsischen Provinz im Harbachtal. Die E-Mails, die anschließend von den Theaterspielern kamen, sprechen für sich und geben das Erlebte wieder.

Gudrun Wagner: „Wir hatten gestern einen wunderschönen Tag in echt siebenbürgischem Gemeinschaftsgefühl! Was sind wir doch für eine tolle Truppe!! Wie schön, dass sich die ,Eingesprungenen‘ so nahtlos eingepasst haben! Super, liebe Emmi, dass du die Idee hattest, die Plattform geboten hast, unsere Spiellust vielen Menschen zu zeigen, weiterzugeben. Ein DANKESCHÖN an alle, die zum Gelingen, zu der guten Erfahrung beigetragen haben – mit guter Laune, mit motivierter (manchmal spontan improvisierter) Bühnenpräsenz, mit köstlicher kulinarischer Bewirtung, mit großzügigem Spritgeld, mit Musik und erfreulichen Begegnungen! All das gibt Kraft zum Weitergehen!“

Michael Retter: „Es ist eine andere Version der Wusch. Im Gespräch schon in Bietigheim konnten wir feststellen, dass jedes Mal bei jeder Vorstellung zum Teil andere Schauspieler in unserer Mitte dabei waren. Jede Vorstellung ein Unikat. Dieses Mal war vielleicht auch alles viel lockerer oder auch schon Routine.“ Thomas Schneider: „Eine großartige GEMEINSCHAFT und FREUNDSCHAFT ist entstanden, die wir bitte bewahren sollten.“

Heinz Oczko-Theiss: „Hallo ihr neuen und alten Freunde, wollte dem vorher Gesagten nur voll beistimmen und dazu nochmal den Bühnengestaltern und Tontechnikern für ihre tolle Arbeit danken. Macht es gut, liebe Theatergemeinschaft.“

Vielen Dank, kann ich da nur sagen, es war die Leistung jedes Einzelnen, die den Erfolg ermöglicht hat! Parallel zur Theateraufführung wurden RollUps der Gemeinden Agnetheln, Braller, Großau, Holzmengen, Hundertbücheln, Neithausen und Schönberg aufgestellt. Sie zeigten die Landschaft, in die die Ortschaften eingebettet sind, die unterschiedlichen Wehrkirchenburgen, die Innenräume der Kirchen mit ihren Altären, Orgeln, Kanzeln, Taufbecken, Fahnen usw. sowie die alten Schulgebäude und Pfarrhäuser. Ergänzend waren aus Braller und Großau Beispiele der Vielfalt siebenbürgischer Trachten dargestellt: eine Bildreise durchs Harbachtal.

Es folgte der gemütliche Teil des Abends. Die siebenbürgische Bratwurst mit Sauerkraut duftete aus der Küche und schmeckte hervorragend. Zu den Klängen des „Duo Magic“ wurde bis Mitternacht getanzt. Es war schön, die frohen Gesichter der Anwesenden zu sehen, das gesellige Miteinander. Die allgegenwärtige gute Stimmung zeigte, dass alle diese gelungene Veranstaltung genossen!

Emmi Mieskes

Schlagwörter: Theater, Wusch, Bietigheim-Bissingen

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Neueste Kommentare

  • 10.01.2023, 02:43 Uhr von Doris Hutter: Ihr seid großartig!!! Danke für euren Einsatz, der neben dem Spaß und gemeinsamen Feiern auch das ... [weiter]

Artikel wurde 1 mal kommentiert.

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